Von der Leyens „lebbare Familie“

In einem aktuellen (Ende Februar 2007) Vorstoß brachte Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen (CDU) den Vorschlag, die Zahl der Kinderkrippenplätze in Deutschland auf 750.000 zu verdreifachen. Damit möchte sie nach ihren Vorstellungen die Familie „besser lebbar“ machen, indem sie Eltern (oder solche, die es werden wollen) in der Betreuung der Kinder entlastet. Zum einen sollen damit junge Paare ermutigt werden, Kinder zu bekommen, da diese auch bei Berufstätigkeit beider Eltern betreut werden könnten. Zum anderen will von der Leyen damit schon bestehende Familien, Geschiedene und Alleinerziehende unterstützen.


Klingt sehr vernünftig und „pro Familie“. Doch sind die Ideen der Ministerin wirklich zielführend?


Natürlich muss man die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen berücksichtigen. „Heutzutage kommen junge Paare, die in einem der Ballungsräume der Republik leben, materiell oft nur dann über die Runden, wenn Mann und Frau berufstätig sind […] – zumal wenn ihnen im Beruf immer mehr Mobilität und Flexibilität abverlangt werden.“ meint z.B. die FAZ*. Dass vor allem letzteres ein Tribut an die Globalisierung ist, bestätigt auch von der Leyen selbst**.


Aber auch wenn der finanzielle Druck auf junge Paare groß sein mag, ist von der Leyens Idee nur oberflächlich betrachtet familienfördernd. Denn zum einen beugt sie sich vor einer den Menschen immer mehr entfremdenden Wirtschaft, wie sie u.a. Richard Sennett in seinem Buch „Die Kultur des neuen Kapitalismus“*** beschrieben hat. Zum anderen ist ihr Ziel wohl eher das Auffangen des drastischen Geburtenrückgangs, der mittlerweile auch Politik und Wirtschaft alarmiert hat. Genau darüber diskutiert die Union, wie G.P. Hefty von der FAZ meint****. Bischof Walter Mixas für Furore sorgende Aussage, von der Leyen wolle Frauen „zu Gebärmaschinen erniedrigen“, scheint in diesem Kontext zwar heftig, aber nicht aus der Luft gegriffen. Und drittens ist die Aussage von der „freien Wahl“ zwischen Eigen- und Fremdbetreuung realitätsfern: denn schon seit Jahrzehnten geht der Trend in unserem Land Richtung Selbstverwirklichung. Kinder werden mit großer Wahrscheinlichkeit eher massenhaft in Krippen gesteckt als zuhause unter großen persönlichen Opfern aufgezogen.


Der vierte und gewichtigste Einwand gegen die neue „nachhaltige Familienpolitik“ ist jedoch das Wohl der Kinder selbst. Denn in einer Kinderkrippe bekommen sie bei weitem nicht das, was sie brauchen. Statistische Hinweise darauf finden sich in den PISA- und Unicef-Studien, in denen Regionen mit früher Fremdbetreuung deutlich schlechtere Ergebnisse brachten. In Großbritannien warnte eine Gruppe von 110 renommierten Ärzten und Fachkräften vor negativen Folgen für die Gehirnentwicklung.


Das sind natürlich alles keine Beweise. Auch mag man einwenden, eine Kinderkrippe sei immer noch besser als genervte und überlastete Eltern. Aber gerade hier zeigt sich der Bankrott unseres Werte- und Erziehungssystems. Kinder werden als Störfaktoren gesehen, es herrscht oft totale Unsicherheit über das Wie der Erziehung. Der eigentliche Grund für den Niedergang der Familie ist nicht das mangelnde Geld, sondern der verlorengegangene Bezug zu dieser Grundkonstante des menschlichen Daseins.


Dies nimmt nicht Wunder, denn Familie ist die Erfindung des größten aller Väter, Gott (Epheser 3,14). Abwendung von Ihm bedeutet unweigerlich auch Destabilisierung aller mit Ihm zusammenhängenden Werte. Die Säure des Atheismus und Humanismus in Europa hat längst nicht nur den Einfluss der Kirchen gemindert oder die Schöpfungsgeschichte durch Evolution ersetzt; jetzt greift sie auch die Grundfunktionen des Lebens an: Sexualität, Familie, Schutz ungeborenen Lebens.


