Wie erkläre ich Kindern diesen tragischen Fall?

Kinder setzen sich auf allen Altersstufen mit dem Tod auseinander, sie machen sich Vorstellungen, entwickeln Ängste und haben Fragen. Wie gehen wir als Erwachsene darauf ein und welche kindgemäßen Antworten geben wir?

Unser Ziel kann also nicht sein, alle Fragen zu klären, alle Antworten zu geben, sondern Angst und Verunsicherung der Kinder zu mildern und mit ihnen das Bedrohliche des Todes zu verarbeiten.

Der Pädagogik Professor Fritz März hat gesagt: Erziehung zum Leben heißt Erziehung zum Sterben können. Darum gilt es umso mehr, diese Fragen nicht auszuklammern, gar zum Tabuthema werden zu lassen, sondern sich ihnen zu stellen und die Erfahrung des Todes für Kinder begreifbar und verstehbar zu machen. Dies kann ich aber nur echt und glaubwürdig, wenn ich mich selbst mit dem Tod an sich und meinem eigenen Sterbenmüssen auseinandergesetzt habe und für mich eine Antwort gefunden haben. Wer selbst den Gedanken an den Tod verdrängt, wird niemals sachgerecht und ehrlich von der Unausweichlichkeit des Todes reden können. Wer selbst den Schmerz um den Verlust eines geliebten Menschen nicht zulässt, kann andere in ihrem Schmerz und ihrer Trauer nicht verstehen.

1. Welche Einstellung haben Kinder zum Tod?

 

Kinder erleben meistens den Verlust eines Tieres als erstes deutliches Todesereignis. Es erschüttert sie tief und sie können den Schmerz zulassen. Oft ernten sie von Erwachsenen aber Unverständnis: „Als ich wegen meinem toten Vogel so sehr geweint habe, hat mein Papa gesagt: Stell dich doch wegen dem Tier nicht so an!“ (Jonas 8, 2. Klasse) Andere kennen den Tod nur aus dem Fernsehen, als Folge von Mord und Gewalt oder eines Medienereignisses, wo viele Menschen sterben. ‚Eine Untersuchung in Schweden ergab: 40% aller schwedischen Kinder von 6-10 Jahren glauben, dass der Mensch allein durch Mord und Todschlag sterbe. Beim Tod von Großeltern z.B., fragen viele Kinder zuerst: Wer hat Großvater erschossen? Schwedische Kinderorganisationen führen deshalb diese Verknüpfung von Tod und Gewalt in der Vorstellung der Kinder auf den Einfluss des Fernsehens und er Videoprogramme zurück.’( FAZ 23.11.83)

Nur selten erleben heute noch Kinder das Sterben und das bewusste Abschiednehmen eines alten Menschen in der Familie. Stefan 8J 2. Klasse: „Beim Tod von meinem Opa habe ich 5 Taschentücher voll geweint. Weil ich jetzt keinen mehr habe, der mir das Sägen zeigt.“

 Die Einstellung zum Tod ist zuerst vom Alter der Kinder abhängig, dann immer mehr von den Vorerfahrungen und den Informationen, die sie erhalten. Mary Nagy aus Ungarn hat 378 Kinder von 3-10 Jahren befragt und daraus drei Entwicklungsstadien abgeleitet

1.1.  Der Tod ist nicht endgültig – 5 Jahre

Kinder unter 5 Jahren akzeptieren den Tod nicht als endgültig, weil ihnen der Zeitgriff dafür fehlt. „Papa, können auch Vierjährige sterben?“ Die Frage des vierjährigen Daniel macht den Vater zunächst stumm. Er weiß um den Anlass der Frage. Vor einigen Tagen ist der Großvater plötzlich gestorben. Aber was sagt er nun seinem Sohn? Er entschließt sich zur Wahrheit: „Ja, auch Vierjährige können sterben, z.B. durch einen Unfall. Aber normalerweise stirbt man erst, wenn man alt und zu müde zum Leben ist. Ein Vierjähriger hat noch viel Zeit zum Leben. Du brauchst keine Angst zu haben.“

