Google+: digitale Freunde, digitale Gefühle, digitale Einsamkeit

Endlich: Google stellt sein bestes Pferd ins Rennen: Google+. Das nächste Social Network auf dem Weg zu grenzenloser Kommunikation und uneingeschränkter Privatsphäre. Und die erste Reaktion: „Endlich, ich hasse Facebook. Ich hasse Facebook so arg, ich logge mich blöderweise nur acht mal am Tag dort ein.“ Ganz ehrlich, ich verstehe das. Wir haben uns alle freiwillig Facebook verschrieben, trugen bereitwillig unsere Daten ein, waren sorglos mit dem Umgang von Fotos und Intimitäten. Und genau das sind wir noch immer. Dieser freie Service macht süchtig, fragt die Millionen Facebook-Nutzer unter 25.

Warum ging das alles so schnell? Hab ich wirklich 395 Freunde, so wie es auf meiner Seite oben steht? Ist es eigentlich wichtig, wenn irgendein Mensch, den ich im Laufe meines Lebens begegnet bin, auf der anderen Seite der Erde eine Party schmeißt? Oder ist es wirklich wichtig, dass du Eiscreme „geliket“ hast? Natürlich nicht. Wir sind alle in Facebook, weil alle im Facebook sind. Auf irgendeine Weise immitiert Facebook das Leben. So wird es mit Google+ auch sein.

Wundern tut eigentlich nur, dass niemand mal anfängt, sich nach „richtigen“ Freunden zu sehnen, mal zu schreiben: „Ich hoffe bald heiratet mal jemand, weil ich endlich mal wieder auf eine Hochzeit gehen will.“ Oder: „Mensch wir sollten mal wieder ein Familientreffen planen!“ Deren Zahl ist wohl beträchtlich gesunken seit wir uns dem Fratzenbuch verschrieben haben.

Wie dem auch sei: Google setzt jetzt auf Konfrontation. In dem Moment, wo viele sich von Facebook genervt fühlen ob vieler Eingriffe ins Privatleben bis hin zum süchtig sein, will Google nun die Abtrünnigen für sich gewinnen. Und alle werden zu Herdentieren gemacht. Dieser Instinkt scheint immer noch in uns zu stecken, obwohl wir doch alle als einsame Einsiedler zu Hause vor unseren Pc´s hocken und unserer Geliebten schreiben: „Schatz, ich liebe dich so sehr.“ Natürlich auf die Pinnwand.

Die Frage sollten wir uns alle stellen: Was machen wir hier eigentlich? Warum bloggen wir jeden Müll mit, wofür updaten wir, dass bei uns gerade die Sonne scheint? Weil es anonym ist und wir stalken können, weil wir mit dabei sind in der In-community, Teil der großen Masse zu sein ohne uns verletzlich zu machen. Gebloggt wird nur das, was die Leute sehen sollen. Weggelassen wird all das, was keiner sehen soll. In Kürze: Du und ich, wir wollen überall beliebte, integrierte, mit allen verbundene Einsiedler sein.

Google+ zieht genau mit dem Zeitgeist und freut sich über unsere Seelenprostitution wie Facebook das auch tut. Google wirbt mit folgender Schlagzeile: „Teilen wie im richtigen Leben, neu erfunden für das Web.“ Fragt sich, ob Google dieses Teilen so erfindet, dass es auch die Reaktion, die Gefühle des anderen, auf die gegenüberliegende Seite der Tastatur transportiert. Es ist kein echtes Leben, es verzerrt eben jenes Bild, und damit ist es eine Lüge. Das ist, wie wenn du einen Film, der alle deine Gedanken aufzeichnet, deine Gefühle widerspiegelt, und unverschämt auch deine letzten Fantasien zu Tage bringt, vor allen deinen Freunden zeigst. Und vorher kannst du alle Szenen herausschneiden, die dir nicht so angenehm wären, dass es deine Freunde sehen. Du kannst sicher sein: Bei allem, was du herausschneiden würdest, handelt es sich um Sünde.

Deshalb halten es nur noch wenige ohne Facebook aus. Wir fürchten die Konfrontation oder wir haben kein Bock an gewissen Verhaltensweisen zu arbeiten, die wir im realen Leben an den Tag legen und an denen sich andere stören. Wir bleiben so wie wir sind. Egoistisch, Ich-bezogen, aber auch allein! Spenden wir doch wieder mehr Zeit außerhalb von Social Networks und gehen wir wieder zu Freundschaften zurück, die wir vielleicht längst vergessen haben. Und fangen wir wieder an, unsere schlechten Verhaltensweisen zu bearbeiten und sie ins Licht zu stellen. Zu Hause verstecken wir sie nur, aber sie bleiben bestehen. Wer im Licht ist, der wird verändert, so wie Jesus es wollte. Er war das Licht, und in seinem Licht sehen wir unsere Fehler und falschen Züge. Ein durch Jesus veränderter Mensch ist mit nur einem oder zwei echten Freunden glücklicher als der Facebookcharakter mit 400 Freunden, der sich hinter deinem fotoshopbearbeiteten Bild verbirgt.

Und das ist die Botschaft, die wir von ihm gehört haben und euch verkündigen: Gott ist Licht, und in ihm ist keine Finsternis. Wenn wir sagen, dass wir Gemeinschaft mit ihm haben, und wandeln in der Finsternis, so lügen wir und tun nicht die Wahrheit. Wenn wir aber im Licht wandeln, wie er im Licht ist, so haben wir Gemeinschaft untereinander, und das Blut Jesu, seines Sohnes, macht uns rein von aller Sünde.

Die Bibel in 1. Johannes 1, 5-7

Wer nicht ehrlich mit seinen Sünden umgeht, hat keine Chance auf echte Gemeinschaft weder mit Gott, noch mit Menschen. Diese Menschen bleiben zu Hause, schreiben täglich 10 Updates, haben 300 Freunde und müssen täglich acht mal bei facebook nachschauen, ob jemand was neues gepostet hat. Und sie bleiben einsam.

Dieser Artikel wurde angeregt durch diesen interessanten Text auf Wired: Alt Text: Google+ Is the New GeoCities

Kommentare

  1. ali

    ich bin auch (noch) nicht dabei. aber missionieren kann man dort wegen der vielen leute sicherlich ganz gut.ich habe das schon mal einem anderen unsozialen Netzwerk versucht. war nicht schlecht.

  2. Ariel

    Alle ? Ich bin nicht bei der Datenkrake “Fratzenbuch” äh Facebook.
    Und es gibt auch die Möglichkeit ganz da Auszusteigen und sich auf reale Kontakte zu besinnen. Leider ist gerade bei Jugendlichen der Gruppendruck groß da mit zu machen. Aber wer stark ist (im Hern) kann auch gegen die Masse Zeichen setzen.
    Der letze Absatz dieses Artikels drückt es am Besten aus.

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