Was denn nun, Frauen zurück an den Herd? Nein, dieses Bild entstammt mehr der Polemikmaschinerie der 68er als der Bibel. Mal ehrlich: viele von uns wünschen sich, die Eltern hätten mehr Zeit für sie gehabt, Scheidungskinder leiden in der Regel – bewusst oder unbewusst – sehr an der Trennung, und jeder von uns weiß tief innen, wie schön es ist, ein Zuhause zu haben. Jeder möchte gerne Liebe empfangen, aber warum dann nicht auch Liebe geben? Familie ist ein solches „Liebes-Nest“. Und in einer Beziehung zu unserem Schöpfer können wir Familie wirklich „lebbar“ machen.


Quellen:


*FAZ-Artikel „Von der Leyen hat gesiegt“
**Pressemitteilung des Bundesministeriums für Familie
***Richard Sennett: Die Kultur des neuen Kapitalismus, Berlin-Verlag Berlin 2005
****FAZ-Artikel „Der noch mächtigere Streit“

Kommentare

  1. Frank

    Ich mache mir eher Sorgen, dass die zur Verfügung gestellten Krippenplätze sich vom „Recht“ in eine, wenn auch nicht gesetzlich verankerte „Pflicht“ wandeln, wie ja zum Beispiel schon Alleinerziehende Mütter, die auf staatliche Unterstützung angewiesen sind, gezwungen werden, Vollzeitstellen anzunehmen, sobald Ihre Kinder das dritte Lebensjahr vollendet haben. Begründung: Es gibt ja Vollzeit-Betreuung…

    Eines Tages sind Eltern dann durch einen schleichenden Prozess von „Erziehungsberechtigten“ zu „unterhaltspflichtigen Erzeugern“ reduziert; es gibt ja Vollzeit-Krippen…
    Ich glaube, dass es zwingend notwendig ist, dass wir uns wieder auf die Werte der Bibel, auf GOTTES Werte zurückbesinnen, sonst werden unsere Kinder oder Enkel einst nicht mehr viel von uns sehen…

  2. ali

    ich hoffe für dich, dass du trotz der kinder- und familienfeidlichen einstellung unserer zeit den rechten weg für dein zukünftiges leben findetst.
    gott möge dich durch seinen geist und sein wort leiten.

    wer gott treu ist, kann wunder erleben.
    kinder sind eine gabe gottes, kein unglück.

    gott mit dir.
    ali

  3. Lucianna

    Naja

    Ehrlich gesagt kann ich Frauen verstehen die gerne berfustätig sein wollen. Ich persönlich will auch arbeiten gehen selbst wenn ich Kinder haben werde. Natürlich werde ich erst dann anfangen zu arbeiten wenn     sie alt genung sind allein zurecht zu kommen. Es ist schon ein komisches Gefühl vom Mann abhängig zu sein, zumindest in Geldsachen und es liegt ja klar auf der Hand dass man eine Familie nicht mehr vesorgen kann, wenn einer Arbeitet. Zumindest nicht für meine Generation…
    Es ist doch wirklich bescheuert wie Frauen heute behandelt werden. sie müssen alles zugleich schaffen, Beruf, Haushalt u familie und der Beruf sollte schon etw seriöses sein. keine Hlabtagskraft, versteht sich doch…
    Und wie viele Frauen werden entlassen weil sie in Schwnagerschaftsurlaub gehen und die die nicht gefeuert werden müssen nach einem Jahr schon wieder arbeiten gehen. Ist doch verständlich dass man echt kein Bock auf so einen Mist hat… Die menschen sind alle nur noch Karriere Geil u die die es nicht sind werden benachteiligt, zum Rande der Gesellschaft abgeschoben.
    Meiner meinung nach sollten diese Politiker sich mehr dafür einsetzten dass Frauen nicht mehr so dermnaßen unter Druck gesetzt werden. Diese Kinderkrippen bringen ünerhaupt nix außer dass die Kinder schlimmstenfalls vereinsamen u keinen gesunde Kontakt zu ihren eltern aufbauen können.

  4. ali

    hartmut steeb und sein vorschlag:

    Kinder werden gezeugt und nach 40 Wochen geboren. Es ist die Jahrtausende alte Erfahrung, wissenschaftlich vielfach abgesichert und gesellschaftlicher Konsens, dass der beste Ort des Heranreifens eines gezeugten Kindes in diesen 40 Wochen der mütterliche Körper ist. Und genauso wie dies unbestritten ist und in aller Regel gilt, so ist es auch für ein geborenes Kind. Es braucht zunächst vollen Rund-um-die-Uhr-Service. Und niemand kann ihn besser – wie schon in der Zeit der Schwangerschaft – geben, als die Mutter, unterstützt durch den Vater. Um des Wohles des Kindes willen sollte der Beziehungsvorsprung der Mutter so gut als möglich genutzt werden. Und es ist eben die beste und günstigste Grundvoraussetzung für ein gesundes Heranwachsen eines Kindes und Jugendlichen, wenn dies lange innerhalb einer intensiven Liebes- und Treuegemeinschaft der Eltern, in einer wirklichen und vollständigen Familie geschehen kann.

