Aus Hass wird Liebe

"Erzähl’ uns etwas über deine Familie!"
"Ich komme aus einer sehr religiösen christlich-maronitischen Familie. Meine Eltern hielten uns zum Kirchenbesuch an, aber mich interessierte die Kirche nicht, denn ich fand kein Leben darin. Ich hatte viele Fragen über Gott, aber auch die Geistlichen sagten mir, daß sie sie auch nicht beantworten könnten. Als ich acht Jahre alt war, begann der Krieg im Libanon. Vor dem Krieg lebten Christen und Muslime friedlich zusammen. Nun wurde mir gesagt, daß die Muslime unsere Feinde seien. Wie die anderen Kinder war auch ich stolz auf meinen Vater, der in der christlichen Miliz kämpfte. Ich habe abgeschnittene Hände und Ohren gesehen, die die Miliz als Kriegstrophäen heimbrachte. Als ich älter wurde, lernte ich, mit einem Gewehr umzugehen."
"Wann fingst du an zu hassen?"
"Ich mußte miterleben, wie mehrere Familienmitglieder von einstürzenden Gebäuden erschlagen wurden. Anderen schnitten unsere Feinde die Kehlen durch. Aber am schlimmsten war es für mich, meine ältere Schwester zu verlieren. Sie war 23 Jahre alt, verlobt und wollte heiraten. Eines Abends explodierte eine Bombe und zerstörte unser Haus, in dem sie schlief. Bei ihrer Beerdigung verfluchte ich Gott, das Christentum, den Islam, das Leben, mich selbst und alles andere. Ich war deprimiert und wütend. Als ich nach Hause kam, vernichtete ich alle religiösen Bilder in unserem Haus. Ich sann nur noch darüber nach, wie ich den Tod meiner Schwester rächen könnte. Ich war 17 Jahre alt, als ich der christlichen Miliz offiziell beitrat. Ich hielt Autos mit vorgehaltener Waffe an, nahm Leute fest und arbeitete als Leibwache."
"Wann hat sich das alles geändert?"
"Mit meinem Leben ging es bergab. Ich fing an, Heroin zu konsumieren und war in sexuelle Sünden verstrickt. Mein Leben war leer, und nur selten war ich wirklich glücklich. Das ging etwa vier Jahre lang so. Im Alter von 21 Jahren fing ich an, darüber nachzudenken, ob Gott wohl diese Leere in mir ausfüllen könnte. Ich hatte noch ein einziges Bild von Jesus behalten. Ich sprach zu diesem Bild und wußte plötzlich, daß Jesus mir zürnte. Deshalb bat ich ihn um Verzeihung und um Hilfe. Ich spürte seine Freude und seine Nähe. Er schenkte mir Frieden und Licht in meiner Dunkelheit. Nun hatte ich neue Hoffnung, daß Jesus mir helfen würde."
"Wie hast du dann zum ersten Mal Christen kennengelernt?"
"Ich traf einen wirklichen Christen, der mir versicherte, daß Jesus mein Leben in Ordnung bringen könnte. Sofort wußte ich, daß er recht hatte, aber ich gab das wegen meines Stolzes nicht zu und drohte ihm Gewalt an. Aber er reagierte liebevoll auf diese Drohungen, und das erschütterte mich bis ins Innerste. Nach drei Monaten tiefer Depressionen schickte Gott diesen Christen nochmals zu mir. Erst fürchtete er sich wegen meiner Drohungen vor mir. Aber als er kam, war er überrascht zu hören, daß ich nun mit ihm zur Kirche gehen wollte.
Die Gemeindeglieder begrüßten mich herzlich wie einen alten Freund. Das war meine erste Erfahrung, und ich sah, daß die Christen sich wirklich liebhatten und so lebten, wie die Bibel es sagt. Ich hatte noch nie zuvor gehört, daß Jesus in meinem Herz wohnen und mir Befreiung von allen Bindungen schenken wollte. Ich fürchtete mich vor Jesus, weil er heilig war. Dann sah ich jedoch die offenen Arme Jesu mit seinen von Nägeln durchbohrten Händen vor mir, und eine freundliche Stimme flüsterte mir zu: "Wirf dich in meine Arme und ich werde dich tragen, hab keine Angst!" So hob ich meine Hand als Zeichen dafür, daß ich Jesus in mein Herz aufnehmen wollte. Die Geschwister beteten mit mir, und ich wußte, daß ich nun mein Leben Jesus übergeben hatte.
Zu Hause wurde ich auf meine Mutter zwar ärgerlich, aber ich konnte sie nicht mehr verfluchen und auch keine Schimpfworte mehr gebrauchen. Geschah das, weil Jesus in meinem Herzen wohnte? Ich dachte nach, aber mir fielen keine Flüche und keine Schimpfworte mehr ein. Da war ich mir sicher, daß der Heilige Geist mir beistand. Ich hüpfte vor Freude, denn Jesus wurde jetzt Realität für mich, und ich konnte sein Wirken spüren. Ich fing an, die Sünde zu hassen und wollte das Gute tun."
"Was hat sich in deinem Leben in Bezug auf deine Feinde geändert?"
"Gott liebte mich schon, als ich ihn noch haßte. Dadurch konnte ich nun auch diese Menschen lieben. Es war ein plötzlicher Wandel, als Gott seine Liebe in mein Herz ausgegossen hatte. Ich betete, weinte und vergab den Menschen, die meine Schwester und meine anderen Familienangehörigen getötet hatten. Es war ein Wunder: Es gab keine langsame Veränderung, sondern die Kraft des Heiligen Geistes verursachte einen raschen Wandel. Während der vergangenen sechs Jahre ist diese Liebe beständig gewachsen, und ich erzähle nun auch Muslimen von der Liebe Jesu. In einem Dorf traf ich einen Drusen, der früher Mitglied der Miliz gewesen war, und Jesus riß die Mauer zwischen uns nieder. Er war einst mein Feind gewesen, und nun war er mein Bruder in Jesus Christus geworden."

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