Barack Obama, der neue Popstar

Der ehemalige US-Botschafter John C. Kornblum charakterisierte kürzlich Unterschiede im amerikanischen und deutschen Wahlkampf: Ein amerikanischer Politiker müsse seinen Wählern versprechen, dass er nach seinem Sieg Grundlegendes verändern werde, etwa eine Reform des Gesundheitswesens. Ob er das später tatsächlich tue, sei weniger wichtig. Ein deutscher Politiker habe nur Chancen, gewählt zu werden, wenn er verspreche, nach seiner Wahl werde sich nichts ändern. Hinterher müsse er dann seine neue Politik durchsetzen, möglichst ohne dass die Wähler etwas davon merken.

Dennoch beschäftigt die Medien nach der Wahl des bis dahin völlig unbekannten Senators Barack Obama zum US-Präsidenten bis heute die Frage, ob sich sein Erfolgsrezept auf die deutsche Politik übertragen lässt. Das bestand vor allem darin, dass er nach der achtjährigen glücklosen Amtszeit von George W. Bush den Wandel („Change“) versprach – das Schlagwort wirkte letztlich aus sich heraus, nicht wegen der Inhalte, die Obama damit verband, wie etwa die angekündigte Beendigung des Afghanistan-Krieges. Zudem machte sich Obama erstmals konsequent die neuen Kommunikationsmittel des Internet zunutze und erreichte damit Bürger, die sich eigentlich längst enttäuscht von der Politik abgewandt hatten.

Wie Franz Solms-Laubach in der „Welt“ schrieb, wäre hier zu Lande ein Wahlkampf, bei dem die Verpackung wichtiger ist als die politischen Inhalte, undenkbar. Anders sieht es beim Einsatz der neuen Medien aus. Laut der Buchautorin Kerstin Plehwe („Von der Botschaft zur Bewegung – Die zehn Erfolgsstrategien des Barack Obama“) informieren sich 43 Prozent der deutschen Erstwähler und jungen Erwachsenen regelmäßig im Internet über politische Themen. Allerdings nutzen nur drei Prozent dafür die Angebote der Parteien. Obama hatte dieses Problem gelöst, indem er die Wähler per Mailings persönlich ansprach und zur Partizipation im Internet aufrief. Anhänger trugen seine Wahlkampfbotschaften selbstständig in Foren und sozialen Netzwerken weiter.

Im Magazin der „Süddeutschen Zeitung“ wurde jetzt der Schöpfer der Obama-Internetkampagne, Joe Rospars, vorgestellt. Der Berater habe es zuerst geschafft, den Präsidentschaftskandidaten auch bei politikfeindlichen Jugendlichen zum Star aufzubauen, schrieb Lars Jensen, und dann ihnen den Eindruck vermittelt, wenn sie ihn unterstützten, könnten sie selbst die Macht übernehmen. Inzwischen gelte es bei der US-Jugend als absolut cool, sich in die Politik einzumischen. Das sei der Wirkungsmechanismus des Pop: „Plötzlich entsteht eine neue Ausdrucksform, die jeder verstehen und übernehmen kann.“ Dem Obama-Netzwerk gehörten 13 Millionen Aktivisten an, eine Anhängerschaft, von der Stars wie Eminem, Jay-Z oder Madonna nur träumen könnten.

Barack Obama kann man wohl tatsächlich als Popstar betrachten – und das in einer Zeit, in der der Ruhm der Stars der Popmusik bedenklich bröckelt: „Politik ist der neue Pop.“ Ist das aber wirklich eine positive Entwicklung, sollte sie nicht auf die USA beschränkt bleiben, sondern sich auch in Europa durchsetzen? Brauchen wir politische Führer, die zwar keine Strategie für ihre Regierung, aber zumindest wieder eine begeisterte Anhängerschaft haben? Vielleicht ist von Menschen nicht mehr zu erwarten, wenn die Probleme, die sie zu lösen haben, so schwierig sind wie zurzeit.

Jesus Christus hat in einer Zeit, in der es keine Massenmedien gab, ebenfalls erlebt, dass ihm die Massen wie einem Popstar zujubelten und sich überall versammelten, wo er auftauchte. Er hat aber auch dieselbe Launenhaftigkeit der Menge erlebt, die heute eine Popband nach der anderen abfeiert und den Act vom Vorabend gleich wieder vergessen hat. Er stand am Ende sogar einem aufgehetzten Mob gegenüber, der seinen Tod forderte – den entwürdigenden und qualvollen Tod am Kreuz.

Jesu Anhänger waren vom Absturz ihres „Stars“ eine Zeitlang so geschockt, dass sie sich nicht trauten, das Haus zu verlassen. Aber Jesus war kein Blender gewesen, dessen Botschaft keine Bedeutung hat. Er hat das entscheidende Problem der Menschheit gelöst, nämlich den Abgrund zu überwinden, der sie durch die Sünde von Gott trennte, indem er selbst für ihre Schuld büßte. Diese Tat hat immer wieder Menschen dazu bewegt, nur noch für Jesus zu leben. Für einige war sie sogar so wichtig, dass sie dafür ihrerseits freiwillig in den Tod gingen – zunächst während der Christenverfolgung der Römer und dann durch 20 Jahrhunderte hindurch bis heute. Das ist viel mehr, als irgendein Popstar jemals von sich behaupten kann.