Kurz gesagt: Die Bibel verschweigt nicht, dass auch Männer Gottes in tiefe Verzweiflung gerieten: Salomo hasste zeitweise das Leben, Elia wollte nur noch sterben. Roger Liebi unterscheidet dabei zwischen tiefer Traurigkeit, die zum Leben gehört, und Depression als Krankheitszustand. Für beides gelten dieselben Grundsätze: Gott kann aus der Traurigkeit herausführen. Hilfen sind unter anderem Vertrauen auf Gott, das Ablegen der Sorgen im Gebet, Vergebung, Gesang und die Tröstung durch andere Christen.
Ist Depression dasselbe wie Traurigkeit?
Nein, sagt Roger Liebi, „Hatte Salomo eine Depression?“. Das Wort werde heute oft schon gebraucht, wenn jemand nur etwas traurig ist. Depression beschreibe aber einen Krankheitszustand: eine anhaltend gedrückte Stimmung, verbunden mit Beschwerden wie Antriebslosigkeit, gehemmtem Denken oder Appetitlosigkeit. Wer dagegen aus bestimmten Gründen zutiefst traurig ist, ist deshalb noch nicht krank.
Kannten auch Gläubige in der Bibel solche Tiefen?
Ja. Liebi nennt zwei Beispiele (Quelle):
- Salomo schreibt, dass er das Leben hasste, weil ihm alles unter der Sonne sinnlos vorkam (Prediger 2,17). Er erlebte Zeiten tiefer Trauer und Verzweiflung.
- Elia hatte auf dem Berg Karmel erlebt, wie Gott Feuer vom Himmel fallen ließ. Kurz danach floh er vor Isebels Drohung in die Wüste, legte sich unter einen Ginsterstrauch und wollte sterben. Liebi nennt es etwas ganz Normales, nach einem Höhepunkt ganz unten zu sein.
Liebi betont: Diese Beispiele helfen auch Menschen, die medizinisch als depressiv eingestuft sind. Die Grundsätze bleiben dieselben: Wie geht man mit Traurigkeit um, und wie führt der Herr wieder heraus?
Darf ich Gott meine Not klagen?
Ja. Ein Gespräch auf crosspaint.tv, „Was passiert, wenn ich SO mit GOTT rede?“ zeigt, dass wir unser Herz vor Gott ausschütten und wie Mose oder Gideon sogar mit ihm ringen dürfen. Wichtig ist, dass die Haltung demütig bleibt und Gott Gott bleibt, auch wenn es uns schlecht geht. Jesus lädt alle Mühseligen und Beladenen ein, bei ihm Ruhe für die Seele zu finden (Matthäus 11,28–30; crosspaint.tv, „Ein Bibelvers für unsere Zeit“).
Auch Paulus verzweifelte am Leben
In seinem Vortrag „Nach der Finsternis das Licht, Teil 1“ erinnert Roger Liebi daran, dass selbst der Apostel Paulus so sehr bedrängt war, dass er am Leben verzweifelte (2. Korinther 1). Der Beter in Psalm 42 schreibt, dass seine Tränen Tag und Nacht seine Speise sind. Liebi zeigt, wie er mit sich selbst spricht: „Was betrübst du dich, meine Seele, und bist so unruhig in mir? Harre auf Gott.“ Wenn niemand da ist, der uns ermutigt, dürfen wir uns selbst an Gottes Zusagen erinnern. Wer leidet, soll beten (Jakobus 5,13). Singen verlangt Gott in solchen Zeiten nicht, denn wer ganz unten ist, kann oft nicht singen.
Was hilft der Seele nach der Bibel?
In seinem Skript „Geistliche Gesundheit“ nennt Roger Liebi unter dem Stichwort seelische Gesundheit:
- Stillsein und Vertrauen auf Gott (Jesaja 30,15).
- Freude am Herrn als Schutz (Nehemia 8,10).
- Vergebung als Schutz gegen Bitterkeit (Epheser 4,31–32).
- Auf den Herrn harren und neue Kraft bekommen (Jesaja 40,31).
- Sorgen ablegen und die eigenen Gedanken schützen (Philipper 4,4–7).
- Gesang und Musik (Epheser 5,18–21; Kolosser 3,16; Jakobus 5,13).
Dazu kommen nach dem Skript die Tröstung und geduldige Zuwendung in der Gemeinde (1. Thessalonicher 5,14), das Gebet (Jakobus 5,16) und der Blick auf Jesus, wenn man müde wird und zu ermatten droht (Hebräer 12,3).
Häufige Anschlussfragen
Bin ich ein schlechter Christ, wenn ich so niedergeschlagen bin?
Die Quellen zeigen: Selbst Salomo und Elia kannten tiefe Verzweiflung. Liebi spricht bei Elia ausdrücklich nicht von Krankheit, sondern von einer normalen Erfahrung nach einem Höhepunkt (Quelle).
Hat Leid für einen Christen einen Sinn?
Nach dem crosspaint-Artikel „Warum lässt Gott Leid zu?“ haben Christen eine doppelte Perspektive: Gottes Beistand im Leid und die Hoffnung auf eine Zukunft ohne Leid. Alles, was ein Christ erlebt, kann ihn Christus ähnlicher machen (Römer 8,28–29).
Bei anhaltender Niedergeschlagenheit ist es wichtig, auch ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen.
Zum Weiterlesen und Anhören
- Roger Liebi: Hatte Salomo eine Depression?
- Roger Liebi: Geistliche Gesundheit, Krankheit und Medizin (Skript)
- Roger Liebi: Nach der Finsternis das Licht, Teil 1 (Vortrag)
- crosspaint.tv: Was passiert, wenn ich SO mit GOTT rede?
- crosspaint.tv: Ein Bibelvers für unsere Zeit (Ruhe für die Seele)
- crosspaint.tv: Warum lässt Gott Leid zu?
