Was steckt hinter den Wundern Jesu?

In einer bestimmten Sorte Gruselkrimis murmelt der Detektiv immer vor sich hin: „Dafür muss es doch eine natürliche Erklärung geben…“ Dieses Gemurmel ist derzeit wohl auch in vielen Zeitungsredaktionen zu hören. Jetzt, in der Vorweihnachtszeit kommen unvermeidbar wieder mal biblische Geschichten ins Blatt, mit denen aber die Journalisten ihre Schwierigkeiten haben, auch wenn sie die Bibel nicht einfach als frei erfunden abtun können.

Die Münchner Boulevardzeitung tz hat jetzt Jesus in eine Serie über Wunderheiler aufgenommen: „Wie wahr sind die Wunder der Bibel?“ Man findet durchaus Erklärungen: Lahme, die wieder laufen konnten, litten unter einem psychischen Trauma, das Jesus auflöste, Blinde unter „hysterischer Blindheit“, die sich durch gutes Zureden heilen ließ. Der tote Lazarus war „scheintot“ infolge einer Vergiftung – als Jesus kam, ließ glücklicherweise gerade die Giftwirkung nach. Oder Lazarus hatte sich durch „Askese oder Selbstgeißelung“ in einen totenähnlichen Zustand versetzt. Hat Jesus auch sich selbst nach seiner Kreuzigung wieder zum Leben erweckt? Die tz denkt hier an etwas anderes: Die Zeugen seiner Auferstehung hatten „Nachtod-Kontakte“ und bildeten sich ein, dem Verstorbenen begegnet zu sein.

In der Süddeutschen Zeitung wird derweil das Buch „Jesu Traum“ des evangelischen Theologen Christoph Türcke besprochen. Der Autor sieht in den Evangelien durchaus „fromme Flunkereien“ in der Grauzone zwischen Fälschung und Selbsttäuschung. Aber viele Erzählungen über Jesus seien wahr. Allerdings betrachtet Türcke sie durch die Brille der Freudschen Psychoanalyse. Jesus habe bestimmte Erkrankungen wie Sehstörungen, Lähmungen und Hautausschläge „wegsprechen“ können. Er sei von der fixen Idee vom Reich Gottes als heilender Macht besessen gewesen. Nach dem Tod Jesu arbeiteten die Jünger ihre Trauer und Scham auf, indem sie sich einredeten, er sei auferstanden und komme bald wieder. Der Rezensent hält das Buch für originell, wahrt aber immerhin ironische Distanz zu den Thesen.

„Es muss eine natürliche Erklärung geben“: Viele, die sich heute mit der Bibel auseinandersetzen, schließen eine Möglichkeit von vorneherein aus, dass nämlich Jesus Gott ist. Dabei machen die Evangelien ganz deutlich, dass genau dies das eigentliche Motiv der Wundertaten war. Jesus wollte den Menschen klarmachen, dass er der verheißene Messias war (auf Griechisch „Christus“) und dass er sie retten konnte. Wäre übrigens Jesus nicht auferstanden, so wäre der ganze Glaube sinnlos, stellte schon Paulus fest. Trotzdem haben sich 2000 Jahre lang immer wieder Menschen fest auf diesen Glauben gestützt, und ebenso heftig ist er angegriffen worden. Wäre es nur ein Traum gewesen, eine Selbsttäuschung oder fromme Flunkerei – hätte das dann nicht schon längst aufgeklärt werden müssen? Aber bis heute wird fieberhaft nach „natürlichen Erklärungen“ gesucht…

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