Aber was ist „ viel Zeit“? Dafür fand ich eine sehr schöne Erklärung in: Margit Franz: Tabuthema Trauerarbeit S. 57

Die Oma von Silke war mit 74 Jahren gestorben . Die Mutter erklärt: „Sie war alt und müde!“ Silke: Bist du auch 74? Nein, das dauert noch ganz lange. Noch 38 Jahre. Wie lange dauern 38 Jahre? Jetzt malt die Mutter mit dem Kind 74 Kreise auf ein Blatt, die ersten 4 Kreise grün für die 4 Lebensjahre von Silke, dann 36 Lebensjahre der Mutter waren 36 blaue Kreise, bis zu den 74 Kreisen der Oma war noch eine lange Strecke.

Die Kinder leben ganz in der Gegenwart. Ihnen fehlt der Begriff, was ihrer Zeit war und was als nächstes kommt. Wenn du jetzt nach Hause kommst, ist der Opa bestimmt wieder da!“ Kinder sind so getröstet worden bei ihren eigenen Trennungsängsten, deshalb versuchen sie nun die Erwachsenen so zu trösten. Eine endgültige Trennung ist unvorstellbar. In unserem Medienzeitalter glauben Kinder, es sei nur wie im Fernsehen, wo Tod nur gespielt wird. So ist der Tod nur eine vorübergehende Sache wie der Schlaf oder die Reise.

1.2.  Der Tod ist endgültig 5- 8 Jahre

Jetzt lernen die Kinder den Tod als Ende jeder Beziehung zu akzeptieren. Sie wissen, dass alte, kranke Tiere sterben und übertragen das auch auf die Menschen. Sie meinen aber, der Tod trifft sie noch nicht. Sie zeigen Angst vor dem Tod, wenn es jemand bei einem Unfall oder ein Kind an einer Krankheit stirbt. Jetzt wird das Thema Tod wesentlich emotionaler für das Kind. Aber sehr viel häufiger äußern sie die Angst, dass die Eltern sterben könnten und sie alleine zurückbleiben. Es ist also eher Verlassenheitsangst als Todesangst, sie ist bei allen Kinder dieser Alterstufe sehr groß. So fragt ein 5jähriges Mädchen beim Tod der Großmutter: „Können auch Mamas sterben?“

Bei Kindern, die längere Zeit unheilbar krank sind, ist oft der Schmerz, den ihr Tod den Eltern bereiten wird stärker als die Furcht vor dem eigenen Sterben. So sprachen Kinder auf einer Krebsstation kaum davon, wie sie der Gedanke an den Tod beschäftigt, als viel mehr davon, was ihr Tod für die Eltern bedeuten wird.

1.3. Der Tod ist allumfassend und unausweichlich 9 – 11 Jahre

Die Kinder merken, dass der Tod keine Ausnahme macht und sie auch nicht davon verschont werden. Sie erkennen dies als Tatsache an, beschäftigen sich aber normalerweise nicht sehr intensiv damit. Sie sind in dieser Zeit mehr auf die Außenwelt, ihre Freunde, den Sport konzentriert. Sie haben eher Sachfragen: „Wo bleiben denn all die Toten, der Himmel muss doch bald voll sein? Was passiert bei einer Beerdigung?“ Der Gedanke an den Tod ist nicht Angst machend oder beunruhigend, oft ist da eher Neugier und Abenteuerlust, sodass sie manchmal gefährliche Dinge ausprobieren. Ich möchte noch ein viertes Stadium hinzufügen

