Warum befolgen Christen nicht alle Gebote / Regeln der Bibel?

Oft wird man als Christ konfrontiert mit der Aussage, dass wir uns nur die Rosinen der Bibel herauspicken. Was ist mit den ganzen Geboten des Alten Testaments? Warum befolgen wir keine Renigungs-, Heiligungs, Opfer- und Sabbatregeln, die Gott doch seinem Volk geboten hatte? Warum befolgen wir trotzdem andere Gebote wie zum Beispiel: Liebe deinen Nächsten? Sind wir Christen inkonsequent, weil wir herauspicken und auswählen, welche Regeln wir zu befolgen haben? Ein Erklärungsversuch.

Die Bibel ist in ihrem gesamten Sinn ein Wegweiser auf Jesus. Alles dreht sich um diese Person. Alles, was wir abseits dieser Person interpretieren, trifft nicht den Sinn dieser Schrift. 

Im Alten Testament mussten die Menschen viele rituelle Reinigungsgebote einhalten und für ihre Sünden büßen in Form von Opfertieren, um sich Gott zu nähern. Gott verbarg sich selbst vor den Menschen, weil er Sünde in seiner Nähe nicht ertragen kann (daran hat sich nie etwas geändert). Sein Volk hatte gewisse Kleidung zu tragen, sie mussten gewisse Dinge essen und andere durften nicht gegessen werden. Diese Gebote waren der einzige Weg, um sich Gott zu nähern in Anbetung.

Am signifikantesten wird der Unterschied deutlich, wenn wir uns den Tempeldienst anschauen. Die Menschen konnten dort nicht einfach ein- und ausgehen, sie hatten keinen direkten Zugang zu Gott. Es war der Priester, der einmal im Jahr in das Heiligtum gehen konnte. Und das alles nur unter ganz vielen Vorschriften, Reinigungsgeboten und ritueller Reinwaschung. Heute müssen wir das alles nicht mehr tun aufgrund der Tatsache, dass Jesus für uns gestorben ist!

Als Jesus am Kreuz starb, da ist der Vorhang im Tempel zerrissen, der die Menschheit von Gott trennte. Das war ein symbolisches Zerreißen des Zeichens, das von uns Menschen diese ganzen Renigungspfllichten verlangte. Gott ist nahbar durch Jesus. Er nahm nicht nur Schuld auf sich, sondern durch seinen Tod sind auch wir gereinigt, sodass wir frei zu Gott kommen können. Er nahm das ganze Opfersystem weg, denn er war das vollkommene Opfer. Er ist das ultimative Opfer!

 Zum Verständnis: Jesus hat die ganzen Opferregeln nicht weggenommen, sie bestehen immer noch. Gott ist derselbe, schon seit Ewigkeiten, und er verlangt Reinheit. Aber alle Regeln sind durch ihn erfüllt worden, Gott wurde durch ihn zufrieden gestellt. Immer wenn wir “in seinem Namen” beten, dann können wir die Zuversicht haben, dass wir vor Gott treten durch das Blut von Jesus, das für uns geflossen ist (Hebräer 10,19).

Weil Jesus -in dem wir zu Gott kommen – diese Regeln alle erfüllt, sieht Gott auf uns wie auf Jesus selbst. 

Deswegen wäre es völlig inkonsequent, wenn wir die Regeln des Alten Testaments befolgen würden. Es wäre eine Art Schlag in das Gesicht Gottes, der durch seinen Tod diese Regeln alle erfüllt hat! Es wäre die Verachtung der Gnade Gottes und seiner Macht, uns komplett rein zu machen. Er erfüllt jede Regel für mich!

Welche Regeln des Alten Testaments sollen wir dann befolgen und welche nicht?

Letztlich ändert das Kommen und Sterben von Jesus die Art, wie wir anbeten, also zu Gott gelangen, aber nicht die Art, wie wir leben. Deswegen stärkt das Neue Testament auch die Gebote, die unser Zusammenleben regeln: Liebe deinen Nächsten, kümmer dich um die Armen, begehe keinen Ehebruch, töte nicht! Das sind die Gebote, die heute noch gelten. Doch alles, was mit Anbetung zusammenhängt, können wir an den Sohn Gottes abgeben, durch ihn kommen wir zu Gott und brauchen keine Regeln oder Gebote!

Deswegen ist zum Beispiel auch die Sex-Ethik (Zwischenmenschlich) auch die Gleiche im Alten Testament wie im Neuen Testament. Manchmal hört man das Argument, dass viele Christen einige Essensregeln nicht befolgen, – wie zum Beispiel, dass sie rohes Fleisch essen, obwohl es verboten ist – aber dann Homosexualität verurteilen. Das liegt ganz einfach daran, dass das Neue Testament von uns nicht mehr fordert, reines Fleisch zu essen (um unsere Sündlosigkeit zu wahren), aber sehr wohl von Homosexualität als Sünde spricht. Selbst Jesus betont in Matthäus 19, dass allein Mann und Frau als ein Fleisch zusammengehören, und wer diese Bedingung nicht erfüllt, sollte sich fernhalten von Sex und Ehe.

Dass heute nicht mehr bestraft wird wie im Alten Testament ist darin zu begründen, dass das Volk im Alten Testament eine Nation, ein ziviles Reich, war, und eben auch Regeln innerhalb dieser Nation angewandt wurden. Das hat sich geändert. Gottes Reich ist ein geistliches Reich, und alle seine Kinder leben unter anderen Herrschaftssystemen in der ganzen Welt. Während im Alten Testament also zivile Sanktionen wie Exekution ausgeübt wurden, ist das heute nicht mehr der Fall. Deswegen wird mit Sünden anders umgegangen, beispielsweise durch Ermahnung oder im schlimmsten Fall einem Ausschluss von der Mitgliedschaft, aber nicht durch gerichtliche Strafen, wie es damals der Fall war.

Letztlich ist der ultimative Gradmesser Jesus Christus. Wenn man die Bibel in dem Bewusstsein liest, dass er der wiederauferstandene Sohn Gottes ist, dann macht die Bibel Sinn. Wenn er nicht der Sohn Gottes ist, dann ist die Bibel eine bloße Ansammlung von einiger Weisheit und Sprüchen, aber der größte Teil wäre einfach nur falsch und dumm!

Aber du kannst nicht sagen, dass Christen inkonsequent sind, wenn sie nicht die Regeln des Alten Testaments befolgen, während du die Interpretation und Bedeutung des Neuen Testaments (also von Jesus Christus) einfach ignorierst. Das wäre nämlich selbst sehr inkonsequent!

 lies hierzu mehr von Tim Keller: www.christianpost.com/new…le-is-inconsistent-77993/