“Die Hütte – Ein Wochenende mit Gott, gute oder schlechte Botschaft ?

Es ist wieder ein Bestseller auf dem Markt. Das Buch heisst "Die Hütte" (THE SHACK), ist ein Roman, und sein Inhalt ist sehr bedenklich. Es verdient nicht, als ein christliches Buch zu gelten und doch liegt es in der Schweiz bei verschiedenen christlichen Buchhandlungen an sehr prominenter Stelle auf.
Daniel Hames erteilte freundlicherweise seine Genehmigung, den vorliegenden Artikel ins Deutsche zu übersetzen. Die Seitenzahlen beziehen sich auf die amerikanische Originalausgabe von William P. Young, The Shack, Windblown Media, 2008. Die deutsche Ausgabe Die Hütte – Ein Wochenende mit Gott ist ab Juni 2009 im Buchhandel erhältlich.
William P. Youngs Erzählung Die Hütte – Ein Wochenende mit Gott (The Shack) erfreut sich in der ganzen Welt eines enormen Erfolges; sie zog sowohl größtes Lob als auch schwere Kritik auf sich. Über ihren Inhalt und ihre Theologie und die möglichen Ziele hinter ihrer Abfassung wurde bereits viel gesagt und geschrieben. Aus diesem Grund macht es wenig Sinn, erneut den Ort, die Handlung und die Personen vorzustellen; und so können wir uns sofort daran machen, den Inhalt des Buches zu untersuchen.
Young ist ehemaliger Pastor einer christlichen Denomination in Kanada und wurde an einem theologischen Seminar ausgebildet; die Theologie, die uns in seinem Buch Die Hütte – Ein Wochenende mit Gott begegnet ist daher kein Zufall: Young schrieb eindeutig mit einer Intention. Die Hütte will eindeutig spirituelle Inhalte vermitteln und insbesondere die Vorstellungen christlicher Leser herausfordern. Im Grunde ist das Buch mit Dan Browns Der Da Vinci Code (2003) vergleichbar oder mit Brian McLarens A New Kind of Christian (Eine neue Art von Christen, 2001), von McLaren als „narrative Theologie“ bezeichnet: eine Erzählung mit einer didaktischen (lehrhaften) Zielrichtung. Dies bedeutet, dass man bei einer Beurteilung von Die Hütte keine eindeutige Unterscheidung zwischen einer systematischen Theologie und einer Erzählung machen sollte. Natürlich sollte man Die Hütte als das lesen, was es ist; dennoch muss man sich vor Augen halten, dass Die Hütte – Ein Wochenende mit Gott mehr als nur die Erzählung einer bewegenden Geschichte ist.
Die Hütte ist definitiv eine Erzählung, aber sie verfolgt unstreitig das Ziel, dem Leser spirituelle Lehren zu vermitteln und sein theologisches Verständnis herauszufordern. Dies erfolgt auf zwei Gebieten: das Wesen Gottes (die Lehre der Dreieinigkeit) und das Problem des Leidens (insbesondere die Gerechtigkeit und Güte Gottes).
Gott als Trinität
Mack begegnet Gott in der Hütte (engl. shack), und es ist interessant, dass er drei körperlich sichtbaren Personen begegnet. Für einige Leser mag die Vorstellung von drei verschiedenen Personen (in der Trinität) nur sehr schwer vorstellbar sein, aber man muss einräumen, dass es für Mack einfacher zu verstehen ist, als (dem dreieinigen) Gott in Person eines alten Mannes mit Bart zu begegnen! Young beschreibt die tiefe Liebesbeziehung der drei Personen sehr bewegend, und einige Abschnitte seiner Darstellung sind sehr einnehmend (sein erstes Treffen in der Mitte des 5. Kapitels ist beispielsweise besonders einfühlsam und kreativ). Im Verlauf der Geschichte treten jedoch die Probleme bezüglich der Lehre der Dreieinigkeit Gottes immer deutlicher zutage; Gott wird von nun an nicht mehr als eine Dreieinigkeit dargestellt, sondern eher als eine Art pantheistischer Gott angedeutet (besonders die Abschnitte über den Heiligen Geist). Bezüglich der Einheit der drei Personen der Gottheit scheint Young in den Modalismus (wonach die drei göttlichen Personen bloße Erscheinungsformen des einen Gottes sind) zu verfallen. Es erweist sich als aufschlussreich, die Beschreibung der drei Personen der Trinität näher zu untersuchen.
Der Vater
Das Detail, das sofort ins Auge fällt und regelmäßig für Überraschung sorgt, ist, dass der Vater als afroamerikanische Frau mit korpulenter Figur dargestellt wird. Dies hat keine Ähnlichkeit mit dem SCM-Poster „Existiert Gott? Wenn ja, wie sieht sie aus?“ (eine im Grunde feministische Polemik); dennoch handelt es sich hierbei um ein absichtlich schockierendes und provozierendes Vorgehen. Papa scheint eine enge Beziehung zu The Oracle in The Matrix zu haben: Die Erscheinung einer afroamerikanischen Frau in ihrer Küche, wo sie Neo überrascht, spiegelt fast exakt Macks erstes Treffen mit Papa wider. Wie in The Oracle scheint Papas Aussage über Gott, die Realität und das Leiden eher an philosophisches Blendwerk und östlichen Mystizismus zu erinnern als an biblische Standpunkte, auf welche sich Christen normalerweise berufen.
