Marc – Vom Dunkel in Sein Licht

 
Dieses Bild ist von meinem Reisepass aus dem Jahr 1998. Ich hatte gerade eine Reise nach Kuba vor mir: Das billigste Kokain meines Lebens und spirituelle Erfahrungen, die meine Zukunft entscheidend beeinflussen sollten.

Deutschland 2012 – Mein Leben kann man rückblickend als einen Mix aus Linker-Szene, Gangsterleben und viel viel Drogen vermischt mit okkulten Praktiken beschreiben.

Wie passen diese Dinge zusammen?

Wie kommt ein junger Mann aus gutbürgerlichem Elternhaus zu so einem Leben? Es wäre schön, wenn ich die Schuld auf andere schieben könnte. Ich bin aber selber schuld! Mit 13 Jahren, von den „lieben Freunden“ gelangweilt, zog es mich raus auf die Straße! Saufen, Kiffen und immer in der ersten Reihe sein: Mich musste keiner verführen, ich war der geborene Verführer! Alles ging recht schnell: Stress mit Nazis, radikale Bücher (Bakunin, Kropotkin und Che)! So kam ich in die linke Szene, war deutschlandweit unterwegs: Demos, Randale, wir waren die autonomen Antifas! Ich zog nach Berlin, und das radikale Denken durchdrang mich mehr und mehr.

In der gesamten Zeit begleitete mich ein unstillbares Verlangen nach Rausch: Haschisch, Pilze, LSD, Ecstasy, Speed und Kokain waren im Wechsel meine „treuen Wegbegleiter“. In Berlin holte mich die Realität schnell ein. Mit unseren politischen Idealen konnte sich kaum jemand identifizieren, niemand wollte kämpfen!

Immer mehr verstrickten einige meiner Freunde und ich uns in den Fängen dunkler Mächte, die wir durch eine selbst entwickelte Religion kennen lernten und deren Kraft uns in vielen Situationen „sehr nützlich“ und „gut“ erschien. Wir meditierten (natürlich im Vollrausch!!!), lasen Bücher über uralte Kampftechniken, selbst Comics und Musik waren der Fundus für unsere Patchwork-Religion. Wir waren erleuchteten, wir hatten es geblickt! Doch unser Leben wurde immer chaotischer, beste Freunde wurden Feinde und trotz unserer Überlegenheit zerrann das Leben zwischen unseren Fingern…

Meine damalige Freundin machte mit mir Schluss, und ich ging nach Irland; was sollte mich in Deutschland halten?

Alles auf eine Karte! Mein bester Freund, nach eigenen Aussagen ein Hexer, aber gleichzeitig Mitglied einer Splittergruppe der IRA, wollte mich dort einführen. Sie waren erfahren. Sie hatten gekämpft. Sie hatten getötet und scheuten sich nicht davor, es für „die Sache“ jederzeit wieder zu tun. Ich wollte dabei sein, aber sie merkten, dass bei mir etwas nicht stimmte. Sie hatten recht. Hart und mächtig wie ich war, verfiel ich in Depressionen.

Ich konnte meine Ex-Freundin nicht vergessen! Die Iren schickten mich zurück nach Berlin.

Ich hatte keine Lust mehr auf Politik oder irgendetwas und gammelte nur noch rum. In einem meiner Lieblingscafés lernte ich einige Jungs kennen. Sie fragten mich, ob ich bereit wäre, bei einem Überfall mitzumachen.

Das war die absolute Herausforderung. Wir überfielen einen Drogendealer. Es war ein  regelrechter Adrenalinrausch – Ich genoß es! Tja, oft ist es aber so, dass sich das Blatt wendet. So war es auch bei mir: Ein Überfall ging schief, ich wurde erkannt und musste aus Berlin verschwinden.

Großer Mann – ganz klein

Das Zimmer bei meiner Mutter ist sehr klein. Ich lese lange, kann nicht schlafen, habe Alpträume; wenn man nicht weiß, dass man süchtig ist, rechnet man nicht mit Entzugserscheinungen!

Seltsam, da steigt man gesellschaftlich und moralisch so weit ab und lernt doch nichts dabei: Eineinhalb Jahre danach: schon wieder Drogen, Hip-Hop, Gangstergehabe, Okultes…

Doch was passiert? Eine Bekannte fängt an, mir von Jesus Christus zu erzählen, und ich denke: „Die spinnt!“ Aber ich treffe mich weiter mit ihr. Eines Abends sitze ich alleine bei mir zu Hause und denke über den einzigen Satz nach, der mir von ihren „Predigten“ hängen geblieben ist: „Wenn du ihn kennen lernen willst, bitte ihn, und er wird sich dir zeigen.“ „Na ja, das hat doch sowieso keine Auswirkungen“, denke ich.

