Darf man als Christ Kritik an der Regierung äußern?

Die Aufforderung der Bibel ist unmissverständlich: ‚Betet besonders für alle, die in Regierung und Staat Verantwortung tragen, damit wir in Ruhe und Frieden leben können, ehrfürchtig vor Gott und aufrichtig unseren Mitmenschen gegenüber.‘ (1. Timotheus 2,2) Wenn wir das tun, sind wir keinesfalls über die Maßen staatstragend oder regierungshörig.

Beachten wir auch folgende Dinge:

“Herodes, der Fuchs

Der Herr Jesus hat einmal gesagt: „In derselben Stunde kamen einige Pharisäer herzu und sagten zu ihm: Geh hinaus und zieh von hier weg, denn Herodes will dich töten. Und er sprach zu ihnen: Geht hin und sagt diesem Fuchs …” (Lk 13,31.32). In diesem Fall lesen wir, dass der Herr ein sehr deutliches und negatives Urteil über den Charakter und die Handlungsart dieses Regenten (Vierfürst) in Israel ausspricht.

Der Sauerteig des Herodes

Nach Markus 8,15 hatte der Herr Jesus nicht nur ein klares Urteil über die religiösen Führer in Israel, sondern auch über das, was Herodes und seine Anhänger taten: „Und er gebot ihnen und sprach: Gebt acht, hütet euch vor dem Sauerteig der Pharisäer und dem Sauerteig des Herodes.” Der Herr nennt das Sauerteig, also Sünde, die sich ausbreitet. Im Blick auf Herodes geht es um politische Ränke, politische Taktik und um die Art, wie diese Welt ihre Ziele durchsetzt.

Brutalität des Pilatus

In Lukas 13 lesen wir nicht nur etwas über Herodes, sondern auch ein klares Urteil über den römischen Statthalter in Israel, Pilatus: „Zu derselben Zeit waren aber einige zugegen, die ihm von den Galiläern berichteten, deren Blut Pilatus mit ihren Schlachtopfern vermischt hatte” (Lk 13,1). Hier muss man allerdings bedenken, dass diese böse und brutale Handlung von Pilatus nicht weiter kommentiert wird. Im Gegenteil, der Herr richtet die Blicke weg von Pilatus hin zu der Sündenschuld aller Menschen.

Ungerechte Hauptleute

In Apostelgeschichte 16,37 spricht Paulus über die römischen Regenten in Philippi, die ihn auf schändliche Weise ins Gefängnis gebracht hatten: „Der Kerkermeister aber berichtete Paulus diese Worte: Die Hauptleute haben gesandt, dass ihr freigelassen werdet; geht also jetzt hinaus und zieht hin in Frieden. Paulus aber sprach zu ihnen: Nachdem sie uns, obwohl wir Römer sind, öffentlich unverurteilt geschlagen haben, haben sie uns ins Gefängnis geworfen, und jetzt stoßen sie uns heimlich hinaus? Nicht doch; sondern sie sollen selbst kommen und uns hinausführen” (Apg 16,36.37).

Paulus äußert an dieser Stelle also ein klares Urteil über die Gesetzlosigkeit, mit der er vonseiten der Regenten behandelt worden war. Interessanterweise besteht er sogar darauf, dass die Römer dieses Urteil durch ihre Handlung korrigierten. Damit wurde sein Urteil auch in der Öffentlichkeit bekannt. Aber warum tut er es? Sollte dadurch nicht vor den Augen aller das Evangelium die Reinheit derer, die es verkündigten, ans Licht gebracht werden?

Brutale Oberste

Schon zuvor entlarvt Lukas, inspiriert durch den Heiligen Geist, was das Kennzeichen von Regenten gelegentlich ist: „Als aber ein ungestümer Angriff geschah, sowohl von denen aus den Nationen als auch von den Juden samt ihren Obersten, um sie zu misshandeln und zu steinigen …” (Apg 14,5).

Lukas nimmt kein Blatt vor den Mund, wenn er von Misshandlungen und Steinigungen der Obersten spricht. Auf diese Weise waren damals (wie zum Teil auch heute) die Regierungen – ob lokal oder regional oder landesweit – tätig. Und Lukas nennt das mit Namen. Er zeigt damit die Art und Weise, mit der bis heute viele Regenten die Verbreitung des Evangeliums zu behindern suchen.

