Der Mensch – eine besonderes Geschöpf?

Der Mensch – eine besonderes Geschöpf?

Der Mensch ist in der Bibel eine besondere Kreatur. Heute steht diese Lehre zunehmend unter Beschuss, denn es wird mit aller Gewalt versucht, den Mensch zum Tier zu degradieren, wir sind nur noch Biochemie. Die Basis dafür finden wir in der Evolutionstheorie, aber auch in ihren philosophischen Auswüchsen.

„Die Himmel erzählen von der Ehre Gottes“ (Psalm 19,2) und es gibt nichts vergleichbares als unter einem Sonnenaufgang die Schöpfung zu bestaunen. Doch trotzdem wird von ihnen nicht gesagt, dass sie das Ebenbild Gottes sind.

Nichtsdestoweniger verneint die Bibel auch nicht die Chemie des Menschen, nämlich dass das Leben materielle Elemente enthält. Vor allem die Ausdrücke „die Erde bringe lebendige Wesen hervor“ (1. Mose 1,24) oder auch „die Erde lasse Gras hervorsprossen“ usw. beweisen das. Auch der Mensch ist immerhin aus Erdboden gebildet, entspricht also den chemischen Elementen und wird wieder zu Erdboden werden. Es ist deshalb kein Wunder, dass der Mensch den Tieren in seinem „Material“ ähnelt.

Der weitere Unterschied zwischen Mensch und Tier wird dadurch unterstrichen, dass der Mensch über die Tiere herrschen soll (ein beobachtbares Phänomen). Dem Mensch wurde aufgetragen, den Tieren Namen zu geben. Als Adam noch alleine war, wird zudem gesagt, dass niemand auf der Erde gefunden wurde, der ihm dabei helfen konnte. Deswegen schuf Gott die Frau, die ihm ein Gegenüber war, was die Tiere anscheinend nicht erfüllen konnten.

Ein weiterer Punkt ist, dass Gott sich selbst in die Menschheit „codierte.“ Das Wort wurde Fleisch und wohnte unter uns heißt es in der Schrift, er wurde also selbst ein Mensch. Im Licht dieses Wunders der Inkarnation Gottes gibt es keine Schwierigkeit mehr zu glauben, dass die menschliche Rasse ebenfalls mit einem übernatürlichen Ereignis begann – mit dem direkten Eingreifen Gottes von unglaublicher Bedeutung.

Das Alter der Menschheit

Viele Bibelforscher versuchten in der Vergangenheit das Alter der Menschheit mittels Stammbäumen anzugeben. Dies ist eine Methode, die wir bei zeitgeschichtlichen Analysen des Alten Testaments gebrauchen können, jedoch nicht in Bezug auf das Alter der Menschheit. Ganz deutlich wird das zum Beispiel in Matthäus 1,8: „Jehoram war der Vater von Usia.“ Dies ist eine Kurzschreibweise von „Jehoram war der Vater von Ahasia, der war der Vater von Joash, der der Vater von Amaziah war, der wiederum der Vater von Usia war.“ Hieraus folgt, dass wenn wir im Kontext der Bibel von Stammbäumen reden, es auch wirklich um die Abstammung an sich geht und nicht die chronologische Reihenfolge von Vater zu Sohn. Das Alter der Menschheit ist deshalb nicht zu bestimmen. Es könnte viel älter sein als durch Bibelforschung angenommen. Um klar zu sprechen: Die Erde ist jünger als das Universum, biologisches Leben ist jünger als die Erde, und menschliches Leben ist jünger als biologisches Leben.

Ein theologischer Widerspruch: Der Tod vor Adam

Die Bibel sagt, dass der Tod durch einen Menschen in die Welt kam als Folge der Sünde (Römer 5,12). Dies ist einer der faszinierendsten Dinge, die in den ersten Kapiteln der Bibel passieren. Es hat zu tun mit einem Baum, einer Schlange und zwei Menschen. Diese Menschen konnten „Ja“ zu Gott und der Gemeinschaft mit ihm sagen, indem sie nicht von dem Baum aßen. Sie sagten „Nein.“

Das zeigt uns schon am Anfang der Bibel auf, dass wir moralische Wesen sind. Wir können zwischen Gut und Böse unterscheiden und sind keine puren Instinktwesen.

Der nächste Protagonist ist die Schlange. Ein sehr interessantes Wesen, denn im weiteren Verlauf der Bibel wird deutlich, dass sie vom Satan selbst gebraucht wurde, um die Menschen subtil von Dingen zu überzeugen, die nur halbwahr waren. Die Menschen seien wie Gott. Sie erkennen Gut und Böse. Zu dem Erstaunen von Adam und Eva waren es leider eine bittere Tatsache, dass die versprochenen Dinge der Schlange nicht dem entsprachen, was sie sich erhofft hatten. Sie mussten sterben.

Deutlich wird hier auch, dass es unterschiedliche Level von Leben gibt. Es fällt auf, dass sie nicht direkt sterben müssen (physisch), sondern nur aus dem Garten geworfen werden. Das ist insofern interessant, dass es uns lehrt, was mit Leben eigentlich gemeint ist. Es ist die Gemeinschaft mit Gott, nicht nur pure Physik. Das wird uns im Neuen Testament ebenfalls bestätigt. Der Bruch mit der Gemeinschaft Gottes führt dann zu anderen Ebenen des Todes, den Tod von Schönheit und Erfüllung, den Tod von zwischenmenschlicher Beziehung und schließlich den physischen Tod.

