Marie: Ich war ein Nachtclub-Girl

Mein Leben begann schon früh sehr turbulent. Aus Respekt vor meinen Eltern und vor allem meiner Mutter möchte ich nicht näher darauf eingehen.
Das Mutterdasein war für sie jedenfalls aus verschiedenen Gründen keine leichte Sache. Schon früh musste ich sehr selbstständig sein. Das ist
auch der Grund dafür, dass ich in meiner Kindheit und Jugendzeit nur wenig Geborgenheit erfuhr. Ausführlicher erzählen möchte ich ab dem Zeitpunkt meiner Schwangerschaft. Als ich davon erfuhr, war ich 17 Jahre alt und steckte mitten in dem

Die Schule hatte eine hohe Priorität für mich: Ich war gut und wollte Karriere machen. Als mein Sohn dann auf die Welt kam, brach ich
die Schule jedoch ab. An der letzten Prüfung habe ich nicht mehr teilgenommen, sondern bin bei meinem Kleinen geblieben.
Mein damaliger Freund, unser Sohn und ich lebten gemeinsam in einer schönen kleinen Wohnung. Unser Kind war gesund, sein Vater machte mir
einen Heiratsantrag. Von außen betrachtet schien alles perfekt, auch wenn wir sehr jung waren. In mir drin sah es jedoch ganz anders aus, mein Herz war zerrissen. Neid überkam mich. Mein Partner konnte sein vorheriges Leben normal weiterführen:
Abitur, Hobbys, Freunde treffen und vieles mehr. Die Folge meiner unbegründeten Eifersucht und meines Neides waren schwere Depressionen. Das Jugendamt greift ein
Als der Kleine drei Monate alt war, ging unsere Beziehung in die Brüche, mein Freund packte seine Sachen. In dieser Zeit war unser Sohn kurzzeitig
bei seinen Großeltern. Die Depressionen erreichten ihren Höhepunkt – und die Großeltern wollten mir meinen Sohn einfach nicht mehr zurückgeben!
Als ich die Polizei einschaltete, verwies diese mich nur an das Jugendamt. Die zuständige Dame dort kam schnell zur Sache. Ihre erste Frage an meinen Partner war: „Nimmt die Mutter Ihres Kindes Drogen?“ Er antwortete: „Kann sein.“ Daraufhin entschied sie: „Okay, dann bleibt der Kleine jetzt beim Vater.“ Drei Monate lang durfte ich mein Kind nur zwei Stunden in der Woche unter Aufsicht des Jugendamtes sehen. Ein Drogentest wurde nie gemacht. Zu diesem Zeitpunkt meines Lebens hatte ich noch keine Erfahrung mit Drogen.
Als ich gerichtlich gegen diese Ungerechtigkeit vorging, spürte ich während der Urteilsverkündung das Mitleid des Richters, der zu mir sagte:
„Sie haben weder familiären Rückhalt noch finanzielle Unterstützung, sind zudem noch sehr jung. Ich möchte Ihnen das Sorgerecht nicht wegnehmen. Aber das Aufenthaltsbestimmungsrecht kann ich Ihnen unter diesen Umständen nicht zusprechen.“

