Kurz gesagt: Gott will keine Scheidung. Nach Jesus hat Gott Mann und Frau von Anfang an zu einem Fleisch zusammengefügt, und das soll der Mensch nicht trennen (Matthäus 19,4–6). Als einzige Ausnahme nennt Jesus den vollzogenen Ehebruch, und selbst dann sind Vergebung und Wiederherstellung möglich. Wer sich aus anderen Gründen scheiden lässt, soll nach 1. Korinther 7,10–11 unverheiratet bleiben oder sich versöhnen. So legt es Roger Liebi, „Matthäus Teil 41: Ehe und Ehescheidung“ aus.
Worum ging es im Streit mit den Pharisäern?
Die Pharisäer fragten Jesus, ob ein Mann seine Frau aus jedem beliebigen Grund entlassen dürfe (Matthäus 19,3). Hintergrund war nach Roger Liebi ein Auslegungsstreit über 5. Mose 24,1–4. Die Schule Hillels erlaubte die Scheidung schon aus nichtigen Gründen, etwa wenn die Frau das Essen anbrennen ließ. Die strengere Schule Schammais erlaubte sie nur bei Ehebruch (Roger Liebi, Vortrag).
Was antwortet Jesus?
Jesus geht zurück zur Schöpfung: Gott schuf den Menschen männlich und weiblich, und die zwei werden ein Fleisch. Daraus folgt: „Was nun Gott zusammengefügt hat, das soll der Mensch nicht scheiden“ (Matthäus 19,6). Scheidung ist also in Gottes Plan nicht vorgesehen. Liebi verweist außerdem auf Maleachi 2,16: Gott hasst die Entlassung (Quelle).
Das gilt nach Liebi auch für eine Ehe, die man im Rückblick für unüberlegt hält. Eine geschlossene Ehe ist vor Gott gültig.
Hat Mose die Scheidung nicht erlaubt?
Die Pharisäer meinten, Mose habe den Scheidebrief „geboten“. Jesus antwortet, Mose habe ihn wegen der Herzenshärte „erlaubt“ (Matthäus 19,7–8). Liebi erklärt, 5. Mose 24 sei ein Wenn-dann-Gesetz. Es beschreibt einen Fall, der schon eingetreten ist, und regelt die Folgen, damit Scheiden und Wiederheiraten nicht beliebig werden. Ein Befehl zur Scheidung ist es nicht.
Gibt es eine Ausnahme?
Ja, eine einzige. Wer seine Frau entlässt, außer wegen Hurerei, und eine andere heiratet, bricht die Ehe (Matthäus 19,9; 5,32). Mit Hurerei ist nach Liebi vollzogener Ehebruch gemeint, nicht nur Gedanken. Diese Sünde verletzt das Eheband im Grundsatz so tief, dass eine Auflösung vor Gott anerkannt ist. Aber auch dann ist die Scheidung kein Muss. Liebi berichtet, dass er auch nach Ehebruch Vergebung und Wiederherstellung erlebt hat.
Wird eine Ehe aus anderen Gründen aufgelöst, etwa wegen Streit oder weil man es nicht mehr miteinander aushält, gilt das vor Gott nicht. Darum sagt Paulus: Die Geschiedene soll unverheiratet bleiben oder sich mit ihrem Mann versöhnen (1. Korinther 7,10–11; Quelle).
Was hilft einer Ehe in der Krise?
Wenn klar ist, dass Gott Scheidung hasst, ist Auseinandergehen bei Schwierigkeiten keine Option, sagt Liebi. Stattdessen gilt es:
- an den Problemen zu arbeiten und in die Ehe zu investieren,
- einander zu vergeben, auch wenn der andere sein Unrecht gerade nicht einsieht,
- die Hilfen aus Gottes Wort zu nutzen. Damit können sogar zerrüttete Ehen gerettet werden.
Häufige Anschlussfragen
Darf ich mich scheiden lassen, wenn mein Partner geistlich nicht mitzieht?
Nein. Ein Gespräch auf crosspaint.tv, „Darf ich mich scheiden lassen, wenn …“ zeigt anhand mehrerer Bibelstellen, dass Gott die Scheidung hasst und die Ehe als Einheit aus der Schöpfung anerkennt. Statt sich zu trennen, soll man versuchen, den Partner geistlich zu gewinnen.
Hat Gott selbst nicht auch einen Scheidebrief gegeben?
Im Bild ja. Liebi verweist auf Jesaja 50,1 und Jeremia 3,8: Wegen seines Götzendienstes, den die Propheten Hurerei nennen, gab Gott Israel einen Scheidebrief. Doch Gott hat nicht „neu geheiratet“, sondern verheißt, Israel zurückzuholen (Jesaja 54). Auch hier steht am Ende die Wiederherstellung (Quelle).
