Der große Jugend-Sex-Report

“Der große Sex-Report” titelte die BILD gestern (19.04.06). Eine Studie für den Meinungsmacher adoleszenter Sexualität BRAVO soll herausbringen, wie denn nun das Paarungsverhalten der Jugendlichen in Deutschland wirklich aussieht. Voyeuristischer Anreißer darunter: “Wissen die Eltern wirklich, was in ihrem Kinderzimmer vorgeht?”


Anrüchiges erwartet der geneigte Leser von dem reißerischen Titel. Schlägt man aber hinten auf, lächeln einem aus einem rosa Rahmen hübsche Teenager entgegen, die scheinbar genau wissen, was sie wollen und damit glücklich sind. Die Fakten scheinen niemanden mehr zu schocken: 20% der 14jährigen Mädchen hatten schon Sex, 60% der Jungen sind bereit für One-Night-Stands. Die Mehrheit erlebt ihr “erstes Mal” bereits zwischen 15 und 17, manche aber auch schon mit 12. BRAVO-Expertin Eveline von Arx schiebt das einfach auf die Frühreife der Jugendlichen. Auf die Idee, das das irgendwie schädlich für die jungen Menschen sein könnte, kommt anscheinend niemand mehr.


Zwei Drittel der 1500 Befragten kennen sich mit Verhütung nicht aus. Macht nichts, es gibt ja noch Abtreibung. Aber was nützt Verhütung überhaupt, wenn die Grundlagen des Verständnisses von Sexualität fehlen und Verantwortung von vornherein über Bord geschmissen wird, weil Gefühle und Leichtsinnigkeit überwiegen?


SO war Sexualität niemals gedacht. Der verantwortungslose und zügellose Stil, den die Jugend mittlerweile pflegt, birgt verheerende Gefahren in sich. Zerbrochene Herzen, abgenutzte Beziehungsfähigkeit, Sexualkrankheiten, AIDS, Abtreibungen sind die Resultate davon. Ich schreibe aus eigener Erfahrung. Was tun? Enthaltsamkeit etwa? Sex nur in der Ehe? Ach, bleib mir doch mit dem altbackenen Kram fern!


Moment bitte! Gib mir wenigstens ein paar Zeilen, um Dir ein anderes Bild von Sexualität zu präsentieren.
Sexualität ist nicht ein zweckmäßiges Ergebnis der Evolution, sondern die Erfindung Gottes. Er weiß deswegen auch am besten, wie man damit umgeht. Aber bevor Du Dich über die allzu “engen” Vorschriften der Bibel über Sex echauffierst, hör Dir doch erst mal an, was sich Gott bei der Sexualität überhaupt gedacht hat, was das Konzept, die Idee dahinter war!


Der Sexualität begegnen wir zum ersten Mal im ersten Kapitel der Genesis. Dort spricht Gott:


“Und Gott schuf den Menschen in seinem Bilde, im Bilde Gottes schuf er ihn; Mann und Frau. Und Gott segnete sie, und Gott sprach zu ihnen: Seid fruchtbar und mehret euch und füllet die Erde…” (1.Mose 1,27.28)


Gott hatte die ganze Schöpfung wunderbar gemacht, aber der Mensch sticht heraus: er ist “nach dem Bilde Gottes” geschaffen. Das heißt nicht, dass Gott physisch so aussieht wie wir, sondern dass wir mit Ihm eine fundamentale Eigenschaft teilen: die der Personenhaftigkeit. Und nun beauftragt dieser Gott, dem wir dem Wesen nach gleich sind, die Menschen damit, fruchtbar zu sein! Offensichtlich ist Reproduktion ein fundamentales Prinzip, das Gottes Charakter und auch dem unseren zugrunde liegt. Vermehrung bedeutet: es entstehen weitere Personen, mit denen die schon bestehenden Beziehungen eingehen können, denen man etwas geben kann (Eltern-Kinder), schlicht Leben im Überfluss, nicht Egoismus und Menschenhass, sondern Liebe, Geben und Beziehung. So ist Gottes Charakter, und dafür hat Er die Sexualität geschaffen!


Aber es gibt noch ein weiteres Prinzip. Nur ein Kapitel weiter wird näher auf die Beziehung zwischen Mann und Frau eingegangen. Dort heißt es:


“Und Gott der HERR sprach: Es ist nicht gut, daß der Mensch allein sei; ich will ihm eine Gehilfin machen, die ihm entspricht!” (1.Mose 2,18)


Alles in der Schöpfung ist perfekt, aber dies ist noch nicht perfekt: der Mensch braucht ein geeignetes gegenüber innerhalb der Schöpfung. Die Tiere genügen Adam nicht. Erst die Frau, aus dem Fleisch und Blut des Mannes gemacht, entspricht ihm.


“Darum wird der Mensch seinen Vater und seine Mutter verlassen und seiner Frau anhangen, daß sie zu einem Fleische werden.” (1.Mose 2,24)


Diese wunderbare Beziehung, die dem Menschen soviel Glück beschert, ist klar definiert: sie löst die Bindung Kind-Eltern ab, sie enthält Sexualität, und sie ist monogam. Heutzutage wird Sexualität lange bevor die Kinder sich von den Eltern lösen betrieben, und ständige Partnerwechsel sind an der Tagesordnung. Aber die Ehe soll auf Treue fußen: der eine Partner soll wissen, dass der andere zu ihm steht, egal was passiert! An anderer Stelle steht geschrieben:


“Trage mich wie einen Siegelstein auf deinem Herzen, wie einen Siegelring an deinem Arm! Denn Liebe ist stark wie der Tod, und Eifersucht hart wie das Totenreich; ihre Glut ist Feuerglut, eine Flamme des HERRN.” (Hohelied 8,6)


Liebe ist kein Spiel, sondern sehr tief und ernsthaft. Sexualität, als die höchste Ausdrucksform intimer Liebe, auch. Denn so ist Gott. Er liebt jeden einzelnen Menschen so, als wäre er der einzige, und verlässt niemanden. Seine Liebe ist wie ein heißer Brennstrahl, wie ein himmlischer Fokus.


