Etem

Ich bin 1972 in der Türkei geboren und 1975 mit meiner ganzen Familie nach Deutschland gekommen. Leider ist unsere Familienharmonie seit 1980 zerbrochen. Meine Eltern haben sich sehr oft gestritten. Es war kein gewöhnlicher Ehestreit, wie man es meinte. Von den Ärzten wurde später gesagt, dass meine Mutter Schizophrenie (eine gespaltene Persönlichkeit) habe. Manchmal war der Streit unserer Eltern so akut, dass meine Mutter in die Nervenanstalt eingeliefert werden musste. Es gab Momente, in denen meine Mutter sich weigerte, uns in die Schule zu schicken, weil sie von heute auf morgen wieder in die Türkei wollte. Manchmal kam ich von der Schule nach Hause und stand vor einer geschlossenen Türe, weil unsere Mutter nicht aufmachte.


Mit 16 Jahren lernte ich Freunde kennen, mit denen ich in Discos, auf Parties und in Cafés rumhing. Diese Szene langweilte mich sehr bald, weil sie nur auf Äußeres beschränkt war: hübsche Frauen, Autos, cool sein und blablabla. Später lernte ich eine andere Szene kennen: die Graffiti-Sprüher. Diese Leute hatten mich sehr angesprochen, weil sie schmutzig, trostlos, verhöhnt, verfolgt und mit Problemen beladen waren – wie ich auch. Das Leben dieser Leute war wirklich spannend und kreativ und so hatte ich das gefunden, was ich schon immer gesucht hatte. Endlich war ich mit Menschen zusammen, die auch gerne zeichneten und Musik hörten.


Doch die Atmosphäre fing an sich zu trüben als die Drogen ins Spiel kamen. Als ich mich nach einigen Jahren inmitten von Kiffern, Heroinsüchtigen und Kriminellen befand, fragte ich mich nach dem Sinn des Lebens und wollte raus. Ich hatte nach Harmonie, Kreativität und Freundschaft mit tiefgründigen Gesprächen gesucht, aber auch hier habe ich nicht gefunden, wonach ich mich gesehnt hatte.


Durch einen türkischen Freund wurde ich mit der Bibel konfrontiert. Er behauptete, er sei ein Christ. Ich hielt es zunächst für einen Joke, weil ich bis zur damaligen Zeit noch nie gehört hatte, dass ein Türke an Jesus Christus glaubt. Ich hatte viele Fragen und wir sprachen oft miteinander über die Bibel. Aber wo war dieser Gott? Ich wollte sterben und dachte sogar nach, ob ich wohl auch eines Tages ein Heroin-Junkie würde, weil ich das Leid der Menschen nicht mehr ertrug. Das Leid in der Familie, Freundeskreis und in der Welt nahm mir die Freude am Leben.


Eines Tages fragte mich mein gläubiger Freund, ob ich eine persönliche Beziehung zu Gott hätte. An diesem Abend habe ich begriffen warum Christus am Kreuz für mich gestorben ist. Ich habe mich für Jesus entschieden. Natürlich war mein Leben danach nicht gleich Friede, Freude, Eierkuchen – aber Freiheit, Wahrheit und Liebe haben für mich jetzt eine ganz andere Bedeutung. Als ich am 11. September die beiden Passagierflugzeuge in die Twin Towers des WTC fliegen sah, musste ich nüchtern erkennen, wie absurd es ist, an diese Welt zu glauben.


Jesus erzählte einmal ein Gleichnis von zwei Menschen, die sich ihr Haus bauten. Der eine baute es auf Sand, der andere auf einen Felsen. Gewiss ist das WTC auf Felsen gebaut worden. Aber hier in der sichtbaren, vergänglichen Welt. Jesus sagt: […] Mein Reich ist nicht von dieser Welt. […] (Johannes 18,36) Wer aber sein Leben in jenem Reich lebt, von dem Jesus redet, der wird verankert sein in der Liebe Gottes und wird wie Petrus sagen können: […] Herr, zu wem sollten wir gehen, du hast Worte ewigen Lebens; (Johannes 6,68)


Ich habe hier alles verloren aber durch ihn alles gewonnen.





Graffiti

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