"Christlicher Terrorismus - wo soll der sein?" Matthias Matussek

Christlicher Terrorismus – wo soll der sein?

„Islam und Christentum wären da zweimal wahnhaft und grotesk missverstanden. Klingt verführerisch in einer säkularen Gesellschaft, ist aber trotzdem Quatsch. Noch einmal zum Mitschreiben: Breiviks Massenmord hatte nichts mit dem Christentum zu tun. Dessen Kernbotschaft ist die Liebe, auch die Feindesliebe. Breivik verachtete diese Liebe als Schwäche. Er setzt sich ausdrücklich von ihr ab.

Dagegen: Die Anschläge von Mohammed Atta und Osama Bin Laden und die Tausenden Selbstmordattentate von Agitierten und „radikalen Verlierern“ (Enzensberger) und Depravierten in ihrem Hass auf den dekadenten und ungläubigen Westen konnten sich durchaus auf Koranstellen zum Dschihad stützen. Sich berufen sich ausdrücklich auf ihn, lassen sich von ihm inspirieren und rechtfertigen.

Christlicher Terrorismus? Wo soll der derzeit sein? Mir ist nicht bekannt, dass in der Präsentation des letzten Verfassungsschutzberichts durch den Innenminister die Gefahr durch christliche Terrorgruppen hervorgehoben worden wäre – wohl aber die durch islamische.

Christliches Morden? Mir ist nicht bekannt, dass Christen Jagd auf islamische Ordensleute oder Muftis machen würden oder islamische Politiker ermorden würden – das geht doch eher in die umgekehrte Richtung, in Pakistan, im Sudan, in Nigeria, in Ländern oder Landstrichen also, wo die islamische Mehrheit keine andere Religion neben sich duldet, und mit Multikulti nun überhaupt nichts am Hut hat.

Nein, Breivik war kein christlicher Tempelritter. Er hat sich nur mit deren Schürze dekoriert. Er war auch kein Christ. Er hat sich dessen Vokabular übergestülpt wie in einem monströsen Horrorfilm. Er hat die Kindlein zu sich gewinkt, nicht um ihnen das Himmelreich zu versprechen, sondern um sie zu töten wie Schlachtopfer in einem dunklen hysterischen Privatkult.“

Quelle: Spiegel-Online 07.08.2011


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