Das Mittelalter – Himmel oder Hölle?

Eine aktuelle Ausgabe des “Spiegels” (44/2005) hat als Leitartikel Das Mittelalter. Untertitel: Himmel oder Hölle? Das Titelbild zeigt eine Malerei aus dieser Zeitepoche. Durch wuchtig-schaurige Farben und martialische Darstellungen wird der Betrachter in den Bann gezogen.
Autor Matthias Schulz verwendet verbale Pinsel, um ein ähnliches Bild vom Mittelalter zu zeichnen. Seiner Meinung nach wird es in den Medien viel zu verklärt und märchenhaft dargestellt. In seinem Beitrag empfindet er die Stimmung des Titelbildes nach: verzerrte Menschen, Todesnähe, tiefe, brachiale Sehnsüchte. Und fragt sich, warum die Faszination des Mittelalters gerade heute wieder so groß ist.

Tatsächlich ist Mittelalter nach wie vor “in”. Für Ritterspiele, Romane und Hollywood-Filme scheint die Epoche der Ritter und Burgen wie geschaffen zu sein. Der postmoderne Europäer in seiner flatterhaften Fastfood-, Mindless**- und Meaningless***-Kultur sehnt sich tief im Innern nach großen Geschichten, nach Bedeutungsschwere und Helden, die beides vertreten. Eines aber möchte man sicher nicht mehr zurückhaben: die Herrschaft der Päpste.

Ohne Zweifel, und darüber sind sich Forscher wie Laien einig, war die Römisch-Katholische Kirche im Mittelalter die Macht, die Europa am stärksten geprägt hat. Ihre Herrschaft reichte so weit, dass selbst ein deutscher Kaiser vor dem Pontifex Maximus kuschte. Die Kirche hielt Gewissen und Alltagsleben der Menschen im Würgegriff. Ihr ist es zu verdanken, dass viele Menschen heutzutage ein extrem verzerrtes Bild vom Christentum haben.

Nehmen wir zum Beispiel den Umgang mit der Sexualität. Zeitweise verbot die Kirche an 140 Tagen den Geschlechtsverkehr in allen Gesellschaftsschichten. Priester, Mönche und Nonnen mussten sowieso ehelos bleiben. Praktiken, die keinem der Apostel je eingefallen wären (und der Papst beruft sich immerhin auf den angeblichen ersten “Bischof von Rom”, den Apostel Petrus); Paulus nennt das Eheverbot sogar eine “Lehre von Dämonen” (1.Timotheus 4,1-3)! Wie um alles in der Welt kamen dann die Kirchenoberen darauf, solche Dinge zu lehren? Schulz bietet in seinem Artikel eine plausible These an: “…bot der Papst ein anderes Ventil, über das sich die angestauten Emotionen austoben konnten – in Form von Gewalt.” Mit anderen Worten: Kreuzzüge.

Man könnte noch viele unbiblische Erfindungen aufführen, mit der Rom die Menschen des Mittelalters knechtete, wie z.B. die von Luther so kritisierten Ablaßzahlungen oder die Trennung der Kirche in Klerus und Laien. Und doch muss man eines festhalten: die Menschen hatten damals einen klaren Lebensrahmen, wußten, wo sie herkamen und wo sie hingingen. Elementare Realitäten wie der Tod wurden nicht, wie heutzutage, einfach ausgeklammert, sondern standen stets mahnend im öffentlichen Bewußtsein (“Memento mori”). Die Kirche bildete den Mittelpunkt des Lebens, sie war bei der Geburt und beim Begräbnis dabei, sie gab die Werte vor und sagte, wo es langgeht. Sie war ein Fels in der Brandung, der sich nicht so schnell veränderte. Das Mittelalter war sicherlich nicht der Himmel, die Hölle war es aber auch nicht.

Wir Menschen des postchristlichen Zeitalters nun haben uns gegen die Kirche als Lebensmittelpunkt entschieden. Und haben dabei das Kind mit dem Bade ausgeschüttet. Denn Gott war noch nie so wie die Kirche. Und Ihn zu verlassen bedeutet nicht Freiheit, sondern Orientierungslosigkeit, Sinnlosigkeit, Verlorenheit, Verderben.

“Mich, die Quelle lebendigen Wassers, haben sie verlassen, um sich Zisternen auszuhauen, rissige Zisternen, die das Wasser nicht halten.” (Jeremia 2,13)



** mindless (engl.): gedankenlos, kopflos
*** meaningless (engl.): bedeutungslos

Kommentare

  1. ali

    Aus Habgier und zur Stärkung der Machtkirche Roms, riss der ehrgeizige Papst Gregor Vii. im Jahre 1075 (!) mit seinem Zölibatsgesetz viele zehntausend Priester-Ehen, die nach katholischem Ehesakrament getraut worden waren, rücksichtslos auseinander. Die Leid tragenden Frauen und Kinder ließ er in unbarmherziger Gefühlsroheit verjagen. Als Ersatz für die Familie durften die “Haushälterinnen” in die Priesterwohnungen einziehen, womit dieses schandbare Werk besiegelt wurde.

    Petrus war verheiratet (Matthäus 8, 14; 1. Korinther 9, 5)

    Obwohl der Apostel Petrus (= Kephas) als angeblich erster Papst verheiratet war und seine Frau auch auf Missionsreisen mitgenommen hatte, haben die Päpste seit Gregor VII. die Verheiratung der Priester, ohne Rücksicht auf deren natürliche Bedürfnisse, untersagt und damit eine innere Not und Armut über ihre unterworfene Priesterschaft gebracht. Die listige Ausrede der Papstkirche, wonach ein unverheirateter Priester wegen fehlender Bindung an Ehe und Familie noch besser den Mitmenschen dienen könne, ist unglaubwürdig. Sie wird mit der bekannten Tatsache Lügen gestraft, dass ein lediger Mann ohne Erfahrung mit eigener Ehe und Familie auch keinen echten, hilfreichen Beistand und Rat in familiären Angelegenheiten zu geben vermag.

