Alan: Graffiti und Rap / Drogen und Sex

Wenn du samstags durch die Innenstadt von Augsburg spazierst, wirst du mich wahrscheinlich irgendwo treffen. Ich stehe in der Fußgängerzone und rede von meinem Glauben! Dass ich Leuten von dem Gott der Bibel, von Jesus erzähle, war natürlich nicht immer so.

Wenn ich heute gefragt werde, ob es Beweise für die Existenz Gottes gibt, antworte ich meistens so: »Ja, sogar unzählige. Und mein verändertes Leben ist eins davon.«
Ich weiß, dass diese Aussage nicht jeden Leser direkt von Gott überzeugen wird, aber dennoch lade ich dich ein, einen kleinen Ausschnitt meiner
Lebensgeschichte zu lesen.
Ich heiße Alan, bin 35 Jahre alt und glücklich verheiratet mit Ruth, und wir haben eine kleine Tochter. Geboren bin ich in Peru, wo ich die ersten fünf
Jahre meines Lebens verbrachte. Meine peruanische Mutter lernte in unserer Heimatstadt Trujillo einen deutschen Physiker kennen, der einen Lehrauftrag an der Universität hatte.
Im November 1989 zogen wir dann nach Dortmund-Huckarde, wo ich meine restliche Kindheit verbringen sollte. Ich erinnere mich an viele schöne Dinge aus meiner Kindheit: Kindergeburtstage, Urlaubsreisen, Familientreffen, abenteuerliche Unternehmungen, das Kennenlernen verschiedener Kulturen, künstlerische Bildung und vieles mehr.
Im Großen und Ganzen kann ich sagen, dass ich eine schöne Kindheit hatte und es mir nie an etwas mangelte. Auch wenn sicher nicht alles reibungslos
war.
Die Tage wurden in den Hinterhöfen verbracht.
Auf den Wiesen wurde gepöhlt, am Kiosk Wassereis gekauft und zwischen den Häuserreihen oder im anliegenden Rahmer Wald wurde Verstecken
gespielt. Diese Welt erschien so unendlich groß, alles war aufregend, und ich durfte unser Stadtviertel ziemlich unbeobachtet mit vielen anderen Kindern entdecken.
Meine Eltern waren ziemlich streng und erlaubten mir nicht alles. Einige Kids hatten zum Beispiel schon einen Gameboy und ich halt nicht.
Als ich anfing, Kontakte zu Kindern zu haben, die mehr durften als ich, klinkten sich meine Eltern ein.
Anfänglich beobachteten sie dies nur, aber bald wurde es mir ganz verboten, mit bestimmten Kindern weiterhin Zeit zu verbringen.
Immer dann habe ich mich heimlich darüber hinweggesetzt. Nicht selten bin ich einfach abgehauen und habe meinen »Stubenarrest« ignoriert.
Einer dieser Freunde, die ich nicht mehr treffen durfte, hieß Sven. Er hatte schon als Neunjähriger zu einigen Vierzehnjährigen Kontakt, die bereits
verschiedene Drogen ausprobierten, darunter auch LSD.
Zu meinem neunten Geburtstag bekam ich von meinen Kumpels meine erste Schachtel Zigaretten geschenkt. Mit gerade zehn waren wir oft auf
der Eisbahn in Wischlingen. Wir fühlten uns wie die Coolsten, feierten uns selbst zur Musik von Culture Beats »Mr. Vain«, Haddaways »What Is Love« oder Dr. Albans »Sing Hallelujah« und haben uns als Vierzehnjährige ausgegeben. Ich sollte nach der Grundschule das Gymnasium besuchen, was ich selbst gar nicht wollte, denn meine ganzen Freunde kamen auf die Gesamtschule oder auf die Hauptschule. In den ersten Jahren habe ich wirklich alles versucht, um von der Schule zu fliegen. Manchmal habe ich den Unterricht boykottiert, bin auf Tischen herumgelaufen, habe das Klassenzimmer verlassen, ständig gestört und deutlich gezeigt, wie nervig ich alles fand. Mein Vater sollte Jahre später selbst Lehrer an dieser Schule werden, und ich war noch immerbekannt bei manchen Lehrern, natürlich nicht im positiven Sinne.
Als ich elf war, schickten meine Eltern mich auf eine Jugendfreizeit, und ich kam erneut mit Älteren zusammen, mit denen ich rauchte und Bier trank.
Als ich vierzehn Jahre alt war, philosophierte ich viel über den Sinn des Lebens, über meine Familiensituation und meine Zukunft. Zu dieser Zeit
tat ich mich in der Schule schwerer und hatte oft das Gefühl, dass meine Eltern mich nur nach meinen schulischen Leistungen beurteilten und mich
mit meinen Mitschülern verglichen. Das entmutigte mich.
Zeitgleich wurde das Vergleichen und Imponiergehabe ein normaler Bestandteil meines Denkens. Ich interessierte mich für Modemarken, die
neuesten Trends und wollte unbedingt von möglichst vielen akzeptiert werden und als »cool« wahrgenommen werden.