„Papa“ erklärt, dass weder das Männliche noch das Weibliche für „ihr“ Wesen entscheidend ist und dass „ihr“ Erscheinungsbild von beidem einfach dem besseren Verständnis von Mack dient (S.93), folglich begegnet Papa später Mack als Mann, in einer Zeit, in welcher er einen Vater braucht (S.218). Dies ist ziemlich problematisch, da die Vorstellung, der Vater sei geschlechtslos eigentlich eine philosophische und nicht eine biblische Erklärung darstellt. Obgleich es Mode ist, die Männlichkeit als eine geschöpfliche Sache oder ein soziales Konstrukt anzusehen, bleibt die Tatsache bestehen, dass der Vater (der Bibel) sich grundlegend als „Vater“ und nicht als „Mutter“ oder als „Urgrund allen Seins“ offenbart hat. Young war sich dieses Einwandes offenbar bewusst und lässt Papa darauf antworten:
„… es gibt viele Gründe hierfür (für die Offenbarung als Vater), und einige sind sehr tiefgründig. Lassen Sie mich für jetzt sagen, dass wir wussten, dass wahre Vaterschaft wichtiger war als Mutterschaft, nachdem die Schöpfung zerstört worden war“ (S.94)
Dies jedoch ist noch bedenklicher, denn es scheint uns zu suggerieren, dass der Vater sich „für uns“ lediglich als der Vater darstellt, und dies erst seit dem Sündenfall; die Bibel indes lehrt die Vaterschaft in einem letztgültigen Sinn. Nirgends in Youngs Buch findet sich ein Hinweis, dass Papa auf irgendeine Weise ein Vater für Jesus ist (oder eine Mutter). Die Vaterschaft von Papa ist rein funktional, und sie zeigt weder die wahre Person auf, welche sich hinter den veränderlichen Gestalten verbirgt, noch die ewige Beziehung des Vaters zum Sohn, welche die Bibel als den Ursprung der Schöpfung selbst bezeugt.
Oberflächlich betrachtet, scheint das Buch Die Hütte sich darum zu bemühen, die Lehre der Dreieinigkeit zu entschlüsseln, was sich aber durchweg als verwirrend erweist. Während das Buch offensichtlich versucht, die drei Personen in einer liebenden Einheit darzustellen – ein lobenswerter Aspekt -, so unterliegt es bedauerlicherweise gängigen philosophischen Fallstricken und macht aus drei göttlichen Personen bloße Erscheinungsformen des einen Gottes. Auf Seite 99 wird Papa dargestellt, wie „sie sich erfreut, ganz an ihr selbst“ und Freude daran hat, „Ich bin Ich“ zu sein („Me being Me“), so als wäre Papa in ihr (sich) selbst die Gesamtheit der Gottheit, während Jesus und Sarayu (der Heilige Geist) abwesend sind. Man muss anmerken, dass aus Sicht der Bibel das Wohlgefallen des Vaters auf seinem Sohn ruht und nicht auf sich selbst (Jes.42:1-9, Mk.1:11); wenn wir sagen, dass Gott vor der Schöpfung „sich an sich selbst erfreute“, dann meinen wir damit, dass es sich um die Gemeinschaft der Dreieinigkeit handelt und nicht um eine individuelle Selbstakzeptanz oder Selbstversenkung (Joh.17.24). Young gibt sich mit einer „mathematischen“ Einheit zufrieden, welche in Wirklichkeit dem Schritt in den Modalismus gleichkommt, trotz der drei Personen (Gottes) in dem Buch.
Mehrfach wird die historische Form des Modalismus sehr offensichtlich, wenn Young schreibt, dass der Vater in dem Sohn Fleisch geworden ist. Am klarsten tritt dies auf Seite 99 auf, wo dies faktisch die Fleischwerdung des Heiligen Geistes einschließt:
„Als wir drei uns selbst durch das Wort in die menschliche Existenz als Sohn Gottes versetzten, wurden wir ganz Mensch. Wir entschieden uns, alle Begrenzungen auf uns zu nehmen, die dies mit sich brachte. Dennoch waren wir immer in diesem geschaffenen Universum gegenwärtig; zu jenem Zeitpunkt wurden wir Fleisch und Blut.“ (S.165, 201)
Dieses Zitat sollte uns zumindest alarmieren, da es sich hierbei um eine äußerst bizarre Darstellung der Natur Gottes und der Inkarnation handelt. Das Evangelium selbst ist bedroht, wenn wir die Ansicht vertreten, dass der „Sohn Gottes“ nicht eine ewige Person ist, die sich von der Person des Vaters in einer Beziehung innerhalb der Gottheit unterscheidet; ferner, wenn man davon ausgeht, dass es nicht nur der Sohn, sondern auch der Vater (und der Heilige Geist) war, der Fleisch wurde, dann kommt dies einer unerklärlichen Leugnung der Schrift gleich. Young kommt folglich zu dem Schluss, dass Papa, der Vater, auch gekreuzigt wurde. Mack berührt die Wunden an ihren (seinen) Handgelenken (S.95), und Papa sagt auf S. 96 über das Kreuz: „Hier waren wir alle vereint.“
Young propagiert offenbar die Lehre einer trinitarischen Kreuzigung, um es Mack verständlicher zu machen, warum Christus ausrief: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen“; Mack beschäftigte dies – wahrscheinlich weil ihm die Möglichkeit, der Vater könne Jesus verlassen, Angst einflösste. Papa berichtet Mack, dass „er Jesus niemals verlassen hatte, ganz gleich, wie er (Jesus) sich in diesem Moment gefühlt hat.“
An vielen Stellen des Buches zielt Young darauf ab, unser Verständnis der Schrift zu dekonstruieren (in diesem Fall, dass der Sohn den Zorn des Vaters am Kreuz auf sich nahm, um die Sünde zu tilgen); aber er versäumt es, eine alternative Auslegung anzubieten. Was geschieht wirklich in Matthäus 27:46 nach Youngs Ansicht? Wir werden im Dunkeln gelassen, und es entsteht der Eindruck, dass Young „hinter“ der offensichtlichen Lesart des Textes eine geheime Bedeutung erkennt. Vom Vater wird so gesprochen, als sei er am Kreuz und als leide er mit dem Sohn (S.103, 164). Einige Leser mögen einwenden, dass es sich hierbei sicherlich um einen kreativen Versuch handelt, um aufzuzeigen, dass die Erlösung ein trinitarisches Werk sei; jedenfalls wiegt die Betonung auf die Wundmale Papas zu schwer, als dass man dies einfach übergehen könnte. Young berichtet, dass Papa mit Jesus ans Kreuz genagelt wurde.