Alle Mütter und Väter, die das lesen, werden ansatzweise erahnen können, was in diesem Moment in mir zerbrach. Ich war fassungslos. Nur noch jedes zweite Wochenende durfte ich meinen Kleinen sehen, ihn riechen, mit ihm sprechen und eine Beziehung zu ihm aufbauen. Mein Leben verlor in diesem Moment jeglichen Sinn für mich.
Dann begann ich eine Ausbildung. Ungefähr drei Monate nach der Urteilsverkündung des Gerichts entschied das Jugendamt, dass mein kleinerer Bruder nicht mehr bei meinen Eltern leben könne. So nahm ich ihn auf, musste jedoch nebenher in einer Kneipe jobben, da mein Azubi-Gehalt für Miete, Essen und Trinken einfach nicht ausreichte. Zwei Jahre lang arbeitete ich sieben Tage in der Woche, damit wir von etwas leben konnten. In dieser Zeit lernte ich Leute kennen, die mich dazu brachten,
meine Probleme mit Alkohol zu verdrängen. Und ich fühlte mich nur dann geliebt und wertvoll, wenn ich mir sexuelle Anerkennung bei Männern
holen konnte. Abends nach der Arbeit ging ich in Nachtclubs, traf mich mit Männern, log und betrog. Mein Hauptziel war es, dass jeder mich mochte und mir Respekt und Anerkennung entgegenbrachte. Was über mein Verhalten hinter meinem Rücken geredet wurde, bekam ich nicht mit und
realisierte ich nicht.
In dieser Zeit lernte ich Leon kennen. Mit meinen damals 20 Jahren war er nach längerer Zeit der erste Mensch, dem ich auf eine andere Weise gefallen wollte. Ich empfand so etwas wie Liebe für ihn. Dieses Gefühl kann ich heute nicht mehr genau beschreiben. Ich weiß nur noch, dass es etwas
Wertvolles für mich war, das ich um jeden Preis festhalten wollte. Es war tief gehender als die oberflächlichen Liebschaften vorher. Jedoch fingen
auch wir irgendwann an, uns zu belügen und zu betrügen. Als mir alles über den Kopf wuchs – die Situation mit meinem Sohn, mit meinem Bruder,
die Überlastung durch die viele Arbeit und die Tatsache, dass Leon sich von mir trennen wollte – floh ich. Ich rannte einfach weg. Einen anderen Ausweg gab es für mich scheinbar nicht mehr.

Meine Flucht endete in Köln, wo ich ein duales Studium begann. Anfangs führte ich ein fast normales Leben, trank nicht mehr so viel. Doch das notorische Lügen konnte ich dort auch nicht ablegen, wodurch ich viele Menschen verletzte. Mein Geld reichte schon nach kurzer Zeit nicht mehr aus, um Studiengebühren und Miete zahlen zu können. So begann ich auch dort, nebenbei in einem Nachtclub zu arbeiten. Nach einigen Abenden, in denen ich mich nicht allzu schlecht angestellt und mein Chef gemerkt hatte, dass die Kunden mich mochten, rief er mich zu sich ins Büro. Er fragte, ob ich nicht Lust hätte, an diesem Abend noch mit ihm und ein paar anderen gemeinsam durch die Stadt zu ziehen. Die nächsten Tage und Wochen fuhr
ich mit diesen Leuten in großen Autos durch die Gegend, begleitete sie in VIP-Lounges und wurde mit teuren Klamotten ausgestattet. Da ich vorher
nur das Leben am Existenzminimum gekannt hatte, kann man sich sicher vorstellen, wie es für mich war, mit derartigem Luxus konfrontiert zu werden.
Es war ein starkes Lockmittel für mich und hat mich so geblendet, dass ich gar nicht merkte, an wen ich geraten war.

Es dauerte nicht lange und es kam der erste Abend, an dem ich die dunklen Seiten dieser Szene kennenlernte. Ich wurde zum Koksen gezwungen und
das erste Mal vergewaltigt. Ab diesem Zeitpunkt lief fast jeder Abend gleich ab: Koks, Vergewaltigung und Schläge. Wie ein Spielzeug wurde ich
behandelt, das man benutzen und weiterreichen kann. Einige der Männer waren sehr brutal. Das machte mich emotional so kaputt, dass ich keine Gefühle und Empfindungen mehr hatte und auch keinen Schmerz mehr spüren konnte. Nackt musste ich an vielen Abenden zwischen all den
Männern sitzen. Wer wollte, durfte mit mir spielen. Irgendwann nahm ich das Koks dann gerne.
Immerhin wurde mir dadurch alles egal und ich konnte vergessen. Einmal musste ich einen Mord auf offener Straße mit ansehen. Dabei wurde gelacht. Ich erlebte, wie wertlos ein Menschenleben für diese Leute war.
Es gab wahrscheinlich viele Möglichkeiten, aus dieser psychischen und physischen Misshandlung zu fliehen. Aber ich hatte Angst. Vor allem war ich in meinen Augen nicht wertvoll genug: Ich dachte, ich hätte nichts Besseres verdient.
Leon bekam irgendwann Wind von der Sache und wollte mir gerne helfen, obwohl wir kein Paar mehr waren; doch ich erlaubte es ihm nicht. So ging
meine Tortur weiter. Eines Samstagabends jedoch hatte ich den Mut, „Nein“ zu meinen Peinigern zu sagen. Danach wurde ich brutal zusammengeschlagen und gewürgt. Mir wurden unbeschreibliche Schmerzen zugefügt. Am nächsten Tag war ich völlig verzweifelt: Ich hatte nichts mehr. Keine Würde, kein Vertrauen und vor allem keine Hoffnung. Ich rief Leon an, er solle mich holen, ansonsten würde ich mir das Leben nehmen.