1.4 Auseinandersetzung mit dem eigenen Tod ab 12 Jahren

In der Pubertät bricht die Frage nach dem Tod ganz elementar auf, hier als Problem des eigenen Todes. Das gehört zur Identitäts- und Sinnfindung, dass ich eine Antwort finde auf die Endlichkeit unseres Daseins und was danach kommt. Die erhöhte Risikobereitschaft und der Erlebnishunger von Jugendlichen führen manchmal in lebensbedrohliche Situationen und die Endgültigkeit des Todes wird bewusst. Sie erleben, dass Altersgenossen tödlich verunglücken oder gar Selbstmord begehen. (Buchhinweis: Kinderspiel mit dem Tod) Etwa 3 500 Jugendliche sterben jedes Jahr, (72% Jungen und 28 % Mädchen) davon mehr als die Hälfte an Krankheiten 60%,

 28 % im Straßenverkehr, ( davon ¾ Jungen und ¼ Mädchen)

 8 % durch Selbstmord ( fast ähnlich wie beim Verkehrsunfall) und

4% durch andere Unfälle. (Statistisches Bundesamt Wiesbaden 2000)

Erleben Teenager den Tod eines nahen Menschen, wird ihre Sinnfindung radikal in Frage gestellt. Das Warum des Todes bleibt ohne Antwort, oft bestimmen Verzweiflung und Verbitterung ihre Gefühle, manchmal erwächst daraus eine nicht zu verwindende Anklage gegen Gott, der dieses Leid zugelassen hat.

“Man muss gegen den Tod rebellieren, um das Leben zu wagen!“

Aber vor allem muss man darüber sprechen, seelsorgerliche Begleitung suchen, wo man die Anklagen aussprechen und den Hass auf Menschen und / oder Gott verarbeiten kann. Für junge Menschen aus christlicher Umgebung wird die Frage brennend: Was geschieht mit mir nach dem Tod? Himmel oder Hölle? Oft wird diese Frage verdrängt, überdeckt mit Aktivitäten, Ablenkung, Flucht in Betäubung durch Musik, Drogen, Parties u.a.

2. Wie reagieren Kinder auf den Tod?

2. 1. Allmachts- und Unsterblichkeitsphantasien

Weil jüngere Kinder die Endgültigkeit des Todes nicht begreifen, setzen sie ihre Allmachtsphantasien dagegen. Ihr magisches Denken lässt sie an Zauberkräfte und fantastische Möglichkeiten glauben. Sie wehren sich gegen die starke Verunsicherung, wenn sie die starken Eltern plötzlich weinend und hilflos erleben. Sie möchten gerne trösten und helfen: „Wein doch nicht. Ich hole meinen Bagger und buddle den Opa wieder aus!“

Oft tritt dies noch einmal in der Pubertät auf: „Ganz bestimmt werde ich ewig leben. Ich bin nicht kaputtzukriegen.“ Junge, 11 J, in einer Befragung der Zeitschrift Eltern 2002 Oder sie sagen: „Bis ich sterben muss, hat man ein Mittel dagegen gefunden.“ Alle menschlichen Versuche wie sich Einfrieren lassen, Klonen usw. haben höchstens aufschiebende Wirkung.’

2. 2 Die Verleugnung des Todes

Kinder, die eine traumatische Erfahrung wie Tod oder Scheidung machen, erkennen auf einer Ebene die Tatsache an, emotional leugnen sie aber die Erfahrung. Kinder kaschieren das, indem sie nur in Gedanken mit dem Toten sprechen, ihn in ihr Leben einbeziehen und so tun, als sei er/ sie noch da. Dies geschieht oft, wenn der, der gegangen ist, die engste oder einzige Bezugsperson war. Sie halten sich in dieser Täuschung, um sich vor der Wahrheit zu schützen. Kevin: Weihnachten feiern wir alle wieder zusammen! Auch Erwachsene leben bei einem schockartigen Tod manchmal Jahre lang in der Verleugnung.