Sexualität ist zu kostbar, zu erhaben, zu göttlich, als dass man sie so billig verschleudere! Und wenn Dein Herz leer, verbraucht, verletzt ist – gehe zu dem Gott, der die Liebe erfunden hat und der die Liebe ist!

Kommentare

  1. keine Ahnung

    Verklemmtheit

    Ich denke bei all dem ist es schwierig, den Mittelweg zu finden zwischen Aufgeklärtheit und respektvollem Umgang mit Sexualität. Eigentlich müsste Aufklärung das beinhalten, dass es das nicht tut, zeigt sich an dem, was du erwähnt hast. Ich finde es richtig, dass auch christliche Kinder durch frühe Aufklärung auf die heutige Sex-besessene Gesellschaft vorbereitet werden. Wichtig ist dabei, den Wert dessen zu vermitteln, was leider immer seltener passiert. Wie viele Jugendliche treiben jährlich ihr Kind ab? Dass sie schwanger sind, aber das Kind nicht wollen zeigt doch genau das. Wer nicht die Verantwortung für ein entstehendes Kind übernehmen kann (keine Verhütungsmethode ist 100% sicher) sollte auch keinen Geschlechtsverkehr haben. REif genug dazu ist man erst ab einem gewissen Alter und ab einem gewissen Stadium der Beziehung zwischen zwei Menschen, etwa “ehereif”, aber auch ohne staatlich verheiratet zu sein.

  2. ali

    auszug aus eine guten buch über Sex:
    Ein befreundeter Arzt war vor kurzem für zwei Monate in einem abgelegenen Teil Afri­kas unterwegs. Bei seinem Rückflug wurden im Flugzeug wie üblich Filme gezeigt. Nach­dem er zwei Monate lang von allen Medien abgeschnitten war, fand er diese Kinohits aufdringlich und abstoßend. In jedem Film ging es um Sex – als wäre Sex das einzig wichtige Thema der Welt. David war in den vergangenen Wochen mit schwerwiegenden Themen konfrontiert worden: Krankheiten, Armut, Hunger, Religion, Tod. Er hatte zu­sammen mit Kollegen eine Menge Arbeit geleistet, ohne dass irgendeiner von ihnen dabei groß an Sex gedacht hätte. Beim Tank­stop des Jets in Brüssel sah David an den Kiosken reihenweise Magazine mit nackten Brüsten in verschiedenen Enthüllungssta­dien. Auch das mutete ihn seltsam an. Er kam gerade aus einer Gegend, in der es ganz normal war, dass Frauen ihre Brüste in der Öffentlichkeit entblößten – nicht um sexu­elle Lust zu wecken, sondern um ihre Kinder zu stillen. Willkommen in der westlichen Zivilisation, dachte er bei sich.

    Warum spielt Sex so eine große Rolle?

    Ich kenne kein eindrücklicheres Beispiel für die beschränkte moderne Einstellung zum Leben als die menschliche Sexualität. Wir führen Umfragen durch, in denen wir Men­schen nach ihrem Sexualleben befragen. Wir lehren Mittelstufenschüler Details über Sexualität, die früheren Generationen verboten waren. Gleichzeitig kenne ich keinen Bereich, in dem Christen stärker versagen: Es gelingt uns nicht, einen überzeugenden Standpunkt zum Thema Sexualität zu vermitteln. Au­ßerhalb der Kirche sieht man Gott als den großen Spielverderber bei der menschlichen Sexualität – und nicht als ihren Erfinder. Der Papst gibt Enzykliken heraus, Kirchen geben Stellungnahmen ab – aber viele Christen tun im Wesentlichen, was alle in ihrer Ge­sellschaft tun. Untersuchungen zeigen nur wenig Unterschied zwischen Kirchgängern und Nicht-Kirchgängern, was vorehelichen Geschlechtsverkehr und eheähnliche Lebens­gemeinschaften angeht. Sie zeigen außerdem, dass viele Menschen ihren Gemeinden den Rücken gekehrt haben, weil sie die Heuche­lei auf dem Gebiet der Sexualität abstoßend finden. Besonders dann, wenn Pfarrer nicht praktizieren, was sie predigen.

    In der menschlichen Sexualität gibt es keine natürliche Hemmschwelle, die einen Menschen davon abhält, mit verschiedenen Partnern beiderlei Geschlechts, sogar mit Kindern, engen Verwandten oder Tieren zu experimentieren. Andererseits berich­ten Anthropologen, dass jeder “primitive” Volksstamm Tabus hat, die einige dieser Praktiken verbieten. Als würden diese Völ­ker instinktiv im Geschlechtsverkehr etwas erkennen, das über den rein körperlichen Akt hinausgeht. Nur in technologisch fortgeschrittenen Kulturen reduzieren Men­schen Sex auf einen lustvollen Akt, den wir genauso wie jedes Tier praktizieren. Diese Reduzierung führt jedoch zu unerwarteten Problemen. Je mehr wir über menschliche Sexualität lernen, umso mehr unterscheidet sie sich davon, wie es die Tiere machen. Am auffälligsten ist, dass Menschen für Sex ei­gentlich viel zu üppig ausgestattet sind: Der menschliche Mann hat den größten Penis aller Primaten, und die Frau ist das einzige “Säugetier”, deren Brüste sich vor ihrer ers­ten Schwangerschaft entwickeln. Praktisch alle anderen haben eine begrenzte Zeit, in der das Weibchen brünstig ist, während die menschliche Frau jederzeit empfänglich ist ­nicht nur einmal oder zweimal im Jahr. Dar­über hinaus ist die menschliche Spezies eine der ganz wenigen, bei denen Frauen einen Orgasmus erleben können, und Menschen haben auch dann noch Sex, wenn die Jahre, in denen sie Kinder bekommen, längst vor­bei sind. Warum spielt bei uns Sex so eine übergroße Rolle?

