Religion – Eine Angelegenheit des gottlosen Menschen.

Religion ist wie Nelken im Asia-Curry

Vor Kurzem kochte ich zu Hause bei meinen Eltern ein herrliches asiatisches Hühnchen-Curry-Gericht. Wir essen gerne scharf. Nachdem also alles fertig gebraten in feiner Soße schmorte, fügte ich noch genüsslich Gewürz aus einer Dose mit der Aufschrift „Mexico Pulver“ hinzu. Der daraufhin aus der Pfanne aufsteigende Duft ließ mich nichts Gutes ahnen. Der Geschmackstest bestätigte den Verdacht: Nelken. Meine Mutter hatte Nelken in die „Mexico Pulver“-Dose gefüllt. Das Hühnchen-Curry wurde zum Weihnachts-Püree. Themaverfehlung. Religion ist auch Themaverfehlung. Zwar nur knapp, aber umso grundlegender. Die Nelken haben sich mit allen anderen Zutaten vermischt, der Geschmack war überall, das Gericht schmeckte grundlegend anders. Religion ist Nelkenpulver im Currygericht. Genauso verirrt schmeckt Religion. Das ist der Grund allen Grübelns: dass scheinbar gute Zutaten einen so furchtbaren Bei- und Nachgeschmack haben.

Religion ist der Versuch, sich selbst zu erretten

Wenn ich von Religion rede, dann meine ich ein Regelsystem aus einem Haufen religiöser moralischer Regeln. Tu dies. Lass das. Mach es so. So aber nicht. Dieses religiöse Gewand ist eng und lässt wenig Bewegungsfreiheit und noch weniger Raum für Freude, Kreativität, für Fehler oder für Laien. Dazu kommt eine simplizistische Gott-hat-dich-lieb-Theologie, etwas für den Weltfrieden beten, über Windmühlen reden, etwas spirituelle Psychologie und dem Santa-Claus-Gott seine Sorgen und Wünsche mitteilen. Und mit diesem Potpourri aus Regeln und Wohlfühlromantik ist dann die Hoffnung verknüpft, wir könnten uns damit retten – und vielleicht auch noch nebenbei die ganze Welt. Und Gott? Gott gilt in diesem Konzept als unbewegter Beweger, der einmal das Weltgeschehen angestoßen und sich dann zurückgezogen hat. Wer Gott ist, was er macht und wie er so drauf ist, weiß aber niemand. Gott hat die Uhr zu Beginn der Zeit aufgezogen und nun tickt das perfekte Uhrwerk, bis es halt irgendwann stehenbleibt. So hat es der Philosoph Leibniz ausgedrückt. Und viel mehr kommt in den Kirchen des Landes nicht mehr rum: Ja, Gott gibt es (wahrscheinlich). Nein, er bestraft dich nicht. Halte dich trotzdem besser an unsere Regeln.

Das ist Religion und die hat sich so in die Lehre, Verkündigung und die Praxis der Kirchen eingeschlichen wie die Malware auf den Computer oder das Nelkenpulver in das asiatische Curry. So kommt es, dass viele Kirchen ihre Predigten mit dem würzen, was der Soziologe Christian Smith einen „moralisch-therapeutischen Deismus“ nennt. Stattdessen sollten sie aber die freudebringende und verändernde Gute Nachricht auf den Tisch bringen. Kein Wunder, dass viele ein echtes Problem mit der Kirche haben.

Das Evangelium ist, was Gott für uns macht

Die biblischen Autoren und Texte erzählen eine andere Version von Gott. Sie erzählen das Evangelium, und das ist etwas ganz anderes als eine Morallehre. Zwar zeigt das Evangelium auch in seiner Wirkung klar, wie gutes Leben funktioniert und wer ich wirklich bin, aber das ist „nur“ die Wirkung der Nachricht und nicht die Nachricht selbst. Aber auf die kommt es an! Evangelium bedeutet „Gute Nachricht“ und gute Nachrichten werden verkündigt. Gute Nachrichten können angenommen oder abgelehnt werden. Aber gute Nachrichten sind nicht etwas, das man für sich machen kann, sondern etwas, das schon geschehen ist und nun verkündet wird. Das verkündete Geschehene freilich kann mein ganzes Leben verändern. Die Vorstellung, dass ich ein guter Mensch bin, weil ich mich an alle religiösen Gesetze, Regeln und Normen halte, hat also mit dem Evangelium so viel zu tun wie Nelken mit Asia-Curry.

Kirche1© womue – Fotolia.comReligion sagt: „Ich halte mich an alle Regeln, darum bin ich von Gott angenommen.“ Das Evangelium sagt: „Gott liebt mich, darum kann ich ihm vertrauen und auf sein Wort hören.“ Das Evangelium dreht also die Motivation um. Zuerst ist da Gottes Zusage und Trost. Nicht Ungewissheit und Belieben. Religion ist der Versuch, Gott durch ein vorbildliches Leben zu manipulieren. Das Evangelium ist das Angebot Jesu, mit Gott versöhnt zu sein. http://www.bedacht-magazin.de/index.php/glauben/104-religion-eine-angelegenheit-des-gottlosen-menschen.html

Kommentare

  1. Matthias Franzius

    Religion ist männlich und fördert damit energetisch das was durch das einseitig männliche in dieser Welt hervor tritt: Ausbeutung, Machtstreben, Rechthaberei, Ablehnung, Hass, Krieg, Zerstörung…
    ~
    “Im Namen des (männlichen) Vaters, des (männlichen) Sohnes und des (männlichen) heiligen Geistes”
    stattdessen könnte es lauten:
    “Im Namen des geistigen Vaters, der seelischen Mutter und der heiligen Schöpfung”.
    ~

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