Die Lehre, dass der Vater Fleisch wurde und ans Kreuz genagelt wurde, begegnet uns im dritten Jahrhundert n. Chr. unter der Bezeichnung Patripassianismus: eine einzige göttliche Person offenbarte sich in drei verschiedenen Wesenheiten. Keinesfalls kann Young den Vorwurf entkräften, die gleiche Irrlehre zu verbreiten, indem er sich darauf beruft, in seinem Buch lediglich eine Unterhaltung zwischen Papa, Jesus, Sarayu und Mack in der Hütte zu schildern. Es ist beklemmend, wenn er diese Lehre in sein Buch aufnimmt, sei es aus Unwissenheit oder mit Absicht und sich gewissermaßen damit entschuldigen will, dass sein Buch eine Erzählung und kein theologisches Werk ist. Es besteht ein großer Unterschied zwischen den theologischen Bildern von C. S. Lewis Chroniken von Narnia und den Aussagen, welche Young hier darbietet. Es ist ein enormer Unterschied zwischen Lewis Beschreibung der Figur des Aslan als „Christus“ und Youngs Worten, die er in den Mund der göttlichen Personen legt! Während alle Illustrationen und Allegorien letztlich versagen (und sich darum von der theologischen Realität entfernen), erfordert Youngs betont lehrhafter Charakter seines Buches Die Hütte, dass er besondere theologische Sorgfalt und Kompetenz walten lassen sollte. In der Tat ist die Idee von Anfang an ein fragwürdiges Vorhaben, den Vater, den Sohn und den Heiligen Geist als Personen für eine Erzählung auszuwählen. Wenn Young die dreieinige Natur der Erlösung kreativ darstellen wollte, dann hätte es andere Möglichkeiten gegeben, um Leser mit geringem Unterscheidungsvermögen vor historischen Irrlehren zu bewahren.
Abschließend soll eine weitere von Youngs Dekonstruktionen der Lehre über die Sünde und den Zorn Gottes in seiner Beschreibung des Vaters angeführt werden. Auf den Seiten 119-120 erkundigt sich Mack bei Papa über die “Ausgießung der Zornesschalen und dem Werfen von Menschen in den Feuersee” (im Alten Testament) und ob Papa daran Freude hat. Young lässt Papa eher entrüstet antworten: „Ich bin nicht der, für den du mich hältst, Mackenzie. Ich muss die Menschen für ihre Sünden nicht bestrafen. Sünde selbst ist die Strafe und zerfrisst dich von innen her. Es ist nicht mein Ratschluss, sie zu bestrafen. Es ist meine Freude, sie zu heilen.“ Während Macks Frage ein verbreitetes Missverständnis der biblischen Lehre über Gottes Gericht aufwirft, gibt Young erneut keine alternative Auslegung für die biblischen Berichte von Gottes Zorn. Stattdessen wird die Vorstellung, dass Sünde ein Vergehen gegen Gott ist, welche Strafe nach sich zieht, einfach verharmlost. Warum drängt es Young dazu, das klare Zeugnis der Bibel zu diesem Thema außer Acht zu lassen in der Hoffnung, seine Leser von falschen Anschauungen eines willkürlichen und gedankenlosen Richters zu befreien? Der Grund ist, dass Young sich überhaupt nicht auf die Bibel beruft, weil er sich einem Universalismus verschrieben hat, der letztlich lehrt, dass das Heil durch Christus jedem Menschen gilt. Dies zeigt sich an den Bemerkungen Papas gegenüber Mack auf Seite 127, wo es heißt, dass das Böse nicht „gerichtet“, sondern „erlöst“ wird, und auf Seite 225, wo Young schreibt: „In Jesus habe ich allen Menschen ihre Sünden gegen mich vergeben, aber nur einige entschieden sich für die Gemeinschaft mit mir.“ James B. De Young kommentiert diesen Abschnitt: „Mack bringt seinen Glauben zum Ausdruck, dass Gott ‚die meisten Menschen zu einer ewigen Qual verdammt, fern von seiner Gegenwart und seiner Liebe.’ Aber die Erzählung schreitet voran, um deutlich zu machen, dass Mack einem falschen Glauben unterliegt!“
Während dies wie die Gute Botschaft klingt, so ist es dennoch keine Gute Botschaft, denn das Bild, welches durch das Buch Die Hütte vermittelt wird, charakterisiert Gott als eine Person, die uns vergeben hat, aber nichts tut, um uns nachzugehen. Es liegt an uns, die Gemeinschaft mit Ihm zu suchen. Die Gute Botschaft der Bibel ist, dass Jesus das verlorene Schaf sucht, es auf seine Schultern nimmt und es nach Hause bringt. Im Evangelium kommt der Herr und sucht uns, weil wir in unserer Sündhaftigkeit niemals aufbrechen würden, um Ihn zu suchen.
Die Lehre des Universalismus zieht sich durch das ganze Buch und bringt zum Ausdruck, dass niemand für seine Sünde am Jüngsten Tag bestraft wird und dass die Eigenschaft der Liebe Gottes immer Gottes Gerechtigkeit übertreffen wird. Das bedeutet, dass in der Erzählung alle Diskussionen über die Sünde, die Hölle und das Kreuz verzerrt dargestellt werden. Ich glaube, dass die Verbreitung dieser Botschaft Youngs primäres Ziel bei der Veröffentlichung seines Buches Die Hütte war.
