Was willst du: Liebe oder Liebe?

Vor kurzem wurde die Geschichte einer Frau bekannt, die scheinbar ihr halbes Leben damit verbrachte, ihren sterbenskranken Mann zu pflegen. Hoffnungsvoll hat sie sich auf die Ehe zu ihm eingelassen ohne einen Gedanken daran zu verschwenden, dass die Idylle bald ein jähes Ende finden könnte. Ihr Mann fiel ins Wachkoma und sollte 20 Jahre lang nicht mehr aufwachen.
Was macht man als hübsche junge Frau, wenn das Eheversprechen einem jede Hoffnung auf eine erfüllte Liebe nimmt? Schließlich hat sie versprochen: In guten wie in schlechten Zeiten.
Ihr Mann, der Pole Jan Grzebski lag zwei Jahrzehnte gelähmt im Wachkoma. Mittlerweile ging seine Geschichte als Sensation durch die Presse, denn die Ärtze hielten es für unmöglich, dass er plötzlich wieder fit werden sollte. Doch es ist passiert. Seine Frau Gertruda hat ihm die ganze Zeit hindurch die Treue gehalten. Was für ein Verzicht. Was für eine große Liebe. Nun wird sie belohnt mit einer Beziehung zu ihm, deren Tiefe und Innigkeit wir uns schwer vorstellen können.

Viele Mädchen und Jungen suchen nach der großen Liebe. Die meisten wollen erstmal ein bischen ausprobieren, aber wenn sie erst den oder die Richtige gefunden haben, wollen sie dann doch heiraten. Romantisch trägt der Bräutigam seine Angebetete über die Kirchenschwelle und dann fahren sie gemeinsam in die rosige Zukunft.
Geschichten wie die von Gertruda und Jan schrecken aber eher ab. Ist Heiraten wirklich noch das richtige, wenn man sich dabei an den Partner dermaßen bedingungslos bindet? Denn unserer Vorstellung nach befriedigt Liebe in erster Linie die eigenen Bedürfnisse. Wir reden zwar oft von ewiger Liebe und viele haben ihrem Liebsten schon ein "für immer" ins Ohr geflüstert, aber das hält meist nicht besonders lange an. Sobald man sich an den Partner gewöhnt hat, hätte man doch gerne eine Art Rückgabegarantie...im Falle eines Falles.
Unser Individualismus jagt uns gehörige Angst ein, uns wirklich an einen Partner zu binden. Die CSU-Polikiterin Pauli schlug schon vor, die Ehe auf sieben Jahre zu befristen. Danach hat man das Recht, einfach auseinanderzugehen, als ob nie etwas gewesen wäre. Ganz zu schweigen davon, was mit den Kindern passiert, übersieht man dabei, dass wahre Liebe etwas völlig anderes ist. Die wahre Liebe hat ihren besonderen Wert ja gerade darin, dass sie sich bedingungs- und zeitlos dem Geliebten schenkt. Sonst wäre sie nur ein Liebkosungs-Handel, der solange die Liebe gibt, wie er sie auch bekommt.
Wir sagen: "Zu einer Beziehung gehören immer zwei." und benutzen das als Entschuldigung unsere eigenen Wege einzuschlagen, sobald sich Probleme ergeben. Liebe ist etwas völlig anderes. Jeder hat das Recht, eigene Wege zu gehen und "schlusszumachen", aber er verpasst dabei das schönste. Er verpasst, wie tief Liebe gehen kann. Er verpasst das große Vertrauen, welches nur zwischen zwei Menschen wachsen kann, die sich tatsächlich lieben. Vertrauen, das sich sicher ist, nie verlassen zu werden. Vertrauen, das bis in den Tod geht. Nur wenn sich zwei Menschen dieses Versprechen geben, gibt es eine Grundlage, auf der man sich wirklich öffnen kann. Auf der der Partner in unseren tiefsten Schatz Einblick nehmen darf: Die Tiefen unserer Seele, unsere verborgensten Sehnsüchte, unsere niedrigsten Motivationen.
In den meisten Freundschaften vertrauen wir uns nur teilweise dem anderen an. Und je mehr Partnerschaften jemand schon hinter sich hat, desto schwerer fällt es ihm, sich zu öffnen und sich wirklich anzuvertrauen. Der Schatz unseres Innenlebens ist kostbar und man sollte vorsichtig darauf achten, wem man sich öffnet. Denn wo findet sich ein Mensch, dem man vertrauen könnte? Wie Grashalme im Wind pendeln wir zwischen den beiden Extremen: Entweder stürzen wir uns leidenschaftlich in eine Liebesbeziehung mit Garantie auf tiefe seelische Verletzung. Oder wir schließen uns in der eigenen Seele ein und offenbaren uns einfach nicht mehr, wobei uns von vornherein jede Liebe und tiefe Liebkosung entgeht. Wer es trotzdem noch wagt, dem anderen komplett zu vertrauen, dass er zu einem hält, egal welche Schicksalsschläge drohen und welche Jahre ins Land ziehen, versteht den Unterschied zwischen Liebe und Liebe. Die eine gibt und die andere gibt so lange, wie sie bekommt.