    Es ging also beim päpstlichen Zölibat gar nicht um die von Gott geforderte Menschlichkeit, sondern nur um die völlige Fesselung der Priester an die römische Machtkirche. Mit der Ehelosigkeit ihrer Diener konnte vor allem die oft große Hinterlassenschaft der zum Priester angeworbenen reichen Alleinerben, insbesondere bei Bauernsöhnen, vereinnahmt und so in Ausnutzung des geistlichen Standes das Vermögen der Kirche zielstrebig vermehrt werden.

    Wir erkennen auch hier wieder, wie dem anti-christlichen Papsttum jedes noch so fragwürdige und verwerfliche Mittel recht war und heute noch ist, um seine widergöttliche Herrschaft auf Erden zu stärken und die Menschen an sein Verderben bringendes Täuschungswerk zu binden.
    Die von Daniel (Dan. 11, 37) und Paulus (1. Tim. 4, 3) vorausgesagte Nichtachtung der Liebe und Ehe durch den Anti-Christus hat sich im päpstlichen Zölibat deutlich erfüllt!

    Somit erfüllen weder der Papst, noch einer seiner Bischöfe oder Priester, auch nur annähernd die Anforderungen Gottes an einen Bischof oder Priester:
    Kein einziger von ihnen steht z.B. seinem eigenen Haus gut vor und hat gehorsame Kinder, weil sie allesamt, entgegen der Anweisungen Gottes, nicht verheiratet sind.
    Bitte lesen Sie 1. Timotheus 3, 1-13!

    In 1. Tim. 3, 2-5 heißt es z.B.:
    “Ein Bischof aber soll untadelig sein, Mann einer einzigen Frau, nüchtern, maßvoll, würdig, gastfrei, geschickt im Lehren, kein Säufer, nicht gewalttätig, sondern gütig, nicht streitsüchtig, nicht geldgierig, einer, der seinem eigenen Haus gut vorsteht und gehorsame Kinder hat in aller Ehrbarkeit. Denn wenn jemand seinem eigenen Haus nicht vorzustehen weiß, wie soll er für die Gemeinde Gottes sorgen?“

    Interessant ist, dass in 1. Tim. 4, 1-3 steht, dass “einige vom Glauben abfallen werden und verführerischen Geistern und teuflischen Lehren anhängen, verleitet durch Heuchelei der Lügenredner, die ein Brandmal in ihrem Gewissen haben. Sie gebieten nicht zu heiraten und Speisen zu meiden, die Gott geschaffen hat, …”
    Kommt Ihnen das jetzt bekannt vor?
    Wer sind diejenigen, die vom Glauben abgefallen sind und verführerischen Geistern und teuflischen Lehren anhängen und z.B. gebieten, nicht zu heiraten?

    Wir brauchen nur die Bibel zu Rate ziehen – und schon entlarven wir den Papst als den biblisch vorhergesagten Anti-Christus und seine römisch-katholische Kirche als die Hure Babylon (Offenbarung Kapitel 17 und 18). Aber Vorsicht: Nur mit der Bibel können diese Herren entlarvt werden! Es gibt keine andere Möglichkeit, ihnen ihre Maske herunterzuziehen.

  2. carl

    tralala, kritik wie immer

    1. In timotheus wird nicht gesagt, dass eheverbot eine Daemonenlehre ist, das habt ihr aber so behauptet.
    2. Petrus war der ehelos oder nicht? und die anderen aposteln? Siehe offb: die 144000 die jungfraeulich geblieben sind…
    3. Waehrend dem Mittelalter waren die Priester eben nicht ehelos, das war ja das problem
    4. Das sind die evangelischen Raete, so wie es jesus vorgelebt hat.

    mannmannmann, wie ihr abgeht… katholische kirche ist scheisse. Ohne die haettet ihr das nicht, was ihr das einzig wahre nennt. eure Bibel
    bitte sagt mir, wenn da etwas dran falsch ist, was ich gesagt habe, und ansonsten.
    Gruss aus Rom,
    Carl

  3. millhouse

    gut auf den Punkt gebracht……

    mal wieder ein Artikel, der es auf den Punkt bringt.
    Unsere falschen Vorstellungen von Gott, die wir über zehn Ecken erhalten und von Hinz und Kunz abgeschaut haben, halten uns davon ab Jesus Christus kennenzulernen. So kennenlernen, wie ER sich uns vorstellt.
    Das seltsame ist aber, dass heute die Menschen im Gegensatz zum Mittelater weitgehend lesen können und verstehen mit dem Internet umzugehen. Wer einigermaßen Grips in der Birne hat und sich NICHT selbst in die Tasche lügt, hat heute einfach keine Alternative, es sei den er WILL einfach nicht.

    Bitter, Bitter, denn “wem viel gegeben ist, von dem wird auch viel verlangt”….

    Die Floskel, “ich wusste nichts von Gott” muss korrekt heissen, “ich will nix von ihm wissen”.

    Brüder und Schwestern, der Herr segne euch…..
    Wer weiss wie lange ihr diese Seite noch betreiben könnt, bevor das Evangelium wieder der Zensur zum Opfer fällt und endgültig die Wahrheit auf dem Altar des falschen Friedens (“Gleichgültigkeit” alias “Neue Toleranz”) geopfert wird…..

    Maranatha

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