Jesus Christus
Die Person Jesu wird phantasievoll und anziehend als ein fleißiger Holzarbeiter und Liebhaber der Natur vorgestellt; Mack fühlt sich zu ihm am meisten hingezogen. Es gibt einige schöne Abschnitte, wo Jesus sich an der Schöpfung erfreut und sein Wohlgefallen zum Ausdruck bringt, Mack zu begegnen. Aber auch hier gibt es eine Reihe von Punkten, über die man ernsthaft nachdenken muss. Dabei geht es vor allem um die Natur Christi als Mensch und als Gott. Papa erklärt Mack in einem Gespräch: „Jesus ist ganz Mensch. Dennoch ist er auch ganz Gott, niemals hat er sich seiner göttlichen Natur bedient, um irgendetwas zu tun. Er hat nur seine Beziehung zu mir ausgelebt, indem er in der gleichen Weise gelebt hat, wie ich mir eine Beziehung zu jedem Menschen vorstelle. Er ist lediglich die erste Person, die dies bis zum Äußersten getan hat – die erste Person, die auf mein Leben in ihm absolut vertraut hat, die erste Person, die an meine Liebe und Güte glaubte, ohne Rücksicht auf die äußeren Umstände oder Konsequenzen.“
„Und als er die Blinden heilte?“
„Er tat dies als ein abhängiger, begrenzter Mensch, der auf das Leben und die Kraft von mir in und durch ihn vertraute. Jesus hatte als ein menschliches Wesen keine Kraft in sich selbst, um irgend jemand zu heilen.“ (S.99-100)
Young mag sich auf eine Schriftstelle wie Johannes 5:19 berufen, um seine Lehre zu untermauern („Ich sage euch die Wahrheit: Der Sohn kann nichts von sich aus tun; er tut nur das, was er den Vater tun sieht, denn was immer der Vater tut, das tut auch der Sohn.“) Er übersieht jedoch die Tatsache, dass Johannes das ewige Leben Jesu beschreibt und nicht die Vorgänge bei seiner Fleischwerdung erklärt. Es entsteht ein Bild des Sohnes, der nur menschlich ist und niemals in seinem Erdenleben als Gott agierte, sondern alleine auf den Vater vertraute, in allem, was er tat. Der Rest des 5. Kapitels von Johannes widerspricht dem: Der Sohn empfängt Leben in sich selbst vom Vater (V.26), um es den Menschen zu geben. Das Leben gehört Jesus, und es ist sein Leben, um es zu geben, und aufgrund seiner vollkommenen Göttlichkeit können wir durch Jesus wahrhaft den Vater erkennen (Mt.11:27). Jesus von Nazareth, der auf die Kraft Gottes vertraute, war nicht nur ein menschliches Gefäß, andernfalls könnte er nicht die Offenbarung des wahren Menschen sein. Die Bibel zeigt, dass er die vollkommene Offenbarung Gottes ist und dass jene, die ihn nicht ehren, ebenso wenig den Vater ehren (Joh.5:23). Von Cyril von Alexandrien stammte der berühmte Ausspruch, dass „Gott auf den Straßen Nazareths wandelte.“ Es fällt auf, dass diese Wahrheit in der Christologie des Buches Die Hütte völlig fehlt.
Auf Seite 145 wird eine weitere ungewöhnliche Sichtweise über Christus deutlich. Young lässt Jesus sagen: „Hast du bemerkt, dass, obwohl ihr mich Herr und König nennt, ich niemals als ein solcher an euch gehandelt habe? Ich habe eure Entscheidungen niemals kontrolliert oder euch gezwungen, irgend etwas zu tun…“
Offensichtlich ist es Youngs Anliegen, die vielen Menschen, die mit dem Herrsein und der Königsherrschaft Jesu Probleme haben, von einem falschen Jesusbild zu befreien, das ihn als einen harten Meister darstellt. Aber wenn wir Jesus Herr und König nennen, bedeutet dies, dass er unbedingt herrschsüchtig über unser Tun wacht und uns als seine Untertanen knechtet? Erneut versucht Young die wahre biblische Lehre in Frage zu stellen und bleibt dabei vage, was er eigentlich beweisen will. Sein Argument ist freilich fadenscheinig: Christus ist Herr und König – und hoch erhaben mit einem Namen, der über allen Namen ist! Diese Wahrheit ist indes in der Bibel nie damit verbunden, dass Er sein Volk unterdrückt oder tyrannisiert. Wenn Young seine Leser ermuntern will, darüber gründlich nachzudenken, wie Christus sein Herrsein ausübt, warum lässt er offen, dass die Vorstellung (eines tyrannischen Gottes) unhaltbar ist? Später werden wir uns erneut dieser offensichtlichen Problematik der Autorität zuwenden.
Der Heilige Geist
Der Heilige Geist wird „Sarayu“ (Wind) genannt und als eine kleine asiatische Dame in einer leuchtenden Erscheinung beschrieben, so dass man sie einfacher erkennen kann, wenn man sie nicht direkt anschaut. Dies ist ein effektiver und kreativer Weg, um das Werk des Heiligen Geistes darzulegen, der von sich selbst weg auf die Herrlichkeit Christi hinweist (Joh.16:13-14). Sie ist die geheimnisvollste der drei Personen in der Hütte, und Young legt ihr einige der aufschlussreichsten Aussagen in den Mund. Sie wird von Papa auf Seite 110 wie folgt beschrieben: “Sie ist Kreativität; sie ist Aktion; sie ist der Atem des Lebens; sie ist viel mehr. Sie ist mein Geist.“ Dies ist interessant, denn diese Aussage enthält nichts, was auf den Heiligen Geist als eine Person hinweist.
Es ist unbedingt wichtig, an der Identität des Heiligen Geistes als eine individuelle Person in der Gottheit festzuhalten. Jesus vollbringt seinen Dienst unter der Salbung des Heiligen Geistes (Jes.42:1, 48:16, 61:1; Ps.2:2; Lk.3:22; Apg.10:38). Der Heilige Geist spricht von sich selbst und verwendet das Pronomen „Ich“ (Apg.13:2); Römer 8:16 sagt uns, dass der Heilige Geist unserem Geist Zeugnis gibt; Hebräer 9:14 bezeichnet Ihn als den „ewigen Geist.“
Es ist bedeutsam, dass Jesus seine Jünger in Matthäus 28 anweist, die Taufe im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes zu vollziehen. Den Heiligen Geist als eine unpersönliche Kraft zu definieren, kann aus der Schrift nicht bewiesen werden. Und obwohl Sarayu in Form eines Menschen mit Namen und Persönlichkeit präsentiert wird, bleiben Ungereimtheiten zurück.
Dieser Trend wird fortgesetzt und auf Seite 204 noch vertieft, als Sarayu über sich selbst, Papa und Jesus spricht: “Ich bin… Ich bin ein Verb. Ich bin, der ich bin. Ich werde der sein, der ich sein werde. Ich bin ein Verb! Ich bin lebendig, dynamisch, immer aktiv und in Bewegung. Ich bin ein seiendes Verb… mein eigentliches Wesen ist ein Verb.“
Die Vorstellung, „Gott sei ein Verb“, ist nicht neu und begegnet uns in den Wurzeln der Kabbala und anderen Formen des Mystizismus. Seltsam ist, dass Young sich dieser Quellen bedient und propagiert, dass „das Göttliche“ eine Kraft oder eine Gegenwart in allen Dingen ist. Auf Seite 198 werden diese Gedanken wieder deutlich, als Sarayu zu Mack sagt: „Du magst mich in einem Kunstwerk oder in der Musik oder in der Stille oder in Menschen oder in der Schöpfung oder in deiner Freude und deinem Leid erkennen.“
Noch offensichtlicher wird dies auf Seite 112: „Gott, der Urgrund allen Lebens, wohnt in allen, neben allen und durch alle Dinge – er wird letztlich in Erscheinung treten – und jeder Anschein, der diese Realität verschleiert, wird wegfallen.“ Der Sprecher ist Jesus, der über den Vater spricht (hier als „Elousia“ bezeichnet – ein zusammengesetztes Wort aus dem Hebräischen El [Gott] und dem griechischen ousia [Sein]).