Wir stellen heute die grundlegend falsche Frage: "Wenn mein Partner jeden Reiz verliert, wenn ich mich an seinen Charme gewöhnt habe, wenn sein Körper verwelkt...darf ich mich denn dann nicht auf die Suche nach jemand anderen machen?".
Ganz anders ist der Gedanke: "Wenn ich meine Reize verliere, wenn sich mein Partner an meinen Charme gewöhnt, wenn mein Körper verwelkt...werde ich dann noch geliebt?". Und an dieser Stelle tun sich große Schwierigkeiten auf. Wie kann ich denn sichergehen, dass ich nicht immer nur geben, sondern auch einmal nehmen kann?
Gar nicht. Denn wahre Liebe fragt überhaupt nicht danach, sondern gibt sich hin und schenkt sich dem anderen. Ohne Begrenzung, ohne Zeitlimit.
Wem das schwierig vorkommt, der ist nicht allein. Ein jüdischer Rabbi bemerkte einmal sehr lebensklug: "Keine menschliche Liebe ist ohne Selbstsucht und Eitelkeit. Sie fordert immer Lohn oder Anerkennung."
Wer nicht nur rumspielt, sondern einmal wirklich versucht zu lieben, wird ihm zustimmen. Unsere Herzensehnsucht - wahre Liebe - ist etwas anderes.

Sie ist nichts, was man nebenbei macht. Was hier kommt und dort geht. Was man mal schnell ausprobieren könnte. Wahre Liebe ist so ungeheurlich, man könnte fast Angst davor bekommen. Aber ohne sich darauf einzulassen, verpasst man das Schönste.
Wer liebt, riskiert zu viel. Wer liebt, öffnet sich für Verletzungen. Denn welchem Menschen könnte man sich wirklich völlig hingeben? Wer wird einen nicht enttäuschen? Oder besser gefragt: Würdest du nicht enttäuschen? Oder noch besser: Hast du nicht etwa schon enttäuscht?

Unsere Liebe ist billig. Wir bieten sie zum Schleuderpreis an.
Man kann den Ausverkauf an jeder Ecke beobachten: Ein an sich schönes Zeichen der Liebkosung und Zuneigung ist das Umarmen. Überall umarmt man sich. Zu jeder Begrüßung. Allerdings ahnt man schon in dem Moment, der die Arme noch um den anderen gelegt zeigt, dass die Umarmung nichts bedeutet. Dass die Liebkosung leer ist. Dass sie nur eine gähnend leere Hülle ist, die Vertrautheit vortäuschen will. Eine symbolische Handlung, die ohne verbindliche Wirkung bleibt. So verlieren unsere Liebesbeweise ihren Wert.

Verzweifelt könnte man fragen:
Wo ist sie denn dann zu finden? Wessen Liebe ist echt?
Näher an die Antwort kommst du heran, wenn du deinen Freundeskreis nach einem Mensch absuchst, der für dich in die Bresche springen würde. Jemand, der deine Strafe auf seine Kappe nimmt. Jemand, der deine Feinde auf sich zieht. Jemand, der deine offene Rechnung bezahlen würde. Und der all das obendrein auch noch stillschweigend macht, denn es geht im nicht darum, als dein heldenhafter Retter dazustehen. Es geht im einzig darum, dass es dir gut geht. Er würde es auch tun, wenn du überhaupt nichts davon mitbekommst. Dafür nimmt er alles in Kauf. Dafür opfert er sich. Dafür gibt er sich auf. Würde dein Freund diesen Test bestehen?
Dir entgeht etwas, wenn du dich mit weniger zufrieden gibst.
Wenn du einen Menschen hast, der dich so liebt, solltest du vor Freude weinen.
Wenn du ihn nicht hast, solltest du noch viel mehr weinen.