2.3 Die Affektisolation

 

Die Affektisolation bedeutet, dass jemand keine Trauergefühle zeigen kann. Man setzt sie oft mit der Verleugnung gleich, aber ich sehe sie als ganz wesentliche, eigenständige Trauerreaktion bei Kindern an. Erwachsene staunen oft, dass Kinder offenbar gefühllos auf den Tod eines nahen Menschen reagieren. Sie stellen pietätlose Fragen und können schnell wieder lachen und fröhlich sein. Man meint, das Kind verstehe noch nicht, wie schwer der Verlust die Familie und das Kind selbst getroffen habe. In Wirklichkeit ist es aber ein Schutzmechanismus, der bewusst oder unbewusst einsetzt, um die Seele des Kindes vor einem Übermaß an Trauer und Hilflosigkeit zu bewahren. Die Affektisolation ist der Schutzmantel für die Seele, damit man an der Tiefe des Verlustes nicht zerbricht. So hielt ein 5 jähriges Mädchen ihre Gefühle beim Tod des Großvaters bewusst zurück und meinte zu ihrer Mutter: „Ich habe mir vorgenommen, beim Opa nicht zu weinen. Es ist ja schließlich nicht mein Vater oder meine Mutter. Wein du nur, es war ja dein Vater.“

Bei jeder neuen Verlusterfahrung treten aber massive Trauergefühle auf und spätestens in der Pubertät erleben die Kinder den Verlust einer Bezugsperson noch einmal nach und zeigen dann auch Gefühle. Ähnlich ist es auch bei Scheidungs- und Adoptivkindern zu beobachten. Sie halten ihre Trauer- und Verlustgefühle zurück, um die Eltern oder Adoptiveltern nicht damit zu belasten. Wir sollten behutsam mit ihnen darüber sprechen und ihnen helfen, den Verlust zu durchleiden und damit zu verarbeiten. Trauern kann man nachholen!

 2. 4 Angstreaktion

 

“Kinder beziehen alles, was sie hören, auf sich selbst.“ (Reed), die Eltern eingeschlossen. So kann die Aussage über einen Todesfall „er ist ganz friedlich eingeschlafen!“, der Auslöser dafür sein, dass ein Kind nicht mehr ins Bett geht, Angst vor der Dunkelheit hat und nicht mehr ohne einen Erwachsenen ins Bett geht. Viele haben Schlafstörungen, Albträume von Monstern oder Geistern.

“Einem 5jährigen Jungen wurde nach dem Tod des Großvaters erzählt, dieser sei müde geworden und sei ‚eingeschlafen’. Das Kind fühlte natürlich, dass das eine andere Art von Schlaf war, weil es seinen Großvater nicht mehr sah. Wochenlang wurde seine Einschlafenszeit ein unglückliches Erlebnis, bis seine Eltern herausfanden, dass er gegen den Schlaf ankämpfte, weil er fürchtete in die gleiche Art von Schlaf wie sein Großvater zu fallen und nie wieder aufwachen würde.“ Reed S.10

Manche verweigern auch das Essen oder gar das Sprechen. Es tauchen regressive Verhaltensweisen auf wie Einnässen oder Daumen lutschen.

Besonders oft tritt die Angst auf, verlassen zu werden, wenn die Eltern weggehen oder sich verspäten. Deshalb müssen die Kinder in dieser Zeit besondere Zuwendung erfahren und man muss eine Zeit lang Rücksicht auf die Kinder nehmen.

Es ist sehr wichtig, dass Eltern ab dem Schulalter den Kindern erklären, wer ihnen im Notfall hilft und wer zu ihnen kommen würde. Hier kann die Gemeinschaft der Kirche eine bedeutende Rolle spielen.

Kinder brauchen immer zuerst die Zusicherung der anhaltenden Liebe und Fürsorge. Wissen kann Sicherheit geben und an manchen Ängsten von Kindern, sind nur fehlende Kenntnisse einfacher Tatsachen schuld. Wahrhaftige Informationen ohne Ausflüchte und Verlegenheit oder Geheimniskrämerei, befreit das Kind oft von einer eingebildeten Furcht. Sogar einem kleinen Kind muss man die Wahrheit sagen, wenn jemand, den es lieb hat, stirbt.

