Oskar Brüsewitz, vor 50 Jahren am 18. August 1976 verbrannte sich aus Protest gegen die rigorose Politik der SED auf dem Marktplatz von Zeitz selbst.

“In Rippicha fiel er durch für die SED höchst unerhörte Aktionen auf. Er engagiert sich in der Jugendarbeit, errichtete einen evangelischen Kinderspielplatz und initiierte eine ganze Serie von symbolischen Protestaktionen gegen die „Kirche im Sozialismus“. Das war der SED ein Dorn im Auge. Totale Überwachung und Psychoterror, staatliche Repressionen und Zersetzungsmaßnahmen, Isolierung durch das Streuen von böswilligen Gerüchten waren die Folgen.

Doch Brüsewitz ließ sich davon nach außen hin nicht beeindrucken. 1974 stellte er gegen das Plakat „25 Jahre DDR“ an seinem Pfarrhaus ein Plakat mit der Aufschrift „2000 Jahre Kirche Jesu Christi“ auf. Darüber hinaus installierte er an seiner Kirche ein großes, weit über das Dorf hinaus sichtbares Neonkreuz und scherte sich nicht um Drohungen vonseiten der SED, es gewaltsam zu entfernen.

Mittlerweile begann auch die Kirchenführung, die sich bisher hinter den unorthodoxen Pfarrer gestellt hatte, unter dem zunehmenden Druck zu schwanken und legte Brüsewitz einen Pfarrstellenwechsel nahe. Da fühlte er sich von seiner Kirche im Stich gelassen.

In einer aufsehenerregenden Aktion übergoss er sein Auto und sich selbst im Talar mit Benzin und verbrannte sich vor der Michaeliskirche auf dem Marktplatz von Zeitz. Als lebende Fackel rannte er vor den Augen einer entsetzten Menschenmenge über den Kirchplatz, wurde zu Fall gebracht; das Feuer wurde von Passanten mit einer Decke gelöscht.

Zuvor hatte er Plakate an seinem Wartburg und auf dessen Dach angebracht, auf denen leicht abgewandelte Sprüche wie dieser lesen war: „Funkspruch an alle… Funkspruch an alle…: Die Kirche in der D.D.R. klagt den Kommunismus an! Wegen: Unterdrückung in Schulen an Kinder und Jugendlichen!“ Die Plakate wurden sofort beschlagnahmt und entfernt…. Über die Gründe der Selbstverbrennung sagte Dieter Ziebarth, damals ein Pfarrerskollege von Brüsewitz und Kritiker der offiziellen Haltung der Kirche zu Brüsewitz’ Tod im September 1976 (Quelle: Neubert, s.u., Seite 279), er habe erst nach vielen Jahren eine Antwort für sich gefunden. „Er wollte uns fragen: Brennt ihr für etwas? Setzt ihr euch ganz und gar dafür ein? Er hat nicht nur unter seiner Kirche gelitten, sondern auch unter der Gleichgültigkeit der Leute. Das war für ihn das Schlimmste.” Sabine Drewes/achgut.com

Aus „Sorge vor der Ausbreitung des Islam“ verbrannte sich am 31. Oktober 2006, am Reformationstag vor 20 Jahren, der evangelische Pfarrer Roland Weißelberg. Die evangelische Kirche hat den Kompass weggeworfen. Sie tilgt Gewissheiten und unterwirft sich dem Zeitgeist! Hebt alte Bücher auf. Im Internet findet Ihr nicht mehr die wahren Texte. Selbst die Bibel wird laufend in angepasster Sprache neu aufgelegt. Moderne Pfarrer gehen kaum auf die Endzeit ein. Zum Ende des Kirchejahres macht man einen Familiengottesdienst und umgeht so manche Interpretationsnöte. Luthers „eine Feste Burg ist unser Gott“ geht in Vulvenmalen und Gleichgültigkeit gegenüber Lastern zu Grunde. Brüsewitz verzweifelte daran, aber auch unser gläubiger Pfarrer Michael Meusel der später in Großenhain unterging.

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