Wie wäre es mit Gott?

Darf ich eine Frage stellen? Was ist mit Gott diese Tage? Man sagt ja, er ist tot, zumindest manche sagen´s. Das hört sich für mich komisch an. Denn wenn er jetzt tot ist, dann muss er ja vorher lebendig gewesen sein. Und ein Gott, der gestern gelebt hat und heute tot ist, der ist überhaupt nicht Gott, stimmt´s? Ich vermute, dass die Leute damit eigentlich meinen, dass es für ziemlich viele Menschen egal wäre, wenn Gott tot wäre. Früher haben sie vielleicht mal verschwommen an ihn geglaubt. Aber jetzt ist der Gedanke an Gott bei ihnen abgekühlt und er bedeutet ihnen nichts mehr. 

Wenn jemand seinen Glauben an Gott bewusst oder unbewusst verliert, beginnt er, sich andere Götter zu machen, Ersatzgötter. Damit meine ich nicht die erschreckend aussehenden Statuen, die sich die Wilden schnitzen. Wir modernen Menschen würden nicht an etwas so Dummes glauben. Aber trotz allem braucht der Mensch immer noch etwas, woran er sich im Glauben hängen kann, um das Leben erfolgreich oder bedeutungsvoll zu machen. Er sucht noch etwas, wofür er leben kann, ein höchstes Ziel, auf das er seinen Einsatz und seine Liebe richtet. Wenn dieses „etwas“ etwas anderes als Gott ist, so ist es ein Götze und es wird ihn enttäuschen. Das ist die tragische Tatsache dabei. Wir verstehen das gleich in Bezug auf die Holzstatue eines Wilden – wie sollte ihm die jemals helfen können? Er hat sie aus einem Baum geschnitzt. Die kleinen Holzstücke des Baumes hat er als Feuerholz verwendet und sein Frühstück damit gekocht. Aus dem größten Stück hat er einen Götzen geschnitzt. Ja, ich weiß, für ihn sah er sehr beeindruckend aus. Und die Nachbarn staunten nicht schlecht über sein neuestes Kunstwerk. Aber wie kann es den Mann jemals retten? Schließlich ist es ja nur das Werk seiner Hände, das Produkt seines Verstandes, sein Glanzstück. In einem Wort: seine eigene Leistung. Aber was der Mann dringend braucht ist etwas, dass ihm hilft, wenn er mit seiner eigenen Anstrengung nicht weiterkommt, wenn er sich nicht mehr zu helfen weiß, wenn er am Ende seiner Kraft und seiner Weisheit angelangt ist, wenn er gar nichts mehr erreichen kann. Die Götter, die er mit seinen eigenen Händen gemacht hat, können ihn hier per Definition offensichtlich nicht retten. 

Ich nehme an, dass es für uns schwer zu verstehen ist, dass das selbe auf unsere modernen Götzen zutrifft. Sie sind ja viel weiter entwickelt, viel eindrucksvoller. Nehmen wir zum Beispiel die Wissenschaft. Viele sehen sie als geheimnisvolle Kraft, die all unsere Lebensprobleme lösen wird. Das ist aber ganz falsch. In diesem Sinn ist die Wissenschaft keine geheimnisvolle Kraft. Es gibt nur Wissenschaftler, Menschen, sehr kluge Menschen natürlich, aber eben nur Menschen. Es sind Menschen, die exakte Messmethoden verwenden und versuchen, unsere physikalische Welt zu verstehen und zu beschreiben. Ihre Arbeit ist hervorragend und die Ergebnisse sind ein großer Gewinn, aber sie können uns doch nicht retten im letztendlichen Sinn des Wortes. Ihre Arbeit ist nur das Ergebnis von menschlichen Gehirnen. Manchmal entstehen dadurch sogar weitere Schwierigkeiten, anstatt dass die vorhandenen gelöst werden. Wissenschaftler haben uns mit der Atombombe ausgerüstet. Aber wenn wir die Wissenschaft fragen, ob es richtig oder falsch ist, diese Bombe zu verwenden, kann die Wissenschaft an sich keine Antwort geben. 

So stellen die Menschen ihre Ideale hin, und glauben an sie – Mut, Liebe, Reinheit. Die Menschen in der Antike taten das natürlich genau so, nur sind sie einen Schritt weitergegangen und haben Bilder davon gemacht. 