  1. Trauerarbeit

Wie Erwachsene durchlaufen auch Kinder die Stufen der Trauer, allerdings manchmal Zeit versetzt durch die Affektisolation, d.h. Jahre später trauern sie gefühlvoll. Meistens lassen sich drei Stufen der Trauerarbeit erkennen:

  1. Eine kurze Zeit des Schocks von der Kenntnis des Todes bis nach dem Begräbnis.

 In dieser Zeit läuft vieles mechanisch ab, ohne dass besondere Gefühle gezeigt werden. Die Erwachsenen sind stark von den Trauerformalitäten in Anspruch genommen, die normalen Abläufe der Familie geraten durcheinander, man hat keine Zeit für die Kinder. Sie sind verwirrt, quengelig, und fühlen sich abgeschoben und alleingelassen. Bei Trauerbesuchen sollte man deshalb die Kinder mit einbeziehen und sie nicht weg- schicken, denn so können sie erfahren, wie gemeinsame Trauer, Gebet und Zuspruch stärken. Es ist gut, mit den Kindern eine Form des Abschieds zu finden, dass sie dem Verstorbenen noch ein Geschenk machen oder etwas mit zum Friedhof nehmen. Sie sollen mit zu Friedhof gehen, wenn sie wollen. So wie es uns hilft, viele Verwandte und Freunde zu sehen, kann es auch ihnen helfen, wenn sie sehen, dass viele den Opa oder die Oma lieb gehabt haben.

  1. Es folgt die Zeit des schmerzlichen Kummers.

 

Auch bei Kindern sind Reaktionen wie unruhiger und fehlender Schlaf, Appetitlosigkeit, häufiges Weinen, Interesselosigkeit, Unfähigkeit zum selbstständigen Spiel zu beobachten. Meistens können sie nicht erklären, was mit ihnen los ist. Eine Zeit nach dem Tod des Großvaters, der mit im Hause gelebt hatte, setzte sich die dreijährige Stefanie an den Platz des Großvaters, legte den Kopf auf den Tisch und begann unvermittelt heftig zu weinen. Auf Fragen gab sie keine Antwort, erst nach einiger Zeit klang das Weinen ab. Zu den Verlustgefühlen kommen auch Hassgefühle und Zorn, sowie manchmal auch Schuldgefühle: Wäre ich lieber gewesen, wäre Mama nicht fortgegangen……… Warum hat uns der Vater verlassen und uns in diese Not gebracht? Mein Bruder ist gestorben, weil ich öfters gemein zu ihm war…. Wir müssen Kindern helfen, diese Gefühle zu zulassen und zu äußern, ohne dass sie gewertet werden. Bei Teenagern auch Hass und Zorn auf Gott. Muss zugelassen werden.

  1. Die Zeit der seelischen Heilung und Wiederherstellung.

 

 Die Trauer klingt ab, früher zog man die Trauerkleidung aus und es werden neue Dinge angepackt. Man ging wieder zu Festen und Veranstaltungen. Die seelische Stimmung wird wieder ausgeglichener und man ist wieder belastbarer.

Es ist vor allem wichtig, dass die 2. Phase ausgelebt und begleitet wird. Wir können den Kindern helfen ihre Gefühle zu äußern z.B. durch Bilderbücher, selbstgemalte Bilder, die wir mit ihnen besprechen. Jeder möchte in dieser Zeit gerne über den Verstorbenen reden. Deshalb mit den Kindern nach gemeinsamen Erinnerungen suchen, Fotos anschauen oder auch Orte besuchen, wo man mit dem Verstorbenen war. Keiner sollte gedrängt werden in dieser Phase Haltung zu bewahren, denn nur wer seinen Kummer ausgeweint hat, kann Leid bewältigen. Oft verarbeiten Kinde rauch im Spiel, was sie erlebt haben oder fühlen. Viele spielen die Beerdigung nach, geben eine Begründung warum der Tote gestorben ist und wie es ihm jetzt geht. Dies ist nicht pietätlos, sondern dient der Verarbeitung und wir sollten die Kinder nicht darin stören.