Youngs Beschreibung des Heiligen Geistes zu Beginn und seine Definition der Gottheit im Folgenden macht deutlich, dass Die Hütte ein unitarisches-pantheistisches Gottesbild vermittelt, welches den “Vater”, den “Sohn” und den “Heiligen Geist” dem menschlichen Verständnis anpasst und damit weit davon entfernt ist, lediglich eine erfundene Erzählung über den dreieinigen Gott der Bibel zu sein. Während die Trinitätslehre oft als eine schwer verständliche Lehre angesehen wird, so sind die drei Personen der Gottheit, welche zu unserem Heil zusammenwirken, doch das Zentrum der Guten Botschaft der Christenheit. Die verdrehte Darstellung dieser Lehre in einer Erzählung, welche weltweit so populär geworden ist, sollte Anlass für eine Ernst zu nehmende Besorgnis sein.
Sophia
Es ist faszinierend, dass Mack auf eine vierte Person trifft; die drei anderen Personen (Vater, Sohn, Heiliger Geist) sind über diese Begegnung Macks mit ihr sehr enthusiastisch. Diese Person ist Sophia, die Verkörperung göttlicher Weisheit, und mit ihr erlebt Mack in dem entscheidenden 11. Kapitel eine entscheidende Erfahrung. Dieses Kapitel setzt sich mit dem Thema des Gerichts auseinander (ich glaube, dass dieses Thema der eigentliche Anlass für Youngs Buch darstellt), und in diesem Kapitel macht Mack den größten Fortschritt in seiner „Wiederherstellung“, als er auf Missy trifft (Macks Tochter). Dies ist befremdlich, da Sophia mehr Macht eingeräumt wird, eine Veränderung bei Mack herbeizuführen, als den drei anderen Personen der Dreieinigkeit (Vater, Sohn und Heiliger Geist). Tatsächlich bereiten die drei Personen (der Dreieinigkeit) scheinbar nur seinen Besuch bei Sophia vor, indem sie Kaffee und Kuchen machen, um ihn dann zu ihrem Grab zu geleiten und ihn auf eine Begegnung mit ihr vorzubereiten.
Sophias Gegenwart als eine „vierte Person“ ist irritierend und verwirrend; sie weist möglicherweise auf eine unitarische Gottesvorstellung hin, charakteristisch für das Buch Die Hütte. Dass eine vierte Person – „Weisheit“ – den größten Teil von Gottes Werk vollbringt, ist vermutlich eine Darstellung der philosophischen Überzeugung, dass Gott primär als eine göttliche Kraft oder Erkenntnis anzusehen ist, statt als Gemeinschaft von drei individuellen Personen. Jedenfalls kann sich niemand das kreative Vorrecht herausnehmen, der dreieinigen Gottheit eine weitere Person hinzuzufügen!
Was geschieht im Hintergrund?
Die treibende Kraft hinter der zugrunde liegenden Theologie von Young zeigt sich kurz an gewissen Stellen. Sarayus Gespräch über „Paradigmen, Einsichten und Emotionen“ auf S.197, Jesus Gedanken über Macht und Sünde auf S.147-148 und Sarayus Leugnung einer Hierarchie innerhalb der Dreieinigkeit auf S.122 lassen eher den Eindruck entstehen, der Text sei von Michel Foucault (französischer Philosoph und Psychologe) inspiriert, denn von der Bibel.
Ständig begegnet uns ein Misstrauen gegenüber (göttlicher) Autorität und Macht, welches sich durch das ganze Buch zieht; insbesondere kommt ein latenter Zynismus gegenüber dem historischen Christentum zum Ausdruck. Zu den Dingen, welche offensichtlich dem Spott ausgesetzt werden, gehören:
(1) die Gemeinde: „… Kirchenlieder am Sonntag und Gebete waren nicht länger wirkungsvoll, wenn sie es überhaupt jemals waren.“(S.66)
(2) Theologische Unterweisung: “Keine der alten theologischen Seminare waren im Geringsten hilfreich” (S.91)
(3) Lehre: „Dies war ein Schock für das religiöse System von Mack“ (S.100)
(4) Die Auslegung der Schrift: „Mackenzie, Religion gibt immer auf alles die richtigen Antworten… es gibt viele schlaue Leute, die viele schlaue Dinge in ihren Köpfen haben und sie aussprechen können, weil man ihnen gesagt hat, dass dies die richtigen Antworten sind, und dennoch kennen sie mich überhaupt nicht. Also wirklich, wie können ihre Antworten richtig sein, wenn sie nicht perfekt sind?“ (S.198)
Youngs offensichtliches Problem mit Autorität ist natürlich teilweise gerechtfertigt. Gefallene Menschen werden zu unvollkommenen Vätern und „Herren“; Menschen missbrauchen ihre Macht und kommen ihrer Pflicht nicht nach, Gottes Autorität über das Universum widerzuspiegeln. Dennoch geht die offene Verwerfung von Autorität durch Die Hütte (sei es nun biblische oder kirchliche Autorität), insbesondere der Autorität von Christus als König und Herr, zu weit. Dies ist in besonderer Weise Anlass zur Sorge, da das Evangelium Gottes Gnade verkündet, welche von Gott als Herrscher des Universums geschenkt wird und da die Heilsgewissheit des Gläubigen durch Christus, der zur Rechten des Vaters erhoben wurde, sichergestellt wird. Den im Wesentlichen übernatürlichen Charakter des Evangeliums zu leugnen, kommt der Leugnung der Gnade gleich. Die Liebe Jesu in dem Buch Die Hütte ist die Liebe eines Gleichgestellten und nicht die Liebe eines Königs, die sich niemand verdienen kann; Young erweckt fast den Eindruck, als ob Mack sich diese Liebe durch seinen Schmerz verdient hat.
