Charles Manson hat andere Menschen manipuliert, durch Drogen gefügig gemacht – und sieben Menschen ermorden lassen. Dennoch wurde er ein Popstar. Wie gehts das?

„In der Popkultur waren Manson und seine Taten immer wieder ein Thema: „Allein durch die Beatles-Referenz schreibt sich Manson gewissermaßen als Pop-Figur in eine Tradition ein“, sagte Literaturwissenschaftler Niels Penke im Deutschlandfunk Kultur – und das habe Manson „ziemlich erfolgreich“ getan.

Es sei ihm gelungen, sich als „eine Art Anti-These zum Anti-Establishment“ zu generieren, erklärt Penke den popkulturellen Erfolg des Mörders. In der Zeit der Hippie-Bewegung, die für Frieden und positiv konnotierte Werte stand, sei es Manson gelungen, sich als eine „Anti-These“, eine „nihilistische Alternative“ zu stilisieren; als eine Figur die sich ebenfalls gegen das Establishment und die Staatspolitik richtete. „Diese Form der terroristischen, mörderischen Rebellion, das ist etwas, das subkulturell auf Anklang gestoßen ist.“

Beispiele für popkulturelle Verweise auf den Sektenführer und Mörder gibt es viele: beispielsweise die Band Guns N’Roses, die auf ihrem Album „The Spaghetti Incident?“ Mansons Folksong „Look at Your Game, Girl“ gecovert hat. Der Schockrocker Marilyn Manson kombinierte in seinem Künstlernamen den Namen des Mörders mit dem von Marylin Monroe. Der Musiker und Horrorfilm-Regisseur Rob Zombie erfand in seinem Film „The Devil’s Rejects“ die deutlich an Manson angelehnte Figur eines Sektenanführers. Zahlreiche andere Filme, zum Beispiel „The Manson Family“ von Jim Van Bebber, setzten sich ebenfalls mit dem Leben und den Taten des Mörders auseinander. Insbesondere im Comedy-Bereich und in Comic-Serien, wie etwa „The Simpsons“ und „South Park“, tauchte Charles Manson immer wieder als Figur auf. Auch er selbst meldete sich in den Medien zu Wort. Noch 2013 gab er dem „Rolling Stone“ ein Interview.“ (deutschlandfunkkultur.de)

Rockmusik, Gewalt, Drogen, freier Sex und Okkultismus gehören immer schon zusammen. Da wundert es den Betrachter nicht, dass dieser Mörder in der  modernen Musikbewegung eine gewissen Rolle gespielt hat. Er wurde teilweise sogar verherrlicht. Neulich waren wir auf einem Event, bei dem Marilyn Manson aufgetreten ist. Niemand hat sich an diesem schrecklichen Namen gestört. Würden diese unwissenden Rockfans auch in ein „Adolf Hitler-Konzert“ gehen?“

Interssante Beobachtung. In London und auch hier lässt man seit einiger Zeit in einer Problemhaltestelle der Metro nur noch Klassik laufen. Das Resultat: Die Gewalt-und Drogendelikte gingen deutlich zurück. Eine Welt ohne Rock, Pop, Techno und Co. wäre sicher eine friedlichere Welt und unsere Kinder wären sensibler, konzentrierter, aufnahmefähiger und weniger aggressiv.

 

Kommentar

  1. T.

    Wenn man sich die Musik aus der Epoche anhört, dann spürt man eine unglaublich starke Sogwirkung, die von ihr ausgeht. Es wurde ein einzigartiger Aufbruch verkündigt, eine neue Epoche eingeleitet; man versprach sich Freiheit, freie Liebe, einen einzigen schönen Drogentrip… Charles Manson (dt. Menschensohn) war, wie in dem Artikel steht, die Antithese dazu. Er zeigte die dunkle Seite der Hippie-Bewegung, die in Wirklichkeit immer präsent war, aber wahrscheinlich aufgrund der Glorifizierung dieser Zeit vom Verstand von vielen abgekoppelt und verdrängt wurde. Wer weiß, wie viele Teens auf Drogen hängengeblieben sind, sexuell kaputt gingen und aufgrund des moralischen Niedergangs anderweitig Schaden davontrugen. Auch die RAF, die ja auch zum Mythos wurde, schaffte es, daran anzuknüpfen. Eigentlich ist hier das Wort aus Sprüche wahr:

    Pred 7,10 Sprich nicht: »Wie kommt es, dass die früheren Tage besser waren als diese?« Denn nicht aus Weisheit fragst du so!

    Die Tage damals und die Menschen waren vielleicht moralisch noch ein bisschen unverdorbener als wir, aber im Endeffekt hatte wahrscheinlich jeder Mann und jede Frau ihr Päckchen zu tragen wie zu allen Zeiten. Es war nicht besser als heute. Es liegt in der Natur des Menschen, das Schlimme auszublenden und selbst die schlimmsten Zeiten im Nachhinein zu glorifizieren.

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