Als Sven wieder mein Leben kreuzte, brachte er mich der Graffiti-Szene näher, die in Dortmund eine große Geschichte hat. Writer (Graffitisprüher)
wie Chintz (auch unter dem Synonym IZM bekannt) sind zum Beispiel weltweit bekannt. Ich fing an, mich darin völlig zu verlieren, das gab mir was, ich fühlte mich wichtig. Ich zeichnete ständig Skizzen, entwickelte eigene Schriftzüge und schmierte mit Edding alles zu, was nur möglich war. Ziemlich zeitnah kamen die ersten Versuche mit der Sprühdose.
Als Sprüher habe ich meine Umwelt plötzlich ganz anders wahrgenommen. Ich hielt Ausschau nach Tags (Schriftzüge von Sprühern), Pieces (Bilder von
Sprühern) und wartete stundenlang an den Bahnsteigen auf einfahrende Züge, die zugebombt wurden. Ich mochte es, was Neues zu kreieren, mein
Talent zu zeigen und dabei unbekannt zu bleiben.
Irgendwie komisch im Nachhinein, aber ich fand es cool, wie alle über die Schmierereien redeten und ich das so inkognito mitbekam. Wir waren oft mit einigen anderen im Partykeller von Sven und hörten Rapmusik, allen voran Musik aus unserer Stadt. Der Lange von Too Strong mit seinem Soloalbum »Untergrundkönige« und das neue Album von Spax – »Privat (Style Fetisch)« – beeinflussten unsere Gedankenwelt stark. Nebenbei wurden fleißig Entwürfe gemalt.

