Wo bewahrst du deinen Gott auf?

Darf ich noch eine Frage stellen? Wo bewahrst du deinen Gott auf? Natürlich meine ich nicht, ob du ein Regal mit Göttern in deinem Eingang hast. Ich meine es irgendwie anders. Lass mich das illustrieren. Neulich traf ich einen Mann, dessen Gelassenheit, innere Ruhe, Lebenslust und Enthusiasmus mich sehr beeindruckte. Ich nahm mir die Freiheit und fragte ihn nach seinem Geheimnis. Er sagte, dass er Gott begegnet sei, dass er Christus in sein Leben aufgenommen habe. Da fragte ich, wie das passiert ist. Er berichtete, dass sein Leben vor einigen Jahren völlig verfahren war, sodass er selbst nicht mehr weiterkam. Da dachte er, dass es an der Zeit wäre, nach Gott zu suchen. So hat er angefangen, die Bibel zu lesen, mit Christen zu reden, und eines Tages bei der Arbeit, sagte er, erlebte er es. Sozusagen hat Gott sich ihm gezeigt, und er konnte Gottes Wort vertrauen, und Christus in sein Leben aufnehmen. Und soweit ich sehen konnte, hat das wirklich einen bleibenden Unterschied bei ihm gemacht. Das Interessante daran ist, was danach passierte. Nach der Arbeit ging er abends nach Hause und erzählte seiner Frau, was geschehen war. Sie sagte: „Du meinst damit nicht etwa, dass du gerettet worden bist, oder? Hast du dich bekehrt?“ – „Ja, ich denke schon“, sagte er. Darauf erwiderte sie: „Das geht nicht. Du kannst dich nicht in einer Fabrik bekehren. Du musst dich in einer Kirche bekehren.“

Verstehen Sie das? Manche Leute denken immer noch so. Sie denken, dass Gott auf irgendeinen besonders heiligen Platz beschränkt ist. Wissen Sie, dass diese Vorstellung ganz schön gefährlich sein kann? Durch sie besteht die Gefahr, dass unser Leben in verschiedene Bereiche aufgeteilt wird, indem wir meinen, dass wir Sonntags zur Kirche gehen und Gott mal besuchen. Und dann, wenn wir rauskommen, lassen wir ihn dort und verbringen der Rest der Woche ohne ihn. Natürlich benehmen wir uns gut, wenn wir Gott an bestimmten Tagen aufsuchen, weil wir dann in seiner Gegenwart sind. Jedoch an anderen Tagen, wenn wir meinen, dass wir nicht in der selben Weise in seiner Gegenwart sind, fühlen wir uns ganz frei, uns daneben zu benehmen. Die ganze Vorstellung ist kindisch. Gott sieht uns überall, und wir können auch Gott nicht aus dem Weg gehen, indem wir Sonntags nicht in die Kirche gehen. 

Außerdem ist das traurig, meinen Sie nicht? Es kann tragisch sein, wenn die Leute nicht erkennen, dass Gott an ihrer Seite steht und dass sie in ihm leben und sich bewegen und das Dasein haben. Ich habe erlebt, dass Menschen Frieden und Vergebung brauchen und deswegen Gott gesucht haben, indem sie barfuss auf einen heiligen Berg geklettert sind oder indem sie zu einer heiligen Stadt gereist sind. Was für eine traurige Tragödie, wo doch Gott die ganze Zeit an unserer Seite steht, um uns in der Not rechtzeitig zu helfen. Ich weiß dass Gott vor langer Zeit den Menschen gesagt hat, dass sie im einen Tempel auf der Erde bauen sollen. Dann würde er herunterkommen und an diesem besonderen Ort wohnen. Aber damit wollte Gott den Menschen damals, als die Menschheit noch jung war, beibringen, dass er wirklich unsere Freundschaft sucht, und dass er zu uns kommen und mit uns leben will. Heute sind unsere Herzen die Tempel, in denen Gott leben will, in jedem Herzen. In diesem tiefsten Teil unseres Wesens, im Innersten, gibt es ein Heiligtum, und darin ist ein Thron. Auf diesem Thron sitzt in viel zu vielen Herzen das Ego, oder ein anderer Götze. Aber Gott möchte diesen Thron, Gott möchte in diesem Heiligtum wohnen, Gott möchte den Glanz seiner Gegenwart und Freundschaft und Heiligkeit durch unser ganzes Leben verbreiten, indem er kommt und in unseren Herzen wohnt. 

Natürlich sollten wir nicht meinen, weil Gott überall ist, lebt er automatisch auch in unseren Herzen. Gott respektiert unsere Privatsphäre, er respektiert unseren freien Willen. Viele Herzen sind vor Gott verschlossen durch Sünde, die wir nicht lassen wollen, oder durch Jahre von bewusster oder achtloser Vernachlässigung von Gott. Das ist der Grund, warum das Leben für so viele ganz leer und bedeutungslos geworden ist. Es hat seinen Glanz verloren. Aus diesem Grund beschreibt der Herr Jesus, wie er außen an der Tür unseres Herzens steht und anklopft, und um Einlass bittet. Er möchte hereinkommen und aufräumen. Er will uns neue Kraft geben. Er  will unser Herr und unser Gott sein. 

Das sollte wirklich klar sein, denn das ist so außerordentlich wichtig, diese Angelegenheit, dass wir Christus in unser Herz aufnehmen. Es bedeutet nicht, etwas für ihn zu arbeiten. Schließlich gibt es viele Arbeiter in den Fabriken, die viel für ihren Chef arbeiten, aber die ihn nie zu sich nach Hause eingeladen haben. Vielleicht haben sie Angst, dass dem Chef etwas nicht gefällt, oder dass der Chef irgendwas bestimmen will. Wissen Sie, es ist doch komisch, dass viele gerne etwas für Christus tun würden, oder für die Kirche, aber sie haben ihn noch nie wirklich in ihr Leben aufgenommen. Manche wissen auch gar nicht, dass das möglich ist. Sie stellen sich Gott weit entfernt vor in seinem Himmel. Es stimmt wirklich, dass die, die Christus vertrauen, eines Tages zu Gott in den Himmel genommen werden. Aber jeder, der Zugang zu Gott oder zum Himmel bekommen will, muss in diesem Leben sein Herz für den Herrn öffnen und Christus jetzt darin Wohnung nehmen lassen. 

Sag mir mein Freund, findest du das Leben leer? Ich frage mich, ob Versagen oder Verlust dein Leben der Bedeutung beraubt hat? Hat es den Glanz und die Freude verloren? Könnte es sein, dass es so ist, weil du Christus nie in dein Herz aufgenommen hast, und weil Christus immer noch außerhalb von deinem Leben steht? Lieber Mitmensch, wo bewahrst du deinen Gott auf?

von David W. Gooding. Dies ist der Abdruck einer Ansprache im Radio, der zweiten von vier Ansprachen. Mit freundlicher Genehmigung von David W. Gooding