Das Streben nach Größe

In Markus 10 spricht der Herr Jesus ein allgemeines Urteil über die Gesinnung der Regenten dieser Welt aus: „Und als Jesus sie herzugerufen hatte, spricht er zu ihnen: Ihr wisst, dass die, die als Fürsten der Nationen gelten, diese beherrschen und dass ihre Großen Gewalt über sie ausüben. Aber so ist es nicht unter euch; sondern wer irgend unter euch groß werden will, soll euer Diener sein” (Mk 10,42.43).

Das Motiv in der Welt ist also nicht nur bei den „normalen” Bürgern, groß sein zu wollen. Der Herr zeigt, dass dies vielen Regierungsentscheidungen zugrunde liegt. Man tut Dinge, um in den Augen der Menschen groß zu sein. Leider besteht die Gefahr, dass wir Christen das nachahmen. Wir erleben wir solches Streben nach Größe auch aktuell in dieser Welt in sehr plastischer Weise in manchen Ländern.

Brutalität der Fürsten

Der Apostel Paulus schreibt eine sehr drastische Charakterisierung der Fürsten, die Christus ans Kreuz gebracht haben: „Wir reden aber Weisheit unter den Vollkommenen, nicht aber Weisheit dieses Zeitlaufs noch der Fürsten dieses Zeitlaufs, die zunichtegemacht werden, sondern wir reden Gottes Weisheit in einem Geheimnis, die verborgene, die Gott vor den Zeitaltern zu unserer Herrlichkeit zuvor bestimmt hat; die keiner von den Fürsten dieses Zeitlaufs erkannt hat (denn wenn sie sie erkannt hätten, so würden sie wohl den Herrn der Herrlichkeit nicht gekreuzigt haben)” (1. Kor 2,6-8).

Ihre Weisheit ist rein menschlich und nicht von Gott. Sie ist auch nicht durch Gottesfurcht geprägt. Und was diese Fürsten getan haben, bestand darin, in brutaler Weise den Herrn Jesus hinzurichten. Paulus schweigt über dieses böse Handeln der Regierung nicht. Es ist Teil des ewigen Wortes Gottes. Wir brauchen uns über solch einen Charakter des Regierungshandelns in der heutigen Zeit daher nicht zu wundern. Dabei dürfen wir nicht übersehen, dass sich Paulus nicht an die Personen wandte, die in Regierungsverantwortung standen, um sie zu einem humaneren Vorgehen zu bewegen. Er wollte auch keine Justizirrtümer bekämpfen usw. Er offenbart, wie töricht das ist, was diese Welt „Weisheit” nennt.

Gesetzlosigkeit der Fürsten

Derselbe Apostel schreibt: „Denn schon ist das Geheimnis der Gesetzlosigkeit wirksam; nur ist jetzt der da, der zurückhält, bis er aus dem Weg ist” (2. Thes 2,7). Wenn der Heilige Geist nicht mehr auf der Erde sein wird, weil die Versammlung in den Himmel geholt worden ist (Entrückung), wird der Antichrist (Vers 8) auftreten. Er wird von Paulus „der Gesetzlose” genannt. Für ihn gilt etwas, was in der gegenwärtigen Zeit bei keinem Herrscher zutrifft: Der Antichrist wird nach Offenbarung 13 durch Satan inspiriert sein. Bis zu diesem Zeitpunkt aber wirkt das Böse schon, auch heute. Das ist nicht immer offenbares und vollendetes Böses, aber doch Böses, das im Verborgenen wirkt und für den Blick des Glaubens wahrnehmbar und manchmal auch offensichtlich ist. Der Apostel nennt dies das „Geheimnis der Gesetzlosigkeit”.

Das Böse herrscht heute nicht in vom Teufel inspirierter Weise. Noch wird es durch die Gegenwart des Heiligen Geistes zurückgehalten. Aber die Gesetzlosigkeit wirkt durch die Regenten und durch die ungläubigen Menschen. Denn auch heute wirkt der Fürst der Gewalt der Luft, der Teufel, (Eph 2,2) in verderblicher Weise. Er übt seinen verdorbenen Einfluss auf unseren „Atem” durch die Söhne des Ungehorsams aus. Dafür benutzt der vielfach auch Regenten. Das ist für den Blick des Glaubens offenbar.” https://www.bibelpraxis.de/index.php?article.4062

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