Lieber Atheist:

„Wie kann ich einem Gott vertrauen, der die menschliche Natur mit so vielen Fehlern schuf und so viel Leid zulässt?“

Lieber Atheist, so bringt das nichts. Das Gespräch ist sinnlos, denn das kann niemand erklären. Warum? Weil Gott das nicht getan hat. Nicht Gott hat Falsches erschaffen. Nicht er ist für meine Fehler verantwortlich, sondern ich. Und nicht er ist für Deine Fehler verantwortlich, sondern Du.
Wenn Du Dich mit dem Christentum auseinandersetzen willst, bringt es nichts, abwegige Voraussetzungen zu postulieren und von ihnen aus zu urteilen.
Die Idee eines Gottes, der für jeden Zustand seiner Schöpfung verantwortlich zeichnet, ist nicht christlich. Sie ist stattdessen ziemlich genau das Gegenteil des Christentums, in dem nicht Gott eine unvollkommene Schöpfung ins Leben rief, sondern eine vollkommene, die sich selbst von ihm abwandte und die nun von ihm sozusagen zurückerobert wird.
Es ist das Wesen des Christentums, dass es etwas zu korrigieren gibt: die Sünde. Dass es jemanden zu korrigieren gibt: Dich und mich. Wenn Du von Christentum redest, beachte seine innere Logik: die der perfekten Schöpfung, des Abfalls und der Rettung. Beachtest Du sie nicht, redest Du von etwas anderem.

Wenn Du jetzt die Frage stellst, wie denn eine Schöpfung perfekt sein kann, die sich selbst derart zu pervertieren in der Lage ist, verstehst Du nicht, wie hoch Gott Dich einschätzt und wie groß er Dich geschaffen hat. Undenkbar für ihn, Dich so zu erschaffen, dass Du automatisch gut bist, ihn automatisch liebst. Es wäre überhaupt keine Liebe, nicht einmal Dressur. Es wäre nett, aber inhaltslos. Deine Liebe zu ihm würde sich gut anfühlen, aber sie wäre nicht echt, denn Du hättest gar keine Wahl. Wärst Du mit einer ewigen Selbsttäuschung glücklich?
Nein, der christliche Gott erschafft freie und verantwortliche Menschen. Menschen, die aufgrund ihrer Freiheit liebesfähig sind. Menschen, die er in ihrer Freiheit so ernst nimmt, dass er sie laufen lässt, auch wenn sie irren. Und die er so sehr liebt, dass er ihnen nachläuft, bis ins Leid hinein.

Lieber Atheist, das Christentum ist ein Drama, keine Happy Hour, und es geht einher mit Freiheit und Verantwortlichkeit. Der Mensch ist groß vor Gott, keine Marionette. Der Mensch kann verloren gehen: im Christentum geht es um nicht weniger als um Leben und Tod. Um das ewige Leben und den ewigen Tod. Darunter tut Gott es nicht. Wer die heile Welt sucht, in der der Mensch nicht bös sein kann, sucht nicht Gott, sondern ein privates Idealbild, das nett und bequem ist und den vermeintlichen Vorteil hat, dass man unschuldig ist. Zum Christentum gehört Mut: anzuerkennen, dass man schuldig ist. Wer bereit ist, sich dieser Tatsache zu stellen und sie nicht verzweifelt wegzudiskutieren versucht, dem beginnt sich zu erschließen, was Gott auf Golgota tat. Ohne dass Du begreifst, dass Du Sünder bist, wird Dir das Christentum fremd bleiben.

Du hast die Wahl: Erlösung light, die darin besteht, dass es keine Schuld gibt und ein netter Gott alles schön macht, oder Erlösung pur, die vor nichts die Augen verschließt, schon gar nicht vor Deinen Fehlern.
Erlösung light ist das Gottesbild, das sich die meisten Atheisten wünschen. Es hat im Christentum nichts verloren sondern ist eher etwas für Menschen, die den Blick in den Spiegel im Lichte Gottes nicht aushalten wollen, die eigene Schuld lieber wegdiskutieren und Gott leugnen, weil er nicht ist, wie sie ihn gern hätten.
Erlösung pur ist etwas für Mutige, die es wagen, die Seele zu öffnen für den, vor dem sie zugeben müssen, nicht zu sein, wie er sie will. Und die bereit sind, sich das schenken zu lassen, was ihnen fehlt. Das kann weh tun.

