
Maria war die Mutter Jesu, aber die Mutter Gottes kann sie nur mit Vorbehalt genannt werden, weil das sehr missverständlich ist. Maria war Jungfrau, aber sie war keine immerwährende Jungfrau, sondern bekam nach der Empfängnis Jesu Christi weitere Kinder. Maria war kein sündloser Übermensch, sondern ebenfalls wie jeder andere der Erbsünde überworfen und kann nur durch Jesus Christus Erlösung erlangen. Die Konstruktion, sie habe rückwirkend sündlos empfangen werden können, findet sich nicht in der Bibel, sondern ist eine gedankliche mariologische Konstruktion. In Römer 5, 12 wird ausdrücklich gesagt, dass der Tod zu allen Menschen durchgedrungen ist, weil sie alle gesündigt haben. Es steht nirgends: “mit Ausnahme von Maria”!
Gott hat Maria begnadet nach Lukas 1, 28. Das ist durchaus zutreffend, aber nicht dadurch, daß er sie vor der Erbsünde Adams bewahrt hätte, sondern indem er sie erwählt hat, seinen Sohn zu gebären. Die Katholische Kirche beruft sich auf Lukas 2, 34-35, wo es über Maria heißt:
“Siehe, dieser ist gesetzt zum Fall und Aufstehen vieler in Israel und zu einem Zeichen, dem widersprochen wird — aber auch durch deine eigene Seele wird ein Schwert durchdringen, damit Überlegungen aus vielen Herzen offenbar werden.”
Dieses Schwert sei ein Symbol für Marias Teilhabe am Leiden Christi, wird behauptet. Aber Maria litt nicht für Sünden, sondern es waren Schmerzen des Mitleides. Es war kein Erlösungsleiden, sondern ein Mitleiden mit ihrem Sohn, wie eine Mutter mit ihrem Kind mitempfindet, mittrauert und mitleidet. Mitleidsschmerzen können nicht verwechselt werden mit Erlösungsschmerzen, die hat nur Jesus durchgemacht. Niemals ist Maria für unsere Sünden gestorben, sondern allein der Sohn Gottes.
Im Katholizismus wird Maria geradezu zu einer “Halbgöttin” erhoben. Der Marienkult besitzt manche Ähnlichkeit mit dem Kult der “Himmelskönigin”, der in Jer 44 beschrieben und als “Gräuel” von Gott verurteilt wird. Gegen alle Erhebungen der Mutter Jesu über ihre Rolle als gehorsame Magd des Herrn hinaus ist auf das Erste Gebot hinzuweisen:
“Ich bin der Herr dein Gott … Du sollst keine anderen Götter haben neben mir!`” (2. Mose 20).
Lothar Gassmann