Bis dato kannte ich zwar vereinzelt Rap aus dem Radio und den Charts, doch früher hörte ich eher viel Popmusik, wie zum Beispiel die Platten von Michael Jackson, East 17 und auch diverse Boy Bands. Aber als ich 1998 das Wu-Tang-ForeverAlbum hörte, war nichts anderes mehr relevant. Ab da hörte ich hauptsächlich amerikanischen Rap von Gang Starr, Mobb Deep, Rakim, Nas, Redman, Master P., Big Pun, Tupac, Biggie und vieles mehr.
Die Bässe und die Beats haben mich in der Kombination mit den Texten in eine andere Welt entführt. Ich fühlte mich verstanden, und ich staunte
nebenbei über die Kunst, passende Reime zu finden, bildhaft zu schreiben und interessante Vergleiche zu hören. In gesellschaftskritischen Texten fand ich meine Wahrnehmung gut widergespiegelt, und nebenbei lernte ich so besser Englisch sprechen☺. Auf dem Gymnasium gab es auch Jungs, die
an Graffiti interessiert waren. Einer von ihnen war Dennis, der Jahre zuvor auch in Huckarde wohnte. Er überspielte mir damals ein paar Tapes mit der Mucke von RAG und Torch, »Die Klasse von ’95« und dem »Ä-Tiem«. Das war revolutionär für mich.
Damals war Deutschrap für mich noch ziemlich am Anfang, und das meiste kam in meinen Augen an den Style und Flow aus Amerika nicht heran. Aber es gab immer mehr deutsche Musik, die ich entdeckte und mochte, wie zum Beispiel Musik von Curse, Tone, Samy Deluxe, Die Firma und Azad.
Im Jahr 1999 war ich öfters im Dietrich-KeuningHaus, einem kulturellen Veranstaltungszentrum in der Nordstadt, wo es auch verschiedene Angebote für junge Leute gab, wie zum Beispiel einen Breakdance-Kurs. Darin wollte ich mich versuchen.
Da waren hin und wieder besondere Partys, wo gesprüht wurde, und es gab einen DJ, der die Musik für die Tänzer auflegte. Einmal gab es auch ein
Open Mic, und es wurde in der Runde gefreestyled.
Irgendwann landete das Mikrofon bei mir, und ich fing einfach an, Reime aneinanderzufügen. Danach kam jemand auf mich zu und fragte mich, ob ich das öfters machen würde, weil er es gut fand. Das gefiel mir natürlich, und seitdem war ein neues Hobby geboren. Ich traf mich zu Freestyle Sessions und suchte Kontakt zu anderen, die auch rappten.
Sonderlich gut war ich anfangs aber noch nicht.
Auf den verschiedenen Partys oder in den Kifferrunden wurde ich jetzt oft dazu aufgefordert, ein paar Reime zu kicken, auch auf Spanisch.
Mittlerweile gab es auch am Gymnasium einige, die vor der Schule Joints rauchten. Ich spürte zunächst nichts. Auch bei meinen ersten Erfahrungen mit der Bong merkte ich nicht viel von der Wirkung. Sven fing damals an, »Gras« selbst anzubauen, und fragte mich, ob ich für ihn verkaufen
würde. Mir kam das gerade recht. Mein Taschengeld war gestrichen worden, und so hätte ich auch genug Gras für mich, als Eigenbedarf.
Das Kiffen zeigte bei mir, wie schon erwähnt, anfangs keine große Wirkung, aber als wir einen Abend bei Freunden abhingen, knallte das Zeug das erste Mal so richtig. Und ich mochte diese Auswirkung, die verpeilten Gedanken, die aufkamen, oder die Lachflashs. Auch die Hungerattacken auf Süßigkeiten, die auf einmal noch besser schmeckten. Beim Zocken auf der Playstation und Nintendo 64 war man so vertieft ins Spiel, konnte voll in diese Welt abtauchen. Diese gemeinsamen Erfahrungen mit den Jungs schweißten zusammen.
2001 war ich schon in der ersten längeren Beziehung, hatte gerade meine mittlere Reife gemacht und fing eine Ausbildung zum Medizintechnischen
Assistenten an. Zu der Zeit war die Welt noch recht heil.
Ein Jahr später freundete ich mich mit Tobsn an. Ich bewunderte ihn. Er war bekannt als Sprüher.
Uns verband die Liebe zur Rapmusik und zum Graffiti. Als wir mal fast eine ganze Nacht durchquatschten, waren wir danach nicht mehr zu trennen. Wir nahmen dieses »real sein« ziemlich ernst und meinten damit, dass man das, was man anfängt, auch leidenschaftlich leben und durchziehen sollte.
Wir kamen mit weiteren Freunden aus dem Ort zusammen, und die Plätze vor der Gustav-Heinemann-Gesamtschule waren jetzt unsere Treffpunkte, wo wir jetzt fast täglich mit dreißig bis fünfzig Leuten rumhingen. Es wurde geskatet, gekifft, getrunken, Basketball gespielt, gerappt, gebreakt und gegrillt. Wir träumten gemeinsam von Musik und einer zugebombten Stadt von unserer Crew. Wir konnten viele in unserem Umfeld dafür begeistern. 2003 war die Stadt voll mit unseren Schriftzügen.
Mein erstes BAföG-Geld habe ich direkt in Plattenspieler und Mikrofone investiert.
Dann hingen wir oft zusammen ab und nahmen diverse Freestyle Sessions auf. Wir wollten unser »Raportage Tape« aufnehmen, was uns und unsere
Erlebniswelt widerspiegeln sollte.
Ich steuerte die ersten Beats dazu, die ich mit dem Programm Fruity Loops 3 gebaut hatte. Nach und nach entdeckten viele ihre Talente im Schreiben oder im Bauen von Beats.
Wir waren ganz versessen darauf und recordeten viel, aber ohne jegliche Struktur und Plan.
Am Ende entstanden nur ein paar Tracks, und das geplante Album wurde nie fertig.
Zu Hause kam es leider vermehrt zu Unstimmigkeiten und zuletzt sogar zu Handgreiflichkeiten. So lebte ich eine ganze Zeit lang erst bei Sven und später auch bei Tobsn. Es dauerte nicht lange, und ich brach meine Ausbildung ab. Ich wollte alles auf eine Karte setzen. Ich dachte wirklich, dass wir mit der Musik groß rauskommen würden. Nebenbei stieg ich immer mehr in das Verkaufen von Dope und Gras ein. Mein Handy klingelte ständig.
Wir waren jung und fühlten uns wie die Größten, fühlten uns unantastbar.
Ich wollte das Leben so intensiv wie möglich auskosten. Für mich bedeutete echtes Leben, feiern zu gehen und tun zu können, was man will.
Das ging fast drei Jahre lang so. Unzählige Partys, Abstürze, Drogenexzesse und -experimente. Ich liebte das Machtgefühl, die Unabhängigkeit und das tun zu können, was ich wollte. Auf der anderen Seite war es im Kopf oft ein reines Gefühlschaos, ein Hin und Her zwischen Größenwahn und
Panikattacken, Ängsten und Selbstzweifeln. Drogen machen was mit dir. Nicht wenige von uns veränderten sich auch persönlich extrem dadurch. Einige bekamen Psychosen, andere wurden sehr stark abhängig und zerstörten sich völlig, andere waren so fixiert auf Geld und Stoff, dass
man einander nur noch misstraute.

