Der Wolf im Toleranzpelz

Religiöser Pluralismus ist heute IN. Wer glaubt, dass es nur einen Weg zu Gott gibt, der ist arrogant und unverschmämt. Viele unserer Freunde glauben sogar das genaue Gegenteil, nämlich dass viele Wege zu Gott führen. Religiöser Pluralismus eben. Sie denken nicht nur, dass religiöser Pluralismus netter und freundlicher ist, sondern auch aufgeklärter, demütiger und vor allem toleranter. Doch ist er das wirklich?

Was lehren die Religionen über Gott?

Die Vorstellung, dass alle Religionen zu demselben Gott führen, hängt maßgeblich davon ab, was die vielen Religionen über Gott denken. Das Problem hierbei ist gerade, dass alle sehr verschieden über Gott denken und darüber lehren. Es gibt sehr große Widersprüche in Bezug auf die Natur Gottes. Der Buddhismus beispielsweise glaubt an gar keinen Gott. Der Islam glaubt an einen unpersönlichen Monotheismus, Allah. Der Koran behauptet, dass Gott zwar seinen Willen offenbart, jedoch niemals seine Person. Das Christentum lehrt den persönlichen, dreieinigen Gott, der gleichzeitig drei Personen in einer Beziehung ist, Vater-Sohn-HeiligerGeist, der erkannt und erfahren werden kann. Der Hinduismus grenzt sich dort gar nicht ein, von Polytheismus bis Atheismus reicht seine Bandbreite. Sie haben keine klare Theologie.

In aller Kürze lässt sich also sagen, dass die religiösen Perspektiven auf Gott sehr unterschiedlich sind. Wenn dem so ist, dann ist es auf jeden Fall unaufgeklärter zu sagen, dass alle Religionen zu demselben Gott führen, denn diese Sichtweisen sind zu verschieden, um diese Behauptung zu bestätigen. Religiöser Pluralismus widerspricht jeglichen Dogmen aller Religionen.

Ist religiöser Pluralismus demütiger?

Dennoch bestehen gebildete Leute darauf, dass es arrogant und verletzend ist, wenn Christen auf den Anspruch der absoluten Wahrheit verweisen. Eine Antwort ist, dass sie glauben, das sei ein Akt der Demut und der Liebe. Oft hört man sie sagen: „Wer bin ich denn, dass ich jemanden verurteilen dürfte? Wer bin ich, dass jemandem erzählen dürfte, was er zu tun und zu lassen hat?“ Nun, hier muss man klar differenzieren. Ein Christ soll niemals arrogant daherkommen und überheblich seinen Glauben verteidigen. Für solche Christen müssen wir uns entschuldigen. Es ist niemals richtig, den anderen Arroganz abspüren zu lassen. Dies steht im Widerspruch zu den Lehren Jesu.

Jedoch muss genauso gesagt werden, dass die Behauptung, dass religiöser Pluralismus der einzig wahre Glaube oder die einzig annehmbare Wahrheit selbst auf einer gewissen Arroganz beruht. Ein reliös pluralistisch denkender Mensch kann nicht erwarten, dass alle daran glauben müssen, dass es viele Wege zu Gott gibt. Wenn er wahrhaft demütig ist, muss er genauso den akzeptieren, der an einen einzigen Weg zu Gott glaubt.

Ist religiöser Pluralismus wirklich tolerant?

Wie eben schon angedeutet beruht Religiöser Pluralismus selbst auf einer Glaubensaussage: „Ich glaube, dass alle Religionen irgendwo zu Gott führen.“ Wenn wir das als allgemeinen Anspruch erheben, fällt jegliche Toleranz unter den Tisch.

Wir Christen sollten alle Menschen in Würde behandeln, besonders ihre religiösen Überzeugungen. Natürlich darf man auch religiöse Überzeugungen kritisieren können, doch muss das in größtmöglicher Liebe und Akzeptanz geschehen. Lieblosigkeit von Christen ist wohl einer der meisten Hinderungsgründe, dass viele Menschen dem Evangelium von Jesus immer noch fremd gegenüber stehen. Religiöse Kritik muss weise und würdig vorgebracht werden.

Darüber hinaus ist die Aussage, dass alle Religionen zu einem Gott führen, alles andere als tolerant. Damit sagt man nämlich dem gläubigen Christen, Moslem oder Juden allen gleichzeitig, dass sie alle falsche Überzeugungen und Gottesvorstellungen haben (siehe Punkt eins). Man behauptet nämlich, dass alle ihre Differenzen überhaupt nicht interessieren, sondern bloße Peripherie sind. Ist das wirklich so tolerant und aufgeklärt?

Der Weg, die Wahrheit und das Leben

Ich möchte an dieser Stelle noch drei Wege aufzeigen, dass die Christenheit demütig, aufgeklärt und tolerant zugleich sein kann durch ein Wort von Jesus selbst: „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben. Niemand kommt zum Vater als nur durch mich.“ (Johannes 14,6)

Zunächst ist Jesus der Weg. Was heißt das? Als der Weg ist Jesus nicht der, der einen Weg für uns schafft, damit wir ihn beschreiten können. Wir können das niemals tun, wir können niemals spirituell genug sein, moralisch oder sozial. Wir können Gott nicht beeindrucken, weil wir nicht auf einem Weg gehen, sondern er selbst ist der Weg. Wir kommen nur durch ihn zu Gott, nicht durch uns. Deswegen musste er auf diese Erde kommen und uns erlösen. Wir haben einen Erlöser, der uns ein Weg zu Gott ist. Dementsprechend muss und darf der Christ das äußern, ohne arrogant zu sein. Es liegt ja nicht an ihm selbst, sondern an Gott. Wir bieten an und bekennen, mehr nicht. Er kam in unsere Sünde, unsere Rebellion und unsere Fehler, nimmt das alles auf seine Schultern und nagelt es an das Kreuz. Selbst hätten wir das nicht gekonnt.

Zweitens ist Jesus die Wahrheit. Was bedeutet das? In Johannes 1 wird uns gesagt, dass Gott Fleisch wurde und voller Gnade und Wahrheit war. Die Wahrheit ist, dass Jesus Gottes Sohn ist, und genau das zu wissen bedeutet, aufgeklärt zu sein. Das Christentum lehrt als einzige Religion, dass Gott herunter kam zu uns und selbst Mensch wurde. In allen anderen Religionen muss der Mensch Werke vollbringen, um zu Gott zu kommen. Die Wahrheit ist, dass GOTT selbst für uns starb, und das ist wiederum alles andere als arrogant.

Zum Schluss ist Jesus auch das Leben. Er kam nicht nur zu uns, sondern ließ sich auch von uns töten, stieg hinab zum Tod und besiegte ihn. Er gab Leben und gibt es uns noch heute. Diese Hoffnung auf Leben sollte uns Christen überzeugend tolerant machen. Sein Leben und seine Hoffnung gibt uns die Chance, anderen in Demut und Liebe von ihm weiterzusagen. Seine gelebte Wahrheit ist für uns der Weg, anderen zu zeigen, dass er richtig liegt. Seine Person ist am überzeugendsten. Man muss sich nur mit ihm beschäftigen!