Jeannot – der Hooligan

Hallo, ich heiße Jean, bin 33 Jahre alt und war ein Hooligan. Die Erfüllung meines Lebens war, kaputt zu machen, was andere aufgebaut haben. Worüber andere sich gefreut haben, war mir ein Dorn im Auge.

Ich habe in meinem Leben viel versagt, sei es in der Schule oder im Beruf. Überall flog ich raus, nirgends brachte ich Leistung. Außerdem litt ich noch unter meinen zwei Nationalitäten (deutsch/griechisch). Ich wusste weder, wer ich war, noch zu wem ich gehörte. Ich war weder ein Deutscher, noch ein Grieche und fühlte mich ziemlich einsam auf diesem Planeten. Immer dachte ich, so viel Pech wie ich hat niemand, und jedem geht es besser als mir.

Später, Ende der 70er, Anfang der 80er, als sich die Punks und Skinheads in München breit machten, fühlte ich mich sehr stark zu ihnen hingezogen. Ich habe dann überall reingeschnuppert und mich für die Skinheads entschieden. Da war es egal, wer du warst, Hauptsache Randale. Eine große Vorliebe hatten wir für das Fußballstadion entdeckt. Mich interessierte weniger das Spiel, sondern mehr das Drumherum – die Atmosphäre, die Action, die Exzesse usw. Alles in meinem Leben drehte sich um Fußball und ich wurde ein Hooligan.

Anfangs fand ich es super, ohne Gesetz zu leben, ohne zu arbeiten, ohne weitere Verpflichtungen, und einfach nur das zu machen, was ich wollte. Aber irgendwann war auch das nichts neues mehr für mich. Ich wusste auch, dass es so nicht weitergehen konnte. Das Leben konnte nicht nur Stadion und Randale sein. Ich hatte keine Perspektive mehr für die Zukunft. Das Leben musste mehr sein als das, was ich bisher erlebt hatte. Ich hatte keine Lust darauf, wie Janis Joplin sang: „Lebe kurz, intensiv und stirb jung.“

Ich wollte durchaus alt werden, mit Familie usw., aber ich konnte mir nicht vorstellen, wie das bei mir gehen sollte. Ich hatte gar nichts. Weder Ausbildung noch Schulabschluss, noch Führerschein und eine Wohnung hatte ich auch nicht. Ich lebte mal hier, mal da. So lebte ich mein Dasein weiter, manchmal depressiv, manchmal aggressiv, je nachdem, welche Droge ich grad’ intus hatte (Haschisch oder Alkohol), aber immer ziel- und sinnlos. Kurz vor meinem 18. Geburtstag wurde ich bei einem Straßenraub erwischt und kam in den Knast. 20 Monate war ich weg vom Fenster. In dieser Situation hatte ich Zeit zum Nachdenken. Ich wollte nach meiner Entlassung ein neues Leben beginnen.

Mit vielen neuen Ideen und Motivationen verließ ich das Gefängnis, aber kaum in Freiheit, holte mich meine Vergangenheit ein, und ich war wieder der Alte. Falsch – ich war noch schlimmer! Durch die Erzählungen meiner Freunde, was in der Zwischenzeit alles geschehen war, verspürte ich starken Nachholbedarf und wollte das „Verpasste“ so schnell wie möglich nachholen. Das brachte mich nach fünf Monaten Freiheit wieder für 16 Monate in den Knast.

Jetzt war der letzte Funken Hoffnung weg, jemals wieder ein normales Leben zu beginnen. Ich nahm mir vor, sämtliche Moralmaßstäbe über Bord zu werfen und nach meiner Entlassung einfach nur so viel Kohle wie möglich zu machen, egal auf welche Art. Ich hatte die Schnauze voll, immer nur wie ein Idiot durch die Gegend zu schlendern, mit leeren Taschen und leerem Herzen, und am Schluss auch noch im Knast zu sitzen. Ich war am Abstürzen, aber mitten in meinen neuen Plänen trat auf einmal Gott in mein Leben.

Immer wenn ich alleine in meiner Zelle auf dem Bett lag und über die Zukunft nachdachte, sah ich mich in meinen Gedanken von einem Berg abstürzen und immer, kurz vor dem Aufprall, schrak ich auf. Immer und immer wieder sah ich in Gedanken diese Szene; doch auf einmal hatte dieser „Traum“, oder wie man es sonst nennen mag, eine Wende: Jedes mal, wenn ich von diesem Berg abstürzte, fiel ich nicht mehr in den Tod, sondern es wuchs auf einmal, direkt aus diesem Bergmassiv, ein Ast. Er war dünn genug, dass ich ihn greifen konnte und dick genug, um meinen Fall aufzufangen. Ich griff diesen Ast und durch den Schwung, den ich durch den Fall hatte, wippte ich immer rauf und runter. Und immer wenn ich „unten“ war, konnte ich in eine Höhle sehen und sah die Krippe mit Jesus und allem, was dazugehörte. Ich begriff mal wieder gar nichts, aber ich sollte einige Monate später merken, dass Jesus der Halt in meinem Leben werden sollte.

Jedenfalls begann ich, mir Gedanken über Jesus zu machen, rief mir in Erinnerung, was ich noch von ihm wusste und betete ab und zu. Der Gedanke und Wunsch, Gott kennen zu lernen, wurde immer größer, aber ich wusste nicht, wie das geschehen sollte. Gott war irgendwo so weit weg und die Bibel ein Buch mit sieben Siegeln. Außerdem wusste ich nicht, ob Gott überhaupt was mit mir zu tun haben wollte. Immerhin hatte ich mein Leben lang gegen Gott gelebt und das gemacht, was ich wollte.

Nach meiner Verlegung in ein anderes Gefängnis wurde ich von einem Beamten gefragt, ob ich eine Bibelstunde besuchen möchte, und ich willigte ein. Dort erfuhr ich über Gott und seinen Sohn Jesus Christus, was ich nur wollte. Ich erfuhr, dass wir Menschen Sünder sind und reif für die Hölle. Mir war das sowieso klar, dass, wenn es einen Gott gibt, ich zur Hölle fahren würde.

Aber ich erfuhr noch etwas großartiges, nämlich, dass Jesus, der Sohn Gottes, gekommen ist, um unsere Schuld am Kreuz zu sühnen. Vollständig und für uns völlig kostenlos – und ich erfuhr, dass, wenn ich es wollte, er einen völlig neuen Menschen aus mir machen könnte. Das wollte ich wissen und nahm im Glauben sein Geschenk der Vergebung an. Ich bat ihn im Gebet, doch in mein Leben zu kommen und aus mir einen neuen Menschen zu machen. Nach diesem Gebet geschah nichts weiter, kein Gefühl folgte, noch sonst etwas übersinnliches, aber ich wusste, dass irgendetwas anders war, ich wusste nur noch nicht was.

Von dem Gefängnisbeamten bekam ich dann auch eine Adresse von einer Gemeinde, bei der ich mich nach meiner Entlassung melden konnte. Hier bin ich noch heute.