    Das Schlüsselwort heißt Beziehung: Menschen erleben Sex als eine persönliche Begegnung, nicht nur als biologischen Akt. Wir sind die einzige Spezies, die sich beim Geschlechtsverkehr das Gesicht zuwendet, so dass die Partner ein­ander anschauen und vollen Körperkontakt haben. Im Gegensatz zu Tieren ziehen Men­schen die Privatsphäre für den Geschlechtsakt vor. Zoologen rätseln über das Besondere an der menschlichen Sexu­alität. Sie können keinen evolutionären Vorteil in Sex finden, der nicht direkt der Fortpflan­zung dient. Einige kommen zu dem Schluss, dass für Menschen Sex eine riesige Zeit­verschwendung sei – was stimmen würde, wenn es beim Sex nur um Fortpflanzung und nicht um Beziehung ginge.

    Schizophrene Situation

    Die menschliche Sexualität fördert Beziehun­gen. Menschen handeln einen Vertrag zwi­schen den einzelnen Parteien aus – einen Ver­trag, der so einfach ist wie ein Eheversprechen (oder ein Tourist, der für eine Stunde eine Pro­stituierte bezahlt) oder so kompliziert wie ein Liebesdrama bei Shakespeare. Im Gegensatz zum Zuchtbullen, der jedes brünstige Weib­chen im Umkreis deckt, ist bei Menschen eine gewisse beiderseitige Zustimmung zum Ge­schlechtsverkehr nötig. Wenn diese fehlt, nen­nen wir das Vergewaltigung und bestrafen es.

    Einige Menschen versuchen, Sex wie ei­nen tierischen Akt zu behandeln. In einer Sze­ne aus dem Film “A Beautiful Mind” spricht der hochintelligente, aber in seinem Sozial­verhalten gestörte Mathematiker John Nash eine attraktive Frau an: “Hör zu, ich kenne die Worte nicht, die ich sagen müsste, um dich zu mir ins Bett zu bringen. Können wir nicht  einfach so tun, als hätte ich diese Dinge gesagt, und gleich zu dem Teil übergehen, in dem wir Körperflüssigkeiten austauschen?” Durch den Abdruck ihrer Hand auf seinem Gesicht er­fährt er schnell, dass er bei dieser Methode etwas Wesentliches übersehen hat.

    Schizophren ist die beste Beschreibung für die Einstellung der modernen Gesell­schaft zur Sexualität. Andererseits behaup­tet die Wissenschaft, dass wir Organismen seien wie alle anderen Tiere, und dass Sex ein natürlicher Ausdruck dieser Natur sei.

    Die Pornoindustrie (die in den USA zum Beispiel mehr Geld umsetzt als alle Pro­fisportarten zusammen) kommt diesem Be­darf gern nach und liefert jedem, der zahlen ­kann, Bilder und Angebote sexueller Natur.

    Wenn Menschen ihre tierischen Instink­te allerdings wirklich ausleben, rümpft die Gesellschaft angewidert die Nase. John Nash bekommt eine Ohrfeige, weil er die Wahrheit sagt. In einigen Ländern ist Prostitution ge­setzlich erlaubt – aber nirgends ermutigen Eltern ihre Töchter, diesen Berufsweg einzu­schlagen. Hollywood beschönigt Ehebruch auf der Leinwand – aber im wirklichen Le­ben löst er Schmerz, Wut und Depression aus.

    Die Wurzel dieser Schizophrenie ist der Versuch, Sex zwischen Menschen auf einen rein körperlichen Akt zu reduzieren. Bei Menschen gehört aber mehr als nur zwei Körper dazu. Evolutionsbiologen berichten, dass nur bei 22 Prozent der Vergewaltigun­gen “unnötige” Gewalt (über die Gewalt hin­aus, die notwendig ist, um das Opfer gefügig zu machen) angewandt wird. Jeder Thera­peut aber, der mit Vergewaltigungsopfern zu tun hat, weiß, dass die eigentliche Gewalt innerlich stattfindet und zu jahrelangen De­pressionen, Alpträumen, Gedächtnisverlus­ten und sexuellen Störungen führen kann.

    Etwas viel Weitgehenderes als der Körper wird verletzt, wenn ein Erwachsener, dem man vertraut, ein Kind sexuell missbraucht.  

    2002 entschied der Oberste Gerichtshof in den USA, dass der Kongress “virtuelle Kinderpornografie” – vom Computer gene­rierte Bilder im Internet – nicht gesetzlich verbieten kann, da bei der Herstellung die­ser Bilder niemand zu Schaden kommt. Die Entscheidung der Richter lässt den Schaden außer Acht, der den Menschen zugefügt wird, die sich solche Bilder anschauen. Denn der wirkliche Schaden bei der Sexualität geschieht innerlich. Sex hat etwas mit un­serem Körper zu tun, aber im Gegensatz zu körperlichen Funktionen wie Ausscheidung oder Niesen berührt er auch unsere Seele – dort, wo sie zart und verwundbar ist.

    Sex als quasi religiöse Macht

    Warum spielt Sex in modernen Großstädten eine so viel größere Rolle als zum Beispiel in den Dörfern am Amazonas? Kleidermo­de, Werbung und die Medien schenken der menschlichen Sexualität eine Aufmerksam­keit, die sie im nackten Dschungel nicht be­kommt. Der französische Soziologe Jacques Ellul sah unsere heutige Fixierung auf Sex als das Symptom für den Verfall der Intimität. Nachdem wir den körperlichen Geschlechtsakt von der Beziehung abgekoppelt haben, können wir nur daran arbeiten, die” Technik” zu perfektionieren – daher die Überfütte­rung mit Sexstudien, Sexhandbüchern und Sexvideos. Nichts davon spricht die eigentli­che Ursache unseres Schmerzes an.