Trotzdem: „Gott, wenn es dich gibt, dann zeige dich mir!“

Es ist echt verrückt, was danach passierte:

Innerhalb kurzer Zeit brach es wie eine Welle über mich ein: Ich schaltete den Fernseher ein, und ein Film über Jesus lief dort; ein Fremder kam auf mich zu und sagte: „Du brauchst Jesus!“; ich ging durch die Fußgängerzone und ein Chor sang von … richtig, von Jesus! Ich hebe nie Papier von der Straße auf, aber dieses Mal, aus irgendeinem Grund, tat ich es. Was stand darauf? Irgendetwas über: Jesus! Im Radio Jesus! Ich war genervt! Es, nein ER, hörte nicht auf! Jesus, Jesus, überall Jesus. Drei Wochen lang!

Eines Abends nahm ich einen jungen Mann, der in den falschen Zug gestiegen war und fest saß, mit zu mir nach Hause – entgegen meinen Sicherheitsprinzipien. Wir saßen und redeten, und er erzählte aus seinem Leben. Er hatte einiges mitgemacht: Drogen und Kriminalität; vieles kam mir bekannt vor! Und ich wusste es schon, bevor er es sagte: Jesus hat ihm den Weg aus dem Mist gezeigt. Von diesem Moment an war alles anders! Es war kein Gefühl, sondern die Erkenntnis, dass es Gott gibt, und dass ich ihm definitiv nicht gefalle! Am nächsten Morgen als ich gerade über Gott nachdachte, wurde ich irgendwie auf die Knie gedrückt. Es war niemand im Raum, aber ich wurde gedrückt! Ich begriff – „Vergib mir, ich habe gesündigt.“ – und dann hatte ich erstmal einiges zu erzählen. Einige Zeit später: Mein Zug fuhr los, und die erste Träne rollte meine Wange hinunter. Ich weinte während der gesamten Fahrt – es waren Tränen der Freude. Das Einzige, was ich denken konnte: „Wie gnädig ist Gott, dass er mir Sünder vergibt!“

Dies schreibe ich im Jahr 2012, mit 35 Jahren, und es hat sich viel verändert. Ich würde sogar so weit gehen zu sagen: Mein Leben ist auf den Kopf gestellt worden! Mitten in mein Chaos aus Sucht und Gewalt kam etwas, nein jemand völlig Neues. Ich erlebte, wie ich von einem Moment auf den nächsten frei von Drogen wurde.

Was soll ich sagen? Ich hatte eine Begegnung mit meinem Retter und Schöpfer Jesus Christus. Ich erfuhr an meinem eigenen Leib und vor allem an meiner Seele: „Wenn euch nun der Sohn frei machen wird, so seid ihr wirklich frei“ (Die Bibel: Johannesevangelium Kapitel 8, Vers 36). Diese Freiheit, die Jesus geben kann, erlebe ich jetzt schon seit einigen Jahren, und ich bin unendlich dankbar, dass er mich da rausgeholt hat, wo ich nicht selber rauskommen konnte. „Denn ich weiß, dass in mir, das heißt in meinem Fleisch, nichts Gutes wohnt; das Wollen ist zwar bei mir vorhanden, aber das Vollbringen des Guten gelingt mir nicht“ (Die Bibel: Der Brief an die Römer Kapitel 7, Vers 18). Natürlich ist mein Leben mit Jesus nicht völlig frei von Problemen, aber ich weiß, zu wem ich sie bringen kann. Und, mal ehrlich, wer sollte besser mit Fehlern umgehen als der, der für alle Fehler bezahlt hat! „…Er wurde um unserer Übertretungen willen durchbohrt, wegen unserer Missetaten zerschlagen; die Strafe lag auf ihm, damit wir Frieden hätten, und durch seine Wunden sind wir geheilt worden“ (Die Bibel :Jesaja 53,5).

Es haut mich immer wieder um festzustellen, dass ich vor zehn Jahren noch voll fertig war und jetzt Fachabitur und zwei abgeschlossene Berufsausbildungen (im Gartenbau und Großhandel) habe. Ich bin glücklich verheiratet und habe mit meiner Frau Tatjana zwei gesunde Kinder (drei und ein Jahr alt). Es ist eine große Freude unsere Kinder aufwachsen zu sehen. Ich bin Gott dankbar, dass ich als Ehemann und Vater die Verantwortung für meine Familie übernehmen darf. Wie wichtig ist es doch in der heutigen werte-armen Zeit, am Glauben, an der Familie und an gegenseitiger Hilfe festzuhalten! Mein Leben will ich nicht mehr für mich leben, sondern für andere Menschen. Meine Frau und ich sind in unserer christlichen Gemeinde aktiv und verbringen viel Zeit mit Menschen. Wir wünschen uns, vielen Menschen eine Hilfe zu sein. Wir sehen das große Vorbild des Herrn Jesus, der den Tod nicht gescheut hat, um uns zu retten, und wir wollen ihm, trotz all unseren Fehlern, nacheifern.

„Dankt dem HERRN, denn er ist gütig, denn seine Gnade währt ewiglich! So sollen sagen die Erlösten des HERRN, die er erlöst hat aus der Hand des Bedrängers… Da schrien sie zum HERRN in ihrer Not, und er rettete sie aus ihren Ängsten. Er führte sie heraus aus Finsternis und Todesschatten und zerriss ihre Fesseln.“ (Psalm 107,1.2+13.14)

Amen. Jetzt weiß ich, das heißt: so sei es – und so ist es!!!

Marc

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