    Es lässt sich auch nicht bestreiten, dass es besonders günstig ist, wenn es in einer solchen Familie nicht nur ein, sondern mehrere Kinder gibt. Haben nicht darum zurecht die Verfassungsväter und -mütter in Artikel 6 des Grundgesetzes formuliert: „Ehe und Familie stehen unter dem besonderen Schutze der staatlichen Ordnung“? Weiter heißt es dann: „Pflege und Erziehung sind das natürliche Recht der Eltern und die zuvörderst ihnen obliegende Pflicht“, was offenbar in Vergessenheit geraten ist.

    Bisher hat man sich kaum bewusst gemacht, dass vor allem Frauen die Erziehungs- und Betreuungsarbeit für die neu heranwachsende junge Generation praktisch zum Nulltarif geleistet haben. Wirtschaftlich gesehen ein freies Gut, das von der Gesellschaft kostenlos angeeignet wurde. Man nahm es nicht als solches wahr, weil die traditionelle Arbeitsteilung in der Familie als normal und selbstverständlich angesehen wurde. Es kann aber nicht mehr länger sein, dass die Früchte des Aufziehens von Kindern von allen beansprucht werden, obwohl sich einige an den Kosten des Heranwachsens einer neuen Generation substantiell nicht beteiligen.

    Jetzt ist es an der Zeit, endlich mehr soziale Gerechtigkeit zu verwirklichen und ein deutliches positives Zeichen für Familienfreundlichkeit und Familienförderung zu setzen, damit wir der Zielsetzung der Verfassung näher kommen: dem Schutz von Ehe und Familie.

    Konkret bedeutet dies: Schluss mit der Diskriminierung der Mütter und ihrer vollwertigen Berufstätigkeit, Priorität für Familienpolitik, Förderung der Mehrkinderfamilien, Herstellung einer echten Wahlfreiheit zwischen „Familie als Beruf“ und „außerfamiliären Berufen“ durch Beseitigung der materiellen und sozialrechtlichen Benachteiligungen der Alternative „Familie als Beruf“, zumindest finanziell-materielle Gleichbehandlung derer, die ihre Kinder selbst vollzeitlich erziehen und begleiten wollen. Ihnen muss mindestens soviel staatliche direkte Unterstützung gewährt werden, wie Andere indirekt durch die staatliche Finanzierung von Ganztagesbetreuung erhalten.

  5. AnkyPanky

    Re: ….

    Ich kann dir zustimmen.doch denke ich das es nicht schaden kann, ab ein bestimmtes Alter einen Kindergarten  
    zu besuchen.Ein Baby ober Kleinkind sollte aber auf jeden Fall bei seiner Mutter sein.Doch mit 2Jahren sollte wenigstens die Möglichkeit bestehen.Schlieslich gibt es viele Einzelkinder die nur wenig soziale Kontake zu gleichaltriege haben.
    Noch etwas aus der Vergangenheit:
    In der DDR war es so das alle Kinder mit ca. 1 Jahr oder noch früher in die Kinderkrippe gekommen sind.Ab diesem Augenblick wurden sie mit vom sozialismus Erzohgen.Meine Mutter  z.B. hat gleich 8 Stunden pro Tag gearbeite.
    Ich bin der Meinung das das der Bindung zu den Eltern nicht gerade Förderlich war.Und das viele Eltern auch nicht so glücklich darüber waren.Zumal ist es auch ganz schön viel Stress sie vor der Abeit und danach auch noch Abzuholen.
    Ich möchte zuHause bleiben und würde meine Kinder nur für ein Paar stunden weggeben damit sie mit anderen spielen können.
    Jede Situation ist anders,doch sollten wir Frauen nie vergessen welche Aufgabe Gott uns Zugedacht hat.Nicht umsonst können wir Kinder gebähren.Er hat schich auch klar ausgedrückt in seinem Wort.Sprüche 31.10ff &das Buch Ruht.

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