Wir sollten aber nicht nur unseren Kummer miteinander teilen, sondern auch unseren Glauben. Gerade in dieser Zeit können auch Kinder erleben, wie viel Trost und Kraft der Glaube gibt. Eine gute Möglichkeit ist das gemeinsame Gebet, der Dank, für den geliebten Menschen, für das, was er uns war, was er für uns getan hat und für die Gewissheit, das er es jetzt gut hat bei Gott: „Danke, dass es die Oma jetzt gut hat bei dir!“

 4. Kinder fragen, was antworten wir?

 

Bei Kindern muss man genau hinhören, was sie wirklich wissen wollen. Sie sind an keinen langatmigen Erklärungen oder theologischen Deutungen interessiert, sondern an ehrlichen, kurzen, verständlichen Antworten. Sie wollen keine abwehrenden Schutzerklärungen, sondern ernst genommen werden. Es ist besser sein Nichtwissen zu zugeben, als etwas zu erfinden, was man später als unwahr zurücknehmen muss. Sie haben eher Sachfragen, und gehen deshalb auch sachlich mit dem Thema um.

  1. 1 Wie ist das, wenn man tot ist?

 

 Kinder spielen oft: Ich bin tot, fallen um und stellen alle Reaktionen ein. Deshalb sollte man ihnen erklären, dass bei einem toten Menschen alle lebenswichtigen Funktionen aufgehört haben: Sein Herz schlägt nicht, mehr, er atmet und spricht nicht mehr. Für uns ist der Körper zurückgeblieben wie eine leere Hülle, z.B. von einer Kassette. Der andere Teil des Menschen sein Wesen, was wir an ihm geliebt haben, seine Persönlichkeit ist bei Gott. Wie dieser Mensch zu uns war, was er für und mit uns getan hat, dieser innere Teil seines Wesens ist nicht mehr sichtbar. Mit diesem inneren Wesen hat er auch an Gott geglaubt und ist darum nun bei ihm.

 In der Bibel wird oft von unserem Körper als Haus oder Hütte gesprochen: 2. Kor. 5,1-4 Wir lassen unser altes Haus, was zur Erde passte zurück und bekommen einen neuen Körper, der zu Gottes Welt passt. In diesem Abschnitt ist auch das Bild von den Kleidern beschrieben, dass der Tod wie der Wechsel eines Kleides ist. Das neue Kleid der Unsterblichkeit ist unsichtbar. 1. Kor. 15, 50 -54

Reed: Vor langer Zeit schrieb eine Mutter über ihren kleinen Jungen, der eines Nachts im Bett nach dem Tod seines Großvaters schluchzte: „ Ich habe Angst, dass Großvater dort unter der Erde friert.“ Seien Mutter antwortete: „Siehst du deine Kleider dort auf dem Stuhl? Denkst du, dass sie frieren? Sie sind so wie Großvaters Körper. Er lebte in seinem Körper, dann war sein Körper abgenutzt, so wie sich deine Kleider abtragen; er konnte nicht mehr genesen. Aber der andere Teil von Großvater, den wir gekannt und geliebt haben, der lebt mit Gott.“ (S. 23)

Die den Kindern nahe liegende Vorstellung des Schlafes oder der Reise sollten wir durchbrechen, um ihnen ansatzweise, die Endgültigkeit des Sterbens deutlich zu machen. Wichtig ist auch Römer 14, 8 Tod und Leben gehören zusammen und im Leben und im Tod gehören wir Gott. Wir gehen nie aus seiner Hand.

  1. 2. Wo ist der Tote?

 

 Für Kinder ist es sehr schwierig zu begreifen, dass der Gestorbene im Himmel sein soll, besonders, wenn sie selbst gesehen haben, dass der Tote im Sarg lag und der Sarg in die Erde gesenkt wurde. Jüngere Kinder werden festhalten, an dem was sie gesehen haben.

