Die Gefahr Gott zu fragen: „Warum ich?“

Als ich Krebs bekam, musste ich mir die Frage stellen: “Gott, warum Ich?” Natürlich.

Später, als ich geheilt war und andere an Krebs starben, musste ich sie mir komischweise wieder stellen: “Warum Ich? Warum wurde ich gerettet?”

Leid scheint zufällig zu sein, und unberechenbar. Es stellt uns an die Grenze unserer Existenz und wirft Fragen auf. Etwa wie “Warum ich? Warum nicht jemand anderes?”

Leid scheint auch völlig losgelöst von jeglicher Logik, Rationalismus oder Absicht. Tornados, Naturgewalten, Erdbeben, sie alle wählen nicht, sondern treffen nur zufällig. Das jüngst geschehene Aurora-Shooting, in dem ein Besessener Menschen tötete und andere nicht, zeigt das wieder. 

Doch dürfen wir die Frage stellen: Warum musste so etwas passieren? Oft hören wir folgende vier Antworten, die alle falsch oder zumindest wenig adäquate Lösungen bieten:

1. Die erste Antwort ist: “Ich denke das beweist, dass es keinen Gott gibt.” Doch das Problem mit dieser Denkweise ist, dass das Problem von sinnlosem Leiden nicht weggeht, wenn du den Glauben an Gott verdammst. 

Martin Luther King schrieb aus dem Gefängnis in Birmingham: “Wieso sollte das Problem von sinnlosem Leiden gelöst sein, wenn wir Gott einfach die Existenz absprechen? Leiden ist Teil dieser Welt, und so können wir ohne Gott nicht einmal beurteilen, ob es nun sinnlos ist oder nicht. Der Starke isst den Schwachen, welches Problem hast du dann noch mit dem sinnlosen Leid?”

Friedrich Nietzsche, der große Nihilist, zeigte beispielhaft, wie das aussieht. Er schrieb einem Freund im Jahr 1883, nachdem die Insel Java von einem katastrophalen Erdbeben heimgesucht wurde: “Zwei-Hundert-Tausend auf einen Schlag ausgelöscht – wie herrlich das klingt!” 

Weil es keinen Gott gäbe, so sagte Nietzsche im Anschluss, sei alles Urteilsvermögen nur noch beliebig. Alle Definitionen der Gerechtigkeit seien nur noch Auswüchse deiner Kultur oder deines Temperaments.

So unterschiedlich Nietzsche und King waren, so gleich ist doch ihr Urteil: Wenn es keinen Gott gibt, dann ist Gewalt vollkommen normal und natürlich.

In diesem Fall ist es völlig egal, was du über die Existenz Gottes denkst, das Problem von sinnlosem Leid können wir dadurch nicht klären. 

2. Die zweite Antwort ist: “Wenn da doch ein Gott wäre, dann ist er wohl nicht in voller Kontrolle von dem, was er geschaffen hat. Er könnte es doch viel an dem Leid ändern.”

Aber diese Art von Gott passt nicht so wirklich in unsere Definition von “Gott.” Deswegen hilft uns diese Denkweise ebenso wenig wie die vorherige in Bezug auf Leiden.

3. Die dritte Antwort zu den schlimmsten Leiden – zum Beispiel sinnloser Tod eines Freundes – ist: “Gott rettet ein paar Menschen und andere sterben, weil er gute Menschen bevorzugt und belohnt.

Die Bibel weist den Vorwurf an Gott konsequent zurück, dass Menschen, die mehr leiden als andere, schlechtere sind als diejenigen, die von Leiden verschont bleiben.

Das war die selbstgerechte Prämisse der Freunde von Hiob in dem großartigen Buch aus dem Alten Testament. Sie saßen um Hiob herum, der einem Leiden nach dem anderen erfahren musste, und sagten: “Der Grund, warum das alles dir geschieht und nicht uns ist, weil wir gut und richtig leben und du nicht.”

Am Ende dieses Buches drückt Gott seinen ganzen Zorn gegen diese miserablen Ratgeber Hiobs aus. “Diese Welt ist gefallen und tief zerbrochen, um in den Gedanken zu verfallen, dass gute Menschen ein gutes Leben und schlechte Menschen ein schlechtes Leben haben.”

4. Die vierte Antwort auf Leiden in das Gesicht eines allmächtigen Gottes ist, dass Gott weiß, was er tut, also sei leise und vertrau ihm.

