Die Märtyrer von Malatya

In diesen Tagen jährt sich wieder ein schreckliches Ereignis. Wegen ihres Glaubens wurden am 18.04.2007 die drei bekennenden Christen Necati Aydin, Tilmann Geske und Ugur Yüksel in Malatya in der Türkei umgebracht. Die Täter waren türkische Nationalisten, die den Christen, wegen der Verbreitung ihres Glaubens eine gezielte und vom Ausland gesteuerte Spaltung des Landes vorwerfen. Es wird heute in der Türke eine Gefahr in allem gesehen was nicht türkisch-sunnitisch ist. Dabei hat das Christentum eine fast zweitausendjährige Geschichte in dem Gebiet der heutigen Türkei. Die ersten christlichen Gemeinden entstanden in diesem Gebiet, eines der ältesten Klöster der Welt steht noch heute dort und zu Beginn des 20. Jahrhunderts war der Anteil der Christen bei über 20% in der Türkei. Heute macht der Anteil der Christen 0,2% der Bevölkerung aus. Gründe dafür sind der Völkermord an den christlichen Armeniern dem schätzungsweise eine Millionen Menschen zum Opfer vielen, der Konflikt mit Griechenland welcher zu einem Bevölkerungsaustausch von 1,5 Millionen kulturell christlichen Griechen gegen 500.000 kulturell muslimischen Türken und zur Pogromnacht von Istanbul führte, und ein weitere Grund ist die tägliche Benachteiligung und Unterdrückung von Christen. Doch die Opfer von Malatya waren keine Feinde der türkischen Nation. Im Gegenteil, Necati Aydin und Ugur Yüksel waren echte Türken und liebten ihr Land, Tilmann Geske kam zwar aus Deutschland, lebte aber mit seiner Familie in der Türkei und hatte auch eine große Liebe zum türkischen Volk. Eine Woche vor seinem Tod sagte Necati Aydin bei einer Vortragsreihe in Deutschland: „Und wir müssen das Volk, dem wir dienen, lieben.“ Doch was den beiden Türken große Schwierigkeiten bereitete war ihre Abwendung vom Islam hin zum christlichen Glauben. Es ist auch kein Geheimnis das der Buchverlag der drei missionarisch aktiv war und die Botschaft der Bibel verbreitete. Aber die Frage ist, ist die Botschaft ein Fluch oder ein Segen für das türkische Volk? Spaltet sie wirklich die türkische Nation? Bringt sie Frieden oder Streit? Die Bibel sagt über Jesus: „Denn es gefiel [Gott], in ihm alle Fülle wohnen zu lassen und durch ihn alles mit sich selbst zu versöhnen, indem er Frieden machte durch das Blut seines Kreuzes – durch ihn, sowohl was auf Erden als auch was im Himmel ist.“ (Kolosser 1,19-20) Die Botschaft Jesu lautet Versöhnung, unter den Menschen und vor allem mit Gott. Es ist eine Botschaft des Friedens. Seine Jünger hat er nie zu Gewalt aufgerufen, um genau zu sein, er hat sie zur Gewaltlosigkeit aufgerufen. Aber er hat seinen Nachfolgern auch verheißen das Menschen sie hassen werden wegen ihm, was auch die Christen in Malatya erleben mussten. Die Frauen von Necati Aydin und Tilmann Geske erklärten nach den Morden öffentlich,

„Wir vergeben den Mördern!“

Semse Aydin, die Frau des ermordeten Necati Aydin sagte:

„Mein größter Wunsch ist, dass die Mörder von Herzen umkehren, wie der Apostel Paulus vor Jesus zusammenbrechen und dann wie Necati Zeugen der Vergebung Gottes werden. Dann wäre Necatis Tod nicht umsonst gewesen.“

Wie gewaltig ist es doch solche Aussagen treffen zu können trotz all dem menschlichen Schmerz und der Trauer. Das ist es was die Botschaft Jesu bringt, Vergebung und Versöhnung, Trost und Hoffnung. Eine Botschaft die unserem Land und auch der Türkei gut tun würde.

