23. August 2021 – Wegen des Anstiegs von Corona-Infektionen gilt in Deutschland weitgehend die 3G-Regel. Wann werden leitende Christen in Deutschland für ihr Verhalten bei Corona um Verzeihung bitten?

Sechs Jahre nach dem Beginn der Corona-Krise wäre genügend zeitlicher Abstand vorhanden, um darüber zu sprechen. Die Bilder des Frühjahrs 2020 sind noch nicht vergessen. Gemeindetüren blieben verschlossen, Stühle in Gemeinden blieben leer, Prediger predigten vor Kameras und die Gläubigen sollten das am Bildschirm daheim verfolgen. Und an Ostern, dem höchsten Fest der Christenheit, gab es in Deutschland keine öffentlichen Gottesdienste. Für einen echten Christen ist die Gemeindeveranstaltung kein Theater, kein Konzertsaal und kein Vereinsheim. Im Zentrum des geistlichen Lebens steht nicht eine kulturelle Veranstaltung, die man vorübergehend durch eine Internetübertragung ersetzen kann. Im Zentrum steht der lebendige Gottesdienst, das Abendmahl, an dem die Christen vor Gott unbedingt leiblich anwesend teilhaben sollen. Gerade in einer Zeit, in der Millionen Menschen Angst vor Krankheit und Tod hatten, wurde ihnen der unmittelbare Zugang zu diesem Zentrum des christlichen Lebens genommen. Desinfektionsspender standen an den Eingängen, Sitzplätze wurden abgesperrt, Abstände markiert, später kamen Maskenpflicht, Anmeldesysteme und weitere Vorschriften hinzu. In Krisen in der Christen traditionell ihre Türen öffneten, wurde kontrolliert, gezählt und reglementiert. So entstand der Eindruck, als habe die Gemeinde Jesus selbst die Logik übernommen, körperliche Gesundheit sei das höchste Gut.

Noch bedrängender als die geschlossenen Gemeinden ist die Frage nach Kranken und Sterbenden. Wie viele Christen starben in Krankenhäusern oder Pflegeheimen ohne geistliche Begleitung, Trost und Hilfe? Wie viele alte Menschen warteten auf einen lieben Menschen oder Glaubensbruder, der aufgrund staatlicher oder institutioneller Zutrittsbeschränkungen nicht zu ihnen gelangen konnte oder wollte… Für einen Christen ist der geistliche Zustand des Menschen im Augenblick des Todes von entscheidender Bedeutung. Mit dem Tod endet die Zeit, in der der Mensch seine grundlegende Entscheidung für oder gegen Gott noch ändern kann. Wie viele Leute haben sich auf dem Sterbebett noch bekehren dürfen. Jesus hat sich voller Schmerzen und kurz vor seinem Sterben noch um den Schächer gekümmert und ihn in dem Himmel mitgenommen. Wo sind die Anhörungen der Menschen, die sich damals von ihrem geistlichen Leiter im Stich gelassen fühlten? Wo sprechen die Angehörigen jener Christen, die ohne die nötigen Seelsorge starben? Wo kommen Gläubige zu Wort, die wegen ihres Impfstatus Schwierigkeiten hatten, eine Gemeinde zu besuchen? Je nach Gemeinde galten zeitweise die total verrückten und unbegründeten 3G-, 2G-, 3G+- oder 2G+-Regelungen. Man muss sich die Absurdität dieser Situation heute noch einmal vergegenwärtigen. Die Gemeinde feierte Weihnachten. Sie verkündete die Botschaft, dass Gott Mensch geworden ist und Christus für alle Menschen gekommen ist. Und zugleich konnte vor der Gemeinde der Impf- oder Genesenenstatus darüber entscheiden, unter welchen Bedingungen jemand die Gottesdienste besuchen durfte.

Supermärkte mussten offen bleiben. Behörden mussten funktionieren. Das Gesundheitssystem musste aufrechterhalten werden. All das war notwendig. Doch der Gottesdienst konnte einfach so ausfallen.  Vielleicht wäre es mal an der Zeit darüber zu sprechen, warum die Gläubigen vor verschlossenen Gemeindetüren standen warum die Alten keinen Besuch und keinen Seelsorger hatten, warum manche Gläubigen wegen ihres Impfstatus ausgegrenzt wurden, warum die Sterbenden ohne die letzten Tröstungen blieben. Auch sollte über die vielen Menschen geredet werden, die sich von der Gemeinde, ja vielleicht sogar vom Glauben abgewandt haben, weil sie den Eindruck gewinnen mussten, dass dessen Verkündiger diesen längst verlassen haben. Wann werden Deutschlands Corona-Christen Rechenschaft ablegen? Gedanken von D.B.

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