Das is teilweise richtig, aber unpassend. Es ist inadäquat, weil es kalt ist und weil die Bibel uns mehr mitgibt, um dem Terror des Lebens zu begegnen.

Gott hat diese Erde nicht geschaffen mit Tod und all dem Bösen. Das ist das Resultat der Menschheit, die sich von ihm abgewandt hat. Wir wurden in diese Welt gesetzt, um völlig und ganz für ihn zu leben, und als wir begannen für uns selbst zu leben, da begann alles in unserer erschaffenen Realität auseinander zu fallen, physisch, sozial und geistlich. Alles wurde eine Angelegenheit des Verfalls.

Aber Gott hat uns nicht fallen gelassen. Nur das Christentum im Gegensatz zu allen anderen Weltreligionen lehrt, dass Gott in Jesus Christus auf diese Erde kam und selbst ein Subjekt des Leidens und des Todes selbst wurde, sterbend am Kreuz um unsere Schuld zu tragen, sodass er irgendwann auf diese Erde zurückkehren kann und alles Leiden wegnehmen wird.

Weißt du was das bedeutet? Wir wissen nicht, warum Gott es dem Bösen und Leiden erlaubt, weiter zu bestehen, oder warum es sich so willkürlich anfühlt, aber wenigstens wissen wir dann, was der Grund NICHT sein kann für das Leiden. 

Es kann nicht sein, dass er uns nicht liebt. Es kann auch nicht sein, dass er sich nicht um uns sorgt. Er ist so bemüht um unser ultimatives Glück, dass er eintauchte in die tiefsten Leiden – er selbst. 

Nun könnte jemand sagen: “Aber das ist nur die halbe Antwort auf die Frage “Warum?” Ja, das stimmt. Aber es ist genau die Hälfte, die wir brauchen. Wenn Gott alles mitteilen würde, warum was in dieser Welt geschieht, dann wäre das für unsere begrenzten Gehirne viel zu viel.

Was wir wirklich brauchen ist das, was kleine Kinder auch brauchen. Sie können meistens nicht verstehen, was ihre Eltern ihnen erlauben oder nicht erlauben. Aber was sie wirklich wissen müssen ist, dass ihre Eltern sie lieben und dass sie ihnen vertrauen können. Wir müssen das Gleiche über Gott wissen.

