Antichrist – das Böse kommt! (zumindest in die Kinos)

In dieser Woche, am 10. September, kommt der Film „Antichrist“ in die Kinos (wenn auch wahrscheinlich nur in wenige). Er war einer der am kontroversesten diskutierten Filme der Filmfestspiele in Cannes dieses Jahr und wurde nach der Vorführung sowohl beklatscht als auch ausgebuht. Der Rezensent von moviemaze.de Dimitrios Athanassiou schreibt, dass man den Film „gleichsam genial wie abscheulich“ [1] finden kann.

Ich habe den Film nicht gesehen, und ich werde ihn mir auch nicht ansehen, aber ich habe einige Rezensionen gelesen und auf deren Grundlage werde ich den Film kurz zusammenfassen: Während ein Paar Sex hat stirbt ihr Sohn. In der Folge hat vor allem die Frau Probleme damit mit ihrer Schuld umzugehen, bis der Mann – ein Psychotherapeut, den der Tod seines Sohnes scheinbar gar nicht berührt – beschließt sie selbst zu therapieren.  Weil sie dabei herausfinden, dass ihre größte Angst mit einer Hütte im Wald verbunden ist, gehen sie dorthin um sie mit dieser Angst zu konfrontieren. Im Wald entwickelt sich die Frau, die bisher als eine von ihrem Mann dominierte verstörte Seele auftrat hin zu einer Furie in der das Böse in Reinform steckt.

In seiner Bewertung des Films schreibt Daniel Kehlmann: „Vielleicht hat einen noch nie ein Film so intensiv die Gegenwart des Bösen als metaphysisch zerstörerische Macht empfinden lassen.“ [2] Der Film zeigt, dass es das Böse gibt, und dass auch die Rationalität der Moderne es nicht beseitigen kann. Wie passt ein solcher Film in unsere heutige Zeit, in der immer mehr Menschen glauben es gäbe weder gut noch böse, dass solche Dinge vielmehr sozial konstruiert seien; In eine Zeit, in der 70% der Amerikaner sagen es gäbe keine moralischen Absolute und in der die Hauptdarstellerin des Films, Charlotte Gainsbourg, sagt: „Ich habe keine moralische Grenze“ [3]?

Gibt es gut und schlecht in einem absoluten Sinn?

Entgegen dem gegenwärtigen Zeitgeist bejaht die Bibel dies. Die Existenz von gut und böse, deren Unterscheidung in einem unveränderlichen Gott liegt und die deshalb absolut sind, ist sogar einer der zentralsten Punkte der Bibel. Gott beurteilt den Menschen nicht nach dessen (veränderlichen) Maßstäben, sondern nach seinen eigenen, ewigen. In der ersten überlieferten Beurteilung der gesamten Menschheit durch Gott heißt es:

„Aber der Herr sah, dass der Menschen Bosheit groß war auf Erden und alles Dichten und Trachten ihres Herzens nur böse war immerdar“ (1. Mose 6, 5)

und weiter: „Aber die Erde war verderbt vor Gottes Augen und voller Frevel.“ (1. Mose 6, 11)

Etliche tausend Jahre später bestätigt Paulus im Römerbrief dieses Urteil indem er schreibt:

„Da ist keiner der gerecht ist, auch nicht einer. Da ist keiner, der verständig ist; da ist keiner, der nach Gott fragt. Sie sind alle abgewichen und allesamt verdorben. Da ist keiner, der Gutes tut, auch nicht einer. Ihr Rachen ist ein offenes Grab; mit ihren Zungen betrügen sie, Otterngift ist unter ihren Lippen; ihr Mund ist voll Fluch und Bitterkeit. Ihre Füße eilen, Blut zu vergießen; auf ihren Wegen ist lauter Schaden und Jammer, und den Weg des Friedens kennen sie nicht. Es ist keine Gottesfurcht bei ihnen.“ (Römer3, 10b – 18)

Weitere zweitausend Jahre später müssen wir uns nur ganz kurz umschauen (oder auch nur nach innen schauen) und ehrlich sein, um festzustellen: „Wir Menschen haben uns nicht geändert. Was Gott über die Menschen der Vormoderne gesagt hat trifft genauso auf unsere heutige, vermeintlich fortschrittliche, Menschheit zu. Und damit trifft es auch auf mich zu!“

