“Er widmete sein Leben dem Fussball, dem Alkohol und den Frauen . . .”
Etwa 100 000 Fans kamen zu George Bests Beerdigung am 3. Dezember 2005.
»Bestie« war wirklich der Beste!
Wenn sich britische Fußballfans in irgendeinemPunkt einig sind, dann darin, dass George Best das größte Talent war, das die Britischen Inseln jemals hervorgebracht haben.
Mit 17 Jahren feierte er sein Debüt bei Manchester United.
Bereits in seiner ersten vollen Saison schoss er den Club zur englischen Meisterschaft und gewann mit »ManU« als erstem englischem Verein den Europapokal der Landesmeister.
Die Fans lagen ihm zu Füßen, wenn er mit seiner Kaltschnäuzigkeit, seinen Haken und Körpertäuschungen auch die härtesten Verteidiger wie Slalomstangen umkurvte und seine Aktionen mit einem Tor abschloss.
Er konnte sensationell dribbeln, aus den unmöglichsten Situationen ein Tor erzielen, und oft entschied er Partien fast im Alleingang. 1968 schoss er in der Liga 28 Tore, wurde Englands Fußballer des Jahres und schließlich auch zu Europas bestem Fußballer des Jahres gewählt.
Der legendäre Pelé hielt Best für den besten Fußballer der Welt, und sein Freund Rodney Marsh äußerte einmal über ihn: »Best war der schnellste, intelligenteste und zerstörerischste Spieler, den es je gab. Es gab keinen
mutigeren Spieler als ihn. Er konnte den Ball mit dem Kopf spielen, Tore schießen, Pässe spielen – beidfüßig natürlich. Und er hatte eine unglaubliche Kondition.«
In sechs Spielzeiten bei Manchester United erzielte Best 115 Tore in 290 Spielen.
Einmal verriet er: »Ich habe immer davon geträumt, den Torhüter auszuspielen, den Ball auf der Torlinie zu stoppen, mich hinzuknien und ihn dann mit dem Kopf ins Tor zu befördern. Bei meinem Spiel gegen Benfica Lissabon hätte ich das fast getan. Den Keeper hatte ich hinter mir gelassen, aber dann habe ich gekniffen. Der Trainer hätte sicher einen Herzinfarkt bekommen.«
Doch der Ruhm hatte seinen Preis und die Aufmerksamkeit der Medien forderte ihren Tribut. Allmählich erwarb er sich einen Ruf als Nachtclub-Besucher und Trinker. Immer wieder verprügelte er Frauen. Mit 27 Jahren musste er bei Manchester United seine Karriere beenden, weil er mehrfach betrunken zum Spiel erschienen war, Spiele geschwänzt hatte oder tagelang spurlos verschwunden war.
Best selbst erzählte gelegentlich von einem Pagen, der in dieser Zeit mit dem Frühstück in sein Hotelzimmer kam, während er mit der damaligen »Miss World«, einer großen Flasche Champagner und mehreren Tausend englischen Pfund, die er in der Nacht beim Spielen gewonnen hatte, im Bett lag. Schockiert von dem Anblick habe der Page ihm zugerufen: »George, wann ist denn bloß alles schief gelaufen?«
George Best starb im Alter von 59 Jahren im Londoner Cromwell-Krankenhaus. Todesursache: Alkoholismus, ein schweres Leberleiden, zuletzt eine Nieren- und Lungenentzündung und innere Blutungen.
Tausende Fans legten vor dem Krankenhaus ein Meer von Blumen, Trikots und Schals nieder. Am 3. Dezember 2005 wurde Best in Belfast beerdigt. Etwa 100 000 Menschen gaben ihm die letzte Ehre. Die Medien berichteten
von einer der größten Beisetzungen Englands.
Tony Blair sagte in einem Nachruf: »Wer ihn auf dem Platz hat spielen sehen, wird ihn niemals vergessen.«
George Best selbst soll einmal rückblickend über seinen Lebensstil gesagt haben: »Ich habe viel Geld für Alkohol, Mädchen und schnelle Autos ausgegeben – den Rest habe ich einfach verschleudert.«
Die großartige Beerdigung und die Lobeshymnen bei
und nach seiner Beisetzung können jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass George Best tatsächlich nicht nur sein Geld, sondern vor allem sein Leben verschleudert hat.
Der Nachruf einer deutschen Nachrichtenagentur hat das Leben dieses Ausnahme-Fußballers treffend auf den Punkt gebracht: »George Best, wie der Name schon sagt, der beste britische Fußballer aller Zeiten, ist im Alter von 59 Jahren gestorben, nachdem er sein Leben dem Fußball, den Frauen und dem Alkohol gewidmet hatte.«
Ewiger Ruhm?
Gut möglich, dass diejenigen, die Best zu Lebzeiten haben spielen sehen, ihn so schnell nicht vergessen werden. Die Frauen, die er verprügelt hat, werden ihn wahrscheinlich auch lange in Erinnerung behalten. In
50 Jahren jedoch wird sich kaum noch jemand an seinen Namen erinnern.
Ist Popularität ein sinnvolles, erfüllendes Lebensziel, für welches sich ein hundertprozentiger Einsatz lohnt?
Selbst wenn unser kurzes Leben in soliden Bahnen verläuft und – wie im Fall von Fritz Walter – ein Fußball-Stadion nach uns benannt würde, hätten wir doch unser Lebensziel verfehlt! Der Tod ist eben nicht der Schlusspunkt unseres Lebens, wie viele meinen, sondern das Ende der »Qualifikationsrunde«, die über unsere ewige Zukunft entscheidet.
