Warum lässt Gott Leid zu?

Wenn man sich mit Glaube und Gott beschäftigt, wird wohl keine Frage heißer diskutiert, als diese: Wieso gibt es soviel Leid auf dieser Welt, wenn Gott doch gütig und allmächtig ist, wieso ließ er diese schreckliche Flutwelle zu, wieso verhungern Kinder warum werden sie mißbraucht, weshalb existieren Katastrophen, Krieg und Krebs, warum hören Hunger, Elend und Armut nicht auf, wieso lässt er Folter und Gewalt zu?


Eines der ältesten Bücher der Bibel, das Buch Hiob geht genau dieser Frage nach. Auch in Griechenland beschäftigten sich die Philosophen mit dieser Thematik, so zum Beispiel Epikur. Der französische Philosoph Pierre Bayle brachte es später in vier Sätzen auf den Punkt:


„Entweder will Gott die Übel beseitigen und kann es nicht. Oder er kann es und will es nicht. Oder er kann es nicht und will es nicht. Oder er kann und will es.“


Wenn einer der ersten drei Sätze stimmt, dann ist Gott entweder nicht allmächtig oder nicht gütig oder beides nicht. Wenn der letzte Satz stimmt, so ist unklar, woher dann das Schlechte stammt.


In der Bibel steht, dass die ersten Menschen, Adam und Eva auch die ersten waren, die gesündigt haben und dadurch das ganze Elend und den Tod auf die Welt brachten. Bereits ihr Sohn Kain beging den ersten Mord an seinem Bruder Abel.


Römer 5,12: „Darum, gleichwie durch einen Menschen die Sünde in die Welt gekommen ist und durch die Sünde der Tod, und so der Tod zu allen Menschen hindurchgedrungen ist, weil sie alle gesündigt haben“Das Böse muss aber auch irgend einen Ursprung haben. Die Bibel schreibt es dem Teufel zu. Martin Luther (1483-1546) meinte dazu: „Gott hat das Leben, der Teufel hat den Tod lieb.“


In der Zeit der Aufklärung mehrte sich das Misstrauen gegenüber einem gütigen und liebendem Gott. Voltaire (1694-1778) konnte nur noch spotten: „Wenn die Kirchenväter behaupten, Gott sei ein liebevoller Vater und gerechter Herrscher, geraten sie bald in unentwirrbare Widersprüche.“


Immanuel Kant (1742-1804) musste nach dem schrecklichen Erdbeben von Lissabon „das Mißlingen aller philosophischen Versuche in der Theodizee“ (griechisch: Die Rechtfertigung Gottes) erkennen.


„Gott ist tot“, sprach Nietzsche und starb bald danach im Jahr 1900 in geistiger Umnachtung. Die Unglücke wurden immer schlimmer: Zwei Weltkriege, Schreckensherrschaften, Hunger, neue Krankheiten; der Mensch wurde immer anmaßender und der Meinung ein richtiges Urteil fällen zu können.


Nach Ende des Zweiten Weltkriegs verfasste Wolfgang Borchert sein Drama „Draußen vor der Tür“, darin schreibt er: „Wann warst du denn eigentlich lieb, Gott, wann? Warst du in Stalingrad lieb, lieber Gott, warst du da lieb…“


Die liberale Theologin Dorothee Sölle war der Meinung: „Wie man nach Auschwitz den Gott loben soll, der alles so herrlich regieret, das weiß ich auch nicht.“


Doch Gott gab den Menschen einen freien Willen. Er möchte keine Maschinen, die auf Knopfdruck das Richtige tun. Doch genau das ist das Dilemma der Menschheit. Sie hat sich stets gegen Gott entschieden. Die Menschen missachteten seine Gebote, brachten Tod und Krankheit in Gottes Schöpfung.


Doch Gott hat einen Ausweg gefunden. Er schickte seinen Sohn Jesus auf die Erde. Der war perfekt und tat überhaupt nichts schlechtes. Als er dann unschuldig am Kreuz starb nahm er in Stellvertretung die Schuld und das Elend der Menschen auf sich. Gott selber weiß, was es bedeutet Schmerzen zu erleiden.Wer ihn in sein Leben aufnimm, der kann seine Schuld und Qual bei ihm abgeben, denn er hat dafür bezahlt.



Kommentare

  1. Kim Dae

    Selbstverantwortung

    – Gott hat dem Menschen die Welt gegeben, mit aller Flora und Fauna, zu unserer Verantwortung.

    – Gott hat eingegriffen, als die Menschheit immer tiefer in Sünde verfiel.

