Durchdachter Atheismus

Ludwig Feuerbach hat den Gedanken populär gemacht, dass Gott eine Erfindung des Menschen sei. Er drehte das biblische „Gott schuf den Menschen nach seinem Bilde.“ um und behauptete: „Der Mensch schuf Gott nach seinem Bilde.“. Das nährte das Überlegenheitsgefühl vieler vermeintlicher Freigeister, die sich vom Christentum abwenden wollten und glaubten: „Die Bibelautoren des ersten Jahrhunderts konnten von solch modernen Erkenntnissen noch nichts wissen, aber jetzt sei es an der Zeit, die veraltete biblische Sichtweise hinter sich zu lassen.“. Dabei war Feuerbachs Behauptung gar nichts neues. Schon der griechische Philosoph Xenophanes sagte ca. 500 v. Chr. sinngemäß das Selbe. Paulus zitierte sogar an mehreren Stellen des Neuen Testaments griechische Philosophen und lässt so durchblicken, dass er sich mit ihren Ideen auskannte. Feuerbachs Behauptung wurde später in der Psychologie umformuliert zu „Gott ist eine Projektion des Menschen.“. Das heißt, wir würden in uns hineinschauen und uns dann einen Gott ausdenken, der die Eigenschaften hat, die wir in uns beobachten. Doch der Gedankengang hilft einem im Hinblick auf die Frage nach Gott nicht weiter. Denn wir haben kein Mittel, zu zeigen, ob die ähnlichen Eigenschaften daraus resultieren, ob entweder wir Gott erschufen, oder Gott uns.

Atheist ist jeder, der die Existenz Gottes nicht für wahr hält. Am verbreitetsten und in sich schlüssigsten ist die materialistische Variante des Atheismus.

Der materialistischen Atheismus besagt, dass das komplette Universum aus nichts anderem besteht, als aus Materie, die von physikalischen Kräften bewegt und strukturiert wird. Nachdem die Materie durch das Universum flog, haben demnach die vier bekannten Grundkräfte der Physik sie zu Galaxien, Sonnen und Planeten geformt. Auf unserem Planeten wurde die leblose Materie dann im Laufe der Evolution erst zu einfacheren und dann zu immer komplexeren Molekülverbänden strukturiert, bis schließlich die komplizierte Materiestruktur entstand, die sich heute „Mensch“ nennt.

Diese Version der Weltgeschichte würde für unsere Identität als Mensch grundlegende Folgen haben: Wir wären dann nicht mehr Lebewesen, sondern Objekte. Wir wären dann nicht mehr Personen, sondern Molekülmaschinen.
So wird der Stellenwert des Menschen fundamental reduziert. Da wir nur strukturiert angeordnete, aber letztlich leblose Materie sind, verschwindet unsere Persönlichkeit, das heißt unser „Ich“, das uns ausmacht. Es schrumpft zu einer von physikalischen Kräften getriebenen und beherrschten Null. Den einen haben die physikalischen Kräfte zum Theisten geformt und den anderen zum Atheisten. Autonome Entscheidungen sind dann nur eine Illusion. Die ganze Diskussion verliert ihre Bedeutung, denn sie wird von außen diktiert.

Ausgehend von lebloser Materie, lässt sich nirgendwo eine Wertung ableiten. Man kann nirgendwo ableiten, dass etwas gut, schlecht oder ein Mischung von beidem ist. Denn die Materie hat sich zwar als Mensch angeordnet, aber man kann nicht sagen, dass das gut ist. Sie hat es eben getan. Die physikalischen Kräfte haben die Materie eben über die Zeit zu Menschen geformt. Es gibt keinen Grund, warum es besser sein sollte, dass die Materie als Menschmaschine angeordnet ist und nicht als Blumenerde auf dem Boden liegt. Es gibt dann keinen Grund, warum man sich als Mensch beschützen sollte, warum Leben etwas Wertvolles ist und warum der Mensch so etwas wie Würde besitzen sollte.
Dann können Terroranschläge und Völkermorde nicht als etwas Schlechtes bezeichnet werden. Denn es waren die unabänderlichen physikalischen Kräfte, die die Moleküle im Gehirn des Attentäters so angeordnet haben, dass sie den Entschluss zu dem Verbrechen formten. Warum sollte sich ein Mörder dann überhaupt noch verantworten? Wo doch nicht er als Person sich dazu entschlossen hat, sondern die elektrochemischen Prozesse in seinem Gehirn den Mord erzwungen haben? Wenn es kein gut und schlecht gibt, dann kann man auch Leid, Krankheit und Tod nicht als schlecht bezeichnen.