Im Jahr 2005 trennten sich nach und nach unsere Wege. Die meisten, die zur Clique gehörten, hatten danach auch nur noch vereinzelt miteinander zu tun.
In diesem Zeitraum passierte etwas, was mein Leben nachhaltig verändern sollte. Ich erzähle nur von drei wichtigen Begegnungen, die der wichtigsten Entscheidung meines Lebens vorausgingen.
Sicherlich gehören noch viele kleinere und weitere dazu.
Erste Begegnung:
Eines Tages, beim Durchzappen durchs Fernsehprogramm, sah ich eine Frau, die einfach aus der Bibel vorlas. Ich selbst hatte nur an den Feiertagen
Berührungspunkte mit der Bibel – Weihnachten, Ostern, Pfingsten. Aber ich hatte keinen wirklichen Bezug dazu.
Ich sehe diese Frau aus der Bibel vorlesen, und sie schämte sich nicht dafür. Ich dachte bei mir: Ich versuche täglich mein Gesicht zu wahren, möglichst nicht peinlich zu sein und cool aufzutreten, und diese Frau hält es für das Normalste der Welt, sich zu Gott zu bekennen. Das beeindruckte.
Zweite Begegnung:
Ich war auf dem Westenhellweg in der Dortmunder Innenstadt und traf auf die Frau, die jeder vom Hörensagen kannte, eine ältere Dame mit Kopftuch. Sie lief mit einem Schild herum, auf dem stand in Blau-Weiß: »Jesus rettet«. Jeder in Dortmund und in den anderen Ruhrgebietsstädten kennt diese Frau. Wir haben immer über diese Frau gelacht. »Ey, hast du diese Jesus-rettet-Frau gesehen?« An diesem Tag bekam ich einen Handzettel von ihr. Um uns herum fielen die abwertenden Sprüche ihr gegenüber, aber sie war die Ruhe selbst. Was du von ihr denkst, ob du sie beleidigst oder sie lächerlich machen willst, das war für sie zweitrangig. Sie wusste genau, woran sie glaubt, und sie konnte aufrecht vor den Menschen stehen.
Ich wusste nur: So bin ich nicht. Warum in aller Welt kann sie das?
Damals schrieb ich dazu einen passenden Reim:
Du lachst drüber, aber Jesus rettet,
du lebst geknebelt und gefesselt,
aber insgeheim hast auch du schon um Erhörung
gebettelt,
jede Wette, kein Mensch behält ’ne reine Weste.