    – Der Mensch hat sich dennoch aufs neue versündigt, also hat Gott den Bund mit uns geschlossen, dass er uns unserer boshaftigkeit wegen nicht erneut verfluche.

    – Gott hat seinem Volk sein Gesetz, die Tora, gegeben.

    – Die Menschheit erwies sich ein weiteres Mal als unfähig, so dass Gott in seiner Liebe seinen Sohn zu uns schickte.

    – Wir haben diesen gekreuzigt und dennoch hat uns Jesus erlöst.

    Und nun fragen wir uns, wieso Gott nichts tut?
    Gott ist nicht da, um uns zu dienen, er ist nicht für unser Tun verantworlich; WIR haben gesündigt, wir haben vom Baum der Erkenntnis gestohlen und genossen.
    Wir lassen das Unglück in der Welt tag täglich geschehen. Wir sind es, die wegschauen oder gar zum Täter werden.

    Gott im Himmel weint über uns, wenn er mit ansehen muss, wie wir trotz seiner Präsenz, trotz seiner Liebe, seiner Erlösung, seinem Heilsplan, seinem Gesetz immer noch und immer wieder aufs Neue sündigen.

    Wir sind die Kinder, die in der Menschheitsgeschichte zum hunderttausendsten Mal auf die heisse Herdplatte fassen und unser,uns liebender Vater muss es mitansehen und ertragen.

    Nein, Gott tut nicht nichts. Er ist immer und über All und wirkt in allem und jedem, tief in unseren Herzen.

    Es ist einzig und alleine an uns, dieser Stimme zu folgen.

    Es gibt kein Theodizée-Problem; WIR sind das Problem.

  2. conrad

    Die Bibel sagt, dass die Schöpfung, die Gott geschaffen hat seit dem Sündenfall unter einem Fluch liegt. Weil die Menschheit gesündigt hat, ist der Tod und die Zerstörung auch in die ganze Natur vorgedrungen. Erst wenn Jesus wiederkommt und seine Herrschaft antritt wird Friede und Gerechtigkeit herrschen, auch in der Natur.
    Conrad

  3. Never_forget

    Aber was ist mit Flutkatastrophen?

    Das ist eine Frage, die mich schon lange beschäftigt, darum danke ich dir für diesen Artikel, Conrad!!!
    Allerdings ist mir nicht ganz klar, warum Gott z. B. Flutkatastrophen zulässt, wo doch diese nicht aus dem freien Willen der Menschen kommen können???

  4. ali

    Vor dem Sündenfall gab es weder Tod noch Leid, weder Schmerz noch irgend etwas von dem, was uns heute so viel Mühe macht. Gott hatte alles so gestaltet, dass der Mensch unter idealen Bedingungen leben konnte. In freier Entscheidung ging der Mensch eigene Wege, die von Gott wegführten. Warum Gott uns einen so weiten Freiheitsradius zubilligt, können wir nicht erklären. Wir stellen aber fest: Wer von Gottweggeht, gelangt ins Elend. Diese bittere Erfahrung machen wir bis zum heutigen Tag. Manche Menschen sind dazu geneigt, Gott die Schuld zuzuschieben. Dabei sollten wir bedenken, dass nicht Gott, sondern der Mensch der Verursacher ist. Wenn wir des Nachts auf der Autobahn das Scheinwerferlicht ausschalten und es so zu einem Unfall kommt, dürfen wir nicht dem Autohersteller die Schuld geben. Er hat die konstruktiven Vorgaben für die Beleuchtung gegeben; wenn wir sie willentlich abschalten, ist das allein unsere Sache. “Gott ist Licht” (1 Joh 1,5), und wenn wir uns in die Finsternis der Gottesferne begeben, dürfen wir uns nicht bei dem Schöpfer beklagen, der uns doch für seine Nähe geschaffen hat. Gott ist und bleibt ein Gott der Liebe, denn er hat Unvorstellbares getan: Er gab seinen eigenen Sohn dahin, um uns aus unserer selbstberschuldeten Situation freizukaufen. Jesus sagt von sich in Johannes 15,13: “Niemand hat gräßere Liebe denn die, dass er sein Leben lässt für seine Freunde.” Gibt es eine größere Liebe? Nie ist etwas Größeres für den Menschen vollbracht worden als in der Tat auf Golgatha: Das Kreuz ist somit der Höhepunkt göttlicher Liebe.