    Wenn eine Gesellschaft den Glauben an Gott verliert, erheben sich kleinere Mächte  und nehmen Gottes Platz ein; “Jeder Mann, der an die Tür eines Bordells klopft, ist auf der Suche nach Gott”, sagte G.K. Chesterton. Im modernen Europa und Amerika hat Sex eine fast heilige, mythische, religiöse Macht. Sex weist nicht mehr auf etwas Tieferes hin, das darüber hinausgeht; er wird selbst die Sache, der heilige Ersatz. Leider suchen nur wenige Menschen bei der Kirche eine Per­spektive für die wahre Bedeutung menschlicher Sexualität, da sie die Kirche als unver­söhnlichen Feind jeder Sexualität betrachten. Es liegt auf der Hand, warum die Kirche so oft dazu neigt, Sexualität unterdrücken zu wollen, statt sie zu feiern: Keine menschliche Sehnsucht ist mächtiger und schwerer in den Griff zu bekommen. Sex hat so eine starke Brennkraft, dass er das Gewissen, Verspre­chen, Verpflichtungen gegenüber der Familie; Glaube und alles andere, was, ihm im Weg steht, verbrennen kann.

    Wie die Kirche zu ihrem Ruf als Sexfeind kam, ist eine lange Geschichte – einerseits beschämend, andererseits verständlich. Jede Gesellschaft setzt Grenzen oder Tabus um die Sexualität. In der westlichen Zivilisation war das Christentum die treibende Kraft, die diese Grenzen zog. Vor dem Hintergrund der heidnischen, griechischen und römischen Kultur, bei denen Tempelprostitution zum Gottesdienst gehörte, durchlief die frühe Kir­che eine Zeit der Reinigung und Läuterung. Augustinus, der sich aus diesem heidni­schen Hintergrund zum christlichen Glau­ben bekehrte und den seine eigene schuld­beladene Vergangenheit quälte, stellte einen Bezug zwischen der Verführung zur Sünde und dem Akt des Geschlechtsverkehrs her und erklärte, dass Sex zu irgendeinem ande­ren Zweck als zur Fortpflanzung Sünde sei. Er ging sogar so weit, dass er es bedauerte, dass Gott Sex überhaupt erschaffen hatte. Augustinus’ Zeitgenosse, Hieronymus, ging noch viel weiter. Von sexuellen Fantasien geplagt, war er oft “von Gruppen tanzender Mädchen umgeben”. Als eine Art Sublimie­rung begann er, Hebräisch zu studieren. Seine Studien führten zur lateinischen Übersetzung der Bibel, der Vulgata, die in den nächsten tausend Jahren von der Kirche benutzt wur­de. Das änderte jedoch wenig an Hieronymus’ Einstellung zum .Geschlechtsverkehr. “Ich preise die Ehe; aber nur, weil sie mir Jung­frauen zeugt“, sagte er und gab Müttern, die diese Jungfrauen aufziehen, gefängnisähnli­che Regeln. Ehemännern erklärte er: “Jeder, der seiner Ehefrau ein zu leidenschaftlicher Liebhaber ist, ist ein Ehebrecher.”

    Verklemmte Christen, verdrehter Sex

    In den folgenden Jahrhunderten erließen Kir­chenführer Edikte, die Sex an folgenden Tagen verboten: am Donnerstag, dem Tag, an dem Jesus gefangen genommen wurde; am Freitag, dem Tag seines Todes; am Samstag zu Ehren der heiligen Jungfrau; und am Sonntag zu Eh­ren der verstorbenen Heiligen. Der Mittwoch kam manchmal auch mit auf die Liste sowie die vierzigtägigen Fastenzeiten vor Ostern, Weihnachten und Pfingsten und auch Fest­tage und Tage der Apostel; nicht zu vergessen die Tage, an denen die Frau unrein ist. Die Liste wurde immer länger, bis am Ende, wie John Boswell schätzt, nur 44 Tage im Jahr für ehelichen Geschlechtsverkehr übrig blieben. Die Reformation veränderte die Ein­stellung zum Sex. Luther verhöhnte die Vor­schriften der Kirche, die Geschlechtsverkehr in der Ehe nur zum Vergnügen verboten, und zollte der Familie den Respekt, der bis dahin Nonnenklöstern entgegengebracht wurde. Als allerdings die säkularen Revolutionen in 18. und 19. Jahrhundert über Europa hinwegzogen, verblasste die Stellung der Kirche als Hüterin der Sexualität immer mehr. In Eng­land und Amerika kehrte in der viktoriani­schen Zeit zwischenzeitlich wieder eine Ethik der Unterdrückung ein. Das ging so weit, dass Möbelbeine bedeckt werden mussten, da sie unreine Gedanken wecken könnten. . .

    Ich befasse mich deshalb mit der stren­gen Haltung der Kirche zur Sexualität, weil ich glaube, dass wir Christen eine große Verantwortung für die Gegenreaktion haben, die in der modernen Gesellschaft stattfindet. Jesus behandelte Menschen, die in sexuelle Sünden gefallen waren, mit Mitgefühl und Vergebung und sparte seine härteste Kritik für die verborgenen Sünden auf: Heuche­lei, Stolz, Habsucht und Gesetzlichkeit. Wie kommt es, dass wir, die ihm nachfolgen, das Wort “unmoralisch” fast ausschließlich für sexuelle Sünden verwenden und fast nur über diejenigen, die sexuell zu Fall kommen, eine Gemeindedisziplin verhängen?

