#2 Schöpfung oder Evolution: Nichtreduzierbare Komplexität

Was ist "Nichtreduzierbare Komplexität"? Wie so oft in der Wissenschaft verbirgt sich auch hinter diesem kompliziert klingenden Begriff ein relativ einfacher Sachverhalt.
Er wird benutzt in der Diskussion, wie wir Menschen und die anderen Lebewesen entstanden sind. Bist du das Ergebnis eines ziellosen Zufallsprozesses(Evolution) oder ein gewolltes Geschöpf Gottes(Schöpfung)?

Um Licht in die Angelegenheit zu bringen, muss man die Art und Weise verstehen, wie die Evolutionstheorie die Entstehung des Menschen erklärt. Wichtig sind dabei zwei biologische Mechanismen: Mutation und Selektion.

Unter Mutation versteht man, dass sich die Arten von Generation zu Generation immer ein bischen verändern. Zum Beispiel kann die Augenfarbe der Tochter anders sein als die der Mutter. Oder die Beine des Sohnes langsamer bzw. schneller als die des Vaters.

Selektion sortiert diese entstandenen Unterschiede dann aus. Man kann sich das an der folgenden kleinen Geschichte vorstellen: Vor langer Zeit sitzen zwei Männer beim Angeln am See. Plötzlich kommt ein Löwe aus dem Gebüsch und stürmt auf die beiden zu. Sie rennen schleunigst davon, aber der eine ist etwas schneller als der andere. So kommt es tragischerweise dazu, dass der Langsamere vom Löwen eingeholt und aufgefressen wird. Der Schnellere hat überlebt und kann sich mit einer Frau fortpflanzen. Er gibt dabei seine Gene weiter, so dass in der nächsten Generation die Menschen ein Stückchen schneller sind als in der vorigen Generation, da ja der Langsame seine Gene nicht mehr weitergeben konnte.
Ähnliche Beispiele können haufenweise angeführt werden und erklären viele Veränderungen an den Lebewesen. So können sich nur diejenigen Eulen mit einem besseren Gehör fortpflanzen, weil sie genügend Beute fangen. Nur diejenigen Bergziegen mit einem besseren Gleichgewichtssinn können sich fortpflanzen, weil sie den Weg über die schmalen Felsvorsprünge meistern und nicht abstürzten.

Lebewesen mit "Selektionsnachteilen" (z.b. Schlechtes Gehör, langsame Beinen) sterben nach und nach aus, Lebewesen mit "Selektionsvorteilen" (z.b. gutes Gehör, schnelle Beine) bevölkern mehr und mehr die Erde.
So entstehen nach der Evolutionstheorie immer bessere und effizientere Tiere und schließlich das Übertier Mensch.

Das ist grundsätzlich einleuchtend. Vorgänge wie oben beschrieben finden tatsächlich statt und man kann sie als wissenschaftlichen Fakt ansehen. Deshalb sind solche Tatsachen genauso auch im wissenschaftlichen Gegenmodell zur Evolution - dem "Intelligent Design" - berücksichtigt. Trotzdem muss man aber noch ein zweites mal hinsehen, um zu erkennen, wie weitreichend diese biologischen Mechanismen (Mutation, Selektion) sind. Oder mit anderen Worten: Wie komplex sind Lebewesen und Zellstrukturen, die sie hervorbringen können?
Und hier kommt das Stichwort "Nichtreduzierbare Komplexität" (oder auch "Irreduzible Komplexität") zum Tragen. Wenn man sich die heute lebenden Arten ansieht, beobachtet man sehr komplexe Strukturen und Organe. Ein Beispiel unter vielen ist das Auge. Seine Entstehung lässt sich aus den folgenden Gründen nicht mehr mit Mutation und Selektion erklären:

Für die Entstehung des Auges müssten viele zufällige Mutationen auf einmal stattfinden. Um ein funktionierendes Auge zu erhalten, müssen (vereinfacht) mindestens folgende Einzelkomponenten vorhanden sein:

-Sehzellen, die auf Lichtstrahlung reagieren und ein elektrisches Signal abgeben können
-Eine Hornhaut, die das einfallende Licht bricht
-Eine komplexe Linse, die ihre Form und Brechweite verändern kann
-Nervenbahnen zu der Linse, so dass sie vom Gehirn aus gesteuert werden kann
-Eine Fixierung der Linse, die sie an ihrem Ort hält
-Ein spezieller Teil im Gehirn, der die Linsenkrümmung sinnvoll steuern kann
-Eine geschlossene Kugel (Augapfel), die die Augenflüssigkeit festhält
-Nervenbahnen von den Sehzellen zum Gehirn, die das elektrische Signal weiterleiten
-Ein signalverarbeitender Teil im Gehirn, der das elektrische Signal als Lichtquelle identifiziert und dem Körper sinnvolle Anweisungen gibt, wie er sich verhalten soll, z.b.: "Lauf weg, das ist Feuer"
-usw.

Allein die zufällige Entstehung einer Linse oder einer Sehzelle ist höchst unwahrscheinlich(gerade heute, wo man immer mehr über die beachtliche Komplexität im Inneren der Zellen herausfindet). Aber angenommen, sie entsteht tatsächlich, dann hilft sie dem Körper kein Stück weiter, denn sie funktioniert nicht ohne die anderen notwendigen Teile. Ohne verarbeitende Einheit im Gehirn ist die Sehzelle wertlos. Fehlt auch nur eine der notwendigen Teilkomponenten, ist das komplette Auge wertlos. Mit anderen Worten: Das Auge ist "nichtreduzierbar komplex".
Auch der Gedanke, dass sich nach vielen weiteren Generationen dann auch die anderen notwendigen Teile dazuentwickeln, geht nicht auf. Denn eine Sehzelle, die nicht funktioniert, ist ein Selektionsnachteil. Der Körper muss sie mit Energie versorgen, ohne dass er einen Nutzen davon hat. Außerdem nimmt sie Platz weg. Das bedeutet, falls einzelne Teilkomponenten entstehen, werden sie schnell wieder aussterben, und zwar ironischerweise wegen des biologischen Mechanismusses der Selektion.

Der Fairness wegen muss zugegeben werden, dass bei weiteren Überlegungen das Problem im Falle des Auges verkleinert werden kann. So kann beispielsweise der Schritt von einer einzelnen Sehzelle am Anfang zu vielen sinnvoll angeordneten Sehzellen später durchaus mit den evolutiven Mechanismen erklärt werden. Darüberhinaus kann das Auge strenggenommen auch ohne Linse funktionieren. Trotzdem gibt es bei weitem keine hinreichende Erklärung für die Entstehung solch komplexer Organe.

Ähnliche Beispiele nichtreduzierbarer Komplexität können in der Natur massenhaft beobachtet werden. Vom Flügel eines Vogels über die allererste lebende Zelle bis hin zu Bakterien mit Antrieben, die unseren heutigen Motoren gleichen.

An sich ist die Entstehung neuer Strukturen durch Evolution schon sehr unwahrscheinlich, weswegen sie sehr große Zeiträume voraussetzt. Mit Überlegungen wie die der "Nichtreduzierbaren Komplexität" verkleinern sich die niedrigen Wahrscheinlichkeiten nochmals um ein Vielfaches. Die Selektion sorgt dabei sogar selbst dafür, dass die komplizierten Organe nicht entstehen.
Auch große Zeitspannen sind kein Argument für die Evolutionstheorie, solange sie keine biologischen Mechanismen beinhaltet, welche grundsätzlich die heutigen komplexen Lebewesen hervorbringen könnten.


siehe auch:
#1 Schöpfung und Evolution: Ring frei
#3 Schöpfung und Evolution: Die erste lebende Zelle




Quellen: Evolution - Ein kritisches Lehrbuch (Scherer, Junker)