70 Jahre Stauffenberg-Attentat: Erinnerung an einen deutschen Helden

Irgendwie wollte jeder der damals Lebenden doch angesichts der grassierenden Menschenrechtsverbrechen gegen Hitler gewesen sein. Wenn du dich mit meinem Opa unterhälst über das Nazitum, so bleibt dir immer dieser eine Satz hängen: Wir wussten von dem allem nicht. Nun mag man den einen diesen Satz glauben, aber mehrheitlich waren es doch eher wenige, die Charakter und Tugend zu Tatendrang verbunden haben. Stauffenberg war so einer.

Tatsächlich war Stauffenberg nicht nur ein Held, sondern auch Mensch. Er wuchs als Sohn einer schwäbischen Adelsfamilie elitär auf und dachte wenig demokratisch. In einem Aufsatz vom Januar 1923 über das Thema “Was willst Du werden?” schrieb der 15-jährige Claus: “Des Vaterlandes und des Kampfes fürs Vaterland würdig zu werden und dann sich dem erhabenen Kampf für das Volk zu opfern.” Ein wahrhaft heeres Ziel für einen 15-Jährigen, aber nicht minder erschreckend.

Im Kreis seiner Familie wuchs er in die oberen Gesellschaftsschichten hinein, umgab sich viel mit Stefan George, ein Dichter, der sich zu dem Teil der künftigen deutschen Elite zählte. Die Gesellschaft um George nannte sich das “geheime Deutschland”, was viel über das Selbstverständnis dieser Oberen aussagt.

Trotz seiner elitären Gesinnung war Stauffenberg keineswegs immun gegen die Versprechungen der Massenpartei NSDAP. Er hatte sich früh für ein Leben als Berufsoffizier entschieden, war 1926 in ein Kavallerieregiment eingetreten – und teilte wie praktisch alle Reichswehrangehörigen die Überzeugung, Deutschland müsse vom “Versailler Diktat” befreit werden. 1933 zeigte er sich angetan von Hitlers wichtigstem innenpolitischen Ziel, der Abschaffung der Parteiendemokratie. 

Überzeugter Nationalsozialist wie so viele andere Offiziere seines Alters jedoch wurde Stauffenberg nie. Der Vernichtungskrieg, den die Wehrmacht im Auftrag Hitlers an der Ostfront führte, machte Stauffenberg zum strikten Gegner des Diktators. Spätestens Mitte 1942 erkannte er die verbrecherische Natur dieses Krieges. In diesen Wochen und Monaten begann Stauffenberg, sich über das Recht zum Widerstand Gedanken zu machen.

Nein, einen gläubigen Christen mag ich Graf Stauffenberg nicht bezeichnen, dazu fehlen wahrhaft die Indizien. Doch trotzdem keimte in ihm das Grauen vor der Verantwortung vor Gott, die er 1933 außer Acht ließ. Kurz vor dem 20. Juli 1944 hatte er, gleichsam in der Vorwegnahme des möglichen Scheiterns, die Notwendigkeit der Tat betont: „Es ist Zeit, dass jetzt etwas getan wird. Derjenige allerdings, der etwas zu tun wagt, muss sich bewusst sein, dass er wohl als Verräter in die deutsche Geschichte eingehen wird. Unterlässt er jedoch die Tat,dann wäre er ein Verräter vor seinem eigenen Gewissen.

Sein Gewissen war ihm ein tatkräftiger Motor, das ihn Antrieb zu handeln. Und so schreibt er an einen Freund kurz vor dem Attentat: „Wir haben uns vor Gott und unserem Gewissen geprüft, es muss geschehen, denn dieser Mann ist das Böse an sich.“ Ob dieser Mann nun das Richtige getan hat, ob seine Tötungsabsicht richtig war, darüber möchte ich an dieser Stelle nicht urteilen. Das kann man mit Sicherheit sehr differenziert sehen. Doch seine Verantwortung und sein Gewissen vor Gott und den Menschen ließen ihm nicht die Ruhe, den Status quo zu wahren oder eher zu akzeptieren. Nein, sein Gewissen trieb ihn.

Deshalb schreibt auch unser Bundespräsident a.D., Richard von Weizsäcker (selbst gläubiger Christ), heute in der “Bild”:

Claus Stauffenberg und all die anderen Männer des 20. Juli handelten stellvertretend für jene, die hätten eingreifen müssen. Sie nahmen Schuld auf sich, unsere Schuld für die Versäumnisse, in die wir verstrickt waren. Sie handelten in Verantwortung vor ihrem Gewissen und vor Gott. Sie waren mutig genug, bewusst und verantwortlich zu leben. Und im Zweifel ihr Leben zu opfern, um ihrer Überzeugung von Anstand und Moral zu folgen. Und Deutschland zu retten.

Das ist die Botschaft, die Claus Stauffenberg und seine Mitverschwörer uns allen hinterlassen haben, uns Alten und jeder neuen Generation: die Bereitschaft zu tun, was das Gewissen befiehlt – im Krieg wie im Frieden.
Die Männer des 20. Juli haben Maßstäbe gesetzt durch ihr Handeln und durch ihren Tod. Maßstäbe für ein Leben in Verantwortung vor Gott und vor den Menschen.

Das Gewissen ist das Warnsystem unserer Seele, das Gott uns gegeben hat, damit wir wissen, wie wir handeln sollen. Insofern hatte Stauffenberg recht, dass er es als Handlungsmaßstab betrachtete. Doch das Gewissen ist kein absoluter und unanfechtbarer Maßstab für das Leben eines Menschen. In 1. Korinther 4,4 sagt Paulus: „Ich bin mir selbst nichts bewusst, aber dadurch bin ich nicht gerechtfertigt.“ Wir sind folglich nicht berechtigt zu sagen, dass alles in Ordnung sei, wenn unser Gewissen schweigt. Denn es könnte sein, dass das Gewissen durch viele schlechte Einflüsse geprägt ist und darum das Abweichen von der göttlichen Norm nicht anzeigt.

Das Gewissen funktioniert nur richtig, wenn es durch das Wort Gottes gebildet wird. Darum müssen wir das Gewissen immer wieder daran schärfen. Das Gewissen selbst kann nicht unser Führer und Maßstab sein. Diese Rolle kommt nur Gott zu. Deswegen ist auch der Hinweis von Richard von Weizsäcker sehr wichtig: Es ist unser Gewissen VOR GOTT, nicht nur vor den Menschen.

Und so möchte ich dich fragen: Handelst du nach einem Gewissen, das an den Maßstäben Gottes geschärft ist, oder nach deinem Gewissen, das abgestumpft von dieser Welt gar nicht mehr taugt als Warnsystem? Ich hoffe doch Ersteres. Die Gerechtigkeit, die ein reines Gewissen schafft, lässt sich nur an dem messen, an dem das Gewissen gemessen wird: an Jesus. Nur ein Gewissen, dass sich an ihm orientiert, schafft Gewissheit über Gerechtigkeit, alles andere ist abgestumpft.

So hoffe ich für dich, das du dich reevaluierst, und zwar an Jesus Christus. Ein reines menschliches Gewissen gibt dir keine Sicherheit über Tod und Leben, denn es ist verändert nach Menschenweise. Ein reines göttliches Gewissen gibt nur er. Der 20. Juli 1944 sollte dir das in Erinnerung rufen.

 

 



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