"Der Gerechtigkeit ist Genüge getan"

„Die Welt ist ohne diesen Mann ein besserer Ort.“ Präsident Obama holte weit aus, um den Tod der „Top-Priorität #1″ zu verkünden, die Liquidation von Osama Bin Laden. Mit dem finalen Schlusssatz über den „Sieg der Gerechtigkeit“ zog er einen Schlussstrich unter ein Leben, das wohl das meist gehasste der ganzen (aktuellen) Welt gewesen ist. Dieser Mensch hatte den Tod verdient.  Obama redete über die Tausenden Toten, das Unendliche Leid und vor allem den unsichtbaren Schaden, die vielen Kinder, die ohne Umarmung in die Schule gehen mussten oder an Tischen saßen, an welchen immer ein Platz mehr gedeckt war, als die Zahl der Verbliebenen vorschrieb.

Osama war der personifizierte Teufel, zumindest für die USA, die wohl kaum einem Anderen den Tod mehr gewünscht hätten als diesem Verbrecher. Und auch hierzulande geben die Politiker bekannt, dass sie sich über den Tod Osama Bin Ladens freuen (Merkel) oder erleichtert darüber sind (Westerwelle). Ehrlich gesagt sind wir es alle, endlich wurde diesem Menschen das Handwerk gelegt. Jeder gesunde Mensch hat soviel Gerechtigkeitsempfinden, dass er weiß: dieser Mensch starb zurecht. Sowieso zeigt dieser Vergeltungsschlag, welchen Hunger der Mensch nach Gerechigkeit hat, denn Amerika hat nie vergessen. Die ganze Welt hat nie vergessen, was dieser Mensch gesät hat: Unterdrückung, Radikalismus, Tod und Unrecht.

Normalerweise müssten alle jetzt aufschreien und sagen: Bin Laden wurde nicht gerecht getötet, denn er hat keinen Prozess bekommen und damit nicht die Chance gehabt, sich zu verteidigen. Dies ist zumindest die übliche Vorgehensweise auf internationalem Territorium. Doch dafür interessiert man sich nicht, wenn solch ein Mensch stirbt, denn hier wurde der Gerechtigkeit Genüge getan, sie ist erfüllt!

Genauso stimmen wir darüber ein, wenn ein Mensch ein Vergewaltiger ist, ein Pädophiler, ein Mörder, ein Kinderschänder. Die Welt ist ohne diese Menschen gerechter und besser. Unser Gerechtigkeitsempfinden ist äußerst sensibel, wenn es darum geht, dass Kinder zu Schaden kommen. Zurecht. Da wird sogar jeder intolerant, ein Unwort unserer Zeit, wenn Unschuldiges zu Unrecht bestraft wird. Jeder Mensch hungert nach Gerechtigkeit. Genau deshalb trifft dieser Satz von Obama ins Mark der menschlichen Seele. Die Gerechtigkeit hat gesiegt. Heute ist ein guter Tag in der Weltgeschichte.

Gerechtigkeit ist ein Wort, das sich  nährt durch die Sühne für das, was jemand getan hat. Ohne Strafe gäbe es keine Gerechtigkeit. Erstaunlicherweise schreit der Mensch vielmehr nach Gerechtigkeit als nach Gnade. Denn gerecht zu sein heißt auch, dass wir das erhalten, was wir verdienen. Gnade für Osama Bin Laden hätten wir nicht akzeptiert, es hätte gegen alles verstoßen, was wir als verhältnismäßig empfinden. Gnade verdient Osama Bin Laden nicht, er verdient Gerechtigkeit. Eins wird sehr deutlich: Gnade und Gerechtigkeit sind unvereinbar und können nicht zur Deckung gebracht werden. Gnade für mich, Gerechtigkeit für dich, so sagt der Mensch. Beides in einem ist unmöglich.

Da die Bibel von Gott sagt, dass er gnädig und gerecht ist, wäre es interessant zu wissen, wie er mit solchen Monstern der Menschheit umgehen würde oder umgeht. Wie kann er gnädig sein und seine Gerechtigkeit wahren UND bei der Wahrheit bleiben (die Lüge würde ihm ebenso widersprechen). Wie kann er gerecht bestrafen und gleichzeitig seine Güte offenbaren? Klar ist, dass er beides muss: er ist heilig und hasst Sünde. Auch die von Osama Bin Laden. Genauso ist er Liebe und Güte und Gnade und möchte nicht, dass Menschen in ihrer Schuld verloren gehen.

Die Bibel gibt eine erstaunliche Antwort: Gott wählte einen Weg, den der Mensch nicht hätte ersinnen können. Er sagte: Ich werde stellvertretend meinen Sohn opfern für die Sünde der ganzen Welt, damit Gerechtigkeit geübt wird, damit Sünde bestraft wird und ich meine Gerechtigkeit vor der ganzen Welt zur Schau stelle. Am Kreuz zeigt Gott seine Gerechtigkeit.

In demselben Augenblick erhascht der Mensch einen Einblick in das, was Gott ist. Er ist Gnade zugleich. In einem Menschen ist Gott gerecht und gnädig, denn in seinem Sohn ist der Zugang zur Gnade geschaffen, denn bei ihm am Kreuz wird der Sünder begnadigt. In Ihm haben wir Gnade und Gerechtigkeit.

Aber was sich keiner verdienen kann, schenkt Gott in seiner Güte: Er nimmt uns an, weil Jesus Christus uns erlöst hat. Um unsere Schuld zu sühnen, hat Gott seinen Sohn am Kreuz für uns verbluten lassen. Das erkennen wir im Glauben, und darin zeigt sich, wie Gottes Gerechtigkeit aussieht. Bisher hat Gott die Sünden der Menschen ertragen; er hatte Geduld mit ihnen. Jetzt aber vergibt er ihnen ihre Schuld und erweist damit seine Gerechtigkeit. Gott allein ist gerecht und spricht den von seiner Schuld frei, der an Jesus Christus glaubt.

Römer 3,22ff

Gott hat den Spagat gemacht zwischen Gnade und Gerechtigkeit. Doch es fordert oft viel Demut, eben das anzuerkennen, denn es bedeutet, dass du so schlecht bist, dass er dafür seinen Sohn brutal hat opfern lasssen. Barrack Obama verkündete den Sieg der Gerechtigkeit. Doch Gott verkündet in seinem Sohn den Sieg von Gerechtigkeit und Gnade zugleich. Er hat an einem Tag die Sünde der ganzen Welt weggetan und ruft die Menschen, dass sie sein Opfer annehmen, wie der Vers sagt: Gott allein ist gerecht und spricht den von seiner Schuld frei, der an Jesus Christus glaubt. Es geht nicht darum, wieviel Schuld du bei ihm ablädst, sondern darum, dass du sie ablädst und daran glaubst!

Am Kreuz hat die Gerechtigkeit gesiegt und die Gnade triumphiert! Der Gerechtigkeit und der Gnade wurde Genüge getan in Jesus Christus.