An dieser Stell müssen wir uns genauer ansehen, was Paulus im Griechische wirklich schreibt. Er sagt, durch die Sünde von einem Menschen ist die Sünde über die MENSCHHEIT gekommen. Er sagt nicht, dass die Sünde über alles biologische Leben gekommen ist. Der MENSCHLICHE Tod ist Folge der Sünde. Das macht auch Sinn, weil wir die einzigen moralischen Wesen sind und der Tod der letzte Indikator dafür, dass wir Moral haben. Über Pflanzen und Tiere denken wir nicht in solch moralischen Dimensionen. Wir beschuldigen den Löwen nicht zur Sünde, wenn er eine Antilope oder sogar einen Mensch tötet. Waren Raubtiere also vor dem Sündenfall auf alternative Diäten angewiesen? Wohl kaum.

Viele Christen werden sich erst einmal komisch vorkommen bei dem Gedanken daran, dass der Tod schon vor der Sünde existierte (nicht für den Mensch) und mit Römer 8,20-21 antworten: „Die Schöpfung ist ja unterworfen der Vergänglichkeit – ohne ihren Willen, sondern durch den, der sie unterworfen hat – , doch auf Hoffnung; denn auch die Schöpfung wird frei werden von der Knechtschaft der Vergänglichkeit zu der herrlichen Freiheit der Kinder Gottes.“ Auch hier müssen wir wieder genauer hinsehen, um zu verstehen, was wirklich gesagt wird. Im Griechischen wird das wieder deutlicher.

Paulus spricht im genaueren Sinne von Verfall. Schauen wir uns an, was mit Pflanzen passiert. Narzissen zum Beispiel können krank werden. Trotzdem haben sie, ob krank oder gesund, einen normalen „Lebenszyklus“, sie sterben ab im frühen Sommer. Nur die Knolle bleibt bestehen, die im nächsten Jahr dann wieder aufgeht. Das nennen wir den Zyklus der Natur. Ist das nun eine gute Sache, Teil der originalen Kreation, oder doch eine Folge der Sünde? Es ist also sehr wohl möglich, dass Krankheit und menschlicher Tod eine Folge der Sünde sind, aber der Tod an sich als Teil des Zyklus der Natur eben keiner ist. Römer 8 bezieht sich hier eben nicht auf Tod, sondern auf Verfall, was die ganze Argumentation über den Tod vor der Sünde weiter unterstützt. Im Griechischen bedeuten diese Worte eher Verfälschung, nicht Tod. Krankheit und Fäulnis verfälschen die Schöpfung, und deshalb sehnt sie sich nach Erlösung (Vers 22).

Der Baum des Lebens

Uns wird gesagt, dass es im Garten Eden einen weiteren speziellen Baum gab, den „Baum des Lebens, zu dem ein freier Zugang garantiert war (1. Mose 2,16).“ Eine Konsequenz der Sünde war, dass der Zugang zu dem Baum des Lebens verbarrikadiert wurde. „Und Gott der Herr sprach: Der Mensch ist geworden wie unsereiner und weiß, was gut und böse ist. Und nun, dass er nicht etwa seine Hand ausstrecke und von dem Baum esse und lebe ewiglich! Da wies ihn der Herr aus dem Garten Eden“ Dieser Vers könnte meinen, so wie viele denken, dass Adam nie von diesem Baum gegessen hatte und Gott war dankbar, dass er es nicht getan hat. Aber könnte es nicht auch genauso heißen, dass er als sterbliche Natur nur in der Nähe dieses Baumes sein musste, um ewig zu leben einfach dadurch, dass er seine Hand ausstreckte und davon aß? Der Tod kam in dem Moment in sein Leben, als er nicht mehr davon essen konnte und aus dem Garten geschmissen wurde. Hatte der Mensch also vor dem Sündenfall eine innewohnende Unsterblichkeit, die erst durch den Sündenfall durchbrochen wurde, oder war er generell sterblich, was nur durch den Baum des Lebens verhindert wurde? Die Bibel gibt eine Antwort in 1. Timotheus 6,16: „denn Gott allein ist unsterblich.“ Es ist sehr realistisch, dass der Mensch als sterbliches Wesen geschaffen wurde und dem Tod nur entgangen ist, weil er von dem Baum des Lebens aß. Die Tiere unterlagen dem normalen sterblichen Lebenszyklus. Diesen Gedanken impliziert auch die Anlage eines Gartens, der für die Gemeinschaft zwischen Gott und Mensch stand. Tiere gab es wahrscheinlich innerhalb und außerhalb des Gartens.

Die Basis für ein biblisches Verständnis der Welt ist die Perspektive, dass der Mensch etwas Besonderes ist, ein moralisches Wesen, das sich abhebt vom Rest der Schöpfung. Es ist von immenser Wichtigkeit für unsere menschliche Identität und für unser Verständnis für Errettung von Sünde. Genau deswegen ist es der Menschheit auch so wichtig, dass sie die Unterschiede zwischen Mensch und Tier einfach wegdiskutiert. Weil sie dann nicht mehr zur Verantwortung gezogen werden kann.