    Was vielleicht noch schlimmer ist: Mit ih­rer Prüderie hat die Kirche den Blick auf die Transzendenz, auf den göttlichen Charakter der Sexualität verstreut. Die menschliche Sexualität könnte auf den Schöpfer und Er­finder der menschlichen Sexualität hinwei­sen, der eine viel größere Bedeutung in sie hineingelegt hat, als die meisten modernen Menschen sich vorstellen können. Dadurch dass wir sie unterdrücken und leugnen, entheiligen wir sie. Dabei haben unsere unglücklichen Versuche, sie zu unterdrücken, geholfen, einen falschen Gott auf den Thron zu heben. Die sexuelle Macht lebt weiter, aber nur wenige sehen in dieser Macht einen Hin­weis auf denjenigen, der sie schuf.

    Verklemmte Christen vergessen die fun­damentale Tatsache, dass Gott Sex erschaffen hat. Ich habe mich ein wenig mit der mensch­lichen Anatomie befasst und kann nur stau­nen, wie ausgeklügelt Gott die Physiologie der Geschlechtsteile entworfen hat: die wei­chen Teile, die feuchten Teile, die Millionen Nervenenden, die auf Druck und Schmerz empfindlich reagieren, aber gleichzeitig Vergnügen bereiten können, die komplizierte Zusammensetzung des Erektionsgewebes, die sparsame und ironische Kombination von Organen für die Ausscheidung und Fortpflanzung, die aufeinander abgestimmte visuelle Anziehungskraft und das mechani­sche Design. Wie die Zoologen uns erinnern, ist der Mensch im Vergleich zu jeder anderen Spezies wirklich üppig ausgestattet….

    Dies ist Gottes Welt und trotz ihres ange­schlagenen Zustands sind Hinweise auf sei­nen ursprünglichen Plan nicht zu übersehen. Wenn ich Verlangen verspüre, muss ich nicht schuldbewusst zusammenzucken, als wäre etwas Unnatürliches passiert. Vielmehr soll­te ich das Verlangen zu seinem Ursprung zurückverfolgen und Gottes ursprüngliche Absicht erkennen.

    “Ihr habt gehört, dass gesagt ist: ,Du sollst nicht ehebrechen.’ Ich aber sage euch: Wer eine Frau ansieht, sie zu begehren, der hat schon mit ihr die Ehe gebrochen in seinem Herzen.” In diesem Satz, der stärksten Aus­sage in der Bibel zum sexuellen Verlangen, spricht Jesus den Kern der Sache an. Er stellt klar, dass sexuelles Verlangen das Innere eines Menschen berührt (sein Herz), ob äu­ßerlich nun etwas passiert ist oder nicht. Au­ßerdem stellt er einen Zusammenhang zwi­schen sexuellem Verlangen und Beziehung her, indem er Begehren und Ehebruch in einem Atemzug nennt. Der Voyeur will sein Verlangen diskret und dezent behandeln, losgelöst von jedem tatsächlichen persönlichen Kontakt. Jesus enthüllt, dass dies Betrug ist.

    Perfektionierte Lust

    Vor kurzem stieß ich auf Martin Luthers seel­sorgerlichen Rat zum sexuellen Verlangen: “Einige sagen vielleicht ,Bis zur Ehe zu warten ist unerträglich und beschwerlich!’ Sie haben Recht, es hat sehr viel Ähnlichkeit mit anderen Beschwernissen, die Geduld erfordern und de­nen Gläubige sich stellen müssen, wie Fasten, Gefängnis, Kälte, Krankheit und Verfolgung. Verlangen ist eine ernste Last. Du musst dich dagegen wehren und dagegen ankämpfen. Aber wenn du sie durch Gebet überwunden hast, hat die Lust dich dazu gebracht, mehr zu beten und im Glauben zu wachsen.”

    Mir fiel auf, dass Christen in wohlhaben­den Demokratien mit den meisten Schwierig­keiten, die Luther aufzählt – Fasten, Gefängnis, Kälte, Verfolgung, selbst die meisten Krank­heiten – nicht länger konfrontiert werden. Wir haben viele der geistlichen Lasten, die unsere Vorfahren kannten, ausgeräumt. Sexuelle Lust hingegen haben wir perfektioniert. Zu Lu­thers Zeit bekam ein heranwachsender Mann vielleicht kurz die nackten Beine eines Mäd­chens zu sehen, wenn sie Trauben stampfte oder sich vorbeugte, um Wasser aus einem Brunnen zu schöpfen. Er kannte keine MTV ­Berichte von Schülerinnen, die in der Pause ihre Brüste am Strand zeigen; bei ihm wurden keine Akt-Fotos digital in die Privatsphäre sei­nes Zimmers übertragen. Bei der modernen Lust sitzen Menschen in ihrem Wohnzimmer oder sogar in ihrem Büro und schauen zu, wie Fremde sich ausziehen und miteinander schlafen. Dieser Lust ohne persönliche Bezie­hung nachzugeben, kann abhängig machen und schadet oft echten Beziehungen.

    Paulus versucht, die Korinther in ihrem zügellosen Verhalten wachzurütteln, und benutzt dafür dieses erstaunliche Argu­ment: ” Wisst ihr nicht, dass eure Leiber Glie­der Christi sind? Sollte ich nun die Glieder Christi nehmen und Hurenglieder daraus machen? Das sei ferne! Oder wisst ihr nicht: wer sich an die Hure hängt, der ist ein Leib mit ihr? Denn die Schrift sagt: Die zwei wer­den ein Fleisch sein”‘ (1. Korinther 6,15-16). Paulus zeigt hier etwas vom vielschichti­gen Wesen des sexuellen Verlangens: Die Biologie der Sexualität ist untrennbar mit dem zutiefst Persönlichen (Paulus zitiert Gottes Originalformel für Ehe in 1. Mose) und Geistlichen verwoben. Wir können das sexuelle Verlangen nicht einfach als rein körperlich abtun. Luther identifizierte Lust zurecht als geistlichen Kampf, nicht nur als körperlichen Kampf.

