Raketen auf Syrien. Was soll das?

Nun haben die Staatschefs von Frankreich, England und den USA wieder einmal gezeigt, über welche tollen Waffen sie verfügen. Irgendwie stellt sich bei dem heutigen Raketenangriff auf Syrien aber auch die Frage: Wozu soll das Ganze eigentlich gut sein? In Syrien hilft diese Aktion wohl niemandem wirklich weiter.

Die Frage ob und vor allem von wem Chemiewaffen eingesetzt wurden, lässt sich zwar mit großer Wahrscheinlichkeit beantworten. Aber selbst wenn sie wirklich von Präsident Assad eingesetzt wurden, verbessert sich durch den jüngsten Militärschlag für die normalen Syrer erst einmal nichts. Höchstens wird die politische Lage zusätzlich destabilisiert.
Offen bleibt jetzt auch die Frage: Warum können tausende von Menschen mit konventionellen Waffen verstümmelt und getötet werden ohne, dass die moralischen Weltpolizisten zur Tat schreiten? Sind die so ermordeten Menschen etwa weniger wert?

Die Opfer dieses Bombardements sind in erster Linie nicht die Verantwortlichen des mutmaßlichen Chemiewaffeneinsatzes. Ganz sicher werden die amerikanischen Raketen bei der syrischen Bevölkerung kaum für Sympathien gegenüber Europäern und Amerikanern geführt haben. Weit eher hat das Militär hier wohl den arabischen Verschwörungstheoretikern Nahrung gegeben, die schon seit Jahren verbreiten, der Bürgerkrieg in Syrien sei in erster Linie das Werk westlicher Geheimdienste und nicht so sehr muslimischer Extremisten.

Fast drängt sich jetzt der Eindruck auf, Amerikaner, Engländer und Franzosen haben hier einen schnellen außenpolitischen Erfolg feiern wollen, ohne zu viel Verantwortung in Syrien zu übernehmen und ohne eigene Opfer fürchten zu müssen. Außerdem können sie auf diese Weise bequem von eigenen innenpolitischen Problemen ablenken. Vor der eigenen Bevölkerung stehen die verantwortlichen Regierungschefs als starke Männer da, die sich mutig im Kampf gegen internationale Ungerechtigkeit engagieren.

Christen beten für Frieden in Syrien, insbesondere für die zwischenzeitlich von allen Parteien bedrängten syrischen Christen. Ganz gleich wie der Krieg schlussendlich ausgeht, die syrischen Christen gehören in jedem Fall zu den Verlierern. Die meisten von ihnen haben ihr Eigentum verloren, viele auch ihr Leben oder das Leben ihrer Verwandten. Hunderttausende mussten das Land unter dem Druck der verschiedenen islamischen Extremisten verlassen.

 Michael Kotsch

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