Man muss keine lange Recherche im Internet über William P. Young machen, um herauszufinden, dass diese Themen ihm persönliche Schwierigkeiten bereiteten und ihn zu der Entscheidung führte, seine Gemeinde, welcher er vorstand, zu verlassen. Dies erklärt, warum Die Hütte in gewisser Weise autobiographisch, sicherlich reaktionär und bis zu einem gewissen Grad polemisch ist. Darum ist es wichtig, Die Hütte nicht als eine kreative Erzählung in einem Vakuum zu betrachten. Stattdessen denke ich, kann man aufzeigen, dass Youngs Ziel darin besteht, die Vorstellungen des Lesers über Gott und das Heil zu dekonstruieren und es ihm zu überlassen, sich sein eigenes Bild zu machen. Hierbei wird ein klarer Bezug zu einer Theologie der Erfahrung erkennbar anstelle einer Theologie, welche sich auf die Offenbarung des geschriebenen Wortes stützt; dies zeigt sich auf Seite 126: „Vertrauen ist die Frucht einer Beziehung, in welcher du erkennst, dass du geliebt bist. Weil du nicht weißt, dass ich dich liebe, kannst du mir nicht vertrauen.“
Menschlich gesprochen kann Vertrauen durch eine Beziehung geschaffen werden; dennoch sollen wir erkennen, dass Gott vertrauenswürdig ist, weil er sagt, dass er es ist (Rö.3:4). Unsere Erfahrung bestätigt dies, aber unsere Erfahrung ist nicht die Grundlage unserer Erkenntnis. In dem Buch Die Hütte wird der Erfahrung eindeutig der Vorzug vor der Offenbarung (der Schrift) gegeben, und dies ist äußerst gefährlich für die christliche Heilsgewissheit. Unsere Wahrnehmung von Leid und Schmerz in unserem Leben kann uns manchmal dazu führen, an Gottes Treue zu zweifeln: Nur die in der Schrift gegebene Verheißung wird unseren Glauben in solchen Zeiten fest machen. Warum sollte jemand den Vater als eine Dame namens „Papa“ darstellen oder den Heiligen Geist „Sarayu“ nennen? Warum sollte jemand Zweifel und Misstrauen in die Schrift säen, ohne zutreffende Argumente zu liefern? Die Antwort ist einfach: weil die offenkundige Offenbarung (der Schrift) nicht im Zentrum steht, sondern innere Erfahrungen. Warum sollte jemand die Lehre der Schrift über das Schicksal der Ungläubigen ignorieren und universelles Heil propagieren? Der Grund ist, dass die Offenbarung der Schrift für Young keine Autorität besitzt, sondern seine persönliche Voreingenommenheit bestimmt, was er glaubt.
Das Problem des Leidens
Während wir die Lehren über Gott und das Heil im ganzen Buch eingehender untersucht haben, ist das Hauptthema des Buches das Problem des Leidens. Es geht um die Geschichte von Mack, der den Kindesmissbrauch in seiner Jugend durch seinen Vater, seine unbesonnene Rache, indem er ihn vergiftete, seinen Verlust von Missy und die unterdrückte Schuld von Kate verarbeiten muss. Während das Buch Die Hütte über Vergebung, das Kreuz Christi und den Plan Gottes spricht, habe ich dennoch den Eindruck, dass das Buch letztlich die Frage des Leidens und des Bösen nicht überzeugend löst. Der eigentliche Beweggrund dafür ist, dass Die Hütte ein Bekenntnis Youngs zum Universalismus ist. Im ganzen Buch wird die Liebe als eine Eigenschaft von Gottes Wesen beleuchtet, welche alle anderen übertrifft, insbesondere Gottes Gerechtigkeit – niemand soll, so scheint es, am Ende mit der Gerechtigkeit und dem Zorn des Vaters konfrontiert werden. Wie wir gesehen haben, steht für Young fest, dass Christus nicht am Kreuz starb, um Gerechtigkeit herzustellen oder den Zorn Gottes abzuwenden.
Missys Missbrauch, Vergewaltigung und Mord sind schrecklich; dennoch scheint das Buch auf diese Fragen nur sehr oberflächliche Antworten zu geben – viele Leser haben die Meinung geäußert, dass diese Schilderung des Verlustes eines Kindes im Grunde bemerkenswert oberflächlich ist. Während Mack und dem Leser die Vorstellung einer universellen Versöhnung mit Gott und geliebten Personen als eine „Hoffnung“ angeboten wird, kann ich mich des Eindrucks nicht erwehren, dass das Buch die Leiden von Missy auf die leichte Schulter nimmt. Das gleiche gilt für den Kindesmissbrauch von Mack durch seinen Vater und ihre sonderbare kosmische Wiedervereinigung in Kapitel 15, was nur andeutungsweise beschrieben wird, so dass bei mir der Eindruck entstand, ich hätte einige Seiten ausgelassen! Es wird wenig über den Sündenfall als Ursache für Mord und Vergewaltigung gesprochen, und es wird größeres Gewicht auf den freien Willen des Menschen gelegt, der sich für etwas entscheiden kann, was gegen Gott gerichtet ist. Young zeichnet kein Bild von Gott, der eines Tages die Sünde und das Böse strafen wird; vielmehr vermittelt Young den Eindruck, dass Gott jemand ist, der die Fähigkeit besitzt, die Sünde und das Böse in ein Gemälde der menschlichen Geschichte hineinzuarbeiten, das am Ende wunderschön sein wird.
„… es gibt Millionen von Gründen für Schmerz und Verletzungen und Leiden als dass man sie auslöschen könnte, aber die meisten dieser Gründe kann man nur als die Geschichte einer individuellen Person begreifen… Eure Entscheidungen sind auch nicht stärker als mein Ratschluss, und ich werde jede Entscheidung, die du machst, letztlich zum Guten wenden und größte Liebe walten lassen.“ (S.125)
Ich glaube, dass eine solche oberflächliche und flüchtige Behandlung der Problematik des Leidens, der Gerechtigkeit und der Vergebung das zwangsläufige Resultat einer Theologie ist, die so fehlerhaft und begrenzt ist wie Youngs Universalismus.