Die Bibel bezeugt, dass auch Gott sich nicht ändert. Deswegen muss Gott, so wie er zur Zeit Noahs (ersten beiden zitierten Verse) die Menschen richtete, heute uns richten. Doch weil er sich nicht ändert, liebt er uns auch heute und bietet uns, wie damals, Rettung an. Er liebt uns sogar so sehr, dass er seinen einzigen Sohn, Jesus, auf diese durch und durch verdorbene Erde geschickt hat, damit dieser durch seinen Tod unsere Rettung möglich macht. Die meisten Menschen zur Zeit von Noah haben von Gottes Rettungsangebot keinen Gebrauch gemacht, wahrscheinlich weil sie, wie viele Menschen heute, ihre eigene Schlechtigkeit nicht eingestehen wollen.  Die Bibel bezeichnet diese Denkweise als Selbstbetrug, liefert aber gleich darauf den Ausweg:

„Wenn wir sagen, wir haben keine Sünde, so betrügen wir uns selbst, und die Wahrheit ist nicht in uns. Wenn wir aber unsre Sünden bekennen, so ist er treu und gerecht, dass er uns die Sünden vergibt und reinigt uns von aller Ungerechtigkeit.“ (1. Johannes 1, 8+9)

David

1)  https://www.moviemaze.de/filme/3066/antichrist.html
2)  DIE ZEIT Nr.37; 3. September 2009; S.45
3)  ZEITmagazin Nr.34; 13.8.2009; S.23 oder im Internet: https://www.zeit.de/2009/34/Charlotte-Gainsbourg-34

Kommentare

  1. conrad

    Sehr geehrter Herr Athanassiou,

    es wird doch in dem Artikel klar getrennt, was Ihr Zitat ist und was die Meinung des Artikelschreibers ist.Ihr Zitat wird ja nur verwendet, um zu verdeutlichen, dass der Film kontrovers diskutiert wurde. Von daher kann ich den Vorwurf der Unsachlichkeit nicht ganz nachvollziehen.
    Es ist schade, wenn Christen nur vorgefertigte Antworten abliefern oder gar antiwissenschaftlich sind. Ich sehe zwischen Christentum und Wissenschaft keinen Widerspruch. Galileo, Kepler, Pascal, Newton, Mendel, Pasteur, Francis Collins und viele andere verkörpern dies.
    Die meisten Antworten, die wir geben können sind vorläufig und endlich,da stimme ich zu. Wenn es aber einen Gott gibt, der unendlich ist, und man kann weder die Existenz noch die Nichtexistenz Gottes beweisen, dann ist es doch möglich, dass der unendliche Gott etwas geoffenbart hat, was Wahrheit ist.
    Was die Schriften der Bibel betrifft, so ist anzumerken, dass es 1. keinen Widerspruch zwischen Inspiration und mehreren Verfassern geben muss. 2. Es stimmt: Das früheste Manuskript, das man vom ganzen Neuen Testament hat, der Codex Sinaiticus wird auf das Jahr 350 datiert, aber es gibt Pap. 45, der die vier Evangelien und die Apostelgeschichte enthält (ca. 200 n.Chr.), Pap. 46 enthält die Paulus-Briefe an die Gemeinden plus Hebräer (ca. 200 n.Chr.), Bodmer Pap. 75 enthält Teile von Lukas und Johannes (ca. 175-225 n.Chr.), Pap. 52 enthält Fragmente von Johannes (ca. 100-150 n.Chr.)und es gibt zahlreiche Zitate von den Kirchenvätern aus dem Zeitraum zwischen 90 und 160.
    Die gnostischen Evangelien sind jedoch eindeutig später verfasst, Verfasserschaft und Inhalt sind äußerst fragwürdig, sie geben kaum Angaben zu Geographie, Geschichte und bilden keine Kontinuität zum jüdischen Alten Testament.
    Ich sehe in der Bibel auch keinen männlichen Herrschaftsmythos, wenn die Kirche dies vielleicht auch oft versuchte durchzudrücken. Paulus schreibt: „Ihr Männer liebt eure Frauen, gleichwie Christus die Kirche geliebt hat und sich für sie selbst hingegeben hat“ (Epheser 5,25) Ich kenne keine andere Religion, die einen so hohen Maßstab stellt, Frauen zu ehren.
    Was machen Sie anders als eine mannigfaltige Spiritualität als Dogma zu verkünden? Damit sagen Sie letztenendes, Sie hätten die Wahrheit, während Christen, Muslims und Juden irren. Das ist doch mindestens genauso engstirnig wie die monotheistischen Religionen.

