Das Buch hat einen unvollständigen Titel. Er müsste lauten: „Mein Kampf mit der deutschen Sprache“. Wer sich antut “Mein Kampf” zu lesen, der ist wirklich bestraft.Viele haben esversucht und nach wenigen Seiten aufgegeben. Hängengeblieben ist oft nur, dass diesen geistigen Dünnsch… niemand freiwillig gelesen haben kann. Darum wurden die unterdrückten Leute damals damit zwangsbeglückt. Unbestreitbar dürfte doch sein, daß die große Mehrheit der Deutschen dieses Buch nicht gelesen hatte, jedenfalls bis 1933, und wahrscheinlich auch später. Und trotzdem sind sie Hitler nachgelaufen, weil er ihnen nach den Wirren der Weimarer Zeit Sicherheit und Aufschwung versprochen hat. Da hat man die anderen Nettigkeiten, wie extreme Judenfeindlichkeit und Ausdehnung des Lebensraums nach Osten, als unbedeutende Begleiterscheinungen akzeptiert, bis es zu spät war. Dieses “Werk” entstammt einem kranken satanischen Geist. In der arabisch moslemischen Welt wird es noch kräftig verbreitet.
So wie das Buch während seines Erscheinens dem deutschen Führerkult diente, diente sein Verbot hauptsächlich dem Verführerkult der deutschen Nachkriegsgeschichte. Es bleibt zu hoffen, dass die Banalität des Orginals trotz der unzähligen Anmerkungen noch zum Vorschein kommt. Ihre gedankliche Munition beziehen Ewiggestrige, Neonazis und Rechtsradikale wohl aus ganz anderen Quellen. Deshalb ist die ganze Aufregung umsonst, eine Phantomdiskussion. Und eine Behandlung von Hitlers „Mein Kampf“ im Geschichtsunterricht ist überflüssig, weil rückwärtsgewandt. Vor dem Buch habe ich keine Angst, aber vor manchen Leuten, die es lesen und falsch verstehen. Gewalt und Todesverliebtheit bleiben übrig, wo echter Glaube fehlt. So kann man das Dritte Reich und dieses Machwerk überschreiben. Das echte Christentum wollte man nach den Junden ausmerzen, Bücher wurden verbrannt und hinterher die Menschen. Wir wissen, was geschehen ist, und jetzt schauen wir nach vorne! Durch Gottes Gnade und Vergebung haben wir Zukunft.
Es ist Februar 1939. Hitler ist nahezu auf dem Zenit seiner Macht. Er wähnt sich unanfechtbar. Er bekommt den Brief eines 24-jährigen Buchhalters der Tübinger Kreissparkasse. Theodor Roller schreibt: „Ich will Ihnen die Verlogenheit Ihrer Grundlage unbarmherzig aufdecken und nun deutsch mit Ihnen reden: Als Christ nenne ich Sie einen Lügner und als Deutscher den größten Volksschädling, der je deutsche Erde betrat!“. Am 18. März wird Roller von der Gestapo verhaftet. Von einem Sondergericht wird er „freigesprochen“ und bis Kriegsende in eine psychiatrische Klinik verbannt. Er, der Hitler mit einem Wort zutreffend als „Wahnsinnigen“ charakterisierte, wird als wahnsinnig weggesperrt. Hans-Joachim Lang schreibt über Roller: „Eine Bombe hätte er nicht gebaut. Sein Prinzip lautete Offenheit, seine Waffe war das Wort, seine Entschlossenheit ruhte in Gott.“ Theodor Roller starb am 30.10.2008. Theodor Rollers Aufbegehren gegen Hitler. (Hoffmann & Campe Verlag, Hamburg)