Auch Liebe, Sinn, Empfindungen, Trauer, Freude oder das Bewusstsein selbst schrumpfen zur Bedeutungslosigkeit, weil sie nur Illusionen sind, hervorgerufen von komplexen Zellverbänden. Angesichts dessen mag sich manch ein Atheist freuen, denn wenn es keinen Sinn im Leben gibt, dann kann er selbst einen festlegen. Doch das ist eine logische Unmöglichkeit. Denn wo kein Sinn ist, macht es auch keinen Sinn, einen zu bestimmen. Außerdem hat er übersehen, dass es „ihn“, der etwas bestimmen könnte, seinem Denken zufolge gar nicht gibt. An diesem Punkt scheitert schließlich auch Richard Dawkins, wenn er vorschlägt, wir sollten gegen unsere Gene rebellieren, obwohl es seinen sonstigen Ausführungen zufolge „uns“ in dem Sinne gar nicht gibt. Falls jemand trotzdem gegen die uns beherrschenden Triebe rebellieren sollte, dann nur, weil andere Triebe, die aber auch von physikalischen Kräften gesteuert werden, stärker sind.

Der materialistische Atheismus treibt jeden Menschen, der ihn in allen seinen Konsequenzen anerkennt, in die Sackgasse des gedanklichen Stillstandes und der Handlungsunfähigkeit. Denn der Mensch hat keinen Antrieb zum Denken und Handeln mehr, wenn er erkannt hat, dass es auf ihn gar nicht ankommt. So zieht er sich selbst den intellektuellen Boden unter den Füßen weg. Falls er doch noch weiterdenkt, zeigt er damit, dass er die logischen Schlussfolgerungen seines Weltbildes noch nicht anerkannt hat. Oder, wie Francis Schaeffer es ausdrückte: „Man kann nicht daran glauben, dass alles eine Maschine ist, und gleichzeitig das Ideal der Freiheit des Menschen anstreben.“. Schaeffer sagte auch die gesellschaftlichen Folgen voraus: „Überall wird den Menschen gesagt, dass der Mensch nur eine Maschine ist. Dadurch geht ihr Widerstand gegen die Manipulation Schritt für Schritt zurück.“.

Der materialistische Atheist hat demnach nicht nur das Problem, dass sein Tod hässlich ungewiss ist, sondern auch, dass schon sein diesseitiges Leben zur Null wird.

Trotzdem gibt es viele Atheisten, die freundlich und lebensfroh sind und einen ausgeprägten Sinn für Gerechtigkeit, gut und böse haben. Das liegt daran, dass sie nicht der Logik ihres materialistisch atheistischen Denkgebäudes folgen, sondern ihrer Menschlichkeit. Ihrer Menschlichkeit, für die ihr Denken genau genommen keinen Platz lässt. Je mehr Raum diesem Denken gelassen wird, desto weniger Bedeutung haben Freude, Leid, Empfindungen, Liebe oder Würde. Je mehr Raum diesem Denken gelassen wird, desto mehr verliert man die Fähigkeit des eigenständigen Entscheidens. Denn das Akzeptieren, dass es auf einen selbst nicht mehr ankommt, ist das Akzeptieren von Fremdbestimmung. D

Abgesehen von den obigen Überlegungen kursieren noch einige Scheinargumente in der öffentlichen Meinung, was die Diskussion zwischen Theismus und Atheismus betrifft. So behaupten beispielsweise Theisten, dass es unlogisch sei, zu glauben, dass beim Urknall Materie aus dem Nichts kam. Oder auch, dass es ebenso unverständlich sei, dass Materie schon immer da war. Atheisten hingegen geben die selbe Überlegung an die Theisten zurück: Wenn Gott den Urknall ausgelöst hat, oder sonstwie das Universum ins Leben gerufen hat, dann ist immer noch nicht der Ursprung von Gott geklärt. Doch solcherlei Gedankenspiele helfen in der Frage nicht weiter, ob Gott existiert oder nicht. Denn jeder, ob Theist oder Atheist, geht von einer ersten Ursache aus, die er nicht weiter begründet. Die einfach da war. Das muss jeder denkende Mensch tun. Denn wenn man von nichts ausgeht, dann kommt man auch zu nichts. Weil diese erste Ursache nicht verstehbar ist, kann man sie „ewig“ nennen. Der Unterschied ist lediglich: Atheisten glauben, dass Materie ewig ist und sie selbst deshalb Materie sind. Christen glauben, dass der persönliche Gott ewig ist und sie selbst dehalb Personen sind.

Kommentare

  1. Beten gegen Atheismus

    Toleranz war nun noch nie eine Stärke der Atheismusreligion. Und natürlich steigert Weihnachten als Fest der Geburt Christi die eh schon bestehende Heidenangst unserer armen Atheisten noch einmal- wahrscheinlich ins schwer erträgliche.
    Daraus erklären sich ihre manischen Abwertungs-und Abwehrbemühungen. Helfen wir ihnen und beten für sie, daß auch sie fähig werden, sich zu bekehren und ihre Scheuklappen abzulegen.
    Adoptieren wir jeder zumindest gebetsmäßig einen Atheisten.

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