Dieser Moment war der Anfang einer enormen Veränderung. Leon kam nach einer Stunde. Zu dieser Zeit war ungewöhnlicherweise keiner meiner Peiniger da und ich konnte einfach so fliehen – raus aus meinem alten Leben. Was für ein Wunder dort geschehen ist, bringt mich heute noch zum Staunen. Da Leon bei seinen Eltern wohnte, konnte ich nicht lange bei ihm bleiben. Doch eine christliche Familie nahm mich bereitwillig auf. Ab der ersten Sekunde saß ich zusammen mit den Kindern an einem Tisch, wurde geliebt, sah zum ersten Mal, was eine normale Ehe ist, was ein gutes Miteinander bedeutet. Ich fragte mich, womit ich das Vertrauen und die Liebe verdient hatte, ich fühlte mich nicht wertvoll genug. Was diese Menschen bewegt, konnte ich nicht in Worte fassen. Schritt für Schritt haben diese Christen mich an ein besseres Leben herangeführt. Sie haben mich durch eine tränenreiche Zeit voller Alpträume begleitet und mir eine neue Tür geöffnet. Schließlich kam ich an einen Punkt, an dem ich, obwohl es mir besser ging, vollends zusammenbrach. Das war der Moment, an dem ich meine Sünden im Gebet vor den Herrn Jesus brachte, um Vergebung bat und mich für ein Leben mit ihm entschied. Auch Leon kam bald an diesen Punkt. Er traf die gleiche Entscheidung. Er bekannte vor Gott, dass er ein sündiger Mensch ist, und setzte sein Vertrauen auf den auferstandenen Herrn.

Und wie ging es jetzt weiter? Wir waren nun mit einem Mal andere Menschen geworden und hatten Frieden gefunden – und doch erschien mir alles weiterhin kompliziert und verworren. Ich litt immer noch unter schlimmen Alpträumen und hatte Angst, vor die Tür zu gehen. Also fing ich an, die Beziehung zu Jesus Christus zu pflegen. Ich bat ihn im Gebet um Erleichterung, um Gnade, um Hilfe, um den nächsten Schritt. Und er antwortete – langsam und allmählich leitete er mich, in meinem
Tempo, weiter auf dem richtigen Weg.
Das Ergebnis kann ich heute sehen: Ich führe eine wunderbare Ehe mit meinem Mann Leon, genieße die Beziehung zu meinem Sohn, habe gute Gemeinschaft mit christlichen Freunden. Vor allem bin ich frei von Süchten, Ängsten, dem Anerkennungsdruck und dem Zwang zum Lügen. Das, was der Herr Jesus einem mit seiner unendlichen Liebe gibt, kann einem die Welt niemals bieten.
Mein Rat Für Frauen ist eine solche Lage, die ich nur im Ansatz schildern konnte, an sich aussichtslos. Hier kann nur Gott in seiner unendlichen Gnade helfen. Ich möchte Mut machen, ihm zu vertrauen. Der
Glaube versetzt Berge. Ich kann heute sogar mit freiem Herzen sagen, dass ich ein Stück weit dankbar bin für das Vergangene. All das hat mich hingeführt zu einer so großen Freiheit. Der Herr hat meine Vergangenheit zum Guten gewendet – und das kann er auch bei jedem anderen Menschen
tun, wie kaputt er auch sein mag. Eine unumstößliche Tatsache hat mir geholfen, vollends loszulassen: Gott, der allwissend ist und uns vor der Erschaffung der Welt kannte und liebte, wirft unsere Sünden hinter seinen Rücken, wenn wir sie ihm bekennen (Jes 38,17). Wir halten
so oft am Schlechten fest und sehen keinen Ausweg. Gott aber kann alles wegnehmen, was uns so sehr knechtet. Habe den Mut, den Weg mit ihm
und in der Gewissheit seiner unendlichen Liebe zu gehen! Vertraue dich Jesus Christus, dem Sohn Gottes, an!

Auszug aus einem neuen Buch:

180° - Wende zum Leben

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

* Ich stimme zu

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.