Die westliche Welt verabschiedet sich vom Christentum.

Ob der christliche Glaube für eine Gesellschaft von Freien und Gleichen wirklich entbehrlich ist, wird sich jetzt zeigen. Ist der Mensch ein von Natur freies Wesen? Hat er unbestrittenermassen eine unveräusserliche Würde? Bewahrt ihn eine nicht entziehbare Freiheit des Gewissens unfehlbar davor, diesseitige Gottheiten völkischer, despotischer oder technokratischer Natur anbeten zu müssen? Eine gängige Weltdeutung scheint es zu glauben. Zweifel sind aber angebracht. So werden heute Denkmäler von Sklavenhändlern gestürzt. Deren Verhalten war verwerflich. Ungeschehen machen kann man es freilich nicht, nur lernen könnte man daraus. Gerade das tun die zeitgenössischen Ikonoklasten jedoch nicht. Sonst würden sie gegen die Sklaverei 2.0, die Leihmutterschaft, rebellieren. Gegenstand eines Leihmuttervertrages ist ja nichts anderes als die Lieferung eines Kindes gegen die Bezahlung einer vereinbarten Summe. In aufgeklärten Gesellschaften hat damit zum ersten Mal ein Mensch einen Preis. Die Würde des Menschen, Mann einer Frau bzw. Frau eines Mannes zu sein und in diesem natürlichen Rahmen eigenen Kindern das Leben zu schenken, wird heute auch durch die Samenspende und die Leihmutterschaft unterminiert. Denn diese Praktiken sind anfanghaft polygam bzw. polyandrisch. Nach der Verabschiedung des Christentums wird die «Ehe für alle» in solch menschenunwürdige Konstellationen münden. Bei Muslimen wird Polygamie bereits heute von westlichen Staaten toleriert.

Was derzeit abläuft, hat der Theologe Romano Guardini, noch unter dem Eindruck des «Dritten Reichs», beschrieben. Er vertrat die These, die unveräusserliche Personenwürde, die individuelle Freiheit oder die Grundrechte der Person seien zwar an sich natürlich, mit dem Menschsein gegebene Werte. Sie könnten aber erst unter dem Einfluss des Christentums, das den Menschen als Geschöpf Gottes achtet, wirkkräftig werden. Es sei deshalb die Unredlichkeit der Neuzeit gewesen, sich die ethisch und politisch bedeutsamen Früchte des Christentums anzueignen, jedoch deren Garanten, den christlichen Glauben, wegzutun. Und er prophezeite, dass diese «Nutzniessungen» aufhören würden. Denn die Bejahung und Pflege von Werten, die dem christlichen Glauben entliehen seien, überdauerten nur eine Weile dessen Verlöschen und gingen dann allmählich verloren……
Oder hat die Aufklärung eben im Ergebnis unter Abscheidung des metaphysischen Kerns des Christentums dessen «Werte» usurpiert, die sie nun immer weniger zu bewahren und weiterzugeben vermag? Die Frage ist zu vielschichtig, um sie kurz und eindeutig beantworten zu können. Klar ist jedenfalls, dass bedeutende Denker, die am Anfang der Aufklärung standen, die christliche Religion weder als Gegensatz zu diesem zu leistenden Werk noch als obsolet betrachtet haben. Zu erinnern ist etwa an Montesquieu, der im «Geist der Gesetze» schrieb: «Wie bewundernswert: die christliche Religion scheint nur unsere Glückseligkeit im jenseitigen Leben im Auge zu haben und verhilft uns doch auch in diesem zu unserem Glück». Und angesichts des zeitgenössischen Mob, der keine weltanschaulichen Ziele mehr zu verfolgen scheint, sondern nur noch die Wut auf das Unzerstörte zelebriert, muss man Montesquieus Weitsicht bewundern: «Aus dem Gedanken der Nichtexistenz Gottes ergibt sich der Begriff unserer Unabhängigkeit oder, wenn dieser Gedanke uns nicht möglich ist, der Gedanke an Aufruhr». (Martin Grichting/Neue Zürcher Zeitung)

Die Aufklärung ist totalitär. Das wissen die Leute von heute scheinbar nicht.

Sie hat genuin christliche Werte zweckentfremdet und sie aus ihrem christlichen Rahmen herausgerissen. Dies führte zu einem Zustand, den G. Chesterton schon vor fast hundert Jahren so beschrieben:
“Unsere Welt ist voll von alten christlichen Tugenden, die durchgedreht sind.”
Die Aufklärung hat die hierarchische Ordnung der Tugenden aufgelöst und nun zerstören sie sich gegenseitig. Oder ist das noch Liebe, was unter dem Namen “Liebe” firmiert. Wie können Menschen ihre Gewaltbereitschaft als Liebe verkleiden? Oder kann man das noch Freiheit nennen, wenn Andersdenkende diffamiert und ihrer Menschenwürde beraubt werden? Oder kann das noch gerecht sein, wenn alles gleich gemacht werden soll? Winrod

Kommentare

  1. Dunkeldeutschland ist nur da, wo es nicht genug SPIEGEL-Abonnenten gibt, die die Finsternis mit ihrem Sachverstand illuminieren. In Hessen ist das noch nicht der Fall. Das Land hat uns schließlich so wunderbare Politiker wie Hans Eichel und Joschka Fischer geschenkt; und unter Alfred Dregger waren alle AfDler noch brav in der Partei der Mitte. Ganz anders also als im wilden, ungezähmten Osten, wo man vor lauter national befreiten Zonen überhaupt nicht mehr weiß, wo man seinen antifaschistischen westdeutschen Fuß hinsetzen soll!

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