Auch das noch: Linker US-Philosoph stellt Darwinismus in Frage.

Es ist höchste Zeit, diese Hybris der materialistischen Naturwissenschaft mit ihrem angemaßten Welterklärungsmonopol zu beenden. Nagel sagt voraus: „Ich gehe jede Wette ein, dass der gegenwärtige Konsens (in Bezug auf materialistischen Neo-Darwinismus) in ein oder zwei Generationen lächerlich erscheinen wird. Offensichtlich leiden die meisten Wissenschaaftler an galoppierendem Grössenwahn, andernfalls würden sie nämlich einsehen, dass nicht sie zu sagen haben, was richtig oder falsch ist, sondern eine höhere Person.Heutiger Evolutionismus ist, ebenso wie Darwinismus, eine Glaubenshaltung und eine Weltanschauung wie Sozialismus, Feminismus und andere Ideologien.

„Die Evolution allein erklärt nicht, wie die Welt sich entwickelt, sagt der linke amerikanische Philosoph Thomas Nagel. Amerikanische Darwinisten und Intellektuelle fühlen sich verraten – und gehen auf den Rawls-Schüler los.

Wie ist es, eine Fledermaus zu sein? Wie fühlt es sich an, wenn man eine Art Echolot hat und Ultraschallwellen aussenden kann? Mit dieser Frage wurde 1974 ein Philosoph berühmt, der bis heute zu den klügsten und kontroversesten zählt. Thomas Nagel, ein Schüler von John Rawls, hat in Oxford und Harvard studiert, lange Jahre in Princeton unterrichtet und lehrt seit mehr als dreißig Jahren an der New York University. Inzwischen ist er 75 Jahre alt.

Die Pointe an der Fledermaus-Frage ist, dass wir niemals wissen können, wie es sich für eine Fledermaus anfühlt, eine Fledermaus zu sein. Ihre Erlebnisperspektive bleibt uns erkenntnistheoretisch verschlossen. Grundsätzlich.

Mit seinem jüngsten Buch knüpft Nagel an das Fledermaus-Dilemma und die Grenzen unserer Erkenntnis an. „Mind and Cosmos“ erschien im Herbst vergangenen Jahres, es hat A5-Format und einschließlich Index nur 130 Seiten. Die deutsche Übersetzung ist für Oktober angekündigt. Der Inhalt allerdings ist vom Anspruch her radikal, ja revolutionär. Das weiß der Autor – und entschuldigt sich sogar für seine unorthodoxen Gedanken. Die freilich präsentiert er klar und stringent. Seine zentrale These: Das Axiom der meisten Naturwissenschaftler, dem zufolge alle Phänomene – also auch Gefühle, Gedanken, Bewusstsein, Verhalten – vollständig erklärbar sind durch materielle Faktoren, ist höchstwahrscheinlich falsch.

Nagel nennt die Auffassungen, gegen die er leidenschaftlich und gleichwohl kühl und trocken anschreibt, abwechselnd psychophysikalischen Reduktionismus, Materialismus und Naturalismus. „Ich finde diese Sicht unglaubhaft“, schreibt er, sie sei der „heroische Triumph einer Ideologie über den Wirklichkeitssinn“. Als Grund für diesen Triumph vermutet er die Fortschritte der Naturwissenschaftler auf den Gebieten der Neurophysiologie und Molekularbiologie. Dadurch sei die übermütige Hoffnung genährt worden, auch sämtliche Phänomene des Geistes unter eine einzige physikalische Konzeption der Welt subsumieren zu können. Nagel hält das für unmöglich.

Kaum gnädiger urteilt er über die Evolutionstheorie. Sie sei zwar nicht falsch, aber ungenügend. Die „ganze Wahrheit“ werde von ihr nicht erfasst. Denn die im Prinzip ziellose Abfolge von Mutation und Selektion könne nicht ausreichend erklären, wie aus anorganischem organisches Leben entstand, aus einfachen Systemen komplizierte wurden und Instinkt in Verstand und Bewusstsein mündete.“ www.cicero.de/weltbuehne/…aegt-am-darwinismus/54656

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