    Den sicheren Hafen wählen

    In einem erstaunlich offenen Buch spricht Jean Vanier; der Gründer der weltweiten Arche-Gemeinschaft, in denen auch der Autor und Priester Henri Nouwen seine letz­ten Lebensjahre verbrachte, davon, was er in vielen Jahren im Umgang mit schwerstbe­hinderten Menschen gelernt hat. In Man and Woman He Made Them beschreibt er Män­ner und Frauen, die so stark geistig zurück­geblieben oder behindert sind, dass sie zu ei­ner normalen Beziehung zu einem anderen Menschen nicht fähig sind. Trotzdem erleben die meisten dieser behinderten Menschen sexuelle Lust. Ein junger Mann masturbiert fast ununtererbrochen. Andere “verlieben sich” in andere Heimbewohner und wollen heira­ten. Andere haben keine Vorstellung von Ehe und wollen einfach Sex haben.

    Vanier, ein Laienpastor, hat sich freiwillig für ein zölibatäres Leben entschieden. Er gesteht, dass es ein schwerer Kampf ist. Ein Kampf, bei dem viele versagen. Er erzählt von der Einsamkeit auf der Straße, fort von der Unterstützung seiner Gemeinschaft, wenn er sich am verwundbarsten fühlt und die Ge­fahr von Verführungen für ihn am größten ist. Vanier gibt zu, dass sein Leben im Zölibat ganz reales Leiden einschließt. Aber er zieht sein eigenes Leiden dem Leiden derer vor, die körperlichen Sex ohne Verantwortung oder Hingabe haben. In seinem Beruf hat er in der Beichte viele ihrer Geschichten gehört. Oft sind sie am Ende enttäuscht und noch isolier­ter als vorher. Beziehungen, die hauptsächlich auf Sex gegründet sind, tun den Menschen nicht gut. Wenn die körperliche Anziehungs­kraft verblasst, nimmt auch die Liebe ab.

    Für Vanier ist eine Hingabe an Reinheit ein Zeichen der Hoffnung, ein Versuch, per­sönliche Ordnung in eine aus den Fugen ge­ratene Welt zu bringen. Reinheit kann man als Single im Zölibat oder als Verheirateter suchen. Beides beinhaltet Einsamkeit und Leid genauso wie Hoffnung. “Gesegnet sind, die reinen Herzens sind; denn sie werden Gott schauen”, versprach Jesus. Er sagt nicht, dass sie vollständige sexuelle Erfüllung fin­den und alle Einsamkeit überwinden wer­den, sondern dass sie Gott schauen werden.

    “Wir alle müssen uns zwischen zwei Arten, verrückt zu sein, entscheiden“, sagt Vanier. “Zwischen der Torheit des Evangeliums und dem Un-Sinn der Werte unserer Welt.” So­wohl Jean Vanier als auch Henri Nouwen (der Vanier als seinen Mentor betrachtete) ent­schieden sich für die Torheit des Evangeliums. Sie verzichteten auf eine angesehene Karriere und lebten in einer Gemeinschaft mit einigen der traurigsten, am meisten vernachlässigten Menschen der Welt. Alle, die diese Männer kennen und gekannt haben, sehen in ihrer Wahl viel Weisheit und keine Torheit.

    Manchmal habe ich der Lust nachgegeben. Ich kann nicht leugnen, dass nackte Frauen, ob in Kunstmuseen oder Zeitschriften oder über das Internet auf mich eine starke Anzie­hungskraft ausüben. Unsere Kultur beherrscht die beziehungslose” Technik” von Sex, und ich bin ihr zum Opfer gefallen. Ich muss aber auch sagen: Wenn ich der Versuchung widerstehe und meine sexuelle Energie in meine Ehe ste­cke – was viel komplizierter und weniger ego­istisch ist – verblasst die Macht der Sexualität. Die Luft reinigt sich. Die Ehe wird zu einem sicheren Hafen. Mein Leben mit Gott schenkt mir unerwartete Belohnungen.

    Hinweis auf Gott

    Texte von Liebesliedern im Radio sprechen romantische Sehnsüchte an, versprechen aber mehr als ein Mensch je geben kann. “Du bist alles für mich.” “Ohne dich kann ich nicht sein.” Sexuelles Verlangen und roman­tische Sehnsüchte sind fast ein Sakrament. Wenn das Menschliche zur Religion wird, wird Sex zum Gottesdienst. Wenn anderer­seits Gott das Zentrum deiner Religion ist, wird die romantische Liebe ein unmissver­ständlicher Wegweiser, ein Hinweis auf eine Transzendenz, wie wir sie anderswo kaum deutlicher zu sehen bekommen.

    Drei Dinge – klassische Musik, die Schön­heit der Natur und romantische Liebe – sind für meine eigene Bekehrung verantwortlich. Die ersten beiden überzeugten mich davon, dass diese Welt gut ist, und veranlassten mich, denjenigen zu suchen, der sie gemacht hat.

    Das dritte überzeugte mich, dass es möglich ist, mich zu ändern. Ich lernte eine Frau ken­nen, die in mir einen Wert sah, wo ich selbst nur wenig gesehen hatte. Der harte, zynische Panzer, den ich zum Selbstschutz sorgfaltig um mich herum aufgebaut hatte, zersprang wie eine Nussschale. Zu meiner Überra­schung stellte ich fest, dass Verwundbarkeit nicht unbedingt Gefahr bedeutet.

    Romantik und Verliebt sein geben un­übersehbare Hinweise auf eine Transzen­denz. Ich “gehöre” der Frau, die ich liebe. Ich denke Tag und Nacht an sie, leide, wenn sie von mir weggeht, bin zu tapferen Taten fähig, um sie zu beeindrucken, bade in ihrer Auf­merksamkeit, lebe für sie, sterbe sogar für sie. Ich will gleichzeitig heroisch und sanft sein. Eine Weile – aber nur für eine Weile – kann ich in diesem Freudenzustand leben. Dann holt mich die Realität oder Langewei­le, Enttäuschung, das Alter oder der Tod ein. Aber ich kann darin einen kleinen Blick auf Gottes grenzenlose Fähigkeit, uns ewig eine solche Aufmerksamkeit zu schenken, er­haschen. Könnte es sein, dass Gott uns mit solchen verliebten Augen sieht?