Aber so richtig geglaubt hatte ich es bis dahin selbst noch nicht.
Dritte Begegnung:
Eines Tages, durch einen lustigen Umstand, habe ich eine Bibel geklaut. Ich habe wie üblich jeden Tag etwas geraucht und zudem was eingeworfen.
An den Sonntagen habe ich dann versucht, wieder einen klaren Kopf zu bekommen. Ich war damals im Schachverein. Dortmund ist neben Bier, Graffiti, der Hip-Hop-Kultur und dem Fußball auch bekannt für Schach. Einige Großmeisterturniere werden bis heute dort ausgetragen.
Jeden Sonntag gab es einen Mannschaftskampf. Und Schach war meine Art, zu entspannen und mich abzulenken. Wir hatten damals in Lünen ein Auswärtsspiel. Als ich mit meinem Spiel fertig war, bin ich durch das Gebäude gelaufen und bin in einem Raum gelandet, von dem ich heute weiß, dass es ein Gottesdienstraum war.
Ich habe die Technik gesehen, die es da gab, Mikrofone, verschiedene Kabel – und habe diese in meinen Rucksack gesteckt. Ich wollte danach den Raum wieder verlassen, als ich kurz vorm Eingang ein Regal stehen sah, auf dem verschiedene Bücher lagen. Und ich weiß nicht, warum, aber ich griff zu einer Bibel, die da lag, eine Jugendbibel mit vielen Erklärungen. Diese Bibel lag danach erst einmal längere Zeit unangetastet bei mir
herum.
Nach einer meiner gewohnten Partynächte kam ich nach Hause und konnte nicht pennen. Ich erblickte die Bibel. »Kann ja mal einen Blick reinwerfen«, dachte ich so bei mir und schlug das Buch auf und fing an, darin zu lesen. Das Buch, das ich las, war aus dem Alten Testament, von König Salomo, das Buch »Prediger«.
Dieser Mann beschreibt darin seine Sicht auf das Leben. Er war mächtig, reich, hatte viele Besitztümer, viele Frauen, also alles, was meiner Sehnsucht entsprach. Aber interessant war, was er aus alldem geschlossen hatte:
»Das Endergebnis des Ganzen lasst uns hören:
Fürchte Gott und halte seine Gebote; denn das ist der ganze Mensch.« (Prediger 12, Vers 13)
Fürchte Gott. Kann es sein, dass wir Nimmer – satte sind? Egal, wie viel wir haben: Es ist nie genug. Egal, was wir auch anstreben: Es macht nie zufrieden. Hier war einer, der verstanden hatte, dass er bei allem, was er im Leben erreicht hatte, trotzdem Gott gegenüber verantwortlich ist. Dass
man Gott fürchten und seine Gebote halten soll.

Was war bisher mein Leben gewesen? Ich zitiere einen Text, der mein bisheriges Leben gut zusammenfasste:
»Ich koste mein Leben aus, denn bald bin ich weg;
so leb ich für Graffiti und Rap, Drogen und Sex.«
Und jetzt wurde ich mit einer völlig anderen Wahrheit konfrontiert, aber ich konnte sehr gut nachempfinden, was da geschrieben stand. Das war
echt. Ich hatte so viel Wahrheit nicht in einem »Märchenbuch« erwartet. Ich hatte mich schon im Vorfeld mit vielen religiösen Ansichten, esoterischen Praktiken, Sternzeichen, Geheimwissen und verschiedensten Lebensauffassungen befasst, aber nichts kam an das heran.
Einerseits war ich stolz auf das, was ich bis zu dem Zeitpunkt hatte und war, aber irgendetwas fehlte. Ich spürte eine Leere in meinem Herzen. Seit
dem Tag wusste ich: Es muss einen Gott geben.
Wie ging es weiter?
Erzählt habe ich damals niemandem davon, denn ich hatte Angst, dass die Leute denken würden, ich hätte etwas Falsches geraucht oder genommen.
Ich habe immer noch Drogen verkauft und konsumiert, aber ich konnte nicht leugnen, was ich gelesen und erfahren hatte.
Ich habe immer wieder versucht, mit den Drogen aufzuhören, aber es klappte nicht. Ein paar Tage ging es gut, aber dann konnte ich nicht einschlafen, und es kribbelte überall. In meinem ganzen Umfeld war keiner, der nicht irgendetwas zu sich nahm. Meine damalige Freundin wollte auch nicht aufhören, für sie war es der verdiente Genuss wie ein Feierabendbier.
Irgendwann kam mir die Idee zu beten: »Gott, wenn es dich wirklich gibt, dann hilf mir doch!«
Ich wusste gar nicht, was für ein Gebet ich da gesprochen hatte. Tatsächlich blieb ich seit dem Tag drogenfrei – und das ohne große Entzugserscheinungen. Gott hatte dieses Gebet erhört, das war ein echtes Wunder.
Neuanfang
Ende Juli 2005 startete ich ein Jahrespraktikum in der Nähe von Gotha in einer christlichen FamilienWG. Meine Familie hatte über ein paar Ecken von dieser Möglichkeit gehört, und weil ich beruflich keine anderen Optionen hatte, bin ich da eingezogen. Die Familien, die dort leben, haben die Vision, Glaube und Alltag miteinander zu verbinden.
Ich war allen erst einmal skeptisch gegenüber eingestellt und beobachtete alles ganz genau. Zu meiner Überraschung erlebte ich aber Menschen, bei denen ich das Gefühl hatte, dass sie sich nicht verstellen. Sie wirkten so natürlich und fröhlich. Sie hatten offensichtlich etwas, was ich nicht
hatte.
Es gab viele Veranstaltungen, und auch mitten am Tag gab es kurze Andachten, wo gesungen und gebetet wurde. Da war eine junge Frau, die ernsthaft glaubte, mit Gott zu reden. Sie hatte die Augen geschlossen und sprach so, als wenn er vor ihr stehen würde. Ich versuchte, sie als Schwindlerin zu entlarven, aber sie schien wirklich davon überzeugt
zu sein.
Dort wurde auch regelmäßig gepredigt und aus der Bibel gelesen. Und weil ich nicht alleine irgendwo rumhängen wollte, ging ich oft mit. Bei einer Veranstaltung war es mir so, als würde der Prediger nur über mich reden. Das war sehr unangenehm. Mir wurde meine eigene Boshaftigkeit und Schuld auf einmal so bewusst. Ich schaute mich um, ob die Leute bemerkten, dass es hier um mich geht. Natürlich nahm keiner Notiz davon.

