Michael Baigent: Die Gottes-Macher

Michael Baigent sorgt für Wirbel. Erst verklagt er Dan Brown auf intellektuellen Diebstahl in seinem Thriller "Sakrileg", nun startet sein neues Buch "Die Gottes-Macher" mit einer unglaublichen Startauflage von 80.000. Er betrachtet sich als eine Art Aufklärer, der dem Mensch von heute ein zeitgemäßes Jesus-Bild präsentieren will. Was man 2000 Jahre lang völlig falsch gesehen hat, das deckt er jetzt auf. Bereits sein erstes Werk "Der Heilige Gral und seine Erben"(1982) sorgte für Kontroversen. Baigent zu Folge war Jesus nicht Gott, sondern ein Visionär, der den Menschen das himmlische Königreich vorstellte. Er habe nie geplant, eine Weltreligion zu gründen und gekreuzigt sei er auch nicht geworden. Es soll sich dabei um eine geschickte Täuschung von Pilatus gehandelt haben um sowohl Juden, als auch Römer zufriedenzustellen. Maria Magdalena war selbstverständlich Jesu Frau. Alles geschehe auf Grundlage von gnostischen Evangelien, den Papyrus-Funden, Qumran und der oberägyptischen Lehre.

Letztere ist das Hauptthema von "Die Gottes-Macher". Jesus hat in Ägypten, wo das Judentum u.a. mit persischen Kulten in Berührung kam, eine mystische Initiation erhalten, um den Menschen zu verkündigen, das Göttliche in sich selbst zu suchen.

Interessant ist, was Baigent selbst sagt: "Man soll sich darüber im Klaren sein, dass alle Geschichte formbar ist. Ich habe meine Fakten, aber nie genügend viele, um die Hand aufs Herz legen und sagen zu können: Ich weiß jetzt genau, was passiert ist. Jede Geschichte ist ein Mythos, eine Geschichte, die Sinn destillieren soll aus dem wenigen, das wir wissen. Die Vergangenheit hat eine Hypothese aufgestellt, um die Gegenwart zu erklären und zu rechtfertigen." Nach eigener Aussage sind seine Geschichten also im Wesentlichen Mythen, keine Fakten. Dennoch nimmt Herr Otto Normalverbraucher seine Argumente gerne auf, um eine Ausrede zu haben, nicht an den Jesus der Bibel zu glauben. Dieser mystische Jesus und das Göttliche Jesus hört sich ja auch viel besser an, als Sünde, Kreuz und Buße.

Baigents Thesen sind längst wissenschaftlich widerlegt, die Verschwörungstheorien von angeblicher Geheimhaltung weiterer Qumrantexte durch den Vatikan eine haltlose Unterstellung. Für weitere Informationen dazu sind folgende Bücher empfehlenswert:

Prof. Otto Betz/Rainer Riesner: Jesus, Qumran und die Vatikan-Klarstellungen (Brunnenverlag Gießen)

Prof. Hartmut Stegemann: Die Essener, Qumran, Johannes der Täufer und Jesus (Herderverlag)

Alexander Schick: Faszination Qumran (CLV Bielefeld; s.a. Soulbooks.de)

interessante URLs:

www.bibelausstellung.de

www.sakrileg-betrug.de

Quelle: http://www.welt.de/data/2006/04/01/867938.html