Ja, das Christentum hat mit Leid zu tun – nicht weil es das Leiden fördert, sondern weil es das Leiden bei seiner Wurzel packt. Es geht niemals darum, das Leid zur Tugend an sich zu machen. Es kann aber durchaus sein, dass man die Ursache des Leids erkennt, die Sünde, und Gott dabei hilft, diese Ursache auszuräumen. Ein Blick nach Golgota reicht, um zu wissen, dass das Leid bedeuten kann. Doch nicht, weil es gut ist, zu leiden, sondern weil es besser ist, zu leiden und zu lieben als nicht zu leiden, aber auch nicht zu lieben. Ein Christ kann Leid eher akzeptieren, weil er weiß, dass es endlich ist, die Liebe aber unendlich.
Letztlich bekommt der Christ genau das, wovon Du träumst, lieber Atheist: die heile Welt. Doch nicht eine automatisch heile kleine Erdkugel, die man ein knappes Jahrhundert bestaunen darf, um danach im Nichts zu verschwinden, sondern das wahrhaft heile Sein, das ehrliche und aufrichtige und herrliche Sein, dass die eigene Heilung einschließt und mit dem Tod nicht endet.

Wenn Du, lieber Atheist, also mit Deinem Katalog an Forderungen kommst, die nicht zu Gott passen, mit Deinen Fragen, die eigentlich schon ablehnende Antworten sind, mit Deinem Gottesbild, das das Resultat will, ohne den Weg zurückzulegen, dann mache Dir bitte klar, dass Du über alles Mögliche redest, aber nicht über das Christentum. Du musst meinen Glauben nicht teilen. Nur begreife, dass Du nicht die Christen verantwortlich machen kannst, wenn sie Dir nicht die Fragen beantworten, die Du aufgrund einer nichtchristlichen Logik stellst. Würdest Du Dich bei BMW beschweren, wenn Dein selbsterdachter Motor nicht läuft? Mache Dir den Unterschied klar. Das macht Gespräche leichter. Und zudem: soviel Logik solltest Du Dir wert sein. [Von Bastian]

Kommentare

  1. ali

    „Du kannst mit allen Wassern der Philosophie gewaschen sein. Du kannst dich mit Bier oder Schnaps vollaufen lassen und deine Adern mit Drogen vollpumpen. Du kannst aus dem Ozean der Weltreligionen Weisheit schlürfen. Du kannst aus den trüben Tümpeln der Horoskope und Wahrsager saufen. Du kannst das eiskalte Wasser des Atheismus, der Gottesleugnung schlucken – aber deine Seele wird dabei verdursten.“

    Theo Lehmann

  2. Stefan Wehmeier

    Der christliche Glaube wirkt gerade nicht als Opium. Im Gegenteil ermöglicht der christliche Glaube eine viel tiefere und realistischere Sicht der Dinge als etwa die Ideologie von Marx und Lenin. Denn die, so hat es auch die Geschichte gezeigt, ging aus von einer völlig falschen Sicht des Menschen, von der Hoffnung, der Mensch sei in seinem Wesen letztlich doch gut und könne zu einem wahrhaft guten, eben sozialistischen Menschen erzogen werden, dem Egoismus, Habgier und Machtstreben schließlich ganz fremd seien. Und als sich diese falsche Sicht des Menschen in der Praxis nicht umsetzen ließ, entwickelte nun gerade diese marxistische Ideologie ganz massiv religiöse Züge: Der Glaube an den Fortschritt hin zu einem kommunistischen Paradies wurden den Menschen nun selber gleichsam als Opium angeboten, um von den irrsinnigen Opfern an Menschen abzulenken, die für das Erreichen dieses so wunderbaren Zieles angeblich notwendig waren – und um auch abzulenken von der Tatsache des Todes als solcher, auf die der Marxismus selber eben keine Antwort geben kann.
    Der christliche Glaube sieht den Menschen viel realistischer: Er weiß, dass staatliche Ordnungen nicht mehr vermögen, als die Bosheit des Menschen einigermaßen in Schranken zu halten. Und er weiß auch, dass eine wirkliche Veränderung des Menschen nur durch den Glauben möglich ist – dass diese Veränderung hier auf Erden aber immer nur unvollkommen bleibt und vor allem auch nicht durch staatliche Maßnahmen durchgesetzt werden kann. Dem Marxismus kann man von daher am wirksamsten wohl in der Praxis begegnen, gerade auch in der Praxis des christlichen Glaubens. Vielleicht macht es jemanden, dem immer eingebläut wurde, Religion sei doch nur Opium für das Volk, nachdenklich, wenn er sieht, wie Christen sich um andere Menschen und auch um Belange der Gesellschaft kümmern, und wenn er dann auch mitbekommt, warum wir dies tun: Als Christen glauben wir wie die Marxisten an ein kommendes Paradies. Aber wir glauben eben auch, dass nicht wir dieses Paradies schaffen müssen, sondern dass Gott allein diese Wende zu einer neuen Welt herbeiführen wird, die uns auch jetzt schon unseren Tod mit anderen Augen wahrnehmen lässt. Und gerade darum sind wir als Christen frei von einer völligen Überforderung, selber leisten zu müssen, was wir gar nicht leisten können – und damit auch frei, um für andere Menschen und für unsere Welt das zu tun, was uns möglich ist. Dazu sind wir in der Lage, weil unser christlicher Glaube eben gerade nicht wie Opium wirkt, sondern wie Dynamit.

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