Die Jusos Berlin wollen die zivilrechtliche Ehe abschaffen.

Aus biblischer Sicht muss man den Vorstoß kaum kommentieren. Wer die Bibel ernst nimmt, weiß, dass die Ehe mehr als ein gesellschaftliches Modell ist. Sie ist eine von Gott selbst eingesetzte Ordnung, die bereits vor dem Sündenfall existierte. Schon in 1. Mose 2,24 legt Gott das Fundament der Ehe: „Darum wird ein Mann seinen Vater und seine Mutter verlassen und seiner Frau anhangen, und sie werden ein Fleisch sein“. Diesen Vers könnte man als eine Art „Magna Charta“ der Ehe bezeichnen. Die Ehe ist nicht Ergebnis menschlicher Ideen und Bemühungen, sondern Teil der Schöpfungsordnung Gottes. Wer die Ehe antastet, tastet die Ordnung Gottes an.

Das Neue Testament bestätigt und vertieft diese Linie. In Epheser 5 wird die christliche Ehe auf das höchstmögliche Niveau gehoben. Gott benutzt die irdische und zeitliche Beziehung der Ehe als eine Illustration der himmlischen und ewigen Beziehung zwischen Christus und seiner Versammlung. Damit erhält die Ehe eine geistliche Dimension, die weit über jede gesellschaftliche Zweckmäßigkeit und Ordnung hinausgeht.

Zentrale Kennzeichen der biblischen Ehe sind:

  • Einheit nach Geist, Seele und Körper – nicht in Uniformität, sondern in Unterschiedlichkeit gelebt
  • Verbindlichkeit – nicht als Einschränkung zu verstehen, sondern als Schutzraum.
  • Treue – kein Ausdruck von Zwang, sondern ein Ausdruck tiefer Liebe.
  • Ergänzung von Mann und Frau – nicht als Machtstruktur, in gegenseitiger Liebe und Hingabe
  • Verantwortung – nicht als Last und Bürde, sondern zum Nutzen des Ehepartners (und der Kinder).

Es ist schlichtweg falsch zu behaupten, dass die Ehe ein Mittel der Unterdrückung sei. Wer die Ehe dazu gebraucht, hat das Konzept Gottes missverstanden. Das Gegenteil ist wahr. Ehe nach Gottes Plan ist mit Liebe, Hingabe, Schutz und gegenseitigem Dienst verbunden.

Der Zeitgeist – und seine geistliche Dimension

Auffällig ist, dass die Kritik der Jusos sich besonders gegen zwei Elemente richtet: Einerseits die Dauerhaftigkeit und andererseits die Ordnung. Genau diese Elemente sind jedoch elementar für das biblische Verständnis von Ehe.

Wenn Bindung grundsätzlich infrage gestellt wird, wenn natürliche Ordnungen aufgelöst und durch beliebige menschliche Konstruktionen ersetzt werden sollen, dann berührt das einen Kernpunkt des menschlichen Miteinanders, das seinen tiefsten Ausdruck in der Ehe findet. Dass aber Ordnungen gekippt werden sollen, die eigentlich Basis einer funktionierenden Gesellschaft erkennbar sind, muss uns nicht sonderlich wundern.

Wie der Zeitgeist sich entwickelt hat – und sich weiter entwickeln wird – kann man in 2. Timotheus 3,1–4 nachlesen. Es ist der Zeitgeist, der sich von Gottes Gedanken löst und sich selbst in den Mittelpunkt stellt. Dieser Zeitgeist ist alles andere als neutral. Er trägt Züge dessen, was die Bibel den „Geist des Antichristen“ nennt (1. Joh 2,18; 4,3). Dieser Geist ist eine Haltung, die sich bewusst gegen alle von Gott gegebenen Ordnungen stellt. Im Kern geht es dabei um mehr als um einzelne politische Forderungen. Es geht um eine grundsätzliche Verschiebung göttlicher Ordnungen. Die Forderung der Jusos ist nicht mehr als die Spitze eines Eisberges, der sich mehr und mehr zeigen wird. Der Mensch setzt sich mehr und mehr selbst an die Stelle Gottes und definiert neu, was angeblich gut und richtig ist.

Fazit

Die Forderung nach Abschaffung der Ehe ist mehr als ein politischer Vorstoß am Rand einer ehemaligen Bürgerpartei. Sie ist ein Symptom des tiefgreifenden kulturellen Wandels, der längst eingesetzt hat. Während die einen in der Auflösung der Ehe einen Schritt zu mehr Freiheit sehen, erkennen andere darin den Verlust eines tragenden Fundaments der Gesellschaft. Christen sehen tiefer: Es ist ein weiterer Frontalangriff gegen Gottes Ordnung. Für bibeltreue Christen ist die Ehe keine veraltete Institution, sondern eine von Gott gegebene Ordnung. Sie ist gut, erfüllend und schützend.

Gerade in einer Zeit, in der diese Ordnung zunehmend infrage gestellt wird, sind wir herausgefordert, Ehe so zu leben, wie Gott es sich gedacht hat – in Liebe, in Treue und verbindlich. Auf diese Weise können wir immer noch „Salz der Erde“ und „Licht der Welt“ sein (Mt 5,13.14). Und schließlich gilt es, unseren Kindern und jungen Leuten durch Beispiel und Belehrung zu zeigen, dass Gottes Gedanken besser sind als der Zeitgeist.

E.-A. Bremicker/Bibelstudium.de

Kommentar

  1. Martin Koch

    Genau so ist es. Der sogenannte Zeitgeist bringt die Menschen nur noch weiter in die Einsankeit und die Sinn- und Bedeutungslosigkeit… Freiheit ist darin nur ein Surrogat, eine Illusion. Gerade die jungen Leute täten gut daran, ihren Lebensentwurf gründlich zu überdenken. Denn die Lebenszeit ist eigentlich sehr kurz bemessen, und man hat in ihr nicht den Raum für Experimente… Denn hinterher gibt es kein Glück mehr, keine zweite große Liebe, keine Verlobung. Liebe, Treue, verbindliche Hingabe hat schon gar nichts mit Anpassung zu tun, sondern mit einer willentlichen Entscheidung für das, was gut für einen (r) ist.

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