Das Problem mit solchen Idealen ist aber, dass andere Menschen sie verachten und zerschlagen, und dass wir selbst uns oft auch nicht an unsere Ideale halten. Wie kann ein Ideal einen Menschen retten, der in Schwierigkeiten steckt, weil er gerade das Ideal missachtet hat, dass er bewundert? Ideale sind gute Ziele, die man sich vorsetzen kann. Aber wenn ein Mensch in Mitten der Scherben seines kaputten Lebens und seiner zerbrochenen Ideale steht, findet er heraus, dass Ideale als solche keine Kraft haben, um ihn von seiner Schuld zu befreien, oder um ihn wieder aufzubauen. Sie entmutigen ihn eher, wie viele es erlebt haben. 

In dieser Klemme wenden sich viele an Religion. Unglücklicherweise kann die Religion auch so ein großes und enttäuschendes Götzenbild werden wie jedes andere, wenn wir nicht vorsichtig sind. Wenn unsere Religion uns nur dazu auffordert, unser Bestes zu geben, und uns so sehr wie möglich anzustrengen, dann hängt alles davon ab, wie wir uns bemühen, sogar wenn wir uns bemühen, Gottes Gebote zu halten. Es ist dann einfach eine Form davon, dass man auf das Werk seiner eigenen Hände vertraut, oder? 

Auf diese Weise zeigt sich, dass unsere modernen Götzen gar nicht besser sind als die alten aus Holz. Was alle Götzen von dem wahren und lebendigen Gott unterscheidet, ist dies: Der Mensch muss am Ende seine Götzen tragen, aber beim lebendigen Gott trägt Gott den Menschen. Gott sagt durch den Propheten: „Stell dir ein Dorf in der Antike vor, indem die Bewohner auf hölzerne Götzen vertrauen. Eines Tages werden sie von ihren Feinden angegriffen. Aber als die Dorfbewohner schon fliehen und entkommen wollen, müssen sie noch mal anhalten und die riesigen Standbilder abbauen und auf die schon überladenen Karren packen. Anstatt ihnen bei der Flucht zu helfen, halten die Götzen sie auf und lassen sie noch tiefer im Schlamm versinken.“ Die echten Schlachten um die es uns in diesem Zusammenhang geht ist der Kampf gegen Neid, Eifersucht, Hass, Zorn und Gier und Tausend weitere solche Dinge, die unser Leben und unsere Welt ruinieren. Wir sollten aus der Geschichte lernen, dass keine eigene Anstrengung ausreicht, um uns durchzutragen. Aber Gott, unser Schöpfer kann es. Er sagt: „Hört auf mich. Ich habe erschaffen, ich will tragen. Schaut auf mich und werdet gerettet, alle ihr Enden der Erde, denn ich bin Gott und niemand sonst.“ 

Vergebung, die wir so dringend brauchen, ist also nicht etwas, dass wir durch irgendetwas verdienen können. Vergebung ist etwas, das Christus durch seine Tat am Kreuz für uns verdient hat. Die Kraft, die mich erneuert und die die geistliche Wiedergeburt bewirkt, ohne die ich nicht in das Reich Gottes eingehen kann, entsteht nicht durch meine eigene Anstrengung, sondern sie wirkt durch Gottes Heiligen Geist in mir und durch mich. Diese Sachen sind Geschenke. Gott wartet darauf, dass er sie uns geben kann. 

Mein Freund, bist du in geistlichen Schwierigkeiten? Bist du in der Tat ans Ende deiner eigenen Kraft gekommen, sodass du keine andere Lösung mehr finden kannst? Haben die Sachen, an die du geglaubt hast, dich enttäuscht? Genau da wartet Gott auf dich und will dir helfen, er will dir seine Macht zeigen, seine Rettung. Warum solltest du ihn nicht suchen? Warum solltest du nicht durch unseren Herrn Jesus Christus zu ihm kommen? Warum nicht ihm vertrauen? Lieber Mitmensch, wie wäre es mit Gott?

von David W. Gooding. Dies ist der Abdruck einer Ansprache im Radio, der ersten von vier Ansprachen. Mit freundlicher Genehmigung von David W. Gooding