Oft können Kinder nicht unterscheiden zwischen dem Himmel mit den Wolken, die sie sehen, und dem biblischen Begriff Himmel. So weigerte sich Martin entschieden, ein Flugzeug zu betreten- Die Eltern redeten ihm zu, aber er blieb stur. Sie waren ratlos. Bis Martin plötzlich sagte. „Das Flugzeug fliegt doch in den Himmel. Und die Uroma ist doch auch im Himmel!“ (Und sie war nicht mehr zurückgekommen!) Da verstanden die Eltern Martins Sorge.

Deshalb ist es besser davon zu sprechen, dass der Mensch bei Gott ist, und zu beschreiben, was es für den Menschen bedeutet, bei Gott zu sein. Dabei sollte deutlich werden, dass Gott ihn nicht wegnahm als Strafe, sondern dass es unsere Bestimmung ist bei Gott zu sein. Oft kann das ein Außenstehender besser, als ein direkt Betroffener, der mit dem Warum noch nicht fertig ist. Gott will das Beste für uns, sein Handeln geschieht aus Liebe, das kann auch Kindern Trost vermitteln.

Heute spricht man eher davon, dass der Verstorbene zum Stern, zum Lichtwesen usw. ist. Man will lieber am Himmel sein als im Himmel!

Bei Menschen, die offensichtlich nicht an Gott geglaubt haben, können wir nur sagen, darüber entscheidet Gott, wo sie sind. Wir konnten nicht in Herz sehen und wissen nicht, was an verborgenem Glauben doch da war, aber Gott kennt die Herzen. Auch hier sollten wir unser Nichtwissen ehrlich zugeben.

4. 3 Wie ist es im Himmel?

“Wenn Kinder uns bedrängen, so wie sie es oft tun, ihnen konkrete Einzelheiten über das Leben im Himmel zu berichten, können wir ihnen nur sagen, dass wir es nicht wissen. Wenn alle unsere Fragen über das Leben in der nächsten Welt beantwortet werden könnten, würden wir doch nicht mehr verstehen, als ein Baby im Mutterleib sich vorstellen könnte und von der Welt versteht, in die es geboren wird. Wir müssen warten, bis wir in der nächsten Welt sind, um all die Wunder zu erforschen, die Gott für uns geplant hat. Die Bibel sagt: „Was kein Auge gesehen und kein Ohr gehört hat und keinem Menschen ins Herz emporgestiegen ist, das hat Gott denen bereitet, die ihn lieben. 1. Kor.1, 9 „ (Reed)

In Offenbarung 22 wird in einer Bildersprache ausgedrückt, dass es vollkommen und schön sein wird in Gottes neuer Welt. Das ist Hoffnung und Trost. Die Gemeinschaft mit Gott beginnt hier, wenn wir uns zu Jesus wenden und geht durch den Tunnel des Todes weiter in Gottes Herrlichkeit. Wir wissen wir nur, es wird ganz anders sein, als wir es uns vorgestellt haben.

Keine Frage zum Tod sollte tabu sein und kein Kind sollte abgespeist werden: „Du bist noch zu klein, um das zu verstehen!“. Wenn man nach etwas fragen kann, ist man auch alt genug es zu verstehen, wenn man es mir altersgemäß erklärt. Wenn ein Mensch sehr krank ist, soll man das Kind auf den Tod vorbereiten, die Todesursache erklären, was mit dem Toten geschieht und wer für es sorgt. Wahrheitsgemäße und liebevolle Worte schaden nicht. Auch für Kinder kann es eine lebenswichtige Erfahrung sein, in Ruhe von einem Sterbenden Abschied zu nehmen, ihm noch einmal etwas zu sagen oder zu schenken, den Frieden des Sterbenden zu erleben, wenn es gegeben ist und gemeinsam im Beten und Glauben in die Familie eingeschlossen zu sein. Kinder wünschen sich manchmal ein Abschiedsgeschenk von einem Sterbenden, ein Foto, ein Gegenstand, mit dem Erinnerungen verbunden sind. Dies kann ihnen helfen, schneller den Verlust zu überwinden.

Quelle: ead.de