Für das biblische Christentum ist das Kreuz der Schlüssel zum Verständnis der Liebe und der Gerechtigkeit Gottes, denn darin wird Gottes Entschlossenheit am deutlichsten, einerseits die Sünde zu richten und zu zerstören und andererseits seine Liebe zu zeigen, welche durch den Glauben an das Opfer Christi Versöhnung mit Gott schafft. Young hingegen schildert das Kreuz als eine Demonstration der Liebe und des Mit-Leidens Gottes. Während es zutrifft, dass das Leiden Christi ihn zu einem „treuen und barmherzigen Hohepriester machte, der mit unseren Schwachheiten mitfühlt” (Hebr.2), stellt Youngs Buch Die Hütte das Kreuz Christi nicht als die letztgültige Antwort auf die Frage nach Gerechtigkeit und Ungerechtigkeit dar. Stattdessen werden wir in pantheistische Vorstellungen verwickelt, welche mehr Fragen aufwerfen als beantworten und die Realität eines kommenden Gerichts, die Natur der Sünde und der Errettung und die Notwendigkeit von Glauben verdunkeln.
Schlussfolgerung
Trotz meiner anfänglichen Offenheit für das Buch Die Hütte und meiner Entschlossenheit, das Buch unvoreingenommen zu lesen und zu beurteilen, komme ich zu dem Schluss, dass die Inhalte sehr bedenklich sind. Ich dachte zuerst, dass es sich grundsätzlich um ein gutes Buch handelt, welches einige unbeabsichtigte (wenngleich ernsthafte) Fehler enthielt; nachdem ich es aber gründlich gelesen hatte, musste ich meine Meinung ändern. Leider kann ich das Buch nur als eine Schrift betrachten, welche in verdeckter Form den unitarischen Zweig des Universalismus vertritt, der von einer poststrukturellen Philosophie (Philosophie seit den 1960er Jahren, welche normative Vorstellungen in Frage stellt) und Einflüssen aus dem östlichen Mystizismus beeinflusst ist. Im Grunde verdient Die Hütte es nicht, als ein christliches Buch zu gelten.
Der dreieinige Gott wird zu einem monolithischen omnipräsenten “Verb” gemacht, die Natur Christi wird zerteilt und sein Kreuzestod von jeder Bedeutung entleert. Das Heil hat folglich nichts mehr mit dem persönlichen Glauben an Jesus zu tun, sondern gilt automatisch allen Menschen. Die Antwort auf das Problem des Bösen und des Leidens in der Welt hat nichts mit der Art von Gerechtigkeit Gottes zu tun, wie sie am Kreuz demonstriert wird, sondern es handelt sich um die Hoffnung, dass Gott unweigerlich alle unsere Entscheidungen dazu benutzt, um eine bessere Zukunft zu gestalten.
Die wahre Gute Botschaft, welche die Bibel uns als Trost in unseren Leiden verkündet, geht über die Gewissheit hinaus, dass Gott gut ist oder dass er alles zu einem guten Ende führen wird. Es ist auch mehr als der Trost, dass Jesus mit uns gelitten hat. Es geht um das Leiden Jesu für uns am Kreuz, indem er die Sünden der Menschheit auf sich genommen und das Böse besiegt hat, das uns und das Universum befleckt hat. Es geht um die große Verheißung des Evangeliums, dass alle, die auf Christus vertrauen, von ihrer Schuld befreit werden und mit Ihm vereinigt werden können, um mit dem dreieinigen Gott in einem erneuerten und geheiligten Universum ewig Gemeinschaft haben zu können. Im Evangelium erscheint Gott wirklich, um unter seinem Volk und in seiner Schöpfung zu wohnen – nicht um Kaffee zu kochen, sondern um die Tränen seines Volkes wegzuwischen, den Tod zu besiegen und dem Leiden ein Ende zu bereiten. Der, der „alles neu macht“, ist das Lamm Gottes, das für die Sünde der Welt geopfert wurde; und er ist der Anfang und das Ende aller Dinge, er ist der, mit dem alle Gläubigen für immer verbunden sein werden (Offb.21:1-8). Dies ist eine bessere Erzählung und eine weit bessere Botschaft als die des ohnmächtigen Gottes in dem Buch Die Hütte.
Einige Fragen, die möglicherweise gestellt werden
Sicherlich willst du damit nicht sagen, dass alles schlecht ist?
Es stimmt, wenn man sagt, dass eine Reihe von Abschnitten des Buches warmherzig und gewinnend sind, indem sie auf kreative Weise einige Wahrheiten über Gottes Liebe für die Welt und die Realität der Nachfolge Christi vor Augen malen. Wägt man jedoch den gesamten Inhalt ab, muss ich zu dem Schluss kommen, dass das Buch wenig hilfreich, wenn nicht sogar schädlich ist. Ich mache das nicht nur an seinem Inhalt fest, sondern auch daran, was das Buch nicht sagt und an seinem allgemeinen Charakter. Ich denke nicht, dass ich es mit gutem Gewissen jemandem empfehlen könnte, der durch wirkliches Leid geht.
Beruhige dich! Es ist doch bloß eine Erzählung!
Ein Einwand ist, dass Die Hütte in erster Linie eine Erzählung ist und als solche angesehen werden sollte. In gewisser Weise trifft dies auch zu. Der Großteil des Buches besteht aus Dialogen, und es hat sich nicht zum Ziel gesetzt, Begriffe genau zu definieren, Lehren zu beleuchten und die Schrift zu interpretieren, wie es ein nicht-belletristisches Buch tun würde, da letztere Art von Büchern gewöhnlich nicht in Form eines Dialogs geschrieben werden.