Necati Aydin, Tilmann Geske und Ugur Yüksel hatten etwas wofür sie sogar ihr eigenes Leben riskierten, das wofür sie lebten war für sie größer als ihr eigenes Leben. Es war das gleiche was auch schon die ersten Nachfolger Jesu erfahren haben. „Von da an gingen viele seiner Jünger zurück und gingen nicht mehr mit ihm. Da sprach Jesus zu den Zwölfen: Wollt {ihr} etwa auch weggehen? Simon Petrus antwortete ihm: Herr, zu wem sollten wir gehen? Du hast Worte ewigen Lebens; und wir haben geglaubt und erkannt, dass du der Christus, der Sohn des lebendigen Gottes bist!“

Und auch später, als sie wegen ihres Glaubens bedroht wurden sagen sie ähnliches: „Und sie ließen sie rufen und geboten ihnen, durchaus nicht mehr in dem Namen Jesu zu reden noch zu lehren. Petrus aber und Johannes antworteten ihnen und sprachen: Entscheidet ihr selbst, ob es vor Gott recht ist, euch mehr zu gehorchen als Gott; denn es ist uns unmöglich, nicht von dem zu reden, was wir gesehen und gehört haben.“

Die Geschichte ist voll von Menschen die es für lohnenswert erachtet haben für Jesus zu leben und für Jesus zu sterben. Und jeder Mensch muss sich entscheiden wofür er lebt. Für das was er lebt wird er dann auch höchst wahrscheinlich sterben. Ugur Yüksel erkannte schon bevor er Jesus kennen lernte:

„Der Mensch muss entweder für eine gute Sache oder für seine große Liebe sterben.“

Auch wir, die wir noch leben, sollten uns überlegen wofür es sich zu leben und zu sterben lohnt. Für den Konsum, für unseren Bauch, für unseren Arbeitgeber, für einen Staat? Oder vielleicht für den lebendigen Gott der unser Schöpfer ist? Jesus hat selber sein Leben für uns gegeben damit wir einen Sinn im Leben bekommen, für unsere Sünden hat er die Strafe getragen am Kreuz. So kann Gott nun unser Vater werden, wenn wir das in Anspruch nehmen was Jesus für uns getan hat. „Allen aber, die ihn aufnahmen, denen gab er das Anrecht, Kinder Gottes zu werden, denen, die an seinen Namen glauben.“ (Johannes 1,12) Erst dadurch bekommt all die Schönheit und das Leid, ja das ganze Leben überhaupt einen Sinn.

Zum Schluss ein Lied von Necati Aydin das aus dem Türkischen übersetzt wurde:

„Du warst in der höchsten Höhe, bist aber zum niedrigsten geworden. Du warst allmächtig, bist aber zum Unterdrücktesten geworden. Du hattest alles, wolltest aber nichts. Du warst alles in jedem, bliebst aber allein und verlassen.

Das konnte ich nicht verstehen, das konnte ich nicht glauben. Überhaupt nicht konnte ich das verstehen oder glauben.

Du warst für uns die barmherzige Hand Gottes, die sich zu uns ausstreckt. Niemand hatte Mitleid, mit Nägeln wurdest du durchbohrt. Wie zärtlich bist du. „Vater vergib!“ hast du gesagt. Wie zärtlich bist du. „Vater vergib!“ hast du gesagt.

Das konnte ich nicht verstehen, das konnte ich nicht glauben. Überhaupt nicht konnte ich das verstehen oder glauben.

Die Last der Sünde war auf meinem Rücken, ich lebte unter ihr. Von ferne hörte ich eine Stimme, sanft und auch müde: „Auf!“ sagte sie, „gib deine Last. Auch die trage ich.“ „Auf!“ sagte sie, „gib deine Last. Auch die trage ich.“

Das konnte ich nicht verstehen, das konnte ich nicht glauben. Überhaupt nicht konnte ich das verstehen oder glauben.

Nun trägt der Herr meine Last und ich lebe frei. Das Unmögliche, das ich nicht wusste, verstehe ich jetzt. Herr, ohne dich kann ich nicht leben, ich bete dich an. Herr, ohne dich kann ich nicht leben, ich bete dich an.

Ich hab verstanden, ich habe verstanden, ich bin zum Glauben gekommen,  ich bin zum Glauben gekommen. Ich habe wirklich verstanden, ich bin von Herzen zum Glauben gekommen.“

Ich empfehle sehr zu dieser großen Geschichte das Buch, „Mein Schwager ein Märtyrer“ von Wolfgang Häde, zu lesen.