Nie mehr sitzenbleiben??

Die neue rot-grüne Regierung in Niedersachsen denkt darüber nach, das schulische Konzept des Sitzenbleibens abzuschaffen. Als Argumente wird dabei angebracht, dass es den Kindern nicht nütze, wenn sie sitzenbleiben, dass es den Staat jedes Jahr ca. 1 Milliarde Euro kostet und dass es bei Pisa-Gewinnern wie Finnland auch keine Ehrenrunden gibt.

In gewisser Weise finde ich diese Denkweise konsequent. Aus allen Bereichen der Gesellschaft haben wir jedwede Form der Strafe abgeschafft. Es geht immer darum, was es dem Menschen selber nutzt. Wir haben den Grundgedanken einer Strafe, nämlich dass sie uns weh tun soll, verloren. Dabei haben wir an unserem Körper den einfachen Zusammenhang. Unser Körper produziert im Normalfall Schmerzen, wenn etwas nicht so läuft, wie es laufen sollte. Angefangen von den Kopfschmerzen, wenn wir zu wenig trinken, über den Schmerz, wenn wir uns schneiden oder einen Arm brechen. In diesem Fall ist Schmerz ein wichtiges Mittel, um uns auf einen Missstand hinzuweisen.

In unserer Gesellschaft wird Schmerz und damit Strafe (ich spreche hier nicht über willkürliches Bestrafen, sondern um eine Art von Strafe, die eine klare, erkennbare und vorher angekündigte Struktur aufweist) als generell schlecht hingestellt. Ich wundere mich nicht, dass wir dann auch mit Gottes Gerechtigkeit, seiner Eigenschaft als Richter und Bestrafer in der ewigen Verdammnis, der Hölle, nichts mehr anfangen können.

Matthäus 10,28 – Und fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten, die Seele aber nicht zu töten vermögen; fürchtet aber vielmehr den, der sowohl Seele als auch Leib zu verderben vermag in der Hölle!

Psalm 75,3 – Wenn mein Zeitpunkt gekommen ist, werde ich gerecht richten.

Johannes 5,22.24.27 – Denn der Vater richtet auch niemand, sondern das ganze Gericht hat er dem Sohn gegeben, […] Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer mein Wort hört und glaubt dem, der mich gesandt hat, der hat ewiges Leben und kommt nicht ins Gericht, sondern er ist aus dem Tod in das Leben übergegangen. […] und er hat ihm Vollmacht gegeben, Gericht zu halten, weil er des Menschen Sohn ist.

Kommentare

  1. Noisy

    Da machen wir ja ein Fass auf… Ich würde dir auf jeden Fall Recht geben, dass das gesamte Schulsystem überholt werden kann. Der ganze Versuch, über Bildung Menschen auf einen “Standard” zu bekommen, wird immer fehl schlagen. Auch wenn ich auf der anderen Seite sitze als jemand, der von dieser Art Schulsystem profitiert hat.
    Nur bin ich auch der Meinung, dass es nicht damit getan ist, wenn man die Konsequenz, also die Strafe abschafft, sondern dass man wirklich die gesamte Herangehensweise und die Form der Förderung überdenken muss.
    Und mir fällt eben auf, dass in unserer Gesellschaft in mehreren Bereichen der Grundgedanke verloren geht, dass es gerecht ist, dass bei einer bestehenden Gesetzmäßigkeit auch die Strafe ausgeführt wird, die angedroht und angekündigt wurde.

  2. Julian

    Grundsätzlich hast du mit der beschriebenen Tendenz sicherlich Recht. Allerdings ist laut dem Ergebnis der Hattie-Studie, welche ca. 50.000 Einzelstudien zusammenfasst, Sitzenbleiben in der Tat nicht besonders wirksam. Deshalb ist es vielleicht in diesem Kontext eher einer wissenschaftliche Untersuchung zuzuschreiben denn dem allgemeinen, mit Sicherheit bestehenden Trend. (siehe hier: http://www.visiblelearning.de/ und hier: http://www.zeit.de/2013/02/Paedagogik-John-Hattie-Visible-Learning – höchst interessant 😉 )

    (Ich kann mich bei diesen Motiven natürlich auch irren… eigentlich braucht die Politik erst Jahre, bis sie solche Studien zur Kenntnis nimmt um dann doch zu macen was ihr bzw. der allgemeinen gesellschaftlichen Norm gefällt…)

  3. T.

    Das ganze Schulsystem sollte umgebaut werden, denn es ist veraltetet. Jedes Kind hat Begabungen auf einem anderen Gebiet. Diese Begabungen sollten herausgefunden werden und individuell gefördert werden. Es ist einfach nicht richtig, dass ein Kind alles kann und können muß. Eines ist vielleicht in Sport gut und ein anderes in Mathematik, so wie Gott die Begabungen angelegt hat. Und aufgrund dieser Schwerpunkte sollte bewertet werden.
    Ich bin jetzt 36 Jahre alt und hätte jemand damals meine Begabungen erkannt, hätte ich auch nicht den falschen Beruf erlernt, in dem ich mich 20 Jahre lang rumquälen mußte.
    Durch die irrige Annahme, das jeder auf jedem Gebiet gleich gut sein muß, entstehen auch die Irrtümer, dass jeder jeden Beruf ausüben kann.
    Daher sollte das ganze System überholt werden.

  4. Noisy

    Finde ich allerdings schon. Wenn ich bei rot über die Ampel fahre und geblitzt werde, bekomme ich ein Bußgeld. Wenn ich in der Uni 3 Mal durch die gleiche Klausur falle, werde ich exmatrikuliert, wenn ich 2 fünfen im Zeugnis habe, bleibe ich sitzen. Ich würde das als jemand, der sitzenbleibt, definitiv als eine Art der Bestrafung sehen, denn kaum ein Schüler freut sich über ein Jahr länger in der Schule. Und gerade bei hier, wo der Schüler (bzw. Student) ja auch etwas für seine Leistung haben möchte, empfinde ich die Möglichkeit einer Bestrafung als äußerst natürlich. Und durchaus erkennbar, dass in unserer Gesellschaft ein Trend existiert, alle “richtenden” Elemente abzuschaffen.

  5. Peter

    Hallo! Also, Sitzenbleiben hat nichts mit Strafe zu tun. Das würde ja bedeuten, dass, weil ich eine gewisse Leistung nicht erbringe oder ich nicht genug Intelligenz besitze, ich bestraft werde. Natürlich kann man darüber diskutieren, ob Sitzenbleiben gut oder schlecht ist, aber diese Diskussion in den Zusammenhang mit Bestrafung oder dem allgemeinen Trend, nicht mehr Konsequenz zu bestrafen, zu setzen, halte ich für schlichtweg falsch.

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