    Wir leben alle – ob gläubig oder ungläubig – in der gefallenen Schöpfung, in der das Leid in all seinen uns wohlbekannten Ausprägungen genereller Bestandteil ist. Nicht deutbar bleibt für uns das individuelle Leid. Warum geht es dem einen gut, und der andere ist durch Not und schwere Krankheit hart geschlagen? Oft muss der Gläubige sogar mehr leiden als der Gottlose, wie es der Psalmist feststellt:

    “Denn es verdross mich der Ruhmredigen, da ich sah, dass es den Gottlosen so wohl ging. Denn sie sind in keiner Gefahr des Todes, sondern stehen fest wie ein Palast. Sie sind nicht im Unglück wie andere Leute und werden nicht wie andere Menschen geplagt” (Ps 73,3-5).

    Er findet aber auch die rechte Einordnung seiner individuellen Not, die er nicht als Strafe für eigenen Sünde ansieht. Er hadert nicht mit Gottk, sondern klammert sich fest an ihn:

    “Dennoch bleibe ich stets an dir; denn du hältst mich bei deiner rechten Hand, du leitest mich nach deinem Rat und nimmst mich endlich mit Ehren an … Wenn mir gleich Leib und Seele verschmatet, so bist du doch, Gott, allezeit meines Herzens Trost und mein Teil” (Ps 73,23-24+26).

  5. Jann

    Jenseitigkeit

    Warum lässt Gott das Böse zu?

    Das Böse kommt durch den Menschen in die Welt, okay. Aber warum hilft Gott in seiner Allmacht nicht? Ich sage doch auch nicht zu meinen (fiktiven) 3- und 5-jährigen Kindern: “So, Papa ruht sich jetzt mal aus. Ihr müsst alleine den Haushalt führen.” Und wenn sie dann nach zwei Tagen weinen: “Papa, Hunger!”, dann sage ich doch auch nicht: “Ja, wenn ihr Hunger habt, dann liegt das daran, das *ihr* euch nichts gekocht habt.” Und Gott hat doch eine noch größere Verantwortung für die Menschen als ein Vater für seine Kinder: Ein Mensch ist unvollkommen, Gott ist vollkommen; ein Mensch kann nur Kinder kriegen, weil Gott ihn dazu befähigt hat, Gott hat den Menschen aus eigener Kraft geschaffen. Also, warum sagt Gott: “Ja, wenn täglich tausenden Menschen unnötig sterben und hunderttausende sinnlos leiden, dann liegt das daran, dass *ihr* sündigt lebt.”? Warum greift er nicht ein?

    Die Antwort kann nur sein, dass das diesseitiges Leiden irrelevant ist und nur das Leben nach dem Tod zählt. Das beantwortet zwar die Theodizee-Frage, wirft aber eine neue auf: Wenn nicht mal Gott es für notwendig erachtet, das diesseitige Leben der Menschen zu verbessern (obwohl er das ohne Mühe könnte), warum sollte ich es dann tun? Ist doch nicht so schlimm, wenn Kinder verhungern – umso schneller sind sie bei Gott!

    Aber es gibt ja noch Gottes Gebote, in denen auch enthalten ist, dass ich anderen Menschen helfen soll. Die soll ich also nur befolgen, weil Gott sie erlassen hat, nicht weil ich damit etwas Gutes tun würde. Genauso wie töten nicht prinzipiell schlecht ist – Gott tut es ja auch. Bei der Sintflut hat er auch tausende Säuglinge getötet und wir dürften nicht mal Hitler umbringen, denn – quod licet Jovi, non licet bovi – der Mensch darf nicht töten. (Ich finde Töten nicht gut, und gerade deswegen irritiert mich, dass es nicht *prinzipiell* als schlecht angesehen wird.) Doch ich schweife ab.

    Aus der Theodizee-Frage ergibt sich für mich zwingend die Wertlosigkeit des diesseitigen Lebens. Aber was hat es dann für einen Sinn? Ist es eine Prüfung, um zu bestimmen, wer in den Himmel kommt? Aber warum will Gott den selektieren? Ist im Himmel nicht genug Platz? Oder will Gott dort nur Ja-Sager um sich haben? Und wer hat was davon, dass Millionen Menschen (darunter auch atheistische und andersgläubige Menschen, die ein gutes Leben geführt haben) in der Hölle schmoren? Sollen sie doch in den Himmel kommen und mit Gott zusammen darüber lachen, wie blöd sie waren, als sie noch auf der Erde lebten!

    Jann

    Sorry Conrad, dass ich dich gleich mit zwei Texten überfalle, die ich vielleicht besser in einen gepackt hätte. Aber für mich sind es zwei unterschiedliche Fragen.

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