    Herzliche Grüße

  2. Dimitrios Athanassiou

    Glaube ist ein universelles Bedürfnis, Religion hingegen, der in ein Korsett gezwängte Schatten

    Sehr geehrte Damen und Herren,

    ich schreibe Ihnen, da ich einer der „Rezensenten“ bin, die sie in ihrem Beitrag zitieren. Erstens ist völlig unsachlich und unredlich sich einen Satz aus einer Rezension herauszugreifen, um seinem Artikel eine bestimmte Richtung zu verleihen. Viel schlimmer einen Film besprechen und kommentieren zu wollen, den man gar nicht gesehen hat.

    Ich selber bin Grieche, wurde also, wie es in dieser Kultur üblich ist, streng christlich-orthodox erzogen. Und ich akzeptierte diese vorgefertigten Schablonen und „Antworten“ bis ich in mit Beginn der Pubertät begann mich für Naturwissenschaften zu begeistern (und später auch Paläontologie, Geologie und Zoologie studierte).

    Das Problem mit allen Religionen ist, dass sie völlig Betriebsblind sind und nicht in der Lage zu erkennen, dass alle Antworten, die zu geben möglich, endlich sind (das gilt auch für die Naturwissenschaften, aber die geben es wenigstens zu). Gerade die drei großen monotheistischen Religionen (Christentum, Islam und Judentum) reduzieren ihr Weltbild auf ein einziges Buch, das, wie sie behaupten, direkt von Gott inspiriert wurde. Wann werden die Oberen der Religionen ihren Anhängern endlich mal die Wahrheit erzählen? Die Bibel ist eine Auswahl von Schriften. Vier Evangelien, die sich z.T. sogar widersprechen (so werden beispielsweise nicht alle Wunder in jedem dargelegt) und per Dekret ausgewählt wurden. In Wahrheit existierten dutzende (Gnostische Evangelien), die ein ganz anderes Bild von Jesus zeichnen. Nein, die Auswahl war ein klares Politikum und fand endgültig sogar erst im 3. Jh. statt. Lange also nach Jesus und der Aposteln Tod!
    Und bestätigt wurde dieses neue Glaubensbekenntnis erst im Jahre 325 im Konzil von Nicäa von Kaiser Konstantin. Die Schriften hatten somit lange Zeit vor sich hin zu gären und Veränderungen zu unterlaufen. Was die Quelle also wirklich getan hat und wirklich gesagt hat, ist für immer im Dunkel der Zeit verloren.

    Nun zum „Antichrist“: Wer sieht wird auch verstehen. Das Christentum war über Jahrhunderte hinweg nichts als eine Methode, die Menschen dumm zu halten, indem ihnen eingetrichtert wurde, dass es keine Wahrheit außer der in der Bibel verkündeten gibt und die Frauen klein und rechtlos zu halten. Damit der Klerus seinen patriarchalen Herrschaftsanspruch wahren kann. Genau dort setzt Lars von Triers „Antichrist“ an: Er versucht diesen männlichen Herrschaftsmythos ad absurdum zu führen. Und aufzuzeigen, wie die christliche Religion über Jahrhunderte die Sexualität der Frau als schmutzig und niedrig darstellte und die Frauen zwang in Scham und Schuld zu vegetieren…

    Wer aber immer nur aus einem Buch zitiert und nicht einmal weiß, dass dort nur das aus dem Christentum verewigt wurde, was den Herrschenden gefällig war und keinesfalls die Evangelien aufgenommen wurden, die ein gleichberechtigtes Bild von der Frau in Jesu Gemeinschaft zeichnen, sollte nicht unbedingt anderen die Welt erklären sollen!

    Es ist endlich mal an der Zeit über den Tellerrand zu sehen, auch den seines Glaubens. Und zu begreifen, dass das Wunder der Schöpfung und das Unbegreifliche, dass es dieses unendliche Universum mit uns darin gibt, die wir über unsere eigene physische Existenz hinaus schauen können, solch mannigfaltige Spiritualität in sich birgt, dass es einer Sünde gleichkommt, diese Wahrheit auf eine Loseblattsammlung zu reduzieren. Gleichwohl ob sie Bibel, Koran, Talmud oder sonstwie heißen mag.

    Mfg

    D. Athanassiou

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