    Charles Williams, ein Kollege und enger Freund von C. S. Lewis, schrieb, dass Verliebt sein uns einen neuen Blick für einen ande­ren Menschen schenkt, einen Einblick in seine oder ihre “ewige Identität”. Wenigstens für kurze Zeit gibt uns das Verliebt sein die Fähigkeit, in einem anderen Menschen das Beste zu sehen, Fehler zu übersehen oder zu vergeben, in einer endlosen Faszination zu baden. Dieser Zustand, sagt Williams, gibt uns einen Vorgeschmack darauf, wie wir eines Tages jeden auferstandenen Menschen sehen werden, wie Gott uns jetzt schon sieht. Verliebt sein verzerrt die Sicht nicht, sondern korrigiert sie. Die Bibel benutzt ausdrücklich romantische Bilder, um Gottes Liebe zu uns Zu beschreiben: Was wir vorübergehend für einen einzigen Menschen empfinden, emp­findet Gott ewig für die vielen Menschen.

    Das Sakrament der Sexualität
    Ein paar geheimnisvolle Stellen in der Bibel weisen darauf hin, dass Sex nicht nur ein Unterpfand für menschliche Intimität ist, son­dern noch mehr Bedeutungen hat. Bei Hoch­zeiten wird oft die Stelle aus dem Epheserbrief vorgelesen, wo Paulus erklärt: “Denn niemand hat je sein eigenes Fleisch gehasst; sondern er nährt und pflegt es, wie auch Christus die Gemeinde. Denn wir sind Glieder seines Lei­bes. ,Darum wird ein Mann Vater und Mutter verlassen und an seiner Frau hängen, und die zwei werden ein Fleisch sein.’ Das Geheimnis ist groß; ich deute es aber auf Christus und die Gemeinde” (Epheser 5,29-32).

    In gewissem Sinn sind wir Gott nie ähnli­cher als beim Geschlechtsakt. Wir machen uns verwundbar. Wir gehen ein Risiko ein. Wir ge­ben und empfangen gleichzeitig. Wir empfin­den ein ursprüngliches Entzücken, wenn wir in den anderen eindringen. Zwei unabhängige Wesen öffnen ihr Innerstes und erleben nicht einen Verlust, sondern einen Gewinn. In ge­wisser Weise – “ein großes Geheimnis’: das nicht einmal Paulus zu erforschen wagte – of­fenbart dieser zutiefst menschliche Akt etwas vom Wesen der Realität, Gottes Realität, in seinen Beziehungen zur Schöpfung und vielleicht auch innerhalb der Trinität.

    Ich werde an dieser Stelle nicht weiterge­hen, denn es käme mir wie ein Sakrileg vor. Ein ignorantes Vordringen in etwas, das wir unmöglich verstehen können, ein Versuch, ein unerklärliches Geheimnis zu erklären. Einfach zu erkennen, dass die Sexualität eine sakramentale Natur hat, wirft Licht auf einige sexuelle Tabus in der Bibel. Ich sehe sie nicht als beliebige Regeln, die uns unsere sexuellen Abenteuer vermiesen wollen, son­dern vielmehr als Richtlinien, die etwas sehr Wertvolles beschützen, das nur in einer ex­klusiven Beziehung zwischen zwei Menschen, die einen Bund geschlossen haben, wirklich erlebt werden kann­

    Sex auf die Ehe zu beschränken garan­tiert nicht, dass wir unbedingt mehr erleben als körperliche Befriedigung in unserem Geschlechtsleben. Aber die Ehe kann eine Umgebung schaffen, in der es Sicherheit, Inti­mität und Vertrauen gibt. Eine Umgebung, in der die wahre Bedeutung von Sex, die sakra­mentale Bedeutung, hin und wieder durch­scheinen kann. Die Ehe gibt die Sicherheit, die wir brauchen, um Sex ohne Zurückhal­tung, ohne Schuldgefühle, Gefahr oder Lügen erleben zu können. Teenager machen sich Sorgen, sie könnten etwas verpassen, wenn sie die Warnungen der Bibel, auf vorehelichen Sex zu verzichten, befolgen. Das Gegenteil ist wahr: die Warnungen wollen verhindern, dass sie wirklich etwas verpassen. Treue zieht eine Grenze, innerhalb der die Sexualität frei ausgelebt werden kann­

    Ein Schauspieler wurde in einer Talk­show interviewt. “Sagen Sie’: fragte David Letterman. “Sie sind ein Sexsymbol, der alle möglichen aufregenden Rollen mit verfüh­rerischen Frauen spielt. Wie ist das im Ver­gleich zu Ihrem echten Leben?” Der Schau­spieler erinnerte Letterman daran, dass er seit zwanzig Jahren glücklich verheiratet sei. Dann sagte er: “Der Unterschied ist ganz ein­fach: Im Kino dreht sich das Leben hauptsächlich um Sex und gelegentlich um Kinder. Im Eheleben geht es hauptsächlich um Kinder und gelegentlich um Sex.” Sex ist so eine starke Kraft, dass ein junger Mensch vielleicht nur schwer verstehen kann, wie irgendetwas anderes ihn je in den Schatten stellen könnte. Die meisten Verheira­teten werden wie dieser Schauspieler sagen, dass Sex in der Ehe weder so leicht noch so wichtig ist, wie sie sich das vor der Hochzeit vorgestellt hatten. Sex bringt Intimität zum Aus­druck, ja, und er bereitet Vergnügen. Aber ein großer Teil der Ehe besteht darin, alltägliche Entscheidungen zu treffen, die vielen beruflichen und gesellschaftlichen Termine und Ver­pflichtungen abzustimmen, Kinder zu erziehen, Probleme zu lösen, mit dem Geld auszukommen, und was sonst noch alles dazu gehört, damit eine Familie funktioniert.