Und zugleich wurde mir in der Predigt Jesus vorgestellt als derjenige, der mich und mein böses Wesen kennt und dennoch bereit war, meine Schuld auf sich zu nehmen, weil er mich so sehr liebt. Ein weiteres Wort, welches ich hörte, lautete:
»Kommt her zu mir, alle ihr Mühseligen und Beladenen, und ich werde euch Ruhe geben« (Matthäus 11, Vers 28). »Ja, diese Ruhe suche ich, ja, ich bin beladen, ich bin mit meinem Leben völlig überfordert und kriege es aus eigener Kraft nicht in den Griff.
Ja, Jesus, wenn das so ist und du es so gut mit mir meinst, dann nehme ich die Einladung an.« Das, was ich da hörte, war neu für mich und hatte mich
überwältigt. In diesen Momenten habe ich vor dieser Liebe kapituliert.
Ich wusste: Jesus ist real, und er starb für mich.
Ich ging danach auf ein in der Nähe liegendes Feld und schrie all meine Gedanken zu Jesus. Da sagte ich ihm, dass ich ab jetzt mit ihm leben will.
Das war im August 2005.
Die Begegnung mit Jesus hat mein Leben seitdem völlig auf den Kopf gestellt. Ich bin frei geworden von verschiedenen Abhängigkeiten, großen
Charakterschwächen, aber natürlich noch immer auf dem Weg. Heute bin ich Erzieher und darf vielen von der einzigen Hoffnung erzählen, die wir in
dieser kranken Welt haben. Davon konnte ich seit Tag eins nicht schweigen.

Als ich bei meinen nächsten Besuchen in Dortmund gefragt wurde, ob ich was da hätte (Gras/Dope), antwortete ich: »Ja, was richtig Gutes, besser als all das andere Zeug, und es ist kostenlos!«
Frag die Leute von früher, die können dir grausame, perverse und peinliche Geschichten über mich erzählen, aber eins ist sicher: Das hat mit
der Person, die ich heute sein darf, nichts mehr zu tun. Den Platz, den früher die Musik, Graffiti, Sex, Geld und Drogen hatten, hat nun Jesus eingenommen.
Ich weiß auch, dass meine Lebensveränderung nicht aus eigener Kraft und harter Disziplin gekommen ist. Das ist schwer nachvollziehbar, wenn
man Gott nicht kennt.
Daher empfehle ich jedem, sich mit Jesus auseinanderzusetzen, denn er spricht für sich selbst.
So verschenke ich bis heute am liebsten Bibeln und vertraue darauf, dass sich Gott jedem selbst vorstellt. Und er will sich jedem zeigen, auch dir.
Denn ich bin vollkommen davon überzeugt: Gott redet durch die Bibel. Und wenn Gott redet, das merkt dann jeder. Ich kann Menschen nicht bekehren, niemand kann das, nur Gott kann das.

Darf ich dich, lieber Leser, herausfordern, mit diesem Gott zu reden? Darf ich dich herausfordern, die Bibel zu überprüfen? Gottes Segen dabei!
Alan/https://www.esstehtgeschrieben.de/

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