Die Hütte wird insgesamt als ein Buch gelesen und vermarktet, welches die Vorstellung des Lesers über Gott und das christliche Leben verändert. William P. Youngs eigene Webseite (www.windrumours.com) wirbt für das Buch unter der Überschrift “Gott, wie Sie ihn nie zuvor gesehen haben”, womit eindeutig die angestrebte Frucht der Lektüre des Buches vorweggenommen werden soll. Viele Leser berichteten, dass das Buch ihnen Tränen entlockte, als sie in eine neue Beziehung mit Gott eintraten. Ein Leser schreibt auf Youngs Webseite: „Ich konnte es nicht mehr aus der Hand legen. Es traf mein Herz auf jeder Seite, die ich aufschlug. Ich weinte vor Zustimmung, Begeisterung, Hoffnung, Freude, Kummer und wegen der Schönheit, mit der Papa beschrieben wurde. Ich erkannte ihn, wie Sie ihn beschrieben haben, und ich liebe ihn so sehr. Ihr Buch ist überwältigend und sehr zutreffend (was meine Meinung und meine Erkenntnis darüber angeht, was ich über Daddy weiß).“
Die Leser des Buches berichten nicht nur, wie Die Hütte ihr spirituelles Leben verändert, sondern es ist auch faszinierend zu sehen, wie sie die Sprache und die Namen Gottes aus dem Buch in ihrer eigenen Christus-Nachfolge übernehmen.
Einige Leser verwechseln die Erzählung scheinbar mit der Realität:
„Sehr geehrter Herr Young, ich habe Ihr Buch, Die Hütte, gelesen, und es hat mir vollkommen GEFALLEN! Es war unglaublich. Es veränderte mich. Danke, danke, dass sie es Gott erlaubt haben, durch Sie und Mack zu wirken, um dieses Buch zu verfassen. Es berührte mich in einer Weise, wie ich es zuvor niemandem erlaubt habe, mich zu berühren. Sagen Sie Mack, dass ich es schätze, dass sie bereit waren, seine Geschichte zu erzählen. Und IHNEN vielen Dank, dass Sie es geschrieben haben. Gott segne Sie.“
Wenngleich dieses Buch eindeutig nur eine Erzählung ist, so gibt es dennoch eine Vielzahl von Lesern – und von Vermarktern -, welche sagen, dass die Lektüre dieses Buches ihr spirituelles Leben verändert hat.
Ein Autor kann sich seiner theologischen Verantwortung oder dem Gebot der Bibeltreue nicht entziehen, indem er sich auf den „erzählenden“ Charakter seines Buches beruft. Ein Kind, das zuhause flucht, wird getadelt, und es kann sich nicht damit entschuldigen, dass es Worte aus einem Film zitiert. Es ist naiv zu denken, dass man die Ursprünglichkeit künstlerischen Ausdrucks auf die Ebene der Wahrheit hebt – ein Zeichen für den Relativismus, der in den letzten Jahren in der modernen westlichen Welt so überhand genommen hat. In Wahrheit dürfen wir uns nicht die Freiheit nehmen, mit unserer künstlerischen und kreativen Ausdrucksweise, eigene Vorstellungen von Gott und Gottes Wahrheiten zu propagieren, was christliche Frömmigkeit angeht; und keinesfalls dürfen wir im Widerspruch zu Gottes Offenbarung stehen, ganz gleich, was unsere persönlichen Erfahrungen uns glauben machen wollen. Tatsächlich müssen wir alles an der Schrift prüfen, ob es sich um ein Gespräch, ein Gemälde, eine Predigt oder eine Erzählung handelt.
Aber mir gefiel es – es half mir, und ich weiß, es hat anderen geholfen
Meiner Meinung nach ist es wichtig, genau darüber nachzudenken, was Sie meinen, wenn Sie sagen, dass das Buch Ihnen „geholfen“ hat. Hat es ihnen gezeigt, dass Gott aus drei Personen besteht, die eine Liebesgemeinschaft bilden? Wenn ja, dann verwundert es mich, dass dies für Sie neu ist. Es gibt viele Bücher über die Trinität, die besser sind als Die Hütte. Hat das Buch Sie ermutigt, als Sie Gottes bedingungslose Liebe erkannt haben und dass er in Ihren Schwierigkeiten bei Ihnen ist? Wenn ja, dann frage ich mich, warum sie Die Hütte brauchen, um Ihnen das erneut vor Augen zu führen; es gibt viele Bücher, die das gleiche lehren und nicht von der Bibel abweichen.
Grundsätzlich glaube ich, dass Die Hütte in gewissen Punkten sehr treffend und überzeugend ist und die Leser sich emotional angesprochen fühlen; aber der Trost des Buches ist nicht real, die Verheißungen des Buches sind vage, und letztlich gibt das Buch keine Antwort auf die Frage des Leidens. Ich würde es niemandem als Hilfe für schwierige Zeiten empfehlen.
Gibt es Alternativen für Die Hütte – Ein Wochenende mit Gott?
Ja, hier einige Empfehlungen.
Das eigentliche Thema des Buches ist das Problem des Leidens und der Gewissheit, dass Gott in unserem Leid mit uns und für uns ist. Traurigerweise enthält Youngs Universalismus keine Theologie des göttlichen Gerichts; das Kreuz spielt nicht wirklich eine Rolle bei der Suche nach einer Antwort auf das Leiden und das Böse in der Welt. Also wäre es gut, beim Verständnis des Kreuzes zu beginnen. Lesen Sie Mark Meynells Buch Cross Examined oder diesen Artikel auf Theology Network: Theology of the Cross: Subversive Theology for a Postmodern World? von Graham Tomlin.
Die Souveränität Gottes und seine liebende Fürsorge über die Schöpfung ist ein zentrales Thema. Lesen Sie hierzu diesen Artikel auf Theology Network: An Introduction to Sovereignty.
Wenn Sie sich mit der Dreieinigkeit beschäftigen wollen, versuchen Sie es mit dem Buch von Tim Chester Delighting in the Trinity, oder hören Sie Mike Reeves Predigtreihe auf Theology Network.
Suchen Sie ein Buch, welches Trost spendet, warmherzige und wohltätige Medizin aus dem Evangelium: Richard Sibbes, The Bruised Reed (dt. Ausgabe: Geborgen in Ihm, 3L Verlag), ist unübertroffen.
Und als Ausgewogenheit zu dem Buch Die Hütte gibt es einen Mann im Buch Hiob, der wie Mack, vieles erlitten hat, und mit einer toten Religion und seichten Antworten konfrontiert war; aber er begegnete Gott und ging geheilt und verändert aus dieser Situation hervor. Die Antworten des Buches Hiob unterscheiden sich deutlich von den Darlegungen Youngs."
Originaltitel des Artikels: The Shack: good news or bad story?
Autor: Daniel Hames
Quelle: URL: https://www.theologynetwork.org/the-holy … -story.htm.

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