Ultras – die neuen Hooligans?

In letzter Zeit sorgen manche deutschen Fußballanhänger immer öfter für Negativschlagzeilen. Es gibt Pöbeleien und Wurfgeschosse von Fans, die sich vom DFB und der Polizei schickaniert fühlen. Aber diese Fans sind anders als Hooligans – und ihnen doch ähnlich. Die „Ultras“ sind in unseren heimischen Stadien angekommen.


Die Ultra-Bewegung stammt ursprünglich aus Italien. In den 1950er und 60er Jahren formierten sich dort Gruppen von Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die ihren Fußballverein so intensiv wie möglich unterstützen wollten. Sie hoben sich von den „normalen“ Fans ab, indem sie jederzeit und überall ihr Bestmöglichstes gaben. Der Legende nach prägte eine Zeitung den Begriff „Ultra“, als über Fans berichtet wurde, die einen ungeliebten Schiedsrichter sogar bis zum Flughafen verfolgten.


Die Gesinnung der Ultras ist in erster Linie nicht gewalttätig. Ein echter Ultra liebt den Fußball, anders als viele Hooligans, die den Sport nur als Anlass für Schlägereien sehen. Dabei sind die Mittel, die eigene Mannschaft zu unterstützen, vielfältig: Fahnen in den Vereinsfarben, Bengalisches Feuer und Feuerwerk, organisierte Sprechchöre und Choreographien.


Den Ultras geht es vor allem um eine Fankurve, die nicht schlaff herumhängt und gelangweilt dem Spiel folgt. Ihr Ziel ist es, eine ganz besondere Stimmung im Stadion zu erzeugen. Und wirklich – es ist unheimlich mitreißend, wenn hunderte von Menschen die selben Chöre skandieren.


In Deutschland gibt es etwa seit den 90er Jahren Ultra-Gruppen. Inzwischen hat fast jeder Verein der drei Bundesligen mindestens einen Ultra-Club. Sie sind aktiv und kreativ, planen sogar Choreographien, die auch unbeteiligte Zuschauer mit einbeziehen. Dabei werden vor dem Spiel Gegenstände an die Stadionbesucher verteilt, die in bestimmter Weise hochgereckt ein überdimensionales Vereinsemblem bilden. Manchmal drehen alle Fans auf Kommando dem Spielfeld den Rücken zu und recken den legendären „Effenbergfinger“.


Die meisten Anhänger dieser neuen Jugendbewegung sind nicht auf Gewalt aus, doch kommt es immer wieder zu Ausschreitungen. Einer Studie zufolge bezeichnen sich 45 % der Ultras in Deutschland als „tendenziell gewaltbereit“. Sie suchen keinen Ärger, aber wenn es hart auf hart kommt, fliegen die Fäuste. Das Stehlen der gegnerischen Vereinssymbole, wie Schal oder Fahne, ist immer häufiger Anlass für Massenschlägereien unter Ultras. Ebenfalls sorgt eine Vermischung der Hooliganszene mit den Ultras für gesteigertes Gewaltpotenzial in den deutschen Arenen. Die Vereine und der Deutsche Fußballbund gehen unerbittlich gegen diesen Trend vor und sprechen so viele Stadienverbote aus, wie nie zuvor. In der letzten Saison waren es über 3000! Doch die meisten Ultras fühlen sich dadurch ungerecht behandelt, sehen sie sich doch als die einzig wahren Fans.


Woher kommt es, dass Jugendliche sich in einer Gruppe stark und wohl fühlen? Warum laden die Ultras auf ihren Homepages Gleichgesinnte ein, dieses ganz besondere Wir-Gefühl zu erleben, das jeden Kick übersteigt? Es ist ein Phänomen – ein junger Mensch braucht eben Halt und Orientierung. Für ihn ist die Identität über eine Gruppe – ob Musikszene oder Fußballverein – wichtigstes Lebensgefühl. Obwohl Schule und viele Eltern die Kinder zu eigenständigen Persönlichkeiten erziehen wollen, machen diese sich wieder gleich, ziehen die Fankluft an und tauchen in der Gruppe ab.


Jeder Mensch braucht eine echte Identität. Eine Antwort auf die Fragen „Wer bin ich und warum bin ich hier?“. Doch kein Verein der Welt, keine Szene und keine Band kann das beantworten. Es sind Fragen, die uns von Gott ins Herz gelegt wurden. Nur eine Beziehung zu unserem Schöpfer gibt uns befriedigende Antworten darauf. Nur wenn du weißt, Gott wollte dich, Er hat dich so gemacht, wie du bist, weil Er dich liebt, kannst du zu dem werden, der du sein sollst: Ein Original!

Kommentare

  1. Timotheus

    Kleine Fehler drin

    Alles in allem ein Bericht, der die Szene gut darstellt und auch gut überleitet auf Gläubige Inhalte. Auch ich musste feststellen, dass  die Leidenschaft zu einem Verein keine völlige innere Befriedigung beschafft, nach der man sucht.
    Jedoch ist es nicht richtig, dass die Ultras sich durch die Stadionverbote schlecht behandelt fühlen weil sie sich als die wahren Fans sehen. Stadionverbote gehen an unserem Rechtstaat vorbei. Es findet eine Verurteilung ohne Richter statt. Das Problem, dass nicht nur die Ultras haben, ist die mangelnde Rechstaatlichkeit und Willkür. Ich selber bin kein und war nie Ultra, teile aber trotzdem diese Meinung, da ich mich selber ein wenig für Recht interessiere.
    Ich bin gerne auf eurer Seite und sie hat mich auch vor ein paar Jahren stark vorangebracht auf meinem Weg mit Jesus, jedoch manchmal wird sehr pauschalisiert mit der umgangssprachlichen „Illustrierten-Psychologie“. So kann ganz schnell ein falsches Bild entstehen, auch von uns Christen, die immer mit dem Finger auf andere zeigen(was ja ein geliebtes Klischee ist).

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