500 Jahre Dürers Betende Hände

 

Die „Betenden Hände“ von Albrecht Dürer (1471-1528) zählen zu den am meisten kopierten Werken der Kunstgeschichte. Dieses Jahr werden sie 500 Jahre alt. Die originale Tuschezeichnung befindet sich heute in der Grafischen Sammlung Albertina in Wien. Anlässlich des Jubiläums gibt es jetzt in der Dürer-Stadt Nürnberg eine Ausstellung „1000 x kopiert – 500 Jahre Dürers Betende Hände“. Das Kulturreferat der Stadt wertete außerdem eine Umfrage aus, die an über 500 Besitzer von Repliken ging: „Kitsch oder Kunst? Billiges Andenken oder religiöses Symbol?“

Die Antwort war überraschend. Das Kulturreferat stellte fest: „Entgegen ersten Annahmen verbinden die meisten Menschen die 'Betenden Hände' nicht mit Trauer, Tod, Glaube und Beten, sondern mit einer Erinnerung“. Diese Erinnerung bezog sich bei den Meisten auf solch einschneidende Ereignisse wie Hochzeit oder Konfirmation. Ein Befragter ließ sich die „Betenden Hände“ gar auf seinen Oberarm tätowieren; sein Kommentar: „Ich kenne die 'Betenden Hände' von meiner Großmutter. Sie haben mich schon immer sehr fasziniert, da sie für mich ein Bild von Kraft und Ruhe sind.“

1508 erhielt Dürer den Auftrag, die Hände für ein großes Altarwerk in einer Frankfurter Kirche zu malen. Später wurde dieser Altar nach München verkauft, dann aber bei einem Brand in der Residenz zerstört. Dürer hatte das Bild mit einem Tuschepinsel auf bläuliches Papier gezeichnet, so etwas galt lange Zeit nicht als Kunst. Im zwanzigsten Jahrhundert wurde die Zeichnung zum populären Motiv für alles mögliche: Postkarten, Wandschmuck etc. Vor allem nach dem zweiten Weltkrieg erlebten die „Betenden Hände“ eine Renaissance. Das Nürnberger Kulturreferat meint: „Nach dem Desaster des Nationalsozialismus wurden sie zum Sinnbild der Hoffnung.“ Heute sind sie in der ganzen Welt verbreitet, auf Briefmarken in Uganda, auf Münzen in Äquatorial-Guinea und auf dem Grabstein des amerikanischen Künstlers Andy Warhol.

Beten ist heute auch wieder in Mode gekommen. Viele Menschen nehmen sich Zeit um spirituelle Erfahrungen zu machen. Albrecht Dürer war ein überzeugter Christ, der von Martin Luthers Reformation wesentlich beeinflusst wurde und dies auch in seiner Kunst ausdrückte. Das christliche Gebet unterscheidet sich von allen anderen Weltreligionen. Jesus sprach von einem sinnerfüllten Gespräch mit dem Vater. Durch Jesus können Christen wie Kinder zum Vater im Himmel kommen („Denn durch ihn [Jesus Christus] haben wir [Juden und Nichtjuden] den Zugang durch einen Geist zu dem Vater“, Epheser 2v18), der Heilige Geist hilft dabei („Deshalb tue ich euch kund, daß niemand, im Geist Gottes redend, sagt: Fluch über Jesus! Und niemand sagen kann: Herr Jesus! Als nur im Heiligen Geist“ 1 Korinther 12v3)