Solche Gedanken zeichnen eine vage Ahnung von Liebe - wer sie dagegen in Reinform kennenlernen will, muss auf den sehen, der gesagt hat: Liebe deine Feinde. (Matthäus 5,44) und Liebe deinen Nächsten wie dich selbst. (Matthäus 19,19). Jesus Christus hat sehr viel über Liebe geredet, aber erst wer sein Leben betrachtet, versteht, warum sich so viele seiner Liebe anvertrauen.

Man kann die Begebenheit gar nicht in ihrer ganzen Tragweite erfassen, aber folgendes ist vor 2000 Jahren passiert: Dein Schöpfer, dessen Gedanken so weit über unseren sind und dessen Blick so viel tiefer in die Herzen geht, hat alles aufgegeben und sich völlig erniedrigt.

Gott, der in unseren komplizierten Problemchen und verwirrenden Lebens- und Liebesfragen den Überblick hat, der gab alles auf und kam in diese verlorene leidende Welt und leidete mit.
Wärmstens zu empfehlen ist, die ganze Liebesgeschichte im Neuen Testament nachzulesen. Hier nur ein kleiner Auszug als Aperitif:

Feinde hatte er ohnehin genug, aber sogar seine nähesten Freunde entpuppten sich im Moment größter Not als sehr unsensibel. Sogar noch kurz vor seiner Festnahme. Als sie zum letzten mal miteinander aßen, vertraute er ihnen an, dass er den nächsten Tag nicht überleben wird. Doch anstatt schockiert zu sein oder bei so einer bestürzenden Aussage innezuhalten und nocheinmal tiefer nachzufragen, überhörten sie es fast. Sie wälzten anderes in ihrem Herz: Jeder wollte den lauteren Spruch ablassen. "Hört mir zu, was ich dazu noch weiß.". "Bewundert mich, wie ich Jesus heldenhaft den Rücken stärken werde." übertönte sich ihr Stolz gegenseitig. Das sind Stiche ins Herz für Jesus. Sobald es wirklich ernst wird, sobald es darauf ankommt, blicken seine engsten Freunde doch nur auf sich. Noch schlimmer, sie übersehen seine Not einfach. Er hat als einziger realisiert, dass er die Woche nicht überleben wird, obwohl er es ihnen mehrmals vorhergesagt hat. Bei ihrem stolzen lauten Gerede schwieg er. Er hat sie noch nicht einmal kritisiert. Was kann man denn von einer so unsensiblen selbstverliebten Truppe erwarten? Was kann einen dazu bewegen, ihnen gleich zu werden und sich sogar für sie aufzuopfern? Verlangen nach Anerkennung? Werbung für Gegenliebe? Nein, denn Menschen wie du und ich werden über kurz oder lang unsere leidenschaftliche Liebe wieder auf uns selbst lenken und verlangen: Liebt mich. Gebt mir die Anerkennung. Hört auf mich.
Jesus kann nur eines dazu bringen, für seine Freunde zu sterben: Reine bedingungslose Liebe. Die wahre Liebe, die sich schenkt. Er riskierte es. Er hatte keine Aussicht auf Gegenliebe. Denn letzlich lieben sich die Menschen hauptsächlich selbst. Jesus wurde schließlich an ein Kreuz genagelt, an dem eigentlich du hättest hängen müssen. Er zeigte dir am Kreuz, wonach wir uns oft sehnen, aber zugeben müssen: Wir haben solche Liebe nicht. Umso unverständlicher und zugleich schöner ist: Er will uns diese Liebe schenken. Er starb dort für jeden, der sein Freund ist. Für jeden, der mit ihm gehen will. Das ist die Chance deines Lebens, denn du kannst suchen und weitersuchen, aber nirgenwo anders wirst du solche Liebe und solche Annahme finden. Sage "ja" zu ihm. Er hört dich überall. Sag ihm einfach alles, was in deinem Herzen ist. Alles, was dich belastet. Sage Jesus deine Sünden, er starb dafür. Lade ihn in dein Leben ein.