 religion.blogs.cnn.com/20…ger-of-asking-god-why-me/

Kommentare

  1. ali

    Jedes Gesetz hat einen Gesetzgeber – ohne Gesetzgeber gibt es kein Gesetz. Wer kann Gesetzgeber der Moral sein wenn nicht ein moralisch vollkommenes Wesen, also Gott?
    „Dass die Gottesbeweise samt und sonders strittig sind, bedeutet nicht viel. Würde von Beweisen innerhalb der Mathematik eine radikale
    Entscheidung über die Orientierung unseres Lebens abhängen, wären auch diese Beweise strittig.“ Robert Spaemann
    Die Kontroverse um die Gottesbeweise könnte also auch daran liegen, dass viel auf dem Spiel steht.
    Swinburne sagt: Das kommt darauf an, ob das Auftreten des Kosmos zu
    erwarten wäre, wenn es Gott gibt. Und da meint er: Es ist zwar nicht sehr wahrscheinlich, dass Gott, wenn es ihn gibt, ein solches Universum schafft; ab er es ist doch durchaus denkbar, es würde im Prinzip zu Gott passen. Umgekehrt, nehmen wir die Hypothese „Es gibt keinen Gott“. Wenn es keinen Gott gibt, ist dann unser Universum zu erwarten? Ist zu erwart
    en, dass es so etwas wie unser Universum gibt, wenn es keinen Gott gibt? Swinburne meint: Das ist sicherlich kaum zu erwarten – jedenfalls weniger zu erwarten als unter der Hypothese eines Gottes. Es ist vielleicht nicht sehr wahrscheinlich, dass Gott eine Welt schafft; aber es ist sicher noch unwahrscheinlicher, dass das Nichts eine Welt schafft bzw. dass
    die Welt einfach so da ist, unerklärt und unerklärlich.
    Folglich ist das kosmologische Argument ein gutes induktives Argument für die Existenz Gottes. Ein Beispiel dafür, warum mein Gott kein willkürlich erfundener Gott, sondern der theistische Gott ist: Ich komme morgen Abend in München nach Hause und sehe, dass mein Fenster geöffnet und
    eingeschlagen ist; in meinem Wohnzimmer sind die Schränke aufgebrochen, meine Papiere liegen unsortiert auf dem Boden, meine Brieftasche ist nicht mehr, wo sie war. Wie soll ich mir das erklären?
    Es gibt unendlich viele mögliche Hypothesen. Z.B.: Mein Vermieter, der über mir wohnt, hatte Probleme mit der Heizungsrechnung. Er hat sich (da
    er sehr gutmütig ist), gefragt, ob ich die gleichen Probleme habe, und hat bei mir nachfragen wollen. Ich war aber nicht da. Da hat er selbst
    aufgeschlossen, ist reingegangen und hat, um die Sache schnell zu klären, in meinem Schrank nach meinen Heizungsrechnungen gesucht. Er hat sie dabei, um erst einmal die Stapel durchzuschauen, auf dem Boden verteilt. Dabei wurde es ihm zu warm (er hatte gerade Fieber), und er hat das Fenster geöffnet, wobei – ein dummer Zufall – seine Frau von oben gerufen hat. Er sich nach oben gedreht und dabei ganz unglücklich die Scheibe gerammt, die dabei in Scherben gegangen ist. Er hat sich dabei eine kleine Schnittwunde zugezogen und dann dringend nach einem Taschentuch für die Wunde gesucht und nach dem Erstbesten gegriffen, was er finden konnte: meiner Brieftasche, in der es tatsächlich neben
    meinem Geld auch noch ein paar Tempos gab. Wegen der Wunde hat mein Vermieter die Suche nach der Heizungsrechnung abgebrochen und ist schnellstmöglich (mit der Brieftasche und den Tempos) nach oben in seine Wohnung gegangen. Ich sollte am besten einmal bei ihm nachfragen.
    Diese Hypothese wird allen Indizien gerecht. Trotzdem ist es nicht meine Lieblingshypothese. Es geht nämlich auch einfacher: Jemand ist bei mir durchs Fenster eingebrochen, hat mein Geld gesucht und meine Brieftasche mitgehen lassen. Warum ist die zweite Hypothese plausibler als die erste, obwohl doch beide alle Indizien stimmig erklären?
    Es ist interessant, wie sogar Dawkins in seiner viel beachteten Debatte mit John Lennox am 3. Oktober 2007 minutenlang darlegte, dass ein Wissens
    chaftler beim Anschauen der Welt fast automatisch an einen Gott denken müsse.
    „Wenn es jemandem scheint, dass Gorbatschow vor ihm steht, ist das ein Grund dafür zu glauben, dass Gorbatschow vor ihm steht; und wenn es jemandem scheint, dass Gott bei ihm ist, so ist das ein Grund dafür zu glauben, dass Gott bei ihm ist.“ (Philosoph William Alston)
    Noch ein Argument von C.S. Lewis. Es setzt an mit der
    Beobachtung, dass alle Lebewesen bestimmte natürliche Bedürfnisse haben, die ihnen innewohnen und deren Befriedigung sie früher oder später
    entdecken: Essen, Trinken, Schlaf, Wissen, Gemeinschaft, Sexualität zum Beispiel. Anders als bestimmte Einzelwünsche (Nationaltorwart zu werden,
    einen Porsche zu fahren oder im Schlaraffenland zu leben) sind diese angeborenen Bedürfnisse universal. Nach Lewis entspricht ihnen immer eine Realität. Er schreibt: „Kein Geschöpf wird mit einem Bedürfnis geboren, für das es keine Erfüllung gibt.
    Ein Säugling fühlt Hunger; nun, es gibt so etwas wie Essen. Ein Entenküken möchte schwimmen; nun, es gibt so etwas wie Wasser. Menschen empfinden geschlechtliches Verlangen; nun, es gibt so etwas wie Sex. Wenn ich in mir eine Sehnsucht finde, die keine Erfahrung dieser Welt stillen kann, dann ist die wahrscheinlichste Erklärung hierfür, dass ich
    für eine andere Welt gemacht wurde.“ (Nach Gedanken von Jan Carsten Schnurr,Mitarbeiter für Historische Theologie an der Freien Theologischen
    Hochschule Gießen.)

  2. ???

    Echt gut dieser Artikel,
    vor allem das mit dem „viel zu viel für unser begrenztes Gehirn“ gibt mir persönlich eine allgemeine Antwort.
    Eigentlich meint Gott es ja gut mit uns, wenn er uns nicht alle seine Pläne verrät. Unser armes Gehirn! 🙂

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