
Endlich ist wieder Weihnachten. Endlich wieder mit der Familie zusammensitzen, Plätzchen essen, und dann gibts die Geschenke. Und traditionell geht man davor noch zusammen in die Kirche. Wenigstens an Weihnachten und an Ostern. Da hört man dann nochmal die Weihnachtsgeschichte von Jesus, der damals im Stall geboren wurde. Jesus war auch ein lieber Mensch, hört man da in der Predigt. Bestimmt würde er gerne heute dabeisein bei der Bescherung und hätte für alle Geschenke dabei. So friedlich, wie er da in der Krippe liegt. An Weihnachten ist die Welt wieder in Ordnung. Dann hört man noch ein paar Sätze, was Jesus damals so gesagt hat: "Liebe deinen Nächsten wie dich selbst". Wie gut, dass wir uns an Weihnachten alle lieben. Und dann abends endlich der Höhepunkt: Die Geschenke werden ausgepackt.
"Wo kommen die ganzen Geschenke eigentlich her?" könnte man sich da fragen.
Aus dem Geschäft natürlich. Aber da müssen sie ja auch erst mal rein.
80% des Spielzeugs auf unseren Gabentischen kommt aus der chinesischen Provinz Guangdong.
Hier ein Vergleich, wie sich die Weihnachtszeit von uns unterscheidet zu denjenigen, die unsere Geschenke herstellen. Die Beispiele sind keine Ausnahmen, sondern stehen repräsentativ für gewöhnliche Schicksale:
Deutschland: Markus (12 Jahre) und Isabell (11) haben jetzt 2 Wochen Weihnachtsferien. Gleich am Anfang der Ferien gibt es das erste Highlight: Weihnachten und Geschenke. Gierig packen sie ihre Geschenke aus: Ein Spielzeugraumschiff, eine Ritterburg und einen Gameboy für Markus. 2 Barbies und ein Puzzle für Isabell. Insgesammt 229,90 Euro. Nach einer Woche haben sie das Interesse verloren und langweilen sich, was sie in den Ferien noch machen könnten.
China: Kim (13) hat eine Stunde Anfahrt zu ihrer Arbeit in der Fabrik. Ihre Aufgabe ist es, Plastikköpfe auf Spielzeugpuppen zu stecken. Sie macht das täglich 16 Stunden lang. Jetzt in der Weihnachtszeit kann es aber auch länger werden. Am Abend fährt sie wieder eine Stunde zurück und fällt todmüde ins Bett.
Wir haben ca. 30 Tage Urlaub im Jahr, dazu kommen 2 freie Tage pro Woche. Das macht in etwa 130 freie Tage im Jahr.
Unsere chinesischen Spielzeugarbeiter haben einen freien Tag im Monat. Das macht 12 freie Tage im Jahr.
Markus bekommt von seiner Oma zusätzlich noch 100 Euro zur freien Verfügung geschenkt.
Kim und ihre älteren Kollegen verdienen etwa 60 Euro im Monat für 450 Stunden Arbeit. Das ist ein Stundenlohn von gut 13 Cent.
Deutschland: Herr Maier und Frau Müller stehlen sich öfters am Tag aus ihrer Firma und machen eine kleine Raucherpause.
China: In der chinesischen Fabrik dürfen Frauen fünfmal und Männer dreimal an ihrem langen Arbeitstag auf die Toilette. Wer länger als fünf Minuten braucht, muss Strafe zahlen.
Aus gutem Grund ist es ein sehr schwieriges Unterfangen, eine chinesische Spielzeugfabrik einmal von innen zu betrachten.
Man versucht, die traurige Geschichte unseres Spielzeugs verschleiert zu halten, denn sonst würde unsere Konsumwut leiden.
In den Fabriken gibt es keine Menschenrechte. Die Temperatur ist unerträglich heiß, es gibt keine Klimaanlage. Die Arbeiter sind permanent giftigen Lackdämpfen und Lärm ausgesetzt. Unabhängige Gewerkschaften, die für die Arbeiterrechte einstehen könnten, sind verboten. Die Leute sind zwar freiwillig in den Fabriken, aber nur wegen der mangelnden Alternativen und des drückenden Überangebots an Arbeitskräften. Deshalb können sie auch verheizt werden. Krankheiten und Verletzungen sind häufig. Mitsprache oder Rechte gibt es nicht.
Und weil wir die Augen ganz fest zuhalten, können wir sagen: Weihnachten ist das Fest der Liebe.
Und weil wir von unserem Überfluss ab und an etwas an Hilfsbedürftige spenden, übersehen wir eines:
Das liebliche Kind in der Krippe lächelt ja gar nicht. Jesus ist nicht der liebe Mensch, sondern er ist zornig auf uns. Er ist zornig über die himmelschreiende Ungerechtigkeit, die in der Welt herrscht.
Wir Menschen können verdrängen, woher unsere Geschenke kommen, wir können es nicht an uns heranlassen, aber Gott kann das nicht, er sieht alles. Sein Zorn ist gerechtfertigt.
Denn es wird offenbart Gottes Zorn vom Himmel her über alle Gottlosigkeit und Ungerechtigkeit der Menschen, welche die Wahrheit durch Ungerechtigkeit niederhalten. (Römer 1,18)
Er sieht, wie Kim leidet und er leidet mit. Was für eine unerträgliche Vorstellung, wenn diese Ausbeutung niemals beglichen werden würde.
Zum Glück ist Gott keine Witzfigur. Er wird einmal die Konten ausgleichen. Er wird das Leben von jedem einzelnen Menschen anschauen und die Gerechtigkeit wieder herstellen. Deshalb haben wir keine andere Hoffnung als nur Gott. Aber der ist zu recht zornig.
Woher weißt du, dass du dem Zorn Gottes entrinnen wirst? (Matthäus 3,7)
Wer an Jesus glaubt, hat ewiges Leben; wer aber Jesus nicht glaubt, wird das Leben nicht sehen, sondern der Zorn Gottes bleibt auf ihm. (Johannes 3,36)




