Der Mensch hat einen Sinn für Schönheit

Mit vielen Evolutionsbiologen kann man lange über Mechanismen, Selektion, das Recht des Stärkeren oder sonstige Werkzeuge der Natur unterhalten. Keines dieser Sachen ist zu leugnen, sie sind zu beobachten und ganz einfach da. Doch Vertreter dieser Wissenschaftsgattung verkennen oftmals den philosophischen Sinn hinter der Schöpfung. Dieser ist ganz einfach festzumachen daran, dass die Evolution kein rein pragmatischer Prozess ist. Bisher wird alles daran begründet, dass etwas funktioniert, und genau deshalb hat es sich durchgesetzt. Leider gibt es unzählige Sachen, die eigentlich keinen evolutiven Sinn haben, und trotzdem haben wir einen Sinn dafür. Dazu zählt unser Sinn für Schönheit.

Alle Kunst vermittelt uns das Gefühl einer “unausweichlichen Sinnhaftigkeit”, so drückte es einmal Arthur C. Danto aus. Sie gibt uns den Eindruck, dass das Leben mitnichten die Geschichte eines dämlichen Zufalls ist. Wenn wir Beethoven oder Bach hören, wenn wir die großen Symphonien des Lebens mit dem zugehörigen Sonnenuntergang betrachten, dann wird der größte Wissenschaftler ganz klein und auch er weiß in seinem Herzen um die Sinnhaftigkeit der Schöpfung. Doch ihre Herzen streiten gegen ihren Verstand.

Bach und Beethoven haben Stücke geschrieben, die atemberaubend “richtig” sind. Jeder Ton ist richtig platziert, er gehört dort einfach hin. Man hat regelrecht den Eindruck, dass der nächste Ton genau der richtige ist, der einzige, der dort hingehört. Wenn du ein Stück von Beethoven oder Bach mittendrin anhälst, dann weißt du ohne weiterzuhören, welche Note die nächste sein wird. So richtig sind diese Stücke. Es ist der Stoff des Himmels und diese Töne haben die Macht, uns ein Gefühl zu geben, dass etwas in Ordnung ist in der Welt.

Tim Keller schreibt in seinem Buch “Warum Gott?” (Seite 166f) sehr interessante Gedanken zum Thema Schönheit:

“Wenn wir das Produkt des Zufallsspiels der Naturkräfte sind, dann ist das, was wir “Schönheit” nennen, nichts als eine in unser Gehirn programmierte neurologische Reaktion auf bestimmte äußere Reize. Wir finden z.B. eine bestimmte Landschaft nur deswegen schön, weil wir Vorfahren hatten, die wussten, dass sie in dieser Art Landschaft besonders leicht an Nahrung kommen konnten. Dank dieser neurologischen Programmierung überlebten sie, und jetzt haben wir diese Programmierung halt auch. Auch wenn wir Musik bedeutsam finden, ist dies eine Illusion, und genauso die Liebe. Wenn wir das Ergebnis blinder Naturkräfte sind, dann ist das, was wir Liebe nennen, einfach eine biochemische Reaktion, die wir von Vorfahren ererbt haben, die dank dieser Reaktion besser überlebten.”

Wir können hundertmal über die Sinnlosigkeit blinder Naturkräfte diskutieren, doch wenn wir vor Musik stehen und sie genießen, wissen wir, dass wir nicht einfach ein Produkt blinden Zufalls sind. Egal, was unser Gehirn über Sinn denkt, unser Herz redet eine andere Sprache, oftmals eine viel eindeutigere. Diese Gefühle in unseren Herzen, die jeder Mensch kennt, egal in welchem Stamm und in welcher Rasse er aufgewachsen ist, sind die Sehnsüchte eines Menschen nach Bedeutung und Ewigkeit. Diese Sehnsucht ist unstillbar, sie streckt sich aus nach Freude, Liebe und Schönheit, die durch noch so viel und so gutes Essen, Sex, Freundschaft oder Erfolg nicht gestillt werden kann. Es ist ein Fingerzeig auf das “Etwas”, das hinter dieser Welt existiert.

Beethoven – Symphony No.9 (10000 Japanese) – © arte Please take a look on my blog: niklasphotography.wordpress.com/ and my Photostream: www.flickr.com/photos/niklasphotography/ Sorry for the bad quality! 10000 Japans sing the ending choir of Symphony No. 9 by Ludwig van Beethoven. Ode to joy – Freude schöner Götterfunken (Schlusschor)

Kommentare

  1. sophie

    Ja, das kann man nicht leugnen daß die Schönheit und Ordnung in der Musik niemals durch Zufallserscheinung hervortreten kann.
    Gott existiert – und die edelsten Komponisten wußten von seiner Existenz und Liebe.
    Was aber sehr aufschlußreich ist in deinem Video, daß gerade Milliarden Chinesen sich aufmachen in deutscher Sprache Beethoven zu spielen, während hier in Deutschland der schlechte Geschmack dominiert. Da sieht man, das einiges bei uns schief läuft, vielleicht hat es damit zu tun, daß wir Gott nicht mehr die Ehre geben.

  2. david

    also ich kann auch einfach mal NICHT lesen,was die wissenschaf zum thema sagt, und ihr dann unterstellen, sie hätte keine erklärungen bezüglich des themas schönheit…
    schön aus der affäre ziehen, was?
    liebe IST ein biochemischer prozess, der in dieser form auch absolut sinn macht für die natürliche selektion. ebenso kunst und musik, auch wenn deren erklärung womöglich weniger simpel sind. das heißt noch lange nicht, dass es dafür keine erklärungen gibt… kunst beispielsweise beinhaltet in der regel immer einen interessanten hintergedanken, genau das zeichnet kunst nämlich aus… (die definitionen von kunst sind nicht sehr genau…) von daher sieht man knst immer gerne, weil man was interessantes, neues, möglicherweise lehrreiches sieht…
    es gibt auch ganze bücher über die hirnaktivitäten, die beim musikhören entstehen, und die diese auch erklären können.

    ganz besonders wichtig ist auch folgender faktor:
    vielleicht würde ein bestimmter musikgeschmal o.Ä. selektiv überhaupt nicht relevant sein, von daher wäre er bei jedem individuum einfach da. was nicht wichtig ist zum überleben, kann kommen und gehen wie es will. es gibt sogar leute, die gar keinen musikgeschmack haben, weil sie melodien nicht als solche erkennen können. warum genau, weiß ich nicht.

    schönheit kann SEHRWOHL evolutionär erklärt werden.
    die wahrheit ist nunmal nicht unbedingt total berauschend, wie es mit euren ach-so-mysischen “seelen” und wasauchimmer wäre…

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