    Die Ehe nun mit uns die Illusionen von Sex, die uns von den Unterhaltungsmedien täglich eingehämmert werden. Nur wenige von uns leben mit Supermodels zusammen. Wir leben mit ganz normalen Menschen zusammen, Männer und Frauen, die Mundgeruch haben, nach Schweiß riechen und am Morgen unfrisiert aufwachen; die ihre Menstruation haben und gelegentlich impotent sind; schlechte Laune haben und uns vor anderen blamieren; die sich manchmal mehr um unsere Kinder als um uns kümmern. Wir leben mit Menschen zusammen, die uns Mitgefühl, Toleranz, Verständnis und grenzenlose Vergebungsbereitschaft abverlangen. Unserem Partner geht es mit uns ganz genauso. Das ist die ironische Macht von Sex: Er lockt uns in eine Beziehung, die uns lehren will, was wir viel mehr brauchen: opferbereite Liebe.

  3. keine Ahnung

    stimmt

    Stimmt. Auch wenn ich die Vorschrift, dass “Sex” nur in die Ehe gehört für mich persönlich anders interpretiere, insofern, dass sich der Bund der Ehe heute als eine staatliche Angelegenheit entwickelt hat. Ich denke, dass eine wichtige Hauptsache ist, dass man, wenn man Sex hat, auch Verantwortung übernehmen können muss. Und Sex ist nicht nur Sexualtrieb, sondern meiner Meinung nach die höchste Ausdrucksform der Liebe und niemand kann erzählen, dass die “prickelnde Erotik” eines One-night-Stands viel mit Liebe zu tun hat. Einfach die Ernüchterung am nächsten morgen, das intime Öffnen des eigenen Körpers braucht grenzenloses Vertrauen und Liebe. Ich denke, dass Problem ist aber möglicherweise wirklich die Frühreife, aber in Kombination mit der modern gewordenen antiautoritären Erziehung der Kinder, die nicht nur alles machen können, sondern keine Weisung/Anleitung erhalten, wie man damit umgeht, da die Eltern sich nicht kümmern, bzw. die christliche Erziehung nur noch seltenes Glück ist. Leider fällt mir nicht ein, wie man die Gesellschaft dort ohne Zwang wieder rausbekommt, denn “vorbildlich” leben wirkt nur noch ganz selten, meistens erregt man zwar Aufmerksamkeit, wird aber nur belächelt. Nur selten habe ich gemerkt, dass so etwas andere Menschen zumindest nachdenklich macht.

  4. Chocobaby

    Yes!

    Wenn ich mir die Bravo kaufe interessieren mich eigentlich nur die Poster und meine Lieblingsgruppen und Sänger über die was in der Bravo steht. Wenn ich dann aber mal über so eine Dr. Sommer Seite stolpere lese ich mir das mal aus Neugier durch. Ich finde das unglaublich, wenn ich da Fragen sehe wie: “Mein Freund und ich sind schon seit ein paar Monaten zusammen, ist es schon zu früh um mit ihm zu schlafen?” Und dann antworten die sowas wie, jeder könne sich selbst seine richtige Zeit aussuchen, und das Mädchen ist/war erst 14!
    Und es läuft schon seit ungefähr 2 Wochen Werbung für dieses Dr. Sommer Sex-Extra im Fernseher. Die schämen sich auch nicht wirklich, meine Schwester ist erst 8 Jahre alt und muss sich sowas reinziehen, total unerwartet kommt das!
    Meine Freundinnen sind alle etwas jünger als ich und behaupten sie wären schon mal “verliebt” gewesen. Eine behauptet, weil sie schon 3 mal eine Beziehung hatte (3 Beziehungen mehr als ich, sie ist mit keinem mehr zusammen) wüsste sie was Liebe heißt. Als ihr dann erklären wollte was Liebe heißt (alles was ich weiß, habe ich von unserer Lehrerin in der Kirche, aus der Bibel, von meiner Mutter und aus dem Alltag gelernt) hat sie sich nicht mal die Mühe gemacht mir zu zuhören…´
    Danke, ich finde wenigstens hier Leute die mir so halbwegs zustimmen 😉
    Gott segne euch

  5. Holger.z

    Das ist genau das was Gott will

    Man muß hierzu nicht mehr viel sagen. Alles was Gott uns zu diesem Thema sagt steht hier. Alle anderen Wege sind Irrwege und haben fast immer zu ganz schlimmen Verletzungen der beteiligten Menschen geführt. Danke für diese klare Stellungnahme.

  6. cosima

    Absolut meine Meinung!

    Hallo!
    Ich finde solche Statistiken fragwürdig, da vile Jugendliche zwischen 15 und 17, die ihr “erstes Mal” noch nicht erlebt haben, meinen es nicht normal, dass es so ist. Viele erzählen aber auch einfach nur von ihrem Sexualleben, ohne dass sie es in dem Alter wirklich haben. Andere kommen nahezu alle 2 Wochen an und meinen, sie seien schwanger. Als wir das Thema im Reliunterricht durchgenommen haben, haben wir leider keine einzige Stelle aus der Bibel dazu gelesen. Schön, dass es solch einleuchtende Stellen in der Bibel zu dem Thema gibt.Werde den Artikel Mal ausdrucken und meinem Relilehrer morgen mal geben. Ich finds schön, dass ich mit meiner Meinung doch nicht so alleine da stehe, wie ich bisher dachte. Die Begründungen sind absolut einleuchtend und gut. Freue mich, dass